Erstes Tor, erster Punkt

Die Woche:

1. Wichtiger als der sportliche Erfolg ist beim Club bekanntlich die finanzielle Konsolidierung. Da kündigt sich jetzt eine Einnahme von fast 30 Millionen Euro an. Das Geld kommt aus den Vermarktungserlösen der DFL. Dabei gilt das, nicht unbedingt Kurzweil fördernde Prinzip: Der Teufel scheißt am liebsten auf den größten Haufen. Nachdem der Club haufenmäßig inzwischen zu den Top 18 gehört, bekommt er natürlich einiges zusätzlich ab. Das Geld fließt allerdings erst zu Ende des Saison. Trotzdem ist es angesichts solchen Aussichten verschmerzbar, wenn sich alte Hoffnungen zerschlagen, wie etwa die, am Weiterverkauf des früheren Clubprofis Niclas Füllkrug partizipieren zu können.

2. Seine ominöse „Rippenprellung“ und plötzliche Schmerzen vor der eigentlich geplanten Einwechslung in Berlin nährten Gerüchte, wonach Eduard Löwen nach England wechseln könnte. Das vielseitig einsetzbare Clubtalent will sich aber lieber mit dem FCN in der Bundesliga durchbeißen. Gut so!

3. Am gestrigen Deadline Day, also kurz nach dem Schließen des Transferfensters, präsentierte der Club noch zwei Neuzugänge. Sie sollen die Probleme auf den Außenbahnen beheben. Dnd, so wie es aussieht, könnten die beiden dazu durchaus in der Lage sein (laut Transfermarkt beträgt der Marktwert derzeit 3 bzw. 5 Millionen). Virgil Misidjan hat schon gegen Ronaldo in der Championsleague gespielt und kommt vom bulgarischen Serienmeister Ludogorez Rasgrad für angeblich 2,5 Millionen. Von Sporting Lissabon, ebenfalls einer guten Adresse, wechselt Matheus Pereira zum Club. Viele sahen bei den beiden Neuzugängen aber erstmal die Haare in der Suppe. Bei dem auf Leihbasis verpflichteten Pereira musste der Club auf den postulierten Grundsatz Kaufoption verzichten. Bei Virgil Misidjan wurde vor allem ein noch offenes Verfahren thematisiert, das ihm vier Monate Knast einbringen könnte. Andererseits: Ohne irgendwelche Makel würde der klamme Club solche Transfers gar nicht realisieren können.

4. In Mainz hat sich AfD-Chef Alexander Gauland für heute angekündigt. Der FSV Mainz 05 nutzte das um so in der Zeitung für das Auswärtsspiel in Nürnberg zu werben:

Das Spiel:

Endlich wieder Erstligafußball in Nürnberg. Für die Fans ein lange vermisstes Ereignis. Auf dem Platz war der Neuigkeitswert erst einmal geringer. Wie schon in Berlin spielte der Club zwar gefällig, hatte ein Übergewicht was den Ballbesitz anging, aber vor dem Tor war er erneut zu harmlos. Bezeichnend die wohl beste Chance nach einer Viertelstunde. Palacios spielt Kubo schön im Strafraum frei. Statt zu schießen, dreht der sich aber erst einmal um die eigene Achse und die Gelegenheit war dahin. Und dann kommt nach 25 Minuten – wie schon in Berlin – das wohl umvermeidliche Nickerchen in der Abwehr. Aaron kann auf der linken Seite relativ ungehindert flanken und Mateta kommt im Strafraum ebenso ungehindert zum Kopfball, dem Bredlow nur noch hinterherschauen kann. So einfach kann man Tore schießen.

Das scheint der Mannschaft auch irgendjemand in der Kabine gesteckt haben. Denn in der zweiten Hälfte waren kaum drei Minuten gespielt, da ließ Kapitän Behrens eine Valentini-Ecke durch, irritierte so die Mainzer Abwehr und Ishak hämmerte den Ball rechts oben ins Eck. Aus elf Metern. Genau aus der Distanz scheiterte er in Berlin noch mit dem ruhenden Ball.

Auf einmal war nicht nur Stimmung im, mit 38.000 Zuschauern leider eher enttäuschend besetzten Max Morlock-Stadion, sondern auch auf dem Platz. Man merkte dem Club an: Da war ein Knoten geplatzt. Die Spieler schienen gemerkt zu haben, dass sie in der ersten Liga auch dort, wo es drauf ankommt, mithalten können. Der FCN erspielte sich Chance um Chance und hätte den Sieg eigentlich verdient gehabt. Aber irgendwie war entweder ein Mainzer Bein dazwischen oder es fehlte das nötige Glück. Zudem avancierte auch noch Gästekeeper Müller zum besten Mann auf dem Platz. Wobei immerhin auch Neuzugang Kubo andeutete, dass er uns noch viel Freude bereiten könnte.

Insgesamt waren es zwar verlorene zwei Punkte. Aber die Kurve beim Club zeigt eindeutig nach oben. Wenn der Lernprozess so weiter geht, dann gewinnen wir solche Spiele auch bald.

Ein Letztes:

Ein bisschen mehr kam am gestrigen Abend doch noch nach:

Wir melden uns vom Abgrund

Was war da nicht alles los, in der vergangenen Woche? Der Trainer wurde beurlaubt, verletzte und in Übersee weilende Spieler wurden einberufen. Die Spieler wurden kaserniert und bereits einen Tag früher nach Mainz gekarrt. Endspielmodus war angesagt. Impulse sollten gesetzt werden. Neu-Trainer Roger Prinzen machte die Schotten dicht, Zeitungslesen war nicht mehr angesagt, von Deppentum wollte er auch nichts mehr hören…

Gut, das Zeitunglesen hat man sich wirklich sparen können. Auf dem Mainzer Rasen war nämlich von all dem, was dort die letzten Tage zu lesen war, nichts zu sehen. Der Club spielte wie immer. Erstmal gefällig. Diesmal trabte auch der plötzlich wieder fitte Timothy Chandler wieder unermüdlich auf rechts entlang. Jedoch Gefälligkeit bedeutet noch keine Torgefahr. Aufs Mainzer Tor kam praktisch nichts. Die diesmal in Schwarz auftretende Clubelf rannte sich entweder schon vor dem Strafraum fest oder scheiterte mit langen, aber ungenauen Flanken. Und so war es wie immer. Der erste nenneswerte Angriff des Gegners brachte gleich den Rückstand. Schäfer kam nicht raus und der Mainzer Japaner Okazaki profitierte von der Orientierungslosigkeit unserer Deckung. Dann war auch schon – ebenfalls wie immer – die Luft raus. Das vorher noch ansatzweise erkennbare Selbstbewusstsein war weg und dass dann irgendwann das 2:0 fiel, war erwartbar. Die Mainzer konnten in der zweiten Hälfte den Vorsprung verwalten. Gefährlichkeit strahlte der Gegner schließlich nicht aus.

Es war also Business as usual. Nichts mit Impulsen. Nichts mit Neuem-Trainer-Effekt. Nichts mit Aufbäumen, Nichts mit Kämpfen bis zum Umfallen. Nichts mit Endspielmodus. Oder um es an der Denke von Clubmanager Martin Bader festzumachen: An Verbeek lag es offensichtlich nicht, dass der Club in dieser Saison auf keinen grünen Zweig kommt. Und wenn wir dann diese Denke weiterverfolgen, dann muss man sagen: Es liegt an der Mannschaft. Und wer ist für diese Mannschaft verantwortlich?

Eigentlich müsste Bader jetzt den Manager entlassen. Aber das geht ja nicht. „Wir melden uns vom Abgrund“, lautet einer der bekanntesten Sätze des Kultreporters Günther Koch. Jetzt ist es mal wieder so weit. Vielleicht kann er als Aufsichstrat mal anderweitig aktiv werden.

Alle auf die Couch!

Da fällt dir kaum noch was ein. Über den neuen Negativrekord will ich gar nicht reden. Den nehmen wir mit. Ist eh schon egal! Aber, bitteschön, gegen wen sollen wir denn einen Sieg einfahren, wenn nicht zuhause gegen Mainz? Zumal es ja nicht so ist, dass wir uns Ausrutscher leisten können, sondern eigentlich auch mal einen Sieg brauchen, den keiner erwartet.

Jetzt könnte man wieder darüber lamentieren, dass die Mannschaft doch gar nicht so schlecht war, dass sie über weite Strecken überlegen spielte, dass sie diesmal sogar einen Eckenrekord erzielte. Aber, damit ist halt kein Spiel zu gewinnen. Vor allem, was nützt es, wenn dann immer wieder Phasen kommen, in denen die Mannschaft praktisch um ein Gegentor bettelt. Da langen den anderen fünf Minuten Zielstrebigkeit um dem Club den Stecker zu ziehen.

Das Problem ist, dass das regelmäßig dann eintritt, wenn der Club knapp führt. Warum das so ist, das kann vielleicht ein guter Psychologe mal klären. Ich kenne sogar einen, der behauptet, die Wettmafia stecke dahinter und fördere die Unentschiedenbank FCN. Inzwischen glaubst du als gefrusteter Fan fast alles.

Für den Fans geht es aber noch mehr darum, irgendwoher Hoffnung schöpfen zu können. Neue Spieler? Angeblich soll es laut Aufsichtsrat Manfred Müller ein Sechser sein. Dabei hat der Club doch erst einen Sechser mit Hasebe gekauft. Balitsch ist auch einer, der wieder mittut. Frantz nicht zu vergessen. Vielleicht geben mehrere Sechser einen richtigen. Nach einem richtigen Plan sieht das allerdings nicht aus.

Über Weihnachten alle auf die Couch! Was besseres fällt mir im Augenblick auch nicht ein.

Pelle und Kiyo, das magische Zweieck

Wer solche Spiele gewinnt, der wird Meister. Hat man früher gesagt. Meister sind allerdings schon die Bayern. Aber ein Platz in Europa ist drin. Da will eh keiner hin. Auch die Mainzer ganz offensichtlich nicht. Also könnte ja der Club…

Doch der Reihe nach. Mit Mainz und dem Club trafen im Max-Morlock-Stadion die beiden Unangenehmen aufeinander. Dass das kein schönes Spiel werden würde, war zu erwarten. So kam es dann auch. Kaum ein zuende gebrachter Spielzug, kaum Torszenen, jeden Menge Fehlpässe und Nicklichkeiten. Die erste Halbzeit war eigentlich eine zum Vergessen, wenn da nicht die 27. Minute gewesen wäre. Da hatte Javier Pinola mal wieder einen Aussetzer. Sein Mann tauchte plötzlich mutterseelenallein vor Schäfer auf, wurde aber von dem hinterherlaufenden Pino noch zu Fall gebracht. Über den Elfer brauchte sich niemand zu beschweren. Höchstens über die ausgebliebene gelbe Karte. Doch die Mainzer konnten mit diesem Geschenk nichts anfangen. Szalai verschoss. Wahrscheinlich hatte ihm keiner gesagt, dass Rapha nun nicht gerade der klassische Elfmeterkiller ist. Aber diesmal hätte er ihn vielleicht gehabt. Jedenfalls war er in der richtigen Ecke.

Auch die zweite Halbzeit begann mit gefährlicheren Mainzern und einem Club, der irgendwie schläfrig wirkte. Doch es gibt ja noch die Standards und da hat der Club zwei, die das beherrschen. Das magische Zweieck: Kio und Pelle. Erst besorgte Pelle Nilsson auf Vorlage von Hiroshi Kiyotake das doch reichlich überraschende 1:0. Nach dem ebenso überraschenden Ausgleich, sorgten die beiden dann auch für die erneute Führung. Verteidiger Nilsson ist damit mit fünf Treffern Topscorer beim Club und Kiyo der Topvorlagengeber der gesamten Liga.

Der Club holte also einen Dreier gegen einen Mitkonkurrenten um einen Platz in der Europaleague. Verdient war der Sieg vielleicht nicht. Aber wie gesagt, wer solche Spiele gewinnt… Im übrigen sind wir nach wie vor europaskeptisch.

Nicht unser Abend

Tja, es ist leider wieder einmal so, dass uns Mainz zeigt, wie´s geht. Wie man spielt, wenn man eigentlich keine überragenden Spieler hat, weil man sich die nicht leisten kann. Man muss den Gegner ausgucken und dann die Taktik drauf einstellen. Mainz spielte eigentlich nur eine knappe halbe Stunde gut, entfachte da aber so viel Druck, dass der Club kaum noch Luft holen konnte. Entsprechend gab es dann die Fehler. Im Mittelfeld machte der Club kaum einen Stich, ließ sich deshalb stark nach hinten drängen. Beim 1:0 war es noch notwendig, dass sich Plattenhardt ausspielen, Klose den Ball durch die Beine schießen und Rakovsky ihn – obwohl eigentlich haltbar – reingehen ließ. Beim 2:0 reichte dann ein einfacher Doppelpass um die Viererkette auszuspielen. Danach war Mainz zwar nicht platt, musste es aber deutlich ruhiger angehen lassen. Der Club kam wieder. Sogar zum Anschlusstreffer, was ja vor der Pause psychologisch angeblich günstig ist.

Für den Club war es leider nicht günstig. Der kam zwar in der zweiten Halbzeit, machte dann fast genau das, was Mainz in den ersten Spielphase praktizierte: Er dominierte im Mittelfeld schnürte die Mainzer teilweise in der eigenen Hälfte fest. Aber leider kam nichts Zählbares dabei raus. Bezeichnend war der Dreifachwechsel durch Trainer Hecking. Gebhart (diesmal leider wieder der Alte), Esswein (leider immer noch der Alte) und Balitsch (wohl eher aus taktischen Gründen) mussten raus, Frantz, Polter und der rehabilitierte Robert Mak kamen rein. Hecking probierte es also wieder mit zwei Stürmern. Aber die sind in der Saison leider irgendwie gehemmt, weshalb es nichts wurde mit dem Ausgleich.

Freilich lag es auch an den Mainzern und am Schiedsrichter-Gespann, warum am Ende ein konstruktives Spiel etwas schwierig wurde. Aber auch das ist Taktik. Damit muss man umgehen können.

Jetzt hocken wir leider wieder unten drin und der Eindruck drängt sich auf: Das vor dem Wolfsburgspiel war keine Krise, das war der Normalzustand. Aber auch in dem könnte man – an guten Tagen – solche Spiele gewinnen. Doch dann muss alles passen. Hinten darf keiner Fehler machen, vorne muss mal einer glücklich treffen und der Gegner dürfte halt auch nicht jede Chance gleich reinmachen.

Bezeichnend übrigens, dass nach dem 2:0 Twitter schlapp machte und erst kurz vor Schluss wieder korrekt arbeitete. In jeder Beziehung war das heute also nicht unser Abend.

Zu spät aufgewacht

In Mainz lief der Club diesmal in schwarzen Trikots auf und schon nach zwei Minuten musste man schwarz sehen. Da lagen die Mainzer bereits in Führung. Auch danach wachte die Mannschaft nicht auf und kassierte prompt das nächste Tor. Wenn man nicht unterstellen will, dass da irgendwelche Sedativa in den FCN-Getränken waren, dann war es wohl eine Mischung aus falscher Taktik und Überheblichkeit. Da dachten beim Club wohl einige: Wir können uns auf unsere sicher stehende Abwehr verlassen und dann irgendwann mit einem Konter die Mainzer platt machen. Doch die Strategie ging voll daneben. Ausgerechnet die beiden gegen Mönchengladbach noch super aufspielenden Innenverteidiger liefen orientierungslos übers Spielfeld und die Mainzer waren dem 3:0 in der ersten Hälfte näher als der Club dem Anschlusstreffer.

Noch nicht einmal eine nennenswerte Torchance wurde bis zur 64. Minute herausgespielt. Doch dann zog Daniel Didavi einfach mal ab und sein Schuss wurde dankenswerterweise von einem Mainzer unhaltbar abgefälscht. Jetzt erst war beim Club mehr Druck nach vorne zu spüren, der durch die Einwechslung von Robert Mak noch verstärkt wurde. Als dann sechs Minuten vor dem Spielende Adam Szalai von den Mainzern wegen einer Schwalbe mit Gelb-Rot runter musste und der Club in Überzahl war, zitterten und wackelten die Mainzer. Der Club entwickelte unheimlich Druck. Doch leider wars dann nichts mehr mit dem Ausgleich. Schade! Der wäre eigentlich verdient gewesen. Aber wer zu lange pennt, den bestraft das Leben.

Jedenfalls war es heute nichts mit dem Abschied vom Abstieg. Jetzt muss halt ein Sieg gegen Wolfsburg her.

Merke: Der Club zerrt immer an den Nerven

Man sollte nie, nie, nie beim Club denken, dass wird heute ein entspannter Spieltag, heute werden mal sicher und souverän drei Punkte eingefahren. Nicht einmal wenn es zuhause gegen einen in dieser Saison eher bescheiden aufspielenden FSV Mainz 05 geht.

Nach 19 Minuten führte der Club mit 2:0. Mainz wirkte nie so, als hätte es da irgendetwas dagegenzusetzen. Der Club hatte alles im Griff und wir lehnten uns zurück, twitterten „läuft!“ und hakten bereits einen Heimsieg ab.

Aber der Club ist halt der Club. Dazu gehört auch, dass scheinbar problemfreie Mannschaftsteile wie die Innenverteidigung plötzlich ins Schwimmen geraten, blöde Fehler machen und einen schon am Boden liegenden Gegner aufbauen. Das 2:1 hätte man ja noch wegstecken und da weiter machen können , wo man zuvor aufgehört hatte. Nicht so der Club. Der war plötzlich völlig von der Rolle, kassierte vor der Pause noch den Ausgleich und wer gedacht hatte, in der Pause werde dann wieder Ruhe einkehren, der sah sich getäuscht. Die Mainzer gingen danach noch in Führung. Der Satz „der Club ist ein Depp“ wurde allerorten wieder ausgemottet – und zwar durchaus nicht unberechtigt. Eigentlich sah es nämlich auch nicht danach aus, als könnte die Nürnberger Mannschaft der drohenden Niederlage irgendetwas entgegen setzen.

Dass Pekhart dann doch noch der Ausgleich gelang, war eher Mainzer Unzulänglichkeiten als einem FCN-Aufbäumen zu verdanken. Trotzdem: Das Tor war enorm wichtig. Der Deppensatz kann weggepackt werden und die Psyche ist nicht völlig im Eimer. Außerdem hat der Club wenigstens einen Konkurrenten um den Abstieg nicht total aufgebaut.

Goodbye Europa!

Manche hatten es zum Endspiel hochstilisiert,. Andere immerhin ein klein wenig tiefer gehängt. Trotzdem: Es ging um Europa. Genauer gesagt um Platz 5, der den Einzug in die Europa-League bedeutet hätte. In Nürnberg stand für viele das ganze Osterfest im Zeichen des Duells mit Mainz 05. Der Club hatte die Riesenchance, eine tolle Saison zu krönen. Und dann das!

Ein Grottenkick im Frankenstadion. Ein Stunde lang Abtasten. Bloß nichts riskieren. Mittelfeldgeplänkel. Spielverlagerung in den Schatten. Verzweiflungsschüsse, etc.pp.

Irgendwann gegen Schluss wachte dann der Club doch auf. Wahrscheinlich hatte jemand den Spielern gesagt, wenn ihr nicht gewinnt, dann wird das nichts mehr mit der Europaleague. Es stehen nämlich noch Auswärtsspiele gegen Dortmund und Hannover an. Da war ein Dreier gegen Mainz praktisch unverzichtbar.

Doch das Aufbäumen kurz vor Schluss blieb dann leider ohne Erfolg. Wieder einmal hatte ein Schiedsricher was dagegen. Diesmal hieß er Manuel Gräfe. Der besaß einen ganz speziellen Sehfehler und glaubte, dass nur die Nürnberger Arme an ihren Oberkörpern hängen haben. Bei den Mainzern pfiff er jedenfalls klare Handspiele konsequent nicht. Bei den Nürnbergern (Mak) brach er verheißungsvolle Angriffe ab, weil der Ball dem Stürmer blöd an die Hand sprang. Kann man machen, wenn man die Order hat, dem ZDF für die Europaliga Anfahrtskosten zu sparen. Als Unparteiischer sollte man sich dann aber nicht mehr bezeichnen.

Aber wir wollen die Schuld nicht nur bei anderen suchen. Beim Club mangelte es an Einfällen, blieb viel Stückwerk. Da hat man sich vor lauter Abwarten und Abtasten irgendwann selbst eingelullt. Der Sturm scheint eher eine Schlechtwettersturm zu sein. Bei schönem Wetter trifft er nicht. Schieber war nur ein Schatten seiner selbst (der Schieber am Platz war diesmal ein anderer). Eigler hätte heute mal wieder der Mann für die wichtigen Tore sein können. Aber offenbar schien es ihm nicht wichtig. Selbst bei einer Niederlage hätte Mainz mit dem besseren Restprogramm noch gute Chancen auf die Europaleague-Teilnahme gehabt.

Muss Europa halt ohne uns leben! Wer weiß, wofür es gut ist.

Brav spielen reicht nicht

2199527957Klar, man kann beim Tabellenzweiten verlieren. Erst recht, wenn man von allen Fachleuten als Abstiegskandidat Nummer 1 eingestuft wurde. Insofern geht das 3:0 in Mainz in Ordnung. Aber wirklich nur insofern.

Fast 90 Minuten lang war der Club nämlich die bessere Mannschaft, spielte überlegen, arbeitete sich Chancen heraus, hatte das Spiel weitgehend im Griff. Die Mainzer hatten gerade einmal dreieinhalb Möglichkeiten, ein Tor zu machen. Insofern hat die Clubmannschaft sicher die Vorgaben des Trainers gut umgesetzt. Brave Schüler! Machen das, was der Lehrer sagt. Bloß: das wissen auch die Nichtfußballer unter uns: Wer nur das macht, was der Lehrer sagt, der hat schon verloren.

Genauso erging es dann auch dem Club am Bruchweg. Er spielte nett, gar nicht schlecht, aber dann fehlte nicht bloß am Ende die Präzision, sondern auch das, was den Erfolg ausmacht: mal ein origineller Gedanke, mal ein unorthodoxer Spielzug…und der liebe Gott half auch nicht mit, schon gar nicht Schiri Gagelmann.

Ganz anders die Mainzer: Die können auch schlecht spielen. Die können auch einen Gegner kommen und die Musik machen lassen. Die wissen nämlich: Wir können Standards. Denen langt schon eine Ecke, ein Freistoß in der gegnerischen Hälfte und schon brennt es.

Was sagt uns das? Ekici stand zwar in den letzten Spielen eher neben sich, dennoch ist genau er einer, der nicht nur den braven Fußballstreber geben kann, der auch mal selber was Überraschendes anzetteln kann. Dass der zunächst auf der Bank saß, war sicher von Nachteil. Dass der Club mit dem Üben der Standards noch nicht so weit ist, wissen wir schon länger. Dass der Club beim Entleihen von Marcel Risse (bester Mann bei Mainz) einen Fehler gemacht hat: geschenkt! Dass der Club Judt und nicht Allagui von den Fürthern geholt hat, Schwamm drüber! Dass der Club allerdings in der Adventszeit überhaupt antritt und nicht alles tut, um Spiele zu diesem Zeitpunkt ausfallen zu lassen – notfalls muss man halt die Unterschrift der Eltern fälschen – das ist unverzeihlich. Warum? Das erzählen wir euch das nächste mal. Da geht es nämlich gegen den Spitzenreiter Dortmund und da wird man mit nur schön Spielen erst recht nicht punkten.

Selten erlebte Überlegenheit

Nuremberg_20vs_20Mainz_2005__15660148__MBQF-1270305797,templateId=renderScaled,property=Bild,height=349Zunächst wollen wir mal Schiedsrichter Michael Weiner danken. Man muss solche Gelegenheiten nutzen. Jedenfalls schickte Weiner bereits in der 4. Minute den Mainzer Andreas Ivanschitz (Bild) vom Platz. Hätte man nicht unbedingt tun müssen. Aber für uns war das ok, bescherte uns das doch einen relativ relaxten Fußballnachmittag.

Der Club war drückend überlegen. Die Mainzer Konter waren nicht wirklich erschreckend. Was eher nervte war die Chancenauswertung. Eigentlich hätte es auch fünf- oder sechsmal im Mainzer Kasten klingeln können. Aber wir wollen nicht unbescheiden sein. Das 2:0 war jedenfalls mehr als verdient.

Ob diese Überlegenheit auch einen Mainzer mehr vertragen hätte? Man weiß es nicht. Ist auch egal. Hauptsache 3 Punkte. Wichtige 3 Punkte, denn Bochum wurde damit überholt und zu Freiburg wurde der Abstand um 2 Punkte erhöht.

Was an sich auch toll ist, dass die „Jungen“ Mike Frantz, Marcel Risse, Ilkay Gündogan und Eric-Maxim Choupo-Moting Klasse spielten und daher große Hoffnung für die Zukunft machten. Leider dürften wohl höchstens zwei von ihnen beim Club bleiben. Juri Judt, mit dem vergangene Woche der Vertrag verlängert wurde, saß dagegen 85 Minuten auf der Bank, Also, selbst wenn es der Club noch schaffen sollte mit dem Bundesligaerhalt, dann dürfte in der nächsten Saison wieder Abstiegskampf angesagt sein. Da muss man solche seltenen Momente wie gegen Mainz erst recht genießen.