Eine Ära geht nie so ganz

Am Mittwoch wird beim 1. FC Nürnberg ein neuer Aufsichtsrat gewählt. In der Jahreshauptversammlung werden die Zeiten als Präsidenten – teilweise nach Gutsherrnart – den Verein regierten beendet. „Eine Ära geht zu Ende“ sagte das für die Finanzen zuständige Vorstandsmitglied Ralf Woy.

20101002 Schäfer mit Schneider und SchmausAber keine Ära geht so ganz. Irgendwie wirkt sie auch noch in die neue hinein bzw. versuchen diejenigen, die in der alten das Sagen hatten, auch in der neuen noch mitreden zu können. Das mag zwar menschlich verständlich sein, denn Loslassen-können gehört nun einmal nicht zur hervorragenden Eigenschaft des homo sapiens. Demokratisch ist sowas aber nicht. Daher regen sich diejenigen, die aus Liebe zum Club (vielleicht aber auch aus anderen Motiven) jetzt ebenfalls einen der drei freien Sitze im Aufsichtsrat anstreben, aber nicht zu den Favoriten des alten Präsidiums zählen, mit Recht auf. Mehr dazu ist bei den Kollegen aus der Nordkurve zu finden. Wir brauchen das hier also nicht noch einmal ausführen.

Dennoch sei angemerkt: Auch zu solchen Geschäften gehören immer zwei, einer der unzulässige Wahlempfehlungen ausspricht und einer der brav dem Vorblöker folgt. Wir wünschen daher dem letzten Clubpräsidenten Franz Schäfer (links im Bild, mit Siegfried Schneider und Vize Lothar Schmauß) alles Gute und hoffen, dass die Mitglieder eine gute Wahl treffen.

Inzwischen stehen elf Kandidaten für die drei Aufsichtsratsplätze zur Wahl (hier die Namen).

Hans gibt lieber den Schlaumeyer

energie_Hans Meyer, der frühere Club-Trainer, verbringt seinen „Wohlverdienten“ bekanntlich in Nürnberg. Vom Fußball kann einer wie er natürlich trotzdem nicht lassen. Deswegen besitzt Meyer eine Dauerkarte beim 1.FCN. Damit hat er offensichtlich mehr Spaß als die meisten anderen Dauerkartenbesitzer bislang. Alle zwei Wochen trabt nämlich Club-Trainer Michael Oenning an, um sich zu versichern, dass Meyer nicht auf seinen Job spechtet. Der beruhigt ihn dann jedesmal und erklärt außerdem brav, dass er auch nicht das Amt des Club-Präsidenten anstrebe („Ich gebe lieber den Schlaumeier ohne für die Folgen verantwortlich zu sein.“)
Gesagt hat er das in einem Interview im Magazin „11 Freunde“. Dort wurde er auch zu den aktuellen Gerüchten befragt, er würde für den entlassenen Lucien Favre die Berliner Hertha trainieren. So richtig voll verneint hat Meyer das nicht.

Meyer hin oder her, es steht zu befürchten, dass zum nächsten Heimspiel mit der Hertha der dritte Verein mit einem neuen Trainer im Frankenstadion aufkreuzt. Was das bedeutet, wissen wir spätestens seit den Niederlagen gegen Hannover und Bochum.

Nach drei Spielen herrscht schon Ratlosigkeit

01_rausch_dpaAlso, nochmal: Der Club wird in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpfen. Manche haben sich bei der ersten Heimpleite noch damit getröstet, dass Schalke ein Meisterschafgtsanwärter ist, gegen den man durchaus auch verlieren kann. Von Hannover 96 kann das gewiss keiner behaupten. Doch gegen die Hannoveraner lief es noch schlechter als gegen Schalke. Im Prinzip ging vorne und hinten nichts zusammen. Einzig Torwart Raphael Schäfer scheint über jeden Zweifel erhaben.

Das Sturmproblem hat sich längst ins Mittelfeld verlagert. Wenn von dort nichts kommt, kann vorne auch keiner was versieben. Und eine in der zweiten Liga sattelfeste Abwehr ist nicht automatisch in der ersten genauso sattelfest. Dass jetzt Schäfer und Charisteas an der Taktik herumkritteln und damit Trainer Michael Oenning eins mitgeben, kann man positiv so interpretieren: Da machen sich Füherungsspieler auch Führungsgedanken. Wenn man archaische Autoritätsvorstellungen besitzt, dann wäre sowas aber der Anfang vom Ende einer Traineranstellung. Bei Michael A. Roth hätte man schon Oennings Tage zählen können. Aber der ist nicht mehr am Ruder.

Vielleicht kann Oenning, was die Taktik angeht (viel zu sehr auf den – zugebenermaßen verdienten – Marek Mintal abgestimmt) über seinen Schatten springen – Autorität hin oder her. Schön wäre allerdings auch, wenn endlich was gegen die Unfähigkeit der Mannschaft bei Standards getan würde.

Doch das wäre alles wurscht, wenn – wie in der vorvorletzten Saison drei Mal – gegen Stuttgart ein Sieg eingefahren würde. Nach dem heutigen Auftrit können wir uns das allerdings nur schwer vorstellen.

Schäfer, der letzte

Wenn man sich überlegt, welches Theater wir mit unserer Umfrage zur Roth-Nachfolge hatten. Wie sich da manche reingehängt haben, um den einen Kandidaten hochzuvoten und einen anderen zu verhindern… Und wozu? Für nichts und wieder nichts!

Der Club will nämlich das Präsidententum abschaffen, modern und schlanker werden. Interimspräsident Franz Schäfer wird, wie er selber sagt, wohl der letzte Clubpräsident sein.

Wir könnten jetzt wieder mal anmerken, dass wir dem Präsidentenamt keine Träne nachweinen. Aber das bekommen sicher wieder manche in den falschen Hals. Eine Erfolgsgeschichte ist das Clubpräsidententum dennoch nicht, Roth hin oder her. Insofern kann man auf dieses Amt gern verzichten.

Ergebnis des Clubpräsidenten-Votings

Bevor noch mehr Leute sinnlos Lebenszeit mit Dauerklicken verschwenden oder weiter ihre Klickroboter bemühen müssen, ziehen wir hier jetzt einen Schlussstrich unter unser Clubpräsidenten-Voting.

Für diejenigen, die das Voting nicht dauernd verfolgt und alle Kommentare und Tweets gelesen haben, fassen wir noch einmal kurz zusammen:

Kurz nachdem das Voting online war, hat Ged Schmelzer (Bild) innerhalb von zwei Stunden knapp 150 Stimmen bekommen. Damit lag er natürlich erst einmal meilenweit vorne. Als das die Schmelzer-Gegner – und davon gibt es unter denjenigen Clubberern, die sich noch an dessen Amtszeit erinnern können, sehr viele – mitbekamen, gab es natürlich Protest in den Kommentaren und massenhaft Gegenklicks, die zumeist Andreas Köpke zugute kamen. Inzwischen führt jetzt auich Köpke mit 36 Prozent vor Schmelzer mit 27 Prozent (zieht man dort die 150 ab, wären es allerdings gerade mal 2,5 Prozent).

Hinter diesen beiden mit Vorsicht zu genießenden Klickergebnissen rangieren dann schon ziemlich abgeschlagen Klaus Wübbenhorst (7 Prozent), Hans Meyer (6), Günther Koch (6), Lothar Matthäus und Dieter Eckstein (je 5). Renate Schmidt, Franz Schäfer und Markus Söder kamen jeweils nur auf 2 Prozent.

Interessant ist, welche Namen sonst noch in die Diskussion geworfen wurden. Etwa Jürgen Klinsmann, Günther Beckstein, die Hoeneß-Brüder oder Marc Öchler – aber auch vergleichsweise eher Unbekannte, wie Alexander Bösch, Beder Herzner, Peter Hammer, Konni Winkler, Bruno Weizenkeim oder unser Clubfreund Thomas Susemihl. Auch der Ex-Sportchef der NZ, Dieter Bracke, wurde zwei Mal genannt. Einer schlug „seine Oma“ vor, ein anderer „einen arbeitslosen Clubfan“. Kommentator „kruemmel“ hält seine Frau für hervorragend geeignet: „Sie ist ein Finanzwunder“. Nicht zu vergessen auch noch die Drei-Dieter-Lösung (Eckstein, Lieberwirth, Nüssing).

Wenn also im nächsten Jahr ernsthaft über die Roth/Schäfer-Nachfolge entschieden wird, besteht zumindest kein Mangel an Kandidaten vorhanden. Hoffentlich haben die „Oma“ und das „Finanzwunder“ dann auch die Gelegenheit, sich entsprechend zu präsentieren.

Und noch was: Gerd Schmelzer soll, so erklärte uns ein Kollege, der häufiger mit ihm zu tun hat, überhaupt kein Interesse an einer Kandidatur haben.

Die turbulenten Schmelzer-Jahre

Club-Fans sind hart im Nehmen, aber eine zweite Ära Gerd Schmelzer wollen sie sich offenkundig nicht antun,  wie die Kommentare zu unserer Abstimmung zeigen. Ein kleiner Ausflug in die Club-Historie macht die Bedenken unserer Leser nur allzu verständlich. Gut, unter Schmelzer wurde der Aufstieg 1985 mit einer Garde junger Spieler wie Reuter, Grahammer oder Eckstein geschafft und dieser „goldenen Generation“ glückte 1988 auch der Einzug in den Uefa-Cup.

Aber der nachfolgende Niedergang ist eben auch ganz eng mit dem Namen Schmelzer verbunden: Die jungen Stars wurden verkauft, ohne dass für adäquaten Ersatz gesorgt worden wäre. Trainer Hermann Gerland  musste mit Schmelzers übertriebener Anspruchshaltung leben – der Ligaverbleib mit einer zerkauften Mannschaft in der Spielzeit 1988/89 wurde ihm nicht gedankt. Gerlands launigen Hinweis, dass Schmelzer „seine Glatze nicht so oft in die TV-Kamera halten“ solle, nahm der Präsident als willkommenen Anlass für die Kündigung im Frühjahr 1990. Da hatte Gerland allerdings schon einen Großteil der notwendigen Punkte für den erneuten Klassenverbleib eingefahren; und das, obwohl er sich mit dem Präsidenten monatelang in einer Dauerfehde befunde hatte. 

Als Nachfolger präsentierte Schmelzer den weltläufigen Holländer Arie Haan. Doch in das Team investierte er wieder nur unzureichend.  Die Folge: Abermals Abstiegskampf. Als Schmelzer im Januar 1991 deshalb Haan entlassen wollte, stellten sich seine bisher treu ergebenen Mitstreiter Sven Oberhof und Ingo Böbel (der Professor mit der schwarzen Kasse…) quer. Daraufhin trat Schmelzer zurück. Turbulente Zeiten also. Langweilig würde es wohl nicht werden mit einem Präsidenten Schmelzer…

Punktabzug für Schmelzer

Online-Umfrage sind nicht repräsentativ. Das haben wir jetzt wieder einmal selbst bewiesen bekommen. Innerhalb von einer Stunde erhielt der frühere Club-Präsident Gerd Schmelzer (hier ein Bild aus seiner Präsidentenzeit) bei unserer Umfrage „Wer soll Club-Präsident werden?“ 150 Stimmen. Die Mühe, die sich da jemand gemacht hat, in allen Ehren, dennoch hat das DCS (Drei-Clubfreunde-Schiedsgericht) entschieden: Am Ende der Saison bekommt Schmelzer die 150 Punkte wieder abgezogen.

Wir werden also nicht -wie manche vorgeschlagen haben – die Umfrage noch einmal neu starten. Schließlich wären dann die korrekten User, die bereits abgestimmt haben, auch bestraft worden. Auch auf den Hinweis von Lothar Matthäus auf unserem Twitteraccount werden wir nicht reagieren. Er schrieb uns:

Ich will eng mit einer Mannschaft zusammenarbeiten, nicht Präsident werden. Versuche mit schwierigen Aufgaben mich zu empfehlen.

Ob der Twitter-Matthäus ein Fake ist, spielt für uns hier nicht einmal eine Rolle. Wir werden Matthäus trotzdem weiter im Voting drin lassen. Schließlich soll der neue Präsident erst in eineinhalb Jahren sein Amt antreten. Bis dahin könnte es leicht sein, dass Lodda nicht einmal mehr in Ungarn eine Traineranstellung bekommt.

Wer soll Clubpräsident werden?

Michael A. Roth hat den Präsidentenstuhl beim Club überraschend geräumt. Da Franz Schäfer vorerst als Interimspräsident fungiert, hat der FCN noch Zeit, sich die Nachfolge zu überlegen. Wir eröffnen trotzdem schon einmal die Diskussion darüber, und starten eine Umfrage. Schließlich sollten solche Entscheidungen nicht nur ein paar – oft nicht so sehr im aktuellen Geschehen verhaftete – Aufsichtsräte treffen, auch die Fans müssen hier gehört werden.

Zu unseren Vorschlägen: Wir haben einerseits die Namen, die im Augenblick im Gespräch sind, aufgeführt, wie GfK-Chef Klaus Wübbenhorst oder den früheren Club-Präsidenten Gerd Schmelzer. Dann haben wir verdiente Ex-Spieler dazugenommen, die ebenfalls von einigen gehandelt werden (Andreas Köpke, Dieter Eckstein) und schließlich Leute, die Zeit haben, sich für den Club zu engagieren. Dazu gehören der in solchen Fällen immer gern genannte Lothar Matthäus, der noch in Nürnberg wohnende ehemalige Trainer Hans Meyer, die Reporterlegende Günther Koch sowie die frühere Ministerin Renate Schmidt, mit der endlich auch einmal eine Frau ein solches Amt bekleiden würde. Der Vollständigkeit halber haben wir auch den Interimspräsidenten Franz Schäfer und Markus Söder als Aufsichtsrat aufgeführt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, auch eigene Vorschläge zu machen.

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