Flucht in die ruhmreiche Vergangenheit

Kollege vip klingt ja fast ein bisschen optimistisch. Irgendwie kann ich mir jedoch kaum vorstellen, dass der Club noch das rettende Ufer erreicht. Zugegeben, bei den Siegen in Wolfsburg (3:2) und Hannover (3:1) zeigte die Mannschaft ihr spielerisches Potenzial – aber gegen krisengeschüttelte Gegner, die sich derzeit ähnlich desolat zeigen wie der Ruhmreiche.

Freilich liegt darin vielleicht die Chance des FCN, das „Schneckenrennen“ (so ARD-Moderator Gerhard Delling) am Tabellenende doch noch für sich zu entscheiden – vielleicht sind die anderen noch ein bisschen langsamer. Erinnerungen werden wach an die Spielzeit 2001/02, als der FCN mit mickrigen 34 Pünktchen und stattlichen 20 Niederlagen sogar schon am 33. Spieltag den Klassenerhalt feiern konnte, weil Köln, Freiburg und St. Pauli sogar noch ein bisschen schlechter waren.

Aber einen Vorteil  gegenüber der Konkurrenz aus Freiburg und Hannover haben wir zumindest: Die Annalen des FCN sind prall gefüllt mit Erfolgsgeschichten, mit deren Hilfe man aus der trüben Gegenwart flüchten kann. Am Donnerstag, 18. Februar (19.30 Uhr), werden im Südpunkt (Pillenreuther Straße 147) wieder solche Geschichten erzählt. Dort ist dann nämlich in der Gesprächsreihe „Weißt du noch, damals…!?“ der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur „Steff“ Reisch zu Gast, der dabei war, als der Club 1961 seine achte Meisterschaft feiert. Zweiter Teilnehmer der Runde ist der Immobilienentwickler Gerd Schmelzer,  von 1983 bis 1991 Präsident des FCN. Da war der frühere Glanz des Altmeisters freilich schon verblasst – aber immerhin qualifizierte sich der Club in Schmelzers Amtszeit mal für den Uefa-Cup.

Aus dem aktuellen Kader wird eventuell  Torwart Alexander Stephan dabei sein, die Runde moderiert Mathias Zeck, Sportchef des Funkhauses. Die Akademie hatte die erfolgreiche Reihe 2009 gestartet, um Legenden von einst zu Wort kommen zu lassen.

Und am Freitag, 19. Februar (19.30 Uhr),  gibt es für die Fans der Fußball-Akademie gleich einen weiteren Höhepunkt: Christoph Biermann, Sportjournalist des „Spiegel“, stellt  im Zeitungscafe Hermann Kesten der Stadtbibliothek (Eingang neben der Katharinenruine), sein neues Buch „Die Fußball-Matrix. Auf der Suche nach dem perfekten Spiel“ vor. Mit früheren Fußball-Büchern landete Biermann sowohl 2006 als auch 2007 auf Platz zwei bei der Wahl zum besten Fußball-Buch des Jahres, die die Akademie alljährlich durchführt.

Ergebnis des Clubpräsidenten-Votings

Bevor noch mehr Leute sinnlos Lebenszeit mit Dauerklicken verschwenden oder weiter ihre Klickroboter bemühen müssen, ziehen wir hier jetzt einen Schlussstrich unter unser Clubpräsidenten-Voting.

Für diejenigen, die das Voting nicht dauernd verfolgt und alle Kommentare und Tweets gelesen haben, fassen wir noch einmal kurz zusammen:

Kurz nachdem das Voting online war, hat Ged Schmelzer (Bild) innerhalb von zwei Stunden knapp 150 Stimmen bekommen. Damit lag er natürlich erst einmal meilenweit vorne. Als das die Schmelzer-Gegner – und davon gibt es unter denjenigen Clubberern, die sich noch an dessen Amtszeit erinnern können, sehr viele – mitbekamen, gab es natürlich Protest in den Kommentaren und massenhaft Gegenklicks, die zumeist Andreas Köpke zugute kamen. Inzwischen führt jetzt auich Köpke mit 36 Prozent vor Schmelzer mit 27 Prozent (zieht man dort die 150 ab, wären es allerdings gerade mal 2,5 Prozent).

Hinter diesen beiden mit Vorsicht zu genießenden Klickergebnissen rangieren dann schon ziemlich abgeschlagen Klaus Wübbenhorst (7 Prozent), Hans Meyer (6), Günther Koch (6), Lothar Matthäus und Dieter Eckstein (je 5). Renate Schmidt, Franz Schäfer und Markus Söder kamen jeweils nur auf 2 Prozent.

Interessant ist, welche Namen sonst noch in die Diskussion geworfen wurden. Etwa Jürgen Klinsmann, Günther Beckstein, die Hoeneß-Brüder oder Marc Öchler – aber auch vergleichsweise eher Unbekannte, wie Alexander Bösch, Beder Herzner, Peter Hammer, Konni Winkler, Bruno Weizenkeim oder unser Clubfreund Thomas Susemihl. Auch der Ex-Sportchef der NZ, Dieter Bracke, wurde zwei Mal genannt. Einer schlug „seine Oma“ vor, ein anderer „einen arbeitslosen Clubfan“. Kommentator „kruemmel“ hält seine Frau für hervorragend geeignet: „Sie ist ein Finanzwunder“. Nicht zu vergessen auch noch die Drei-Dieter-Lösung (Eckstein, Lieberwirth, Nüssing).

Wenn also im nächsten Jahr ernsthaft über die Roth/Schäfer-Nachfolge entschieden wird, besteht zumindest kein Mangel an Kandidaten vorhanden. Hoffentlich haben die „Oma“ und das „Finanzwunder“ dann auch die Gelegenheit, sich entsprechend zu präsentieren.

Und noch was: Gerd Schmelzer soll, so erklärte uns ein Kollege, der häufiger mit ihm zu tun hat, überhaupt kein Interesse an einer Kandidatur haben.

Die turbulenten Schmelzer-Jahre

Club-Fans sind hart im Nehmen, aber eine zweite Ära Gerd Schmelzer wollen sie sich offenkundig nicht antun,  wie die Kommentare zu unserer Abstimmung zeigen. Ein kleiner Ausflug in die Club-Historie macht die Bedenken unserer Leser nur allzu verständlich. Gut, unter Schmelzer wurde der Aufstieg 1985 mit einer Garde junger Spieler wie Reuter, Grahammer oder Eckstein geschafft und dieser „goldenen Generation“ glückte 1988 auch der Einzug in den Uefa-Cup.

Aber der nachfolgende Niedergang ist eben auch ganz eng mit dem Namen Schmelzer verbunden: Die jungen Stars wurden verkauft, ohne dass für adäquaten Ersatz gesorgt worden wäre. Trainer Hermann Gerland  musste mit Schmelzers übertriebener Anspruchshaltung leben – der Ligaverbleib mit einer zerkauften Mannschaft in der Spielzeit 1988/89 wurde ihm nicht gedankt. Gerlands launigen Hinweis, dass Schmelzer „seine Glatze nicht so oft in die TV-Kamera halten“ solle, nahm der Präsident als willkommenen Anlass für die Kündigung im Frühjahr 1990. Da hatte Gerland allerdings schon einen Großteil der notwendigen Punkte für den erneuten Klassenverbleib eingefahren; und das, obwohl er sich mit dem Präsidenten monatelang in einer Dauerfehde befunde hatte. 

Als Nachfolger präsentierte Schmelzer den weltläufigen Holländer Arie Haan. Doch in das Team investierte er wieder nur unzureichend.  Die Folge: Abermals Abstiegskampf. Als Schmelzer im Januar 1991 deshalb Haan entlassen wollte, stellten sich seine bisher treu ergebenen Mitstreiter Sven Oberhof und Ingo Böbel (der Professor mit der schwarzen Kasse…) quer. Daraufhin trat Schmelzer zurück. Turbulente Zeiten also. Langweilig würde es wohl nicht werden mit einem Präsidenten Schmelzer…