Zum Saisonstart

  • Selbst in spielfreien Zeiten wird der Clubfan mit ausreichend Lektüre beglückt. Die Substanz kann zwar nicht mit der Menge Schritt halten. Aber wenn ein Verlag einem Journalisten schon den Auslandsaufenthalt im österreichischen Trainingslager bezahlt, dann muss eben auch geliefert werden. Zum Ausgleich haben wir uns in vornehmer Zurückhaltung geübt und kommen erst jetzt – nachdem sich der Nebel gelichtet hat – zurück.
  • Neun neue Spieler hat der FCN verpflichten können. Der teuerste (2,5 Millionen) war Nikola Dovedan (offensives Mittelfeld) vom 1. FC Heidenheim. 2 Mio. soll Rechtsaußen Iuri Medeiros von Sporting Lissabon gekostet haben, wo auch der – leider inzwischen wieder zurückgekehrte, aber von Schalke 04 umgarnte – Matheus Pereira kickt. Für jeweils eine halbe Million wechselten Robin Hack (Linksaußen aus Hoffenheim) und Asger Sörensen (Innenverteidiger aus Salzburg) nach Nürnberg. 450.000 Euro kostete Fabian Schleusener (Stürmer vom SC Freiburg). Für Linksverteidiger Tim Handwerker flossen 300.000 Euro nach Köln. Ablösefrei konnte sich der Club zuvor schon Felix Lohkemper (Mittelstürmer vom FC Magdeburg), Oliver Sorg (Rechtsverteidigeer von Mitabsteiger Hannover 96) und Andreas Lukse (Ersatz für Keeper Mathenia von Trainer Canadis früheren Verein SCR Altach) schnappen.
  • Allerdings hatte der Club auch einige – mehr oder weniger – schmerzliche Abgänge zu verzeichnen. Ewerton und Tim Leibold werden künftig den Aufstiegskonkurrenten HSV unterstützen. Ebenfalls zur Konkurrenz (VfB Stuttgart) wechselte Fabian Bredlow. Eduard Löwen wird bei Hertha BSC weiter in der ersten Liga aktiv sein. Immerhin elf Millionen Euro brachten diese Abgänge dem FCN ein, so dass – Stand jetzt – ein Transferplus vor rund fünf Millionen bleibt. Zu ihren Stammvereinen zurück kehrten die Leihspieler Robert Bauer (Werder Bremen), Timothy Tillman (FC Bayern), Yuya Kubo (KAA Gent) und der bereits erwähnte Matheus Pereira (Sporting Lissabon). Noch unklar ist, wo Ivo Ilicevic und Edgar Salli landen. Bei beiden ist der Vertrag ausgelaufen.
  • Die Testspiel-Bilanz ist eher durchwachsen. Peinlichen Niederlagen gegen Bayreuth und Basel stand zum Schluss immerhin ein achtbares 1:1 gegen Paris Saint-Germain gegenüber. Eher im Zeichen der Fanfreundschaft stand das Spiel gegen Rapid Wien. Dass es eine 1:2-Niederlage gab, spielte da eine untergeordnete Rolle. Andererseits wissen wir nicht nur aus dem letzten Jahr, dass die Zahl der Testspielerfolge kaum Rückschlüsse auf den Saisonverlauf zulässt. Ernst wird es erst am Samstag in Dresden. Zumindest zeigt das Transfergeschehen, dass der Club hinter den Mitabsteigern und Fastaufsteiger HSV rangiert. Insofern ist es sicher nicht verkehrt, dass Neu-Trainer Damir Canadi zwei Jahre für den Wiederaufstieg eingeräumt werden.
  • Was das nichtspielende Personal angeht, hat sich die angekündigte Zusammenarbeit mit Peter Hermann leider zerschlagen. Dafür wurde die in der Vergangenheit häufig bemängelte Einbindung früherer Clubspieler vorangetrieben, neben Tomas Galasek und Dieter Frey ist jetzt auch Andreas Wolf fest am Valznerweiher engagiert. Apropos Wolf. Der war nicht immer nur der resolute Abräumer, sondern machte in seiner aktiven Zeit auch einige Verunsicherungsphasen durch, weshalb die Clubfreunde damals an die eher unrühmliche Mentalcoachperiode beim FCN erinnerten. Der kehrte jetzt zum zwischenzeitlich verpönten „Psychoquatsch“ zurück und ließ im Trainingslager zwei „Teambuilder“ aufmarschieren.
  • Im Testspiel gegen Paris brillierte mit Federico Palacios ausgerechnet einer, dem beim Club keine bedeutende Rolle zugedacht war. Zudem standen mit Hack und Sörensen lediglich zwei Neuzugänge auf dem Platz. Entweder ist also noch einiges an Integrationsarbeit zu leisten oder es erweist sich, dass der zweite Anzug (Canadi setzt da auch auf seinen bislang kaum eingesetzten Landsmann Lukas Jäger) durchaus ausbaufähig ist.

Ein Letztes:

Beim offiziellen Mannschaftsfoto vermittelte ein „Blitzer“ den irrigen Eindruck, Nürnberg sei eine Radlerstadt:

Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

Wie man es macht, ist es verkehrt. Eigentlich dachte ich: der Worte sind genug gewechselt. Deswegen hielt ich mich zurück, und vertraute darauf, beim Patienten mögen vielleicht die Selbstheilungskräfte einsetzen und eine Wende herbeiführen. Wenn jemand unter schweren psychischen Belastungen leidet, ist es manchmal gut, das Thema zu wechseln und so diesen Belastungen die Bedeutung zu nehmen.

Nun kommen aber Kommentatoren hier im Blog (Wolferl!) und in den Netzwerken daher und werfen uns Sprachlosigkeit vor. Uns! Also ob wir nicht wüssten, was wir tun. Also ob wir nicht alles schon gesagt hätten. Nur vielleicht nicht zu jedem. Verwiesen sei nur auf das reichhaltige Oeuvre zu den Bereichen Angst und Mentalcoach.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, jetzt doch die Stimme zu erheben: Eventuell dürfte dieser Tage ein gewisser Dave bei der Geschäftsstelle vorsprechen, für dessen Verpflichtung wir uns hier schon einmal vehement ins Zeug legen wollen. Der Mann weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss. Also, Club, stell ihn ein!

Hier unsere Twitter-Konversation während des Frankfurt-Debakels. Auch als Beweis dafür, dass Hölderlin Recht hat mit seinem Satz: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Nur vielleicht nicht am Valznerweiher.

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Am Valznerweiher grassiert nämlich Morbus glubb. Eigentlich eine Banalangst, die Ähnlichkeiten mit Morbus brasil aufweist und die wir einmal populärwissenschaftlich als „Angst in das Loch zu fallen, in dem man schon steckt“ beschreiben wollen oder auch als Self-fullfilling Prophecy für das Worst-Case Scenario. Banalangst heißt allerdings nicht, dass die Folgen banal wären, das haben wir schließlich in der vergangenen Saison schon gemerkt. Wir beziehen uns dabei auf den oben erwähnten, deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann, der von vier Grundformen der Angst spricht, auf die sich die Banalängste beziehen. weiter lesen

Hilft ein Mentalcoach?

Kollege vip und Blog-Leser Weizenkeim haben angeregt, dass die verunsicherten Club-Profis dringend einen Mentaltrainer brauchen, um wieder in die Spur zu kommen. Und gerade die verunsicherten Verteidiger Wolf und Nilsson könnten vielleicht etwas psychische Aufbauarbeit gebrauchen. Zumal Nilsson ein Jahr auf der Hoffenheimer Ersatzbank hinter sich hat und auch Kapitän Wolf in der vergangenen Saison alles andere als brillierte. Keine gute Basis, um ein unüberwindliches Bollwerk zu bilden…   
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