Der Club braucht Künstler

Also gut, der Club will sich nicht verstärken – auch wenn die Fans das wollen. Ist zumindest konsequent. Zumal es ja nicht nur um die Nachfrage, sondern auch darum geht, ob es für das vorhandene Geld Angebote gibt. Dabei – und das haben unsere Kollegen bei den Clubfans-United sehr richtig angemerkt – muss man auch die Auswirkungen auf die FCN-Youngsters berücksichtigen. Aufbauend ist das für die bestimmt nicht, wenn man ihnen nach drei Spielen auf diese Weise gleich wieder das Vertrauen entzieht (und wahrscheinlich hat man ihnen auch anderes in Aussicht gestellt, als auf der Bank zu sitzen).

So weit, so vernünftig! Trotzdem hätten wir schon gern auch mal einem echten Fußballkünstler im Stadion bei der Arbeit zugesehen – oder jemandem, der den Ball einfach öfter mal reinhaut.

Dass so etwas nicht völlig illusorisch ist, beweist dieses Video. Der Mann heißt Jeremy Lynch, hat mal für den FC Arsenal gespielt und ist nach unseren Erkenntnissen ablösefrei. Vielleicht ließe er sich überzeugen, wenn ihm Oenning – von Künstler zu Künstler – ein bisschen Chopin vorspielt 😉
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via Fuvi-Blog

Nach drei Spielen herrscht schon Ratlosigkeit

01_rausch_dpaAlso, nochmal: Der Club wird in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpfen. Manche haben sich bei der ersten Heimpleite noch damit getröstet, dass Schalke ein Meisterschafgtsanwärter ist, gegen den man durchaus auch verlieren kann. Von Hannover 96 kann das gewiss keiner behaupten. Doch gegen die Hannoveraner lief es noch schlechter als gegen Schalke. Im Prinzip ging vorne und hinten nichts zusammen. Einzig Torwart Raphael Schäfer scheint über jeden Zweifel erhaben.

Das Sturmproblem hat sich längst ins Mittelfeld verlagert. Wenn von dort nichts kommt, kann vorne auch keiner was versieben. Und eine in der zweiten Liga sattelfeste Abwehr ist nicht automatisch in der ersten genauso sattelfest. Dass jetzt Schäfer und Charisteas an der Taktik herumkritteln und damit Trainer Michael Oenning eins mitgeben, kann man positiv so interpretieren: Da machen sich Füherungsspieler auch Führungsgedanken. Wenn man archaische Autoritätsvorstellungen besitzt, dann wäre sowas aber der Anfang vom Ende einer Traineranstellung. Bei Michael A. Roth hätte man schon Oennings Tage zählen können. Aber der ist nicht mehr am Ruder.

Vielleicht kann Oenning, was die Taktik angeht (viel zu sehr auf den – zugebenermaßen verdienten – Marek Mintal abgestimmt) über seinen Schatten springen – Autorität hin oder her. Schön wäre allerdings auch, wenn endlich was gegen die Unfähigkeit der Mannschaft bei Standards getan würde.

Doch das wäre alles wurscht, wenn – wie in der vorvorletzten Saison drei Mal – gegen Stuttgart ein Sieg eingefahren würde. Nach dem heutigen Auftrit können wir uns das allerdings nur schwer vorstellen.

Harry-Initiative am Ziel

CharisteasSo schnell kann es gehen. gestern war er noch der ungeliebte Kostgänger, den man möglichst schnell loswerden wollte, doch nach dem Frankfurt-Spiel ist Angelos Charisteas plötzlich der Club-Hoffnungsträger. Nach seiner Einwechslung machte er enormen Wirbel und bereitete das Tor seines Sturmpartners Bunjaku vor. Die Initiative „Gebt-Harry-eine-Chance„, die in den letzten Monaten eher belächelt wurde, scheint also urplötzlich am Ziel angekommen zu sein. Trainer Michael Oenning hat jedenfalls durchblicken lassen, dass er das nächste Mal Harry und Bunjaku in der Startelf bringen und Boakye und Eigler auf die Bank setzen wird.
Nach dem Erfolg der Harry-Kampagne halten wir es für an der Zeit, die Initiative „Gebt-Vidosic-eine-Chance“ anzuregen. Wir können uns aber durchaus auch vorstellen, dass Ähnliches bald für Eigler und Boakye passiert.

Autogramm, nein danke!

Auf Autogrammkarten von Fußballern war früher ein meist nicht besonders hübscher, nichtsdestotrotz aber entschlossen geradeaus blickender, einsamer Mann abgebildet. Inzwischen haben offenbar auch in diesem Bereich Werbefuzzis, Marketingstrategen und Sponsorenbetreuer das Sagen. Heraus kommt dann so etwas völlig Verstrahltes (um im Sponsorenbild zu bleiben), bei dem man sich höchstens fragt, von wem bekomme ich jetzt das Autogramm und wie will der arme Michael Oenning diese Spieler jetzt noch auf die Bundesliga fokussieren. Eigentlich fehlen einem aber die Worte angesichts dieses Autogrammkartenangebots:

Wer den Club alles nach oben führte

Aufstieg klar und Sommerpause, da kann man schon einmal etwas in der Historie wühlen. Die Frage lautet: Wie heißen die bisherigen Aufstiegstrainer und Vorgänger von Michael Oenning? Wolfgang Wolf oder Klaus Augenthaler kennt noch jeder und auch der Triumph von Felix Magath ist noch in guter Erinnerung. Die anderen Aufstiegsmacher sind jedoch heute nicht mehr so gegenwärtig, doch haben sie ihren Teil zum Club-Mythos beigetragen. Da ist einmal der Wiederaufstieg in die Bundesliga 1978. Damals hieß der heute fast vergessene Trainer Werner Kern, der in der Bundesliga aber schon nach wenigen Monaten wegen Erfolglosigkeit von Club-Legende »Zapf« Gebhardt abgelöst wurde. Trotzdem ging es wieder runter, aber nach einem kleinen Intermezzo mit dem Belgier Jef Vliers, machte Gebhardt die Clubberer wieder erstklassig.

Letzter im Bunde der Aufstiegs-Heroen war 1986 Horst Höher, der dann sensationell in den UEFA-Cup einzog. Und dann gab es noch Willi Entenmann, der den Club 1997 aus der Regionalliga führte.

Jetzt kommen wahrscheinlich Thomas Broich und Timo Rost. Die Angst der potentiellen Absteiger-Konkurrenz aus Mainz, Bochum oder Hannover hält sich da sicherlich in Grenzen.

Beim Club ist alles möglich

Es ist wirklich nett zu beobachten, wie jetzt Fans,  Journalisten und Spieler gleichermaßen versuchen, trotz des tollen Auswärtssieges in Cottbus und des Jubels über die drei Tore (Bild) auf die Euphoriebremse zu treten. „Wir haben noch nichts erreicht“, wird Torwart Raphael Schäfer in der NZ zitiert – und das nicht bloß im Text, sondern gleich in der Überschrift. Nach dem Spiel in Cottbus wunderte sich selbst Clubtrainer Michael Oenning über diese seltsame, fränkische Zurückhaltung: „Dann müsste die ja bei uns vier Tore schießen“, gab er zu bedenken.

Aber Oenning ist halt kein Nürnberger.  Und auch noch nicht so lange Clubfan wie wir. Sonst würde er wissen: Wenn es einen Verein gibt, der so eine komfortable Ausgangsposition noch vergeigen kann, dann ist das. na?

Klar, nur der Club schafft so etwas!

Wir erinnern nur an den Last-Minute-Abstieg 1999. Wer den erlebt hat und nach dem Spiel gegen Freiburg mit Tränen in den Augen auf die Aufbauten für die fest eingeplante Nichtabstiegsfeier geblickt hat, der feiert nicht mehr zu früh. Nie mehr!

Im Fußball ist alles möglich, beim Club erst recht!

Ein Freilos gegen St. Pauli

Die Saison war ja bisher relativ nervenschonend, dümpelte der ansonsten doch stets im Aufstiegs- oder Abstiegskampf steckende FCN doch im gehobenen Mittelmaß vor sich hin. Zwar war der Kontakt zur Spitzengruppe nie ganz abgerissen, doch es sah lange nicht so aus, als würde die Oenning-Elf wirklich in der finalen Saisonphase noch um den Aufstieg mitspielen. Nun, nach vier Siegen in Serie, ist alles anders. Gegen St. Pauli wäre sogar der Sprung auf Platz zwei drin. Und vorbei ist es mit der gemütlichen Saison im Niemandsland.

Ich werde mir das Duell mit dem Kiez-Klub von der Haupttribüne aus zu Gemüte führen. Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur  hat zwei Tickets unter Journalisten verlost und ich war einer der glücklichen Gewinner. Jetzt hoff ich mal, dass sich der Gewinn nicht als trojanisches Pferd entpuppt und der Club ausgerechnet, wenn ich nach längerer Absenz mal wieder dabei bin, ein Waterloo erleidet…Aber eigentlich geht es für Pauli doch um nichts mehr. Vielleicht denken die Hamburger ja an das Jahr 2001. Da hat der als Zweitliga-Meister feststehende FCN das letzte Spiel gnädig mit 1:2 gegen die Jungs von der Reeperbahn verloren und den St. Paulianern damit den Mitaufstieg ermöglicht. Danach feierten Club- und Pauli-Fans gemeinsam. Zeit, sich zu revanchieren, oder, FC St. Pauli?

Es geht um die Wurst

Klar, in der zweiten Liga kann man leicht auch gegen Underdogs den Kürzeren ziehen. Deswegen wird oft noch in der Saisonendphase manches durcheinandergewirbelt. Trotzdem lege ich mich beim Blick auf die Tabelle mal fest: Beim Spiel gegen Duisburg am Montag wird sich wohl entscheiden, ob wir noch Aufstiegsträume pflegen dürfen oder uns mit einem weiteren Jahr Zweitligafußball begnügen müssen.

Da beruhigt es immerhin, dass Clubtrainer Oenning in Duisburg gewinnen will. So steht es jedenfalls auf der Club-Homepage. Wobei man solche Beiträge und Aussagen eigentlich in der Pfeife rauchen kann. Denn wer sagt schon, er will das Spiel verlieren? Vor allem, wenn er dafür bezahlt wird, dass er ab und an ein paar Punkte einfährt.

Also Leute, am Montag Daumen drücken!

Die 3 Clubfreunde sind jedenfalls schon mal in Vorleistung getreten. Um für den Fall gewappnet zu sein, dass der Club wieder in europäischen Wettbewerben vertreten ist, haben wir uns jetzt via Twitter mit der großen, weiten Fußballwelt vernetzt. Mehrsprachig wollen wir dort dem internationalen Publikum demonstrieren, was Ruhmreichtum bedeutet und was für ein grandioser Verein unser FCN ist, selbst dann wenn er versehentlich mal unterklassig kickt.

Kommt jetzt Neururer?

Hypothese: Ein Fan von Real Madrid verirrt sich ins eacycredit Stadion und wird Zeuge der Paarung Club gegen FSV Frankfurt. Was geht in dessem Kopf vor, wenn er einen Spieler wie Ioannis Masmanidis beobachtet? 9 von 10 Pässen des „Mittelfeldmotors“ erreichen nicht mal einen Gegenspieler. Oder wenn er den Stürmern Charisteas und Eigler zusieht. Das Sturmduo rennt wild durcheinander, eine Absprache der Laufwege scheint nie stattgefunden zu haben. Ob der Real Anhänger erkennt, dass er hier einem Fußballspiel beiwohnt? Sogar einem, an dem 22 Profis mitwirken? Ähnlich schwach wie seine Kicker zeigte sich leider auch Trainer Oenning. Als in der 52 Minute Goncalves wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt wird, würdigt er den Portugiesen keines Blickes. Beleidigung bedeutet hier das Berühren der Stirn. Goncalves ist einer der wenigen Clubberer ist, der mit Herzblut zur Sache geht. Dann wechselt Oenning Boakye aus, den einzigen Stürmer der bisher in Hälfte 2 eine gute Szene hatte. Masmanidis darf jedoch noch weiter herumstümpern, Eigler ebenso. Noch kurz zum Konzept: es gibt keines. Vor allem das Mittelfeld ist nicht als solches zu erkennen. Und das bei diesem Gegner. Klandt, Hickl, Mehic, Cenci: Kicker, die selbst der Experte kaum kennt. Unbekannt ist natürlich nicht gleich schlecht, doch FSV Frankfurt war wirklich miserabel. Trotzdem kamen fast 38.000 Zuschauer. Doch ich traue mich zu wetten, außer gegen Fürth wird der Club demnachst vor nicht einmal 20.000 Leuten antreten müssen. Ob sich die Fans solche Leistungen noch lange gefallen lassen, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht hilft doch nur noch Peter Neururer.