Alte Schwachstellen, neuer Soundtrack

Nur schlecht reden möchte den neuen Club auch keiner. Deswegen fangen wir mal mit dem Positiven an. Die erste Halbzeit war durchaus ansehnlich. Der Club praktizierte teilweise Powerplay, entwickelte viel Druck und schnürte den Zweitliga-Siebzehnten aus Hamburg teilweise ein. Allerdings: Richtig gefährlich wurde es vor dem Tor von St. Pauli trotzdem nicht. Irgendein Pass kam immer nicht an und eine Idee, wie der Ball ins Netz finden soll, war letztlich auch nicht erkennbar.

Das könnte man auf das kurzfristige Fehlen von Kevin Möhwald schieben. Aber in den letzten Spielen, als er noch die Fäden im Mittelfeld ziehen sollte, war es leider auch nicht anders. Heute kam allerdings noch hinzu, dass nun Tobias Kempe allein für die Standards verantwortlich war und daraus null Kapital zu ziehen wusste.

Im Sturm lief diesmal Dominic Baumann auf. Inzwischen scheint es aber schon egal, wen Michael Köllner dorthin stellt, er mutiert immer zum Ausfall.

Aber beim vom Köllner propagierten Neuaufbau ist die Mannschaft ja auch erst bei 80 Metern angelangt. Die restlichen 20 werden erst noch durchgenommen. Insofern wollen wir nochmal Geduld walten lassen.

Leider erhöht die Flaute vorne dann aber den Druck hinten. Da ist die Clubabwehr halt immer für den einen oder anderen Aussetzer gut. Das war dann auch diesmal so. Bulthuis lascher Kopfball bringt St. Pauli in Ballbesitz. Den Schuss von Sahin kann Schäfer dann zwar abwehren, aber genau zu Bouhaddouz der nur noch abstauben muss. Jetzt war der Wurm im gesamten Clubspiel drin. Das Anrennen gestaltete sich noch planloser, die Folge: In der 70. Minute machte erneut Bouhaddouz den Deckel drauf. Und nachdem sich unsere Mannschaft nicht mal mehr selber einen Torerfolg zutraute, war der Käse gegessen.

Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings auch ein Akteur, den Köllner unter der Woche in die Pflicht genommen hat: das Publikum. Das war diesmal zweigeteilt. Da waren zum einen die Ultras, die jedoch zum Stimmungsboykott aufgerufen hatten, was sich für Außenstehende jedoch nicht einmal negativ bemerkbar machte. Statt dem bekannten, eher eintönigen, mit Trommelklang unterlegten Singsang war diesmal sogar zu hören, ob der Club am Drücker war oder der Gegner eine Chance besaß. Die Nicht-Ultras im Stadion schienen ihre Chance zu nutzen, sich auch mal akustisch äußern zu können. Leider brachte sie der Spielverlauf dann eben auch zum Verstummen. Insofern war das, was den Neuaufbau anging, eine eher gescheiterte Doppelstunde.

Nur 1:1 beim Schlusslicht

366189949Ausgerechnet beim Tabellenletzten St.Pauli riss die kleine Club-Siegesserie. Am Millerntor gab es nur ein 1:1 nach einem Spiel, das durchaus als seltsam bezeichnet werden kann. Denn eigentlich hatte man nie das Gefühl, der Gegner stünde zu Unrecht im Keller. Das war zwar alles bemüht und von viel Einsatz geprägt, was St. Pauli da ablieferte. Aber eben auch sehr limitiert und fehlerbehaftet. Dass die Hamburger dann trotzdem bereits in der 6. Minute in Führung gingen war einerseits einer Fehlentscheidung (Abseits) vom indisponierten Schiri Harm Osmers zu verdanken, andereseits auch einem eklatanten Komminikationsproblem in der neu formierten FCN-Abwehr. Hovland, Sepsi und Kirschbaum waren sich nicht einig, wer den Ball wegschlägt. Sepsi passte dann einfach zu Buchtmann, der sich mit dem 1:0 revanchierte.

Anders als durch eine solche Blödheit, so schien es, hätte dieser Gegner wohl kaum ein Tor erzielt. Das zog sich eigentlich durchs ganze Spiel. Immerhin dauerte es nicht mal eine Viertelstunde ehe Burgstaller (wer sonst?) nach einer Ecke den Ausgleich markierte. Jetzt, so hofften nicht nur wir, setzt der Club seine spielerische, gedankliche und körperliche Überlegenheit um und nagelt das Schlusslicht am Tabellenende fest. Doch aus der gefühlten Überlegenheit resultierte leider nichts. Auch hier half Schiri Osmers wieder ein bisschen mit, als er nach einer halben Stunde ein klares Handspiel von Hedenstad nicht mit einem Elfer ahndete.

Nun ja, es war noch genug Zeit. Der Club legte aber nicht noch einen Zahn zu, auch der Zeugwart reagierte nicht auf die offensichtlich falsche Stollenwahl. Stattdessen passte sich unsere Mannschaft immer mehr dem Gegner an, produzierte selber Fehlpässe am laufenden Band und agierte planlos und mit Einzelaktionen. Als St. Pauli am Ende nicht mehr konnte, zog der Club brav mit und konnte auch nicht mehr. Auch Trainer Alois Schwartz konnte dann irgendwie nicht und schaffte es nicht, rechtzeitig frische Kräfte auf den nassen Rasen zu bringen. Am Ende hatte dann sogar noch St.Pauli die Riesenchance auf den Siegtreffer. Da musste man sogar noch froh sein über den Punkt. Wobei an diesem Montagabend für den Club wesentlich mehr drin gewesen ist.

Club gewinnt netten Sommerkick

3818787460Diesmal hat der Club seine Hausaufgaben gemacht. Bei bestem Frühsommerwetter, vor 50.000 Zuschauern und gegen einen sympathischen Gegner. Da erledigt man seine Hausaufgaben gerne. Blöd nur, wenn die dann nichts mehr nützen.

Im Parallelspiel in Leipzig besiegten nämlich die Roten Bullen den KSC und machten damit den Aufstieg klar. Der Club hat jetzt also den Relegationsplatz sicher. Die letzten Hoffnungen, doch noch den Direktaufstieg zu schaffen, sind dahin.

Gleich von Beginn an deutete der Club an, dass er gegen den FC St. Pauli nichts anbrennen lassen wollte. Der Dauerdruck auf das von Himmelmann gehütete Pauli-Tor wurde in der 22. Minute belohnt, als Füllkrug den Ball ins Gästetor stocherte. Danach nahm der Club den Druck etwas raus. Was fünf Minuten später beinahe bestraft worden wäre. Den durchgebrochenen Keller konnte Margreitter nur mit einem Foul stoppen. Er wa letzter Mann, was die Rote Karten bedeutet hätte. Schiri Fritz entschied jedoch auf Abseits. Fälschlicherweise. Das war nett.

Danach plätscherte das Spiel dahin. Der Club war überlegen, ohne aber zwingende Chancen herauszuspielen. St. Pauli hoffte auf Konter. Aber beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie sich kein Bein für eine Ergebnisänderung ausreißen wollten.

Beim Club schien es eher darum zu gehen, dass sich vorbelastete Spieler ihre Gelbe abholen, um dann für die Relegation clean zu sein. Irgendwann schien dann auch auf dem Platz die Nachricht durchgedrungen zu sein, dass die Brausekicker gegen den KSC führten. Festhalten konnte man lediglich, dass sich Stieber und Blum, die diesmal in der Startelf auflaufen durften, nicht nachhaltig aufdrängen konnten. Beide wurden nach einer Stunde auch ausgewechselt.

Jetzt kann sich der FCN voll auf die Relegation konzentrieren. Vielleicht ein kleiner Vorteil gegenüber Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt. Dass es der desolate VfB noch packt, bezweifle ich. Wobei wir gegen die sicher die besten Chancen gehabt hätten.

Am ersten Advent gleich vier Lichtlein angezündet

3855106929Da denkst du erst, oje, das wird heute nichts: Der auswärtschwache Club beim relativ souverän aufspielenden Tabellendritten St. Pauli, am Millerntor, wo der FCN seit 21 Jahren kein Tor mehr erzielt hat. Und dann auch noch ohne den gelbgesperrtemn Guido Burgstaller, der bislang meistens beteiligt war, wenn es mal für den Club was Zählbares gab. Die Erwartungshaltung war also niedrig.

Aber dann machte der Club die Wundertüte auf. Selten haben wir Fans derart relaxt ein Spiel verfolgen können. Spätestens nach 53 Minuten hatte sich auch der FC St.Pauli aufgegeben, so dass es diesmal eine fast schon langweilige Schlussphase zu beobachten gab. Nichts mit Nervenflattern und Bibbern bis zum Schlusspfiff. Im Gegenteil: Eine Minute vor Schluss ließ der jahrelang Torlose dann sogar noch den vierten Treffer folgen.

Doch der Reihe nach: Statt Burgstaller sollte diesmal Niclas Füllkrug vorne wirbeln und das tat er dann auch. Während der FC St.Pauli anfangs permanent auf das Gästetor drängte, nutzte der Club seine erste richtige Chance: Mit dem Knie bugsierte Füllkrug den Ball ins Hamburger Gehäuse. Danach verlagerten die Gäste das Geschehen weiter nach vorne. Bereits im Mittelfeld verpufften die meisten FCSP-Angriffe. Der Club kam sogar zu der einen oder anderen Chance und in der 43. Minute war es erneut Füllkrug, der einen Pass des diesmal gut aufgelegten Alessandro Schöpf mitnahm und dann nicht lang fackelte.

2:0 zur Pause. Wer hätte das gedacht? Aber es kam noch besser. Gerade einmal acht Minuten nach Wiederanpfiff machte dann Leibold, erneut auf Pass von Schöpf, den Deckel drauf. Während die St.Pauli-Fans unermüdlich am Anfeuern waren, hatte sich ihre Mannschaft dann wohl in ihr Schicksal gefügt. Dazu trug sicher auch bei, dass sie nie den Schlüssel fand, um die Clubabwehr zu öffnen. Wenn dann doch einmal ein Ball aufs Tor flog, war Raphael Schäfer auf dem Posten. Der Altersteilzeit-Keeper strahlt da die nötige Ruhe aus, die seinen beiden jungen Kollegen (noch, oder dauerhaft?) fehlt.

Hinten den Zahn ziehen und vorne gnadenlos effizient verwandeln, mit diesem Rezept zündete der Club dann am 1. Advent gleich vier Lichtlein an. Dass der Auswärtssieg gegen eine Mannschaft gelang, die bislang oben rangierte und auch noch als relativ heimstark gilt, lässt auf einmal wieder Aufstiegsträume blühen. Immerhin ist der Club inzwischen bereits auf Platz 6 geklettert und hat sogar die Kräuterkicker dank des besseren Torverhältnisses überholt. Die 2. Liga ist zwar relativ ausgeglichen und viel hängt da an Kleinigkeiten. Dennoch könnte es sein, dass wir mal schreiben: Der 1. Advent war der Knackpunkt, da wurden die Weichen zur Aufholjagd gestellt.

Ladehemmung für Meeske?

pauliSchon als ich die komischen FCN-Reaktionen auf das links abgebildete Ansinnen von St.Pauli las, dachte ich: Da haben sie wieder mal was abgekartet. Typisch Club. Wenn man schon kein Geld hat und kein Konto in der Schweiz, muss man halt mit Punkten handeln. Jetzt holen sie damit den Michael Meeske als Finanzvorstand und der kann dann die bislang fehlenden Voraussetzungen schaffen…

Aber da hatte ich das Spiel noch nicht gesehen. Das Unvermögen, das mir da entgegengähnte, ließ mich rasch umdenken. Auch perfiede Pläne bauen auf Kompetenzen auf. Die fehlen der Clubmannschaft aber völlig. Die Ladehemmung, die sie offenbart, wird langsam nachgerade peinlich. Auch die in letzter Zeit häufig verbreitete Auffassung, die Mannschaft spiele gut, belohne sich nur nicht, drängte sich beim Hamburger Stadtteilclub nicht auf. Letzterer spielte lediglich ebenso kläglich wie wir und deswegen sah der Club nicht ganz so schlecht und alles bis kurz vor Schluss nach einer Nullnummer aus. Doch dann fand St.Pauli in der letzten Spielminute doch noch zum Wesen des Spiels zurück, das wir leider völlig aus dem Auge verloren haben.

Woran es diesmal gelegen hat? Vielleicht war der Flug unruhig? Vielleicht haben die abgesagte und dann doch stattgefundene Aufsichstratssitzung zu stark gestresst? Vielleicht hat die medizinische Abteilung…..

Doch Scherz beiseite: Beim Club zieht sich die Misere von ganz oben bis zum jeweiligen gegnerischen Strafraum. Die Saison ist offensichtlich schon abgehakt. Hoffnung, dass es in der nächsten besser werden könnte, stellt sich leider auch nicht ein – selbst, wenn wir jetzt Meeske verpflichten können.

Der Depp macht uns bescheiden

4134695845Unentschieden zu Hause gegen St. Pauli, ein Mannschaft, die ziemlich von der Rolle war und daher in den Niederungen der 2. Liga herumdümpelte, das ist eigentlich ziemlich bescheiden. Wer den Anspruch hat, sofort wieder aufzusteigen, der muss solche Spiele gewinnen. Zumal dann, wenn der Gegner auf dem Platz deutlich demonstriert, warum er unten steht.

Am Ende waren wir dennoch froh, dass wenigstens ein Punkt heraussprang. Der Depp macht uns bescheiden. Schon nach einer Minute war die Stimmung wieder im Keller. Da war die Abwehr wohl noch geistig in der Kabine und prompt führte der Außenseiter. Richtig aufgewacht ist die Abwehr danach aber auch nicht. Pauli hatte weitere Chancen, machte es aber gnädig und ließ den Club am Leben. In der 20. Minute glich dann – zuvor hatte den Clubspielern offenbar jemand gesagt, dass die Pauliabwehr nur Fehler macht, wenn man sie auch beschäftigt – Sylvestr aus. Der Club hätte danach ebenfalls nachlegen können. Aber da hatte unter anderem Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus was dagegen. Zuerst erkannte sie Abseits, wo kaum eines war. Später verweigerte sie dem Club noch einen Elfer.

Freilich: An Steinhaus lag es nicht, dass der mit hochfliegenden Zielen in die 2. Liga gestartete FCN den Kiezclub nicht vom Platz fegte. Ein qualitativer Unterschied war da nicht zu erkennen. Bei Pauli war sogar noch so etwas wie Taktik und Strategie zu sehen. Während sich nämlich der Club zu Beginn der zweiten Hälfte einlullen und in Mittelfeldgeplänkel hineinziehen ließ, genügte St. Pauli ein billiger Bauerntrick um die erneute Führung zu erzielen. Erst jetzt wachte der Club wieder auf und besann sich, dass die gegnerische Abwehr nur Fehler macht, wenn sie beschäftigt wird. Drei Minuten vor Schluss gelang erneut Sylvestr der Ausgleich. Dem Club sicherte er so einen Punkt, der, so traurig es ist, vielleicht im Abstiegskampf noch einmal wichtig sein kann. Alle anderen Ambitionen darf sich der FCN durchaus abschminken. Zu mehr scheint es derzeit nicht zu reichen.

Irgendeinen Hoffnungsschimmer sehe ich im Augenblick nicht. Da musste man heute nur einmal auf die Auswechselbank schauen. Da saßen ein Torwart, vier Verteidiger und mit Ivan Knezevic und Maximilian Dittgen zwei weitgehend unbekannte Mittelfeldspieler. Stürmer? Fehlanzeige! Leider ist das nur ein Beispiel für die im Verein herrschende Planlosigkeit.

FCN auf Platz 3 der Blog-Bundesliga

Obwohl der Club in der Bundesligatabelle derzeit gut da steht (Platz 9), im Internet rangiert er sogar noch weiter oben. Beispielsweise, wenn es um die Erwähnung bei Twitter geht. Aber auch bei den Blogs. Bei eBuzzing werden regelmäßig die einflussreichsten Sportblogs präsentiert. Aktuell (März 2012) ist da der Club mit zwei Blogs in den Top 20 vertreten. Auf Platz 13 rangieren die Clubfans-United und auf Platz 20 „die 3 Clubfreunde“ (Juhu!). Wenn man dann noch bedenkt, dass – zum Beispiel auf Platz 1 mit „Trainer Baade“ oder Womansoccer.de auf Platz 7 – auch etliche nicht an Vereinen orientierte Blogs dabei sind, wird die Clubphalanx noch deutlicher.

Gut auf Platz 2 landet das „Königsblog“ (Schalke 04), auf Platz 3 „Der Betze brennt“. Auf 5 ist „Fabulous Sankt Pauli“ zu finden. Wenn man dann auch noch Platz 8 berücksichtigt (St.Pauli News) und 11 (Der Übersteiger), dann müssen wir einräumen, dass St. Pauli blogmäßig noch vor dem FCN liegt. Auch auf Schalke trifft das zu, denn S04 hat noch ein weiteres Blog auf Rang 9 (blogundweiss.de). Der FCN rangiert demnach „nur“ auf Platz 3. Es ist also noch Luft nach oben. Trotzdem: Der Club ist schwer im Kommen, auch was das Internet angeht.

Weil ich ein Mädchen bin

Nach der Niederlage am Millerntor hat Trainer Dieter Hecking unter anderem bemängelt, die Mannschaft habe sich einfach zu wenig reingekniet. Man kann für die Club-Mannschaft freilich auch andere Worte finden, so wie auf diesem Bild, das der Nürnberger Künstler Gymmick aufgenommen hat (vielleicht hat es ja der Hecking durch die Stadt fahren lassen):
maedchen

Das giltet nicht!

Nicht, dass wir dem FC St.Pauli und dessen Fans nicht mal ein Erfolgserlebnis gönnen würden. Aber doch nicht gegen den Club. Und dann noch so glücklich. Also nein! Das giltet nicht!
Wobei das aus anderen Gründen nicht gilt. Denn trotz allem ist uns natürlich klar: Wer die mehreren Tore schießt, der gewinnt. Und am Millerntor galt dann auch noch eine andere, eigentlich verschollen geglaubte, Fußballerregel: drei Ecken, ein Tor.

Doch der Reihe nach: Der Club war die ersten 45 (!) Minuten die bessere Mannschaft, spielte überlegen, hatte in Hamburg alles im Griff, schaffte es nur nicht, den letzten Pass an den Mann zu bringen um so Torgefahr zu erzeugen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit waren die Spieler dann wohl schon in der Kabine, überlegten, ob sie den Pausentee mit braunen oder weißen Zucker einnehmen sollen und was das Vergnügungsprogramm am Abend noch so alles bieten könnte. Tja, und da machte dann die scheinbar unterlegene Mannschaft das Tor. Nach einer Ecke.

Nach der Pause kam der Club wieder – schließlich lachte ja das Vergnügungsprogramm – erzielte schnell den Ausgleich (Ekici, er hatte wie Schieber gegen den VfB, ein Tor versprochen) und ließ es dann erneut ruhiger angehen. Prompt lag Pauli wieder vorn, wieder nach einer Ecke. Dann abermals der Club, offenbar brauchte er immer erst einen Rückstand um zu einer gewissen Zielstrebigkeit zu finden. Aber wer dachte, nun werden sie ihre Lektion gelernt haben, der sah sich getäuscht. Pauli schob erneut einen Treffer nach, diesmal zur Abwechslung nicht nach einer Ecke. Danach war wohl die Zeit zu kurz für den Ausgleich.

Im Grunde genommen hat der Club nicht schlecht gespielt, sondern sich nur durch rätselhafte Fehler bei Standards auf die Verliererstraße gebracht. Gerade die so gepriesene Abwehr, die bislang die wenigsten Tore in der Bundesliga zugelassen hatte, patzte unverständlicherweise.

Unverständlicherweise? Nein! Man muss sich nur anschauen, wie sich die St.Pauli-Kicker bei Ecken dopen, wie sie mit ihren Eckfahnen sensible, junge Kollegen verängstigen. So geht das nicht! Jeder Scheiß wird vom DFB geahndet. Wenn einer beim Jubel nur mal das T-Shirt lüftet, gibt´s gleich ne Karte. Wenn Trainer Hecking am Spielfeldrand der Ball verspringt, werden 3000 Euro Strafe verlangt und sowas ist erlaubt? Nicht bloß, dass da Spieler eingeschüchtert werden, da schauen doch auch Kinder zu! Alles was recht ist, das Spiel muss wiederholt werden!

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Ein Freilos gegen St. Pauli

Die Saison war ja bisher relativ nervenschonend, dümpelte der ansonsten doch stets im Aufstiegs- oder Abstiegskampf steckende FCN doch im gehobenen Mittelmaß vor sich hin. Zwar war der Kontakt zur Spitzengruppe nie ganz abgerissen, doch es sah lange nicht so aus, als würde die Oenning-Elf wirklich in der finalen Saisonphase noch um den Aufstieg mitspielen. Nun, nach vier Siegen in Serie, ist alles anders. Gegen St. Pauli wäre sogar der Sprung auf Platz zwei drin. Und vorbei ist es mit der gemütlichen Saison im Niemandsland.

Ich werde mir das Duell mit dem Kiez-Klub von der Haupttribüne aus zu Gemüte führen. Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur  hat zwei Tickets unter Journalisten verlost und ich war einer der glücklichen Gewinner. Jetzt hoff ich mal, dass sich der Gewinn nicht als trojanisches Pferd entpuppt und der Club ausgerechnet, wenn ich nach längerer Absenz mal wieder dabei bin, ein Waterloo erleidet…Aber eigentlich geht es für Pauli doch um nichts mehr. Vielleicht denken die Hamburger ja an das Jahr 2001. Da hat der als Zweitliga-Meister feststehende FCN das letzte Spiel gnädig mit 1:2 gegen die Jungs von der Reeperbahn verloren und den St. Paulianern damit den Mitaufstieg ermöglicht. Danach feierten Club- und Pauli-Fans gemeinsam. Zeit, sich zu revanchieren, oder, FC St. Pauli?