Sicheren Sieg verschenkt

Die Woche:

  • Im Fall Jatta wird leider weiter Porzellan zerschlagen. Inzwischen karrt der FCN sogar selber Zeugen dafür an, dass Bakery Jatta unter falscher Identität für den HSV aktiv ist. Das einzig stichhaltige Argument, warum so etwas einen Einspruch gegen eine Spielwertung rechtfertigt, ist für mich, dass der DFB selbst im Amateur- und sogar im Jugendbereich da ziemlich kleinlich agiert. Das führt beispielsweise dazu, dass Kinder nicht mehr mitspielen dürfen, weil ihre Eltern während der Saison umgezogen sind. Insofern ist das Vorgehen von FCN, VfL Bochum und jetzt auch dem KSC sachlich zwar gerechtfertigt. Wer allerdings auf die Einhaltung teilweise abstruser Richtlinien pocht, tut sich halt auch keinen Gefallen . Gerade eben kam dann einerseits die Meldung, Jattas Geburtsurkunde liege in Gambia im Original vor. Andererseits hat der Club seine Begründung zum Einspruch eingereicht, in der er betont „weiterhin für außerordentliches Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und tritt entschlossen für Integration und interkulturelle Verständigung“ einzutreten. Wäre schön, wir könnten uns endlich wieder dem Fußball zuwenden.
  • Ob das der erhoffte Aufstieg ist, sei dahingestellt. Abdelhamid Sabiri, der den Club – sagen wir mal – in Unfrieden verlassen hat, ist jetzt beim SC Paderborn gelandet.
  • Ebenfalls vom SC Paderborn umworben war Nürnbergs dienstältester Profi Ondrej Petrak. Er hat bereits beim vorletzten Bundesligagastspiel des FCN mitgewirkt. Damals hieß der Trainer noch Gertjan Verbeek. Insofern ist der Verteidiger so etwas wie die personifizierte Kontinuität beim Club. Entsprechend sauer waren viele Fans, dass man ihn so einfach ziehen lässt. Inzwischen hat Petrak aber signalisiert, in Nürnberg bleiben zu wollen. Gut so! Wobei die Bildzeitung vor Veröffentlichung der Wechselmeldung einfach nur den Spieler hätte fragen müssen, dann hätte die Fangemeinde allerdings weder dieser Meldung noch dem Dementi Klicks kredenzen können.
  • Noch nicht bestätigt ist die über Sky verbreitete Meldung, Federico Palacios werde zu Jahn Regensburg wechseln.

Das Spiel:

Gegen Heidenheim war unser Kapitän Hanno Behrens wieder von Beginn an dabei. Fabian Nürnberger durfte erstmals in der Startelf ran und ersetzte Handwerker. Der Club begann druckvoller und engagierter als zuletzt. Im Spielaufbau ging es konzentrierter zur Sache. Kaum Fehlpässe, teilweise richtig ansehnliche Ballstafetten… So fiel dann eigentlich folgerichtig in der 18. Minute auch das 1:0. Frey hatte einfach mal aus gut 20 Metern abgezogen, Torwart Müller konnte nur nach vorne abklatschen, wo Hack sich die Ecke aussuchen konnte. Doch nachdem der allgemeine Jubel verebbt war, kam der Videobeweis. Kein Tor! Bei der Ballannahme stand Frey leicht im Abseits.

Jubeltechnisch etwas seltsam gestaltete sich hingegen das echte 1:0 nach einer halben Stunde. Wieder kam der Ball von Frey, der Dovedan bediente und dessen Kopfball landete im Tor seines Ex-Vereins. Wie vorher angekündigt, wollte Dovedan in diesem Fall nicht jubeln. So machte sich beim Zuschauer Verunsicherung breit. War das jetzt was oder wieder nichts? Diesmal zählte es.

Weiter agierte der Club überlegen, allerdings fehlte den Angriffen jedes Mal der erfolgreiche Abschluss. Schließlich fasste sich in der 70. Minute Johannes Geis (der später noch die gelbe Karte sah) ein Herz und zog – wie schon gegen Osnabrück – aus dem Rückraum ab. Der Ball prallte vom Innenpfosten zum 2:0 ins Netz. Traumtor!

Beim Club machte sich Euphorie breit. Viele dachten schon, da geht heute noch was fürs Torverhältnis, zumal dann auch Neuzugang Felix Lohkemper (für Hack) zu seinem Debüt kam. Offenbar vergessen hatte man dabei, dass mit Heidenheim ein Gegner auf dem Platz stand, der sich nie aufgibt und der unlängst auch in Stuttgart noch einen 2:0-Rückstand aufholte.

Und so mutierte der Club dann innerhalb von zwei Minuten vom sicheren Sieger zum Deppen. In der 82. und 84. Minute erzielten die Gäste zwei Tore und nichts war es mit dem Dreier.

Ganz offensichtlich kann man auch in der 2. Liga Lehrgeld bezahlen.

Ein Letztes:

Wenn Untätigkeit als Beweis dient:

Mit harter Arbeit gegen die Krise

Die Woche:

  • Wahnsinn und Verstand, Euphorie und Depression, Freud und Leid, beim Club liegt alles nah beinander. Manchmal findet es sogar gleichzeitig statt. So gab es ausgerechnet jetzt was zu feiern: die Clubhaus-Eröffnung am Josephsplatz. Andere Mannschaften würden sich vorher reinhängen, damit die Stimmung bei einem solchen Event passt. Aber wir sind der Club. Und da sind wir daheim. Im Clubhouse.
  • Eine andere Fanaktion litt ebenfalls unter der schwachen Leistung der Profikicker. Allerdings der aus der letzten Bundesligasaison. 100 Liter Freibier schenkt Kulmbacher pro geschossenem Tor aus. 26 waren es in der letzten Saison. So wenig wie noch nie. Na ja, man soll eh nicht soviel saufen.
  • Im Sturm herrscht im Clubkader ein Überangebot, auch wenn derzeit einige Kandidaten noch verletzt ausfallen (Lohkemper, Schleusener, Zrelak). Doch inzwischen gibt es mit Frey eine Alternative zu Ishak. Da sinken die Einsatzchancen für Törles Knöll. Der wurde jetzt für ein Jahr zum SV Wehen-Wiesbaden ausgeliehen. Wahrscheinlich geht die Clubführung davon aus, dass die Hessen keine Konkurrenz darstellen. Schön, wenn am Valznerweiher noch Optimismus herrscht.
  • Der Fall Jatta ist noch nicht zuende. Inzwischen hat auch der VfL Bochum Einspruch eingelegt. Gleichzeitig versucht nicht nur der DFB Licht in die Sache zu bringen. Hier wird das Ganze ziemlich ausführlich beleuchtet. Über die beiden Einsprucherheber heißt es: „Was diese Einsprüche bewirken sollen, haben sich Nürnberg und Bochum wohl selbst nicht so richtig überlegt, dem Ruf beider Vereine ist diese Aktion jedenfalls bisher eher abträglich. Eine tragfähige Begründung ist nicht in Sicht. Selbst wenn sich dereinst herausstellen sollte, dass Jatta doch nicht Jatta ist, könnte man die Einsprüche aus den dargestellten Gründen damit nicht begründen.“

Das Spiel:

Absteiger gegen Aufsteiger, klingt nach einer klaren Angelegenheit. Allerdings hatte der VfL Kontakt zur Tabellenspitze, während der Club mit halb soviel Punkten unten feststeckte. Trainer Canadi ließ diesmal die bisherigen Stammkräfte Behrens und Ishak auf der Bank und schickte gleich mal Neuzugang Michael Frey aufs Feld. Der entfachte mit Dovedan vorne viel Betrieb. Allerdings: Außer einem Pfostentreffer sprang zunächst nichts dabei heraus. Und, wie das so ist, trafen dann plötzlich die Gäste ins Netz. In der 30. Minute zappelte der Ball im Clubtor. Nach vierminütigem Studium der Videobilder kamen die Kölner Videoschiris und der in Nürnberg auf dem Platz stehende Unparteiische Waschitzki zu dem Ergebnis: kein Tor. Der Osnabrücker Heider, der mit einer Finte zum Torschützen Ouahim durchließ, stand im Abseits.

In der 44. Minute hatten die Osnabrücker erneut Pech. Bei der Abwehr eines Medeiros-Schusses verletzte sich ihr guter Torhüter Körber und musste durch Kühn ersetzt werden. So wurde dann erst nach 53 Minuten zur Pause gepfiffen.

Auch die zweite Halbzeit zog sich ähnlich in die Länge. Fast nach jedem Spielzug lag irgendeiner (meist ein weißer Osnabrücker) auf dem Boden. Spielfluß, Fehlanzeige! Da konnten wir uns auf Fabian Nürnberger konzentrieren, der als Linksverteidiger ein ansprechendes Debüt ablieferte. Später kam dann auch der eigentliche Kapitän ins (zerfahrene) Spiel. Mit Hanno Behrens entwickelte der Club mehr Druck. Impulse von Außen setzen nennt man das wohl.

Gegen die gut gestaffelte VfL-Abwehr tat sich der Club dennoch schwer. Wie schon gegen Ende der ersten Hälfte versuchte er es daher verstärkt mit Fernschüssen. In der 80. Minute brachte das endlich den erwünschten Erfolg. Aus 22 Metern zog Johannes Geis ab. Der Ball landet zum, fast nicht mehr für möglich gehaltenen 1:0 im Netz.

Danach musste der Club allerdings nicht nur zehn Minuten überstehen. Wegen der vielen Unterbrechungen wurden acht Minuten nachgespielt. Aber auch die überstand der FCN gegen den dann doch nachlassenden Aufsteiger.

Ein Spiel dauert 106 Minuten und am Ende siegt der FCN.

Wobei, diese 106 Minuten waren zum Zuschauen gefühlt noch um einiges länger.

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Ein Letztes:

Zum Schluss noch eine Meta-Diskussion, bei der ich vor allem den Begriff „Internethelden“ doppelt unterstreichen möchte.

Bayern am Rand einer Niederlage

Die Woche:

  • Ex-Trainer Köllner war bekanntlich bei „Blickpunkt Sport“ zu Gast. Unter anderem erzählte er dort, dass die Übernahme der Mannschaft durch Co-Trainer Boris Schommers „so nicht besprochen“ war. Muss man nicht verstehen. Schommers tut es übrigens auch nicht. Köllner fand die Formulierung später dann auch „missverständlich“. Fazit: Sendezeit und Papier verbraucht.
  • Seine (nicht unsere) wirklich wichtigen Ziele hat der FCN erreicht: Seit 12 Jahren erhält er erstmals wieder die Lizenz ohne Auflagen
  • Wie der Vater, so der Sohn. Das raunten manche, nachdem Sven Jablonski als Videoschiedsrichter das korrekte Behrens-Tor gegen Schalke verhindert hatte. Jablonskis Vater war nämlich beim ominösen Phantomtor 1994 Linienrichter. Schiedsrichter war damals ein gewisser Herr Osmers. Diesmal gab wieder ein Herr Osmers bei einem Spiel der Bayern gegen den Club den Unparteiischen. Im Kölner Keller. Harm Osmers ist aber weder verwandt noch verschwägert mit dem Phantomtor-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers. Dafür saß wiederum jener Schiedsrichter, der das Behrens-Tor aberkannte, im Videokeller bei der Bayern-Hilfsaktion im Pokalspiel gegen Bremen. So dient die Namensgleichheit dann eben doch als Wegweiser in Sumpfgebiete.

Das Spiel:

Nach den Ergebnissen vom Samstag war der Club in Zugzwang. Nur mit einem Sieg bestand eine realistische Chance, wenigstens noch den Relegationsplatz 16 zu erreichen. Trainer Schommers setzte bei der Aufstellung erneut auf Kontinuität. Allerdings rückte diesmal Eduard Löwen zu Mikael Ishak mit in den Sturm. Dafür standen bei FCB-Ballbesitz sechs Mann in der Abwehr.

In der ersten Hälfte kam der FCB so zu mehr Torchancen. Die beste als Mathenia einen Alaba-Freistoß gerade noch gegen die Latte lenken konnte. Auf der anderen Seite passierte nicht viel. Lediglich eine Unaufmerksamkeit des Bayern-Keepers hätte beinahe eine ungeahnte Möglichkeit für Löwen eröffnet. Aber Ulreich konnte den Ball gerade noch wegspitzeln.

So ging es torlos in die Pause.

Danach belohnte sich der Club endlich für sein couragiertes Spiel gegen den Tabellenführer. Eine Flanke von Kerk nahm Löwen auf. Seinen Schuss konnte Ulreich zwar noch abwehren, doch Pereira setzte den Nachschuss überlegt ins lange Eck. Jetzt war Stimmung im Stadion und der Club hatte Oberwasser. Drei Minuten später tauchen drei Cluberer vor dem Bayerntor auf. Aber Löwen bleibt am letzten Mann, an Süle hängen. Das hätte eigentlich das 2:0 und der dringend notwendige Dreier gegen heute schwache Bayern sein müssen.

Die schafften es auch danach nicht, das Clubtor in Gefahr zu bringen. Höchstens bei Standardsituationen. Etwa in der 69. Minute als James einen Freistoß erneut nur an die Latte zirkeln kann. Jetzt verstärkten die Münchner den Druck weiter. Den Ausgleich markierten sie allerdings nur mit viel Glück. Eine Kimmich-Flanke versuchte Bauer in der 75. Minute aus dem Strafraum zu schlagen, traf aber genau den hinter ihm stehenden Gnabry, von dem sich der Ball ins Clubtor senkte.

Der Club gab danach allerdings nicht auf. In der 89. Minute hatte er endlich einmal das Schiedsrichterglück, das sonst so oft gefehlt hatte. Der eingewechselte Davies hatte den ebenfalls eingewechselten Margreitter im Strafraum gefoult. Elfmeter! Nochmal die Riesenchance auf den Dreier. Nachdem Behrens zuletzt zwei Mal verschossen hatte, trat diesmal Leibold an. Aber er scheiterte am Innenpfosten. Das waren Millimeter! Aber das ist halt auch die aktuelle Situation beim Club:

Sie spielen mittlerweile gut, haben die Bayern am Rande einer Niederlage und scheitern dann an den eigenen Nerven. Wobei in der Schlussminute Mathenia wiederum nervenstark gegen den allein durchgebrochenen Coman rettete und so den, wenn auch wahrscheinlich wertlosen, Punkt rettete.

Wenn wir nur unsere Elfmeter verwandelt hätten, hätten wir wohl sechs Punkte mehr, und wären noch gut dabei. So schaut es – trotz einer guten Leistung und dem Nachweis, durchaus bundesligatauglich zu sein – leider schlecht aus.

Der Abstand zu Rang 16 ist an diesem Wochenende auf fünf Punkte angewachsen. Und inzwischen gibt es nur noch drei Möglichkeiten das wettzumachen.

Ein Letztes:

Elfmeter verschossen. Vielleicht lag´s nicht nur am Pfosten. Zuvor musste Tim Leibold nämlich in der Bild lesen, er werde beim FCN „die Flatter machen“. Tim Leibold veröffentlichte seine „Gegendarstellung“ dann via Instagram:

Dass wir das noch erleben dürfen

Die Woche:

  • Club-Trainer Boris Schommers hat trotz der historisch schlechten Tabellensituation die Mannschaft gelobt. Sie gehe an die Grenze und gebe ihr Optimum. Heißt im Umkehrschluss: Mehr ist mit diesem Kader nicht drin. Dann legte er nochmal in einem großen Interview nach. Der Glaube sei noch da. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein hatte sich zuvor in der Bildzeitung (kein Link) ähnlich geäußert.
  • Ungeachtet solchen Wunderglaubens bleibt dem Club der Hauptsponsor erhalten. Die Nürnberger Versicherung hat den Vertrag verlängert. Bislang zahlte sie 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Die Zielvorgabe ist aber klar: Wir wollen in der ersten Liga spielen.
  • In der 2.Liga hätte der Club zumindest einen kleinen Vorteil. Er kennt den bald auch dort geltenden Videobeweis schon und hat die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen.
  • Einen kurzen Aufreger lieferte die Meldung: „Köllner verklagt den Club“. Inzwischen ist aber die Luft ziemlich raus. Der ehemalige Trainer wird sich mit dem FCN außergerichtlich über noch offene Fragen nach der Entlassung einigen.
  • Was die vakante Position des Sportvorstands angeht (angeblich soll nächste Woche eine Entscheidung fallen), ist derzeit Markus Krösche vom SC Paderborn Favorit in der Gerüchteküche. Da der 38-Jährige dort noch Vertrag hat, kursieren jetzt Ablösesummen von 1,5 bis 4 Millionen. Dass ausgerechnet der finanziell klamme FCN, dem in der Winterpause jeder Euro für notwendige Verstärkungen zuviel war, hier eine solche Summe ausgibt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
  • Wer meint, der Aufsichtsrat würde fieberhaft nach einem Bornemann-Nachfolger suchen, der irrt. Offensichtlich bleibt noch genügend Zeit, um eine Fußball-Bibliothek einzuweihen.
  • Der Club konnte schon vorher das Gewinnen üben. Im Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav gab es ein 5:1. Den letzten Sieg feiern durfte der Club übrigens ebenfalls in einem Testspiel gegen ein tschechisches Team. Im November gab es ein 4:2 gegen Usti nad Labem.

Das Spiel:

Einen signifikanter Unterschied bietet der Trainerwechsel: Die Aufstellung ändert sich mittlerweile nur noch marginal. Gegen Augsburg rückte der gesperrte Leibold ins Team, Tillman musste dafür auf die Bank. Bei Köllner hatten viele mangelnde Konstanz beklagt, beim konstanten Schommers klagt mancher inzwischen über Mutlosigkeit.

Leider lieferte der Auftritt in der ersten Hälfte dafür zunächst auch entsprechend Munition. Da ging es vorwiegend um Fehlervermeidung. Nach vorne brachten höchstens Standards Gefahr. Andererseits hatten auch die Augsburger ihre Chancen. Beim FCA hatte man jedoch das Gefühl, dass denen auch ein Unentschieden reichen würde. So entwickelte sich ein Spiel, bei dem die einen offensichtlich nicht wollten und die anderen nicht konnten.

Aber wie gesagt, es gab noch die Standards. Und in der 52. Minute war es dann soweit. Kerk zirkelte einen Freistoß aufs lange Eck, wo sich Mikael Ishak hinter der Augsburger Abwehr durchgestohlen hatte und zum umjubelten 1:0 einschieben konnte.

Jetzt begann der FCA langsam aufzuwachen. und machte mehr Druck. Schommers reagierte richtig und brachte Konterspieler Matheus Pereira für Kerk. Der hatte nach seinem Platzverweis wieder was gutzumachen. Und das sind dann die Dinge, die das Fanherz erfreuen, wenn Rechnungen einfach einmal aufgehen.

In der 88. Minute kann der Club gerade noch den Ausgleich verhindern. Leibold schickt im eigenen Strafraum Pereira auf die Reise und der macht das wichtige 2:0. Danach durfte noch Edu Löwen die Auflösungserscheinungen in der FCA-Abwehr nutzen und zum 3:0 erhöhen.

Nach einem halben Jahr Flaute endlich mal wieder ein Dreier und dann auch noch mit drei Treffern und ohne Gegentor. Dass wir das nochmal erleben dürfen.

Allerdings: Wenn da jetzt keine Positivserie folgt, bringt uns dieser Sieg hinsichtlich Klassenerhalt rein gar nichts.

Ein Letztes:

Das FrankenFernsehen hat Club-Vorstand Niels Rossow interviewt. Als Fakt bleibt immerhin, dass der FCN einen Fanshop in Innenstadtlage eröffnen will und inzwischen wohl den Mietvertrag unterzeichnet hat. Als Nicht-Fakt bleibt hingegen ein Satz wie: „Ganz Nürnberg sprüht vor Optimismus“. Wobei der inzwischen wenigstens wieder glimmt.

Plan- und mittellos im Oberhaus

Die Woche:

1. Wie lange dürfen Lernphasen dauern? Ab wann sollten die Schüler ins harte Leben entlassen werden? Diese Frage darf sich der Club inzwischen ruhig stellen. Wobei Sportvorstand Andreas Bornemann da erst einmal nur die Führungsspieler gefordert sieht. Welche Führungsspieler? Das fargen wir uns da allerdings.

2. Am 12.Spieltag in der Saison 2013/2014 stand der Club zum letzten Mal am Tabellenende der Fußballbundesliga. Danach nistete sich die Braunschweiger Eintracht dort ein. Abgestiegen ist der Club trotzdem. In Braunschweig wäre man inzwischen allerdings froh über eine solche Platzierung.

3. „Noch bei der Musik dabei“. Damait versuchte der Kicker vor der Niederlage gegen die Freiburger zu trösten. Inzwischen ist die Musik kaum noch in Hörweite.

Das Spiel:

Von Endspiel war die Rede. Man werde alles geben, hieß es. Auf dem Platz lief es dann aber erstmal wie immer. Der Club stand meistens zu weit weg und ließ den Freiburgern viele Freiräume. Die gaben dem Club aber trotzdem das Gefühl, er mache das Spiel. Inzwischen hat es sich in der Bundesliga herumgesprochen, dass kaum Zählbares dabei rauskommt. Vor allem, wenn man über eine einigermaßen stabile Abwehr und einen bundesligatauglichen Torwart verfügt. Dem SC Freiburg kam dann auch noch das Glück zuhilfe. In der 19. Minute zirkelt Günter einen Freistoß in den Strafraum. Der Ball springt auf und an Bredlow vorbei ins lange Eck. Unglücklich, deppert, aber eben leider auch clublike. Danach begann der Club endlich Dampf zu machen. Das führte zu zahlreichen Ecken und Freistößen. Die wurden meistens von Sebastian Kerk getreten, der jedoch noch längst nicht der Alte ist. Torgefahr entwickelte sich aus diesen Standards durch die Bank nicht. So ging es dann mit dem Rückstand und unüberhörbaren Pfiffen in die Pause.

In der zweiten Halbzeit drängte der Club weiter. Aber, wie gesagt, drängen bedeutet beim FCN nichts. Da springen eben höchstens Ecken oder Freistöße raus. Die aber selbst dann verpuffen, wenn da nicht Kerk anläuft. Der wurde nämlich schnell durch Kubo ersetzt. Schließlich kam auch noch Ishak als Joker. Allerdings für Misidjan, der eigentlich noch einer der Aktivposten war.

Es half aber alles nichts. Der Club spielt zwar jedesmal wacker mit, versagt jedoch dort, wo es in der Bundesliga drauf ankommt: vor dem Tor. Da fehlen einfach die zündenden Ideen, irgendein Überraschungsmoment, der letzte Durchsetzungswille, die richtige, weil nicht erwartete Entscheidung… Heute hätte der Club wieder mal stundenlang weiterspielen können ohne was Zählbares zu erreichen.

Jetzt, wo wir auch noch ganz unten stehen, kommt zusätzlich Verunsicherung und der Verlust des eh schon geringen Selbstvertrauens hinzu. Wenn der Trainer vor dem Spiel dann auch noch so tut, als wäre der SC Freiburg eine Übermannschaft, steuert er dem zumindest nicht entgegen. Andererseits merkt man inzwischen überdeutlich, dass – inklusive Trainer – beim Club praktisch keiner Bundesligaerfahrung besitzt (und kommt mir bitte nicht mit Robert Bauer).

Ob man sich diese Erfahrung in der Winterpause zukaufen kann? Ich weiß es nicht. Zumal sich Köllner wohl kaum von einem neu verpflichteten Spieler erklären lassen dürfte, wo es lang geht.

Ein Letztes:

Wenn der Club nicht gewinnt, verschärfen sich auch die Drogenprobleme:

Club belohnt sich endlich

Die Woche:

1. Als freundlich lachender Zuschauer wertet Clubtrainer Michael Köllner in seiner Freizeit Kabarettsendungen des Bayerischen Fernsehens auf. Auch anderen regionalen Medien verhilft er als Interviewpartner derzeit zu ein bisschen Glanz. Dem fränkischen Tag hat er dabei so bahnbrechende Sätze diktiert wie: „Jeder Spieler hat immer die Chance, in den Spieltags-Kader zu kommen oder sich sogar einen Startelf-Einsatz zu sichern. Voraussetzungen hierfür sind starke Leistungen im Training.“

2. Am 17.Oktober findet die Jahreshauptversammlung des FCN statt, Es dürfte diesmal wohl eher eine harmonische werden. Finanzvorstand Michael Meeske wird sich verabschieden und seinen Nachfolger einführen. Außerdem steht u.a. Oberbürgermeister Ulrich Maly als Aufsichtsrat zur Wiederwahl an.

3. Seit Saisonbeginn wird im Stadion Pfand auf Getränkebecher erhoben. Das dient der Abfallvermeidung, verursacht aber lange Schlangen und Stress bei der Pfandrückgabe nach dem Spiel. Um da Druck rauszunehmen, kann man jetzt den Becherpfand (zwei Euro) auch für einen guten Zweck spenden: für das Projekt Viva con Agua des ehemaligen Pauli-Spielers Benjamin Adrion. Ziel des Projektes ist es, ärmeren Ländern Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Zu den Guten gehört der FCN deswegen trotzdem noch nicht, denn er unterhält auch eine Partnerschaft mit Nestlé (Schöller). Dieser Konzern ist was das Trinkwasser angeht gerade in der Gegenrichtung unterwegs.

Das Spiel:

Heimsieg, der erste Dreier, was will man mehr? Dabei begann es gegen Hannover 96 erstmal wie üblich. Der Club spielte (diesmal mit Virgil Misidjan von Beginn an) gefällig, aber nicht zwingend. So begann manch einer schon wieder zu zittern, als sich die 25. Minute näherte. Geriet der Club da doch regelmäßig in Rückstand. Aber nichts da. Beinahe im Gegenteil. Denn nach einem Kopfball von Misidjan erzielte Ishak das Tor für den Club. Jubel im Stadion, Jubel vor den Bildschirmen und Jubel auf Twitter. Doch wieder mal spielte der Videobeweis den Stimmungskiller. Der Club ließ sich aber nicht beirren. Erneut war Misidjan der Ausgangspunkt. Er steuerte frei aufs 96er-Tor zu, wurde aber an der Strafraumgrenze von Albornoz von den Beinen geholt. Schiedsrichter Dankert ließ die Pfeife stecken und musste sich dann Schieber-Rufe anhören. Das war doch ein klarer Elfer, dachten die meisten. Eine gefühlte Ewigkeit später präsentierten die Videoschiris in Köln eine ganz eigene Interpretation. Freistoß und Rot für Albornoz wegen Notbremse. Den Freistoß setzte Leibold dann an den Pfosten. Danach stellten die Hannoveraner um, verstärkten die Defensive und versuchten es mit Kontern. Dem Club fiel dazu nicht viel ein. Da mussten die Ideen eben von außen kommen. Trainer Köllner wechselte nach gut 70 Minuten Törles Knöll ein und der wurde zum Matchwinner. Kaum eingewechselt zwang er erst Anton zu einem Eigentor und nur zwei Minuten später markierte er nach Ishakzuspiel das 2:0. Hannover hatte zwar danach nochmal eine Chance zum Anschlusstreffer. Aber der Club brachte den Vorsprung über die Zeit. Am Mittwoch geht es nach Dortmund. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Ein Letztes:

Ein Grund mehr, dem derzeit glücklosen Domenico Tedesco die Daumen zu drücken:

Erstes Tor, erster Punkt

Die Woche:

1. Wichtiger als der sportliche Erfolg ist beim Club bekanntlich die finanzielle Konsolidierung. Da kündigt sich jetzt eine Einnahme von fast 30 Millionen Euro an. Das Geld kommt aus den Vermarktungserlösen der DFL. Dabei gilt das, nicht unbedingt Kurzweil fördernde Prinzip: Der Teufel scheißt am liebsten auf den größten Haufen. Nachdem der Club haufenmäßig inzwischen zu den Top 18 gehört, bekommt er natürlich einiges zusätzlich ab. Das Geld fließt allerdings erst zu Ende des Saison. Trotzdem ist es angesichts solchen Aussichten verschmerzbar, wenn sich alte Hoffnungen zerschlagen, wie etwa die, am Weiterverkauf des früheren Clubprofis Niclas Füllkrug partizipieren zu können.

2. Seine ominöse „Rippenprellung“ und plötzliche Schmerzen vor der eigentlich geplanten Einwechslung in Berlin nährten Gerüchte, wonach Eduard Löwen nach England wechseln könnte. Das vielseitig einsetzbare Clubtalent will sich aber lieber mit dem FCN in der Bundesliga durchbeißen. Gut so!

3. Am gestrigen Deadline Day, also kurz nach dem Schließen des Transferfensters, präsentierte der Club noch zwei Neuzugänge. Sie sollen die Probleme auf den Außenbahnen beheben. Dnd, so wie es aussieht, könnten die beiden dazu durchaus in der Lage sein (laut Transfermarkt beträgt der Marktwert derzeit 3 bzw. 5 Millionen). Virgil Misidjan hat schon gegen Ronaldo in der Championsleague gespielt und kommt vom bulgarischen Serienmeister Ludogorez Rasgrad für angeblich 2,5 Millionen. Von Sporting Lissabon, ebenfalls einer guten Adresse, wechselt Matheus Pereira zum Club. Viele sahen bei den beiden Neuzugängen aber erstmal die Haare in der Suppe. Bei dem auf Leihbasis verpflichteten Pereira musste der Club auf den postulierten Grundsatz Kaufoption verzichten. Bei Virgil Misidjan wurde vor allem ein noch offenes Verfahren thematisiert, das ihm vier Monate Knast einbringen könnte. Andererseits: Ohne irgendwelche Makel würde der klamme Club solche Transfers gar nicht realisieren können.

4. In Mainz hat sich AfD-Chef Alexander Gauland für heute angekündigt. Der FSV Mainz 05 nutzte das um so in der Zeitung für das Auswärtsspiel in Nürnberg zu werben:

Das Spiel:

Endlich wieder Erstligafußball in Nürnberg. Für die Fans ein lange vermisstes Ereignis. Auf dem Platz war der Neuigkeitswert erst einmal geringer. Wie schon in Berlin spielte der Club zwar gefällig, hatte ein Übergewicht was den Ballbesitz anging, aber vor dem Tor war er erneut zu harmlos. Bezeichnend die wohl beste Chance nach einer Viertelstunde. Palacios spielt Kubo schön im Strafraum frei. Statt zu schießen, dreht der sich aber erst einmal um die eigene Achse und die Gelegenheit war dahin. Und dann kommt nach 25 Minuten – wie schon in Berlin – das wohl umvermeidliche Nickerchen in der Abwehr. Aaron kann auf der linken Seite relativ ungehindert flanken und Mateta kommt im Strafraum ebenso ungehindert zum Kopfball, dem Bredlow nur noch hinterherschauen kann. So einfach kann man Tore schießen.

Das scheint der Mannschaft auch irgendjemand in der Kabine gesteckt haben. Denn in der zweiten Hälfte waren kaum drei Minuten gespielt, da ließ Kapitän Behrens eine Valentini-Ecke durch, irritierte so die Mainzer Abwehr und Ishak hämmerte den Ball rechts oben ins Eck. Aus elf Metern. Genau aus der Distanz scheiterte er in Berlin noch mit dem ruhenden Ball.

Auf einmal war nicht nur Stimmung im, mit 38.000 Zuschauern leider eher enttäuschend besetzten Max Morlock-Stadion, sondern auch auf dem Platz. Man merkte dem Club an: Da war ein Knoten geplatzt. Die Spieler schienen gemerkt zu haben, dass sie in der ersten Liga auch dort, wo es drauf ankommt, mithalten können. Der FCN erspielte sich Chance um Chance und hätte den Sieg eigentlich verdient gehabt. Aber irgendwie war entweder ein Mainzer Bein dazwischen oder es fehlte das nötige Glück. Zudem avancierte auch noch Gästekeeper Müller zum besten Mann auf dem Platz. Wobei immerhin auch Neuzugang Kubo andeutete, dass er uns noch viel Freude bereiten könnte.

Insgesamt waren es zwar verlorene zwei Punkte. Aber die Kurve beim Club zeigt eindeutig nach oben. Wenn der Lernprozess so weiter geht, dann gewinnen wir solche Spiele auch bald.

Ein Letztes:

Ein bisschen mehr kam am gestrigen Abend doch noch nach:

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Die Woche:

1. Hatten wir letzte Woche noch etliche drohende Abgänge zu vermelden, hat sich inzwischen die Lage offenbar etwas entspannt. Finanzvorstand Michael Meeske fand das Interesse des HSV an ihm zwar schmeichelhaft, will aber dann doch lieber seinen Vertrag beim Club erfüllen. Tim Leibold könnte laut Clubkapitän Hanno Behrens auch bleiben. Auch Kevin Möhwald betont, es sei noch nicht entschieden, ob er wechselt. Und auch aus dem Lazarett dringt Positives. Mikael Ishak kann eventuell nach der Länderspielpause wieder eingreifen und Sebastian Kerk steht auch schon in Laufschuhen auf dem Platz.

2. Der ehemalige Clubtrainer Gertjan Verbeek hat der WAZ ein Interview gegeben. Eigentlich zu seinem abrupten Abgang beim VfL Bochum. Er sagte aber auch einiges zu seinem Vorgöängerengagement beim FCN. Zum Beispiel lobte er die Stadt Nürnberg („wunderschön“), die Fans („ein Kultclub“) und die viele Menschen, mit denen er „herzlich gern“ zusammengearbeitet habe. Dafür zieht er über unseren damaligen Manager Martin Bader ziemlich deutlich vom Leder. Der habe „keine Ahnung von Fußball“ gehabt, sich aber dennoch überall eingemischt.

3. „Der Club schlägt die Bayern“: Ein Satz, von dem viele von uns träumen. Jetzt darf man ihn hinschreiben. Denn unsere U21 hat die zweite Mannschaft des FC Bayern mit 3:1 geschlagen. Weil es „nur“ der Nachwuchs war, wurde dieser Sieg medial nicht groß abgefeiert. Dabei ist der Nachwuchs die Zukunft. Und in die können wir wohl ganz optimistisch schauen.

4. Nach den Club-Heimspielen heißt es künftig erst einmal: Leergut zurückbringen. Die Stadt Nürnberg will etwas gegen den Plastikmüll unternehmen. Die bislang verwendeten Einwegbecher werden abgeschafft.

Das Spiel:

Trainer Köllner ließ gegen die abstiegsbedrohten Darmstädter die gleichen Spieler auflaufen, die auch in Bielefeld an den Start gingen. Mit dabei also jene Stürmer, bei denen wir alle seit Wochen vergeblich auf den Ishak-Effekt hoffen. Leider ging bei Salli, Trelak und Stefaniak auch im nur mit 27.000 Zuschauern besetzten Max-Morlock-Stadion kein Knopf auf. Dabei bemühte sich die Mannschaft immerhin, Chance um Chance zu generieren. Nach dem Motto: die Masse macht´s! Dummerweise bewiesen ihr die Gäste dann nach 18 Minuten das Gegenteil. Die erste, durch Abwehrunvermögen begünstigte Gelegenheit saß gleich. Boyd kann nach einer Ecke aus drei Metern einnicken. Das ermöglichte es den Darmstädtern, sich erst recht hintenreinzustellen und genußvoll zuzusehen, wie der Club sich die Zähne ausbeißt. Wobei der erst einmal verunsichert wirkte und außer viel Ballbesitz und neuerlichen Ecken nichts zustande brachte.

Nach der Pause versuchte es unsere Mannschaft gegen die nun zeitweise mit einer Sechserkette verteidigenden Darmstädter mit Kampf und Dauerdruck. Doch das Gästetor schien wie vernagelt. Irgendwie stand immer ein Darmstädter Fuß und einmal auch der Pfosten im Weg. Und dann war er dann doch drin. Nach der 15. oder 16. Ecke musste ausgerechnet Verteidiger Georg Margreitter die Torflaute beenden. Selten wurde wohl für ein einziges Tor mehr Aufwand betrieben. Und dass das die letzten 15 Minuten so weiter ging und nicht wie erhofft der Knoten aufgegangen ist, muss man leider auch konstatieren. Es passierte nämlich nichts mehr.

Jetzt ist erst einmal Länderspielpause. Beim Club scheint die gerade recht zu kommen. Eine Auszeit, in der Verletzungen auskuriert und an etlichen Stellschrauben gedreht werden kann. Immerhin weiß die Mannschaft nun, dass sie Tore zumindest erzwingen kann.

Ein Letztes:

Wenn er Dinge verbal nicht ganz sauber eintütet, wird Clubtrainer Michael Köllner gerne zum „gebürtigen Oberpfälzer“. Auch jetzt, als er in einem Interview das D-Wort beerdigen wollte und dafür sogar einen Termin nannte: Karfreitag. Hoffentlich steht es dann nicht drei Tage später wieder auf…

Nachbarschaftshilfe

Die Woche:

1. Korreliert man die Zuschauerzahlen mit der Tabellensituation, dann bleibt beim FCN augenscheinlich nur der Schluss: Je schlechter die Mannschaft, desto größer der Publikumszuspruch. Oder auch umgekehrt. Beim Derby war das Stadion nämlich ausverkauft. Zuvor hatte sich Clubtrainer Michael Köllner über das meist halbleere Morlockstadion beklagt. Dem lieben Herrn Köllner möchten wir zudem entgegenhalten, dass wir Clubanhänger anders gestrickt sind. Erfolgsorientierte Fans gehen zum FC Bayern. Dort passen auch die Anstoßzeiten. Zudem sind in der Allianzarena sämtliche Tribünen uneingeschränkt nutzbar. Und nochwas: Geht es mit dem Fußball vor lauter einseitiger Erfolgs- und Gewinnorientiertheit nicht gerade generell abwärts?

2. Trotz der Niederlage könnte das viellleicht doch für einige Zeit das letzte Frankenderby gewesen sein. Manchem Sportkollegen wäre das jedenfalls nicht unrecht. Musste er sich im Vorfeld doch jedesmal etwas einfallen lassen, um die Derbystimmung anzuheizen. Da blieb kaum ein Grashalm unerwähnt und kein „Promi“ ungefragt. Auch diesmal wurden die wieder um ihre Tipps gebeten. Wobei, wenig überraschend, die FCN-affinen einen Clubsieg und die Fürther einen Erfolg des Kleeblatts tippten. Erstaunlich eigentlich eher, dass man überhaupt 51 fränkische Prominente finden konnte.

3. Dass der Club im Sturm dringend Verstärkung braucht, war nach dem Weggang von Cedric Teuchert und der Verletzung von Mikael Ishak offensichtlich. Jetzt präsentierte der FCN einen Neuzugang für die kommende Saison: Törles Knöll. Der 20-Jährige kommt ablösefrei vom möglichen Absteiger HSV zum möglichen Aufsteiger FCN. Laut Sportvorstand Andreas Bornemann passt er „perfekt in unser Profil“.

Das Spiel:

Bei den Frankenderbys spielt die fussballerische Klasse meist keine entscheidende Rolle, sondern die Frage, wer besser mit dem Druck umgehen kann. Der lastet fast immer auf dem Club. Die Schmach gegen die Vorstadt zu verlieren…

Diesmal standen aber auch die Fürther unter Druck, hatten doch gestern die die beiden Mannschaften hinter ihnen jeweils Siege eingefahren. Es mussten also dringend Punkte her.

Dass sie die einfahren können, schien angesichts der ersten Hälfte allerdings eher unwahrscheinlich. Zwar näherten sich die Grün-Weißen ein paar Mal dem von Fabian Bredlow gehüteten Clubgehäuse, aber echte Torgefahr kam nicht auf. Der FCN hatte das Spiel im eigenen Haus, wo die Fans übrigens eine Superstimmung verbreiteten, souverän im Griff, ohne nach vorne aber allzuviel zu reißen. Da merkte man, dass Adam Zrelak kein Ishak-Ersatz und Federico Palacios schon von der Physis her kein Strafraumbrecher ist. Trotzdem dachten wir noch: Irgendwann wird schon irgendwer den Ball bei den Fürthern unterbringen.

Nach der Pause knüpfte der Club an die Dosenöffner-Suche an. Doch bereits nach vier Minuten kassierte er, völlig überraschend, den Gegentreffer. Narey ließ erst Eduard Löwen alt aussehen und dann auch Bredlow mit einem schwer zu haltenden doppelten Aufsetzer keine Chance. Jetzt ging beim Club auch noch die Souveränität flöten. Hektik mischte sich mit Verzweiflung und nun wurde noch offensichtlicher, dass vorne die Zielstrebigkeit fehlt. Trotz aller Bemühungen wurde Gästekeeper Burchert eigentlich nie ernsthaft beschäftigt. Die beste Chance hatte noch der eingewechselte Tobias Werner mit einem Kopfball, der übers Tor ging. Stattdessen machten dann die Fürther in der Nachspielzeit durch Steininger den Sack zu.

Unter den gegebenen Umständen ist so eine Derbyniederlage natürlich doppelt peinlich. Erschwerend kommt hinzu, dass Verfolger Kiel (5:0 gegen den MSV Duisburg) den Schalter wieder umgelegt hat. Jetzt braucht es den Aufstieg schon fast als Wiedergutmachung. Dann könnten wir im Nachhinein wenigstens generös behaupten, dem Nachbarn eventuell zu entscheidenden Punkten verholfen zu haben.

Dennoch wir es langsam Zeit, dass es der Club einmal schafft, den Derbydruck auf den Gegner umzuleiten.

Ein Letztes:

Dass auch Fans für das Verantwortung tragen, was sie im Netz von sich geben, das belegt das Buch von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati. Dort spielen die Vorgänge nach dem Clubspiel gegen Mönchengladbach im Januar 2011 eine wichtige Rolle (und ja, auch wir hatten damals Rafati kritisiert).

Schaut gut aus!

Die Woche:

1. Wie schon befürchtet fällt FCN-Torjäger Mikael Ishak wegen der gegen St. Pauli erlittenen Verletzung mehrere Wochen aus. Wir wünschen gute und schnelle Genesung. Schon damit Ishak noch auf den schwedischen WM-Zug aufspringen kann.

2. In dem Zusammenhang mutet es ein bisschen seltsam an, wenn nun die Club-Pressestelle in einem Statement erklärt, es gebe Alternativen zu Ishak. Zum einen seien das Spieler, die der Trainer vorne reinstellen kann, zum anderen hätten auch andere bewiesen, dass sie Tore schießén können. Wären wir jetzt von alleine vielleicht auch drauf gekommen. Aber offenbar gab es da einen Richtigstellungsbedarf.

3. Da spielt der Club vorne um den Aufstieg mit und hat die Chance, einen Konkurrenten auszuschalten, aber die Zuschauer bleiben zuhause. Zumindest teilweise. Clubtrainer Michael Köllner hat sich deswegen ein bisschen mokiert. Wobei man auch sagen muss: Zuschauerandrang und Tabellenplatzierung haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Selbst ein Regionalligaspiel kann mehr als 20.000 Zuschauer ins Stadion locken. Zum Beispiel, wenn der Gegner 1860 München heißt. Für den Club wiederum bedeutet das: In der zweiten Mannschaft hast du auch nicht weniger Publikum als in der ersten.

Das Spiel:

Wie gesagt, es war ein bisschen traurig, dass nur gut 23.000 Zuschauer zum einigermaßen wegweisenden Duell gegen die aufstrebenden Duisburger ins Morlock-Stadion kamen. Aber beim Club dachte man sich wohl, bedienen wir die gut, dann erzählen sie es weiter. Ehe sich der MSV an die Nürnberger Atmosphäre gewöhnt hatte, lag er nämlich schon 2:0 hinten. Beide Male war es Kapitän Hanno Behrens. Erst traf er in der 8. Ninute per Elfmeter (Tobias Werner war im Strafraum gefoult worden), dann 15 Minuten später nach Klassevorarbeit von Palacios. Da war der FCN eigentlich schon auf die Siegerstraße eingebogen.

Aber, es ist halt der FCN. Und da sollte man sich nie vorschnell zurücklehnen. Diesmal leistete sich Clubkeeper Fabian Bredlow (gegen Pauli noch Nullgarant) einen Klops und gab bei einem MSV-Angriff den Reservierten. Stoppelkamp sagte Danke und markierte den Anschlusstreffer.

Nach der Pause übnernahm der MSV plötlich das Kommando. Der FCN bekam wenig auf die Reihe. Aber wie das so ist: Nicht der optische Eindruck zählt, sondern wer das Tor macht. Und das war Eduard Löwen mit einem Sonntagsschuss in der 71. Minute. Einen Abwehrversuch der Duisburger nahm er volley und hämmerte ihn via Innenpfosten zum umjubelten 3:1 ins MSV-Tor.

Ein Letztes:

Der Club hat mit dem 3:1 die Tabellenspitze erklommen und kann sich zudem auch noch darüber freuen, dass die Konkurrenz derzeit schwächelt.