Club wieder auf dem Boden der Realitäten

Das Schöne am Fußball ist doch, dass das, was gerade gesagt wurde, schon am nächsten Spieltag widerlegt werden kann. Insofern ist der Club – und auch wir Fans – nun wieder auf dem Boden der Realitäten gelandet. Ziemlich unsanft.

Aber Hannover ist halt nicht Hertha. Und, was beim Club offenbar auch in dieser Saison wieder entscheidend ist: Auswärtsspiel ist nicht Heimspiel. Zuhause muss man das Heft in die Hand nehmen, kann man sich nicht hinten rein stellen und erst mal abwarten, um dann – wie in Berlin – irgendwann in der Schlussphase einen lichten Moment zum Siegtreffer auszunutzen. Eine Viertelstunde versuchte der Club nach vorne zu spielen, Hannover unter Druck zu setzen und sich Torchancen zu erarbeiten. Aber Hannover ließ nicht viel zu. Einmal hielt Torhüter Zieler bravourös gegen Klose. Einmal versemmelte Peckhart eine von Esswein super herausgespielte Chance. Hannover wiederum bemühte sich, nicht Torchancen herauszuarbeiten, sondern lieber Tore zu schießen. Denn die zählen und nicht die Chancen. Beim ersten stand der zuvor noch von vielen als Nationalmannschaftskandidat bezeichnete Philipp Wollscheid neben sich und zu weit weg vom Torschützen Abdellaoue. Beim zweiten agierte Raphael Schäfer wieder einmal unglücklich, konzentrierte sich auf den Ball, nicht auf den anstürmenden Gegner und verursachte so einen Elfmeter. Dass er solche Fehler nicht mehr wett machen kann und mal einen Strafstoß hält, ist leider bekannt.

Wie ausgewechselt kam der Club aus der Pause. Vielleicht lag es auch daran, dass Jens Hegeler, wie schon in Berlin, eingewechselt wurde und für die zuvor fehlende Zielstrebigkeit sorgte. Prompt machte Tomas Pekhart auf schöne Chandler-Flanke den Anschlusstreffer. Aber mehr war dann doch nicht drin. Wobei auch noch Pech dazu kam. So verletzte sich Javier Pinola so schwer, dass er nicht mehr weiter spielen konnte. Kurz zuvor hatte Trainer Hecking aber schon das dritte Mal ausgewechselt. So musste der Club am Schluss zu zehnt den Ausgleich erzwingen. Vergeblich!

Es gibt Tage, da läuft halt nichts. Dazu passt dann auch noch das zurückgekehrte Bayer-Dusel. Abputzen! Weitermachen! Immerhin geht´s das nächste Mal wieder in die Fremde. Zwar nach Dortmund. Aber im Augenblick ist das wohl besser als ein Heimspiel.

Der nette Herr Slomka

urn:newsml:dpa.com:20090101:100228-10-11427Manche Trainer haben ja Spitznamen, die sie eine ganze Karriere lang verfolgen. Felix Magath etwa ist wegen seiner Affinität zu Medizinbällen und hügeligen Landschaften, über die er seine Kicker scheuchen kann, als „Quälix“ verschrien. Ralf Rangnick gilt als der „Professor“, seit er einst im ZDF-Sportstudio an einer Tafel darüber dozierte, wie er Underdog Ulm dank revolutionärer Taktik ins Oberhaus beförderte. Ewald Lienen wiederum, der zu seiner aktiven Zeit wegen seiner markanten Frisur und seiner  politischen Einstellung als „Großneffe Lenins“ bezeichnet wurde, gilt als „Zettel-Ewald“ – nur weil er sich während des Spiels Notizen macht, was zu Beginn von Lienens Trainerkarriere offenkundig in Übungsleiter-Kreisen noch absolut unüblich war.

Auch Mirko Slomka hat seit seinem Engagement in Schalke, wo er zwischen 2006 und 2008 Cheftrainer war, einen Stempel, den er nicht mehr loswird: Er gilt wegen seiner sympathischen, uneitlen Art als der „nette Herr Slomka“. Doch nett und menschlich zu sein wird   im Haifischbecken Bundesliga ambivalent bewertet. Vielleicht lag es auch an der fehlenden Härte, die Slomka unterstellt wurde, dass er in Gelsenkirchen trotz passabler sportlicher Bilanz gehen musste und danach fast zwei Jahre  keinen Job mehr bekam – obwohl die Fachblätter ihn  überall dort, wo ein Trainer entlassen wurde, als Kandidat handelten.

Schließlich heuerte er bei Hannover 96 an. Und ist dort ausgesprochen nett – jedenfalls zum Club und den anderen Konkurrenten im Abstiegskampf. Denn er  hat seine ersten sechs Spiele mit den Niedersachsen samt und sonders verloren und damit dem FCN ermöglicht, mühevoll  von Abstiegsplatz 17 auf Relegationsrang 16 hochzukraxeln.
Slomka hat damit im übrigen einen Bundesliga-Negativrekord eingestellt, denn mit mehr als sechs Niederlagen am Stück ist noch kein Trainer bei seinem neuen Verein gestartet. Und in der Geschichte der 1963 gegründeten Bundesliga haben dieses Kunststück vor Slomka auch nur fünf Trainer geschafft: Heinz-Ludwig Schmidt (mit Tasmania Berlin in der Saison  1965/66), Janos Bedl (Wuppertaler SV, 1974/75),  Hans Tilkowski (1. FC Saarbrücken, 1977/78), Reinhard Saftig (ebenfalls Hannover, 1988/89) und zuletzt Klaus-Peter Nemet (FC St. Pauli, 1996/97).

Ganz erstaunlich: Ein Negativrekord mal ganz ohne Nürnberger Beteiligung! Die besagten Vereine sind übrigens allesamt abgestiegen, was für Hannover kein gutes Omen ist. Für den Club indes schon, denn dann wäre ein Abstiegsrang schon mal besetzt. Übrigens glaube ich, dass Mirko Slomka trotz seines missglückten Starts in Hannover ein richtig guter Trainer ist. Aber es reicht ja, wenn er sich mit dem Nachweis noch etwas Zeit lässt und das  erst kommende Saison mit 96 in der Zweiten Liga unter Beweis stellt. Das wäre richtig nett von ihm.

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