Eine Ära geht nie so ganz

Am Mittwoch wird beim 1. FC Nürnberg ein neuer Aufsichtsrat gewählt. In der Jahreshauptversammlung werden die Zeiten als Präsidenten – teilweise nach Gutsherrnart – den Verein regierten beendet. „Eine Ära geht zu Ende“ sagte das für die Finanzen zuständige Vorstandsmitglied Ralf Woy.

20101002 Schäfer mit Schneider und SchmausAber keine Ära geht so ganz. Irgendwie wirkt sie auch noch in die neue hinein bzw. versuchen diejenigen, die in der alten das Sagen hatten, auch in der neuen noch mitreden zu können. Das mag zwar menschlich verständlich sein, denn Loslassen-können gehört nun einmal nicht zur hervorragenden Eigenschaft des homo sapiens. Demokratisch ist sowas aber nicht. Daher regen sich diejenigen, die aus Liebe zum Club (vielleicht aber auch aus anderen Motiven) jetzt ebenfalls einen der drei freien Sitze im Aufsichtsrat anstreben, aber nicht zu den Favoriten des alten Präsidiums zählen, mit Recht auf. Mehr dazu ist bei den Kollegen aus der Nordkurve zu finden. Wir brauchen das hier also nicht noch einmal ausführen.

Dennoch sei angemerkt: Auch zu solchen Geschäften gehören immer zwei, einer der unzulässige Wahlempfehlungen ausspricht und einer der brav dem Vorblöker folgt. Wir wünschen daher dem letzten Clubpräsidenten Franz Schäfer (links im Bild, mit Siegfried Schneider und Vize Lothar Schmauß) alles Gute und hoffen, dass die Mitglieder eine gute Wahl treffen.

Inzwischen stehen elf Kandidaten für die drei Aufsichtsratsplätze zur Wahl (hier die Namen).

Jetzt beginnt die Trainerdiskussion

Germany Soccer BundesligaMit dem 0:4 war der Club in Dortmund noch gut bedient. Was da im Strafraum teilweise abgelaufen ist, spottete jeder Beschreibung. Ersatzkeeper Alexander Stephan war da noch der Abgeklärteste. Wenn dann ein Andreas Wolf nach dem Spiel den Leitwolf mimt und fordert, die Kollegen müssten sich mehr reinhängen, dann nervt das nur noch. Wolf war einer der schlechtesten Spieler auf dem Platz. Allein wie er sich beim 0:3 hat vorführen lassen. Da wäre er gut beraten gewesen, den Mund zu halten und in sich zu gehen. Überhaupt sind es längst nicht mehr die so genannten Jungen, die die Spiele vergeigen, sondern die angeblichen Leistungsträger.

Dabei sah es die ersten Minuten gar nicht mal so schlecht aus. Der Club spielte engagiert nach vorne. Aber halt nur ein paar Minuten. Prompt kassierte er dann den Gegentreffer. Wahrscheinlich dachten die Clubspieler: Wir machen es wie Freiburg, hauen denen erst einmal einen rein und rühren dann hinten Beton an. Aber sowohl das Reinhauen, wie das mit dem Beton kann der Club nicht. Außerdem ist der BVB nicht irgendwer. Der, das weiß halb Fußballdeutschland, tut sich schwer, wenn jemand nur hinten drin steht. Wenn aber eine (schlechtere) Mannschaft anfängt mitzuspielen, dann schlachten die die ab.

Womit wir beim Trainer wären. Auf Twitter wurde noch während des Spiels die Trainerdiskussion eröffnet. Micheal Oenning müsse jetzt den Hut nehmen, forderten etliche. Konkreter formulierte boehmmi Oennings Fehlleistungen: „Was hat sich unser Trainergott dabei gedacht, in der Halbzeit beim Stand von 3:0 Judt einzuwechseln?“ Max-Jacob Ost (aka: GNetzer) schrieb allerdings genauso richtig: „Ob wir den neuen oder den alten Club erleben, sehen wir daran, wer in der nächsten Woche auf der Trainerbank sitzt.“ Will heißen: Wenn noch Roth am Ruder wäre, wäre Oenning jetzt wohl fällig. Aber das hat damals auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Allerdings: Oenning, das muss man wohl so feststellen, ist wohl derjenige, der derzeit am meisten Lehrgeld zahlt. Wie lernfähig er ist, und ob sich diese Lektionen auszahlen und dem Club noch einmal zugute kommen, wir wissen es nicht. Oenning ist mit Sicherheit kein Schlechter. Aber ihm fehlt in der ersten Liga die Erfahrung. In der zweiten hat sie ihm auch gefehlt, da hat er sie sich im Laufe der Saison aber angeeignet. Ob das diesmal wieder klappt?

Eines ist jedenfalls klar: Ein in der Weihnachtspause nachgekaufter Stürmer wird es alleine nicht bringen, selbst wenn der Club das Geld für einen Luca Toni aufbringen könnte.

Erst das Spiel, dann den Humor verloren

Eigentlich sollte man beim Club ja andere Sorgen haben. Aber offenbar scheint manchen Verantwortlichen dort die Erstligaluft zu dünn zu werden. Da begibt man sich lieber auf die Kleinkleckersdorf-Ebene, in der Hoffnung sich dort wenigstens auszukennen. Und prompt langt man sogar da daneben.
Heute hat sich der Club jedenfalls schriftlich bei unserer Zeitung über den Abdruck dieses Gymmick-Cartoons beschwert:

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Ich würde mal sagen: Entweder man lacht oder man lacht nicht. Sollte der Club nun aber anfangen wollen, sich über jeden schlechten Scherz zu beschweren, der über ihn gemacht wird, dann wünsche ich viel Spaß, da gibt´s nämlich einiges zu tun!

Nach drei Spielen herrscht schon Ratlosigkeit

01_rausch_dpaAlso, nochmal: Der Club wird in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpfen. Manche haben sich bei der ersten Heimpleite noch damit getröstet, dass Schalke ein Meisterschafgtsanwärter ist, gegen den man durchaus auch verlieren kann. Von Hannover 96 kann das gewiss keiner behaupten. Doch gegen die Hannoveraner lief es noch schlechter als gegen Schalke. Im Prinzip ging vorne und hinten nichts zusammen. Einzig Torwart Raphael Schäfer scheint über jeden Zweifel erhaben.

Das Sturmproblem hat sich längst ins Mittelfeld verlagert. Wenn von dort nichts kommt, kann vorne auch keiner was versieben. Und eine in der zweiten Liga sattelfeste Abwehr ist nicht automatisch in der ersten genauso sattelfest. Dass jetzt Schäfer und Charisteas an der Taktik herumkritteln und damit Trainer Michael Oenning eins mitgeben, kann man positiv so interpretieren: Da machen sich Füherungsspieler auch Führungsgedanken. Wenn man archaische Autoritätsvorstellungen besitzt, dann wäre sowas aber der Anfang vom Ende einer Traineranstellung. Bei Michael A. Roth hätte man schon Oennings Tage zählen können. Aber der ist nicht mehr am Ruder.

Vielleicht kann Oenning, was die Taktik angeht (viel zu sehr auf den – zugebenermaßen verdienten – Marek Mintal abgestimmt) über seinen Schatten springen – Autorität hin oder her. Schön wäre allerdings auch, wenn endlich was gegen die Unfähigkeit der Mannschaft bei Standards getan würde.

Doch das wäre alles wurscht, wenn – wie in der vorvorletzten Saison drei Mal – gegen Stuttgart ein Sieg eingefahren würde. Nach dem heutigen Auftrit können wir uns das allerdings nur schwer vorstellen.

Schäfer, der letzte

Wenn man sich überlegt, welches Theater wir mit unserer Umfrage zur Roth-Nachfolge hatten. Wie sich da manche reingehängt haben, um den einen Kandidaten hochzuvoten und einen anderen zu verhindern… Und wozu? Für nichts und wieder nichts!

Der Club will nämlich das Präsidententum abschaffen, modern und schlanker werden. Interimspräsident Franz Schäfer wird, wie er selber sagt, wohl der letzte Clubpräsident sein.

Wir könnten jetzt wieder mal anmerken, dass wir dem Präsidentenamt keine Träne nachweinen. Aber das bekommen sicher wieder manche in den falschen Hals. Eine Erfolgsgeschichte ist das Clubpräsidententum dennoch nicht, Roth hin oder her. Insofern kann man auf dieses Amt gern verzichten.

Ergebnis des Clubpräsidenten-Votings

Bevor noch mehr Leute sinnlos Lebenszeit mit Dauerklicken verschwenden oder weiter ihre Klickroboter bemühen müssen, ziehen wir hier jetzt einen Schlussstrich unter unser Clubpräsidenten-Voting.

Für diejenigen, die das Voting nicht dauernd verfolgt und alle Kommentare und Tweets gelesen haben, fassen wir noch einmal kurz zusammen:

Kurz nachdem das Voting online war, hat Ged Schmelzer (Bild) innerhalb von zwei Stunden knapp 150 Stimmen bekommen. Damit lag er natürlich erst einmal meilenweit vorne. Als das die Schmelzer-Gegner – und davon gibt es unter denjenigen Clubberern, die sich noch an dessen Amtszeit erinnern können, sehr viele – mitbekamen, gab es natürlich Protest in den Kommentaren und massenhaft Gegenklicks, die zumeist Andreas Köpke zugute kamen. Inzwischen führt jetzt auich Köpke mit 36 Prozent vor Schmelzer mit 27 Prozent (zieht man dort die 150 ab, wären es allerdings gerade mal 2,5 Prozent).

Hinter diesen beiden mit Vorsicht zu genießenden Klickergebnissen rangieren dann schon ziemlich abgeschlagen Klaus Wübbenhorst (7 Prozent), Hans Meyer (6), Günther Koch (6), Lothar Matthäus und Dieter Eckstein (je 5). Renate Schmidt, Franz Schäfer und Markus Söder kamen jeweils nur auf 2 Prozent.

Interessant ist, welche Namen sonst noch in die Diskussion geworfen wurden. Etwa Jürgen Klinsmann, Günther Beckstein, die Hoeneß-Brüder oder Marc Öchler – aber auch vergleichsweise eher Unbekannte, wie Alexander Bösch, Beder Herzner, Peter Hammer, Konni Winkler, Bruno Weizenkeim oder unser Clubfreund Thomas Susemihl. Auch der Ex-Sportchef der NZ, Dieter Bracke, wurde zwei Mal genannt. Einer schlug „seine Oma“ vor, ein anderer „einen arbeitslosen Clubfan“. Kommentator „kruemmel“ hält seine Frau für hervorragend geeignet: „Sie ist ein Finanzwunder“. Nicht zu vergessen auch noch die Drei-Dieter-Lösung (Eckstein, Lieberwirth, Nüssing).

Wenn also im nächsten Jahr ernsthaft über die Roth/Schäfer-Nachfolge entschieden wird, besteht zumindest kein Mangel an Kandidaten vorhanden. Hoffentlich haben die „Oma“ und das „Finanzwunder“ dann auch die Gelegenheit, sich entsprechend zu präsentieren.

Und noch was: Gerd Schmelzer soll, so erklärte uns ein Kollege, der häufiger mit ihm zu tun hat, überhaupt kein Interesse an einer Kandidatur haben.

Punktabzug für Schmelzer

Online-Umfrage sind nicht repräsentativ. Das haben wir jetzt wieder einmal selbst bewiesen bekommen. Innerhalb von einer Stunde erhielt der frühere Club-Präsident Gerd Schmelzer (hier ein Bild aus seiner Präsidentenzeit) bei unserer Umfrage „Wer soll Club-Präsident werden?“ 150 Stimmen. Die Mühe, die sich da jemand gemacht hat, in allen Ehren, dennoch hat das DCS (Drei-Clubfreunde-Schiedsgericht) entschieden: Am Ende der Saison bekommt Schmelzer die 150 Punkte wieder abgezogen.

Wir werden also nicht -wie manche vorgeschlagen haben – die Umfrage noch einmal neu starten. Schließlich wären dann die korrekten User, die bereits abgestimmt haben, auch bestraft worden. Auch auf den Hinweis von Lothar Matthäus auf unserem Twitteraccount werden wir nicht reagieren. Er schrieb uns:

Ich will eng mit einer Mannschaft zusammenarbeiten, nicht Präsident werden. Versuche mit schwierigen Aufgaben mich zu empfehlen.

Ob der Twitter-Matthäus ein Fake ist, spielt für uns hier nicht einmal eine Rolle. Wir werden Matthäus trotzdem weiter im Voting drin lassen. Schließlich soll der neue Präsident erst in eineinhalb Jahren sein Amt antreten. Bis dahin könnte es leicht sein, dass Lodda nicht einmal mehr in Ungarn eine Traineranstellung bekommt.

Wer soll Clubpräsident werden?

Michael A. Roth hat den Präsidentenstuhl beim Club überraschend geräumt. Da Franz Schäfer vorerst als Interimspräsident fungiert, hat der FCN noch Zeit, sich die Nachfolge zu überlegen. Wir eröffnen trotzdem schon einmal die Diskussion darüber, und starten eine Umfrage. Schließlich sollten solche Entscheidungen nicht nur ein paar – oft nicht so sehr im aktuellen Geschehen verhaftete – Aufsichtsräte treffen, auch die Fans müssen hier gehört werden.

Zu unseren Vorschlägen: Wir haben einerseits die Namen, die im Augenblick im Gespräch sind, aufgeführt, wie GfK-Chef Klaus Wübbenhorst oder den früheren Club-Präsidenten Gerd Schmelzer. Dann haben wir verdiente Ex-Spieler dazugenommen, die ebenfalls von einigen gehandelt werden (Andreas Köpke, Dieter Eckstein) und schließlich Leute, die Zeit haben, sich für den Club zu engagieren. Dazu gehören der in solchen Fällen immer gern genannte Lothar Matthäus, der noch in Nürnberg wohnende ehemalige Trainer Hans Meyer, die Reporterlegende Günther Koch sowie die frühere Ministerin Renate Schmidt, mit der endlich auch einmal eine Frau ein solches Amt bekleiden würde. Der Vollständigkeit halber haben wir auch den Interimspräsidenten Franz Schäfer und Markus Söder als Aufsichtsrat aufgeführt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, auch eigene Vorschläge zu machen.

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Keine Träne für Michael A. Roth

Eines mal vorweg: Wir sind zwar Freunde des Clubs, Freunde von Michael A. Roth waren wir nie. Allerdings räumen wir ein, dass er uns – je mehr er sich zurückgenommen hat – etwas sympathischer geworden ist. Dennoch gibt es auch den Pistolero-Roth, der geistig einer Zeit zu entstammen schien, als es noch Leibeigenschaft und Vasallentum gab.

Jetzt tritt er zurück, will sich mehr ums Privatleben und um seine Teppichfirma kümmern. Das sei ihm gegönnt. Seine Firma hat es angeblich auch nötig, dass sich der Chef mehr darauf konzentriert.

Aber kaum ist Roth weg, schon kursieren die Nachfolgernamen. Allen voran: der frühere Club-Präsident und jetzige Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer (ob die Fans das gut finden werden, wagen wir zu bezweifeln).  Auch Klaus Wübbenhorst, Chef der Gesellschaft für Konsumforschung und IHK-Präsident, wird genannt. Wir fügen auch noch Günther Koch hinzu. Der Mann hat zwar kein Geld zum reinpumpen, kann aber reden. Auch Dieter Hoeneß wäre frei – und Hans Meyer.

Beim Club wird es also spannend. Und wer gedacht hat, der steigt einfach auf und wird ein solider Verein, der langfristig plant, der sieht sich wieder einmal eines Besseren belehrt. Der Club bleibt der Club – und ist immer für Überraschungen gut.

Die Sponsoren schwächeln

Die Fußballvereine sind heute längst nicht mehr nur vom sportlichen Erfolg abhängig. Auch wenn der Club heute gegen die Mainzer Rumpfmannschaft gewinnen sollte, ziehen für den FCN dunkle Wolken am Finanzhimmel auf.

Der Hauptsponsor Areva ist in den Krisenstrudel geraten und schreit jetzt nach staatlicher Finanzhilfe. Die wird ihm – die französische Regierung hat bekanntlich drei Ohren für die Atomlobby – wahrscheinlich auch gewährt.  Aber meistens sind die zunächst genannten Verlustbeträge nur die halbe Wahrheit, und außerdem ist fraglich in wieweit sich die Regierung einen Einfluß sichert. Da kann man dann darauf warten, dass Nicolas Sarkozy fragt: Was wollt ihr denn mit der Unterstützung dieses Zweitligavereins?

Doch nicht nur Areva steckt in der Krise. Auch das Teppichimperium von Club-Präsident Michael A. Roth ist in Schwierigkeiten geraten. Gestern hat die Süddeutsche Zeitung (leider nicht online verfügbar) das Thema aufgegriffen und folgendes Roth-Zitat übermittelt: „Wer seine Leistung nicht bringt, fliegt.“ Das hat Roth aber nicht zu seinen Kickern gesagt, sondern den Führungskräften bei ARO.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat ARO demnach übrigens 20 Filialen geschlossen und mehr als 200 Mitarbeiter entlassen.

Die berühmteste aller ARO-Filialen, die aus dem Roman „Geht in Ordnung – sowieso – genau“  von Eckard Henscheid, war da nicht dabei. Sie war immer nur halbfiktiv und sowas ist wenigstens krisenresistent.

Mehr zu dieser berühmten Filiale kann man hier nachlesen.