Der Vergleich mit 2008 hinkt

 Die Club-Freunde haben Kassandra gespielt und es nach den Abgängen von Simons und Klose prophezeit: In dieser Saison droht härtester Abstiegskampf. Nun kommt ja immer in der Causa Simons der unvermeidliche Einwand, ein Verein könne doch nicht von einem 36-Jährigen abhängig sein – aber wie alt ein Spieler ist, spielt nun einmal keine Rolle, es zählt die Leistung auf dem Platz. Im übrigen war es wohl auch ein Fehler, den kampfstarken Almog Cohen ohne Not auszusortieren. Für den war ja im Winter bereits als Ersatz Muhammed Ildiz geholt worden, der jetzt aber auch schon wieder auf dem Abstellgleis steht. Und Mittelfeldmann Makoto Hasebe wird verpflichtet, um mehr Alternativen in diesem Mannschaftsteil zu haben – und kurz darauf serviert man  Mittelfeldmann Hanno Balitsch ab. Etwas wirr mutet sie in manchen Fällen schon an, die Personalpolitik des 1.Fc Nürnberg.

Manche Beobacher und Medien ziehen jetzt Vergleiche zur Abstiegssaison 2007/08. Damals jedoch stürzte der  Club aus heiterem Himmel ab, nachdem er in der Vorsaison ständig oben mitgespielt, am Ende Platz 6 belegt und den DFB-Pokal gewonnen hatte. Dies ist eine andere Fallhöhe als die aktuelle, denn in der vergangenen Saison musste das Team von Dieter Hecking und später Michael Wiesinger den Blick tendenziell schon eher nach unten richten, auch wenn es keine ganz akute Gefahr gab. Nun haben sich noch die genannten Leistungsträger verabschiedet, die Konkurrenz verstärkte sich – da ist Abstiegskampf fast die ganz logische Folge, so unangenehm das klingen mag. Aber als Club-Fan ist man das doch auch gewohnt. Der Blick in die Historie mag aufgeregte Gemüter beruhigen: Zwischen 1985 und 1994, die Periode der längsten ununterbrochenen Bundesliga-Zugehörigkeit des Rekordabsteigers, spielten die Nürnberger in sieben von neuen Spielzeiten mehr oder weniger intensiv gegen den Abstieg und retteten sich mehrfach erst am letzten Spieltag (1986, 1989, 1991, 1993).  

Aber um noch etwas Positives zu sagen: So schlimm das 0:3 gegen Freiburg auch war (was zu den Debatten von Pinola und Co. mit den Fans führte, siehe Foto), am elften Spieltag ist noch nie ein Team abgestiegen.  Trainer Gertjan Verbeek hat eine weise Aussage getroffen, als er zu Beginn seines Engagements sagte, er wolle jetzt bis Weihnachten noch den einen oder anderen Punkt holen (sich also etwas durchwurschteln), und danach, wenn er mal eine Vorbereitung absolviert hat mit dem Team, richtig angreifen. Das ist nämlich noch ein Unterschied zu 2007/08 – damals entließ der 1.FCN Trainer Hans Meyer zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt, nämlich kurz nach der Winterpause. Nachfolger Thomas von Heesen  hatte so keine Gelegenheit, das Team nach seinen Vorstellungen personell und taktisch zu formen und scheiterte letztlich als „Retter“.  Diesmal, hoffen wir mal, läuft es anders. Zumal Rang 16, der 2008 für den Club den direkten Abstieg bedeutete (auch das war damals anders…), diesmal ja zur Relegation reichen würde. Und Relegation kann der 1.FCN!

Wer spielte da gegen wen?

Mal angenommen, irgendwer in der Clubmannschaft möchte gerne einen anderen Trainer. Dann waren die bisherigen Unentschieden, selbst die knappe Niederlage gegen Augsburg, wohl noch nicht ausreichend. Da musste eine anderer Dosis her, damit die Sparstrümpfe im Clubvorstand aufwachen. Jetzt haben der – oder diejenigen – ein Pfund vorgelegt, das nicht so einfach vom Tisch zu wischen ist. 0:5 gegen einen Verein, der zuvor auf dem Relegationsplatz, also noch hinter dem Club stand, das ist mal eine Ansage gegen den Trainer.

Mal angenommen aber, Michael Wiesinger wusste schon, dass er nicht mehr lange auf der Bank sitzt. Und er wusste auch, dass bereits mit Felix Magath gesprochen wurde und dieser sogar hinter ihm auf der Tribüne saß. Dann hätte er kaum noch so richtig Durchsetzungsvermögen besessen. Dann erklärt sich auch, warum er seine Mannschaft nur alibimäßig auf den Gegner einstellte. In der ersten Hälfte, die gewohntermaßen vergeigt wurde, spielte die Clubelf nur so ein bisschen mit – in der Hoffnung, der Gegner würde halt auch mitkicken. Doch der hat einen van der Vaart in der Mannschaft und der haut dann einfach mal einen rein. Das ist natürlich doof. Aber, was lernen wir: Sparsamkeit zahlt sich manchmal halt auch nicht aus und Geld kann den Unterschied machen. Eine solche Erkenntnis lähmt natürlich. Auch den Trainer.

In der zweiten Hälfte gab der HSV dann immer noch nicht den willigen Mitspieler. Plötzlich explodierte sogar ein Lasogga. Offenbar hat der Trainerwechsel beim HSV einiges bewirkt. Van Marwijk hat bei einigen die richtigen Knöpfe gedrückt. Jedenfalls ließ sich der HSV gar nicht erst zurückdrängen und darauf ein, den knappen Vorsprung zu halten. Was lernen daraus? Ein Trainerwechsel kann durchaus positive Effekte erzielen.

Und jetzt zu dem Gast im Stadion: Felix Magath war – wie bei etlichen anderen Vereinen auch – schon mal Trainer beim Club und beim HSV. Dementiert wurde das Gerücht, dass sich Martin Bader bereits vor etlichen Tagen mit ihm getroffen hat, bislang nicht. Kann also leicht sein, dass er demnächst beim Club auf der Bank sitzt. Immerhin ist jetzt erst einmal Länderspielpause, da hat man ein bisschen Zeit um nachzudenken. Kann auch leicht sein, dass der Club seinen strikten Sparkurs korrigiert. Das muss er wohl auch, denn ohne ein paar Euro für Spielereinkäufe dürfte der Felix nicht zu haben sein. Es wird möglicherweise einiges passieren beim FCN. Nicht bloß auf der Bank.

Wie hat Michael Wiesinger vor dem HSV-Spiel angekündigt: Es werde einen Befreiungsschlag geben. Vielleicht hat er damit den ersten Saisonsieg gemeint. Doch da hat er sich geirrt.

Übrigens dürfte auch Hanno Balitsch zu den Gewinnern dieses Spiels zählen.

Böser Bube Pinola

urn:newsml:dpa.com:20090101:101027-10-13525Oh Mann, Pino, du böser Bube. Kann man das gutheißen? Da hebt unser Pulikumsliebling ab wie weiland Andi Möller in seinen besten Tagen und schindet dreist einen Elfmeter. Und dann tritt er auch noch selbst an – und wer nun geglaubt hatte, Pinola nominiert sich doch noch selbst für den Fairplay-Preis und drischt das Leder absichtlich in die Wolken, der sah sich getäuscht: der Argentinier verwandelte vielmehr auf alte Fußball-Weisheiten pfeifend den Strafstoß selbst zum vorentscheidenden 2:0.

Mit Regionalligist Elversberg habe ich dennoch wenig Mitleid, denn der David tat einfach zu wenig, um in der zweiten Pokalrunde seine Außenseiter-Chance zu nutzen. Vermutlich wollte sich der Viertligist nach den guten Erfahrungen in Runde eins gegen Hannover wieder ins Elfmeterschießen retten. Dabei hätte der SV doch wissen müssen, dass der Club immer für eine Blamage gut ist. Erinnert sei nur daran, dass es der FCN geschafft hat, mal als Bundesligist gegen einen Fünftligisten rauszufliegen – das ist in der Pokalgeschichte einmalig (2001 in Ulm). Legendäre Pleiten handelte sich der FCN auch in Havelse (Saison 1991/92) oder bei den Amateuren von Hertha BSC Berlin (1992/93) ein.   Doch in Elversberg liest man keine Fußball-Geschichtsbücher, und so versteckte sich das freilich tapfer kämpfende Team in der Defensive und ist nach den Toren von Schieber, Pinola und Routinier Simons nun draußen. Schiebers Taktik sollte der Club übrigens auch bei anderen Auswärtsspielen beherzigen: „Hinfahren, gewinnen, heimfahren.“

Am Sonntag steht nun die Auslosung fürs Achtelfinale an. Ich für meinen Teil will übrigens keinen attraktiven, sondern einen schlagbaren Gegner. Kickers Offenbach zum Beispiel. Dort ist Andreas Möller inzwischen Sportdirektor. Der könnte dann mit Pino Erfahrungen austauschen.

Beim Club ist alles möglich

Es ist wirklich nett zu beobachten, wie jetzt Fans,  Journalisten und Spieler gleichermaßen versuchen, trotz des tollen Auswärtssieges in Cottbus und des Jubels über die drei Tore (Bild) auf die Euphoriebremse zu treten. „Wir haben noch nichts erreicht“, wird Torwart Raphael Schäfer in der NZ zitiert – und das nicht bloß im Text, sondern gleich in der Überschrift. Nach dem Spiel in Cottbus wunderte sich selbst Clubtrainer Michael Oenning über diese seltsame, fränkische Zurückhaltung: „Dann müsste die ja bei uns vier Tore schießen“, gab er zu bedenken.

Aber Oenning ist halt kein Nürnberger.  Und auch noch nicht so lange Clubfan wie wir. Sonst würde er wissen: Wenn es einen Verein gibt, der so eine komfortable Ausgangsposition noch vergeigen kann, dann ist das. na?

Klar, nur der Club schafft so etwas!

Wir erinnern nur an den Last-Minute-Abstieg 1999. Wer den erlebt hat und nach dem Spiel gegen Freiburg mit Tränen in den Augen auf die Aufbauten für die fest eingeplante Nichtabstiegsfeier geblickt hat, der feiert nicht mehr zu früh. Nie mehr!

Im Fußball ist alles möglich, beim Club erst recht!

Last-Minute-Abstieg war am schlimmsten

Das 2:6 in Aachen hat uns vor Augen geführt, wie schnell der Club doch in der Lage ist, Tiefpunkt an Tiefpunkt zu reihen. Daher haben wir uns (schließlich sollte man für die Zukunft offen sein und daher nicht allzulange Vergangenes nachkarteln) entschlossen, unsere Tiefpunkte-Abstimmung nunmehr auszuwerten. Schließlich können wir sie bei passender Gelegenheit gerne wieder, ergänzt um neues Material (ja auch um den verpassten Aufstieg von 1974 und natürlich den in seiner Folgenhaftigkeit noch nicht richtig einschätzbaren Auslöser der Umfrage, den Abstieg als amtierender Pokalsieger), durchführen.

Nach dem Stand des augenblicklich vorherrschenden Irrtums ergibt sich also folgendes Ergebnis:

Der Oscar für den tiefsten Tiefpunkt geht an den Last-Minute-Abstieg 1999 (er erhielt 30 Prozent der Stimmen). Zur Erinnerungsauffrischung hier noch einmal die legendäre Bundesligakonferenz mit Günther Koch live aus dem Nürnberger Stadion:

YouTube Preview Image

Auf Platz 2 folgt mit 21 Prozent (die Prozentzahlen sind jeweils aufgerundet) die „Mutter aller Abstiege“, der eigentliche Favorit der 3 Clubfreunde, der erstmalige Abschied eines amtierenden Meisters aus dem Fußballoberhaus im Jahr 1969.

Mit 15 Prozent auf Rang 3 landete das Regionalligagastspiel des FCN 1996/97.

Die weiteren Platzierungen:

4. Phantomtor und Abstieg 1994 (11 Prozent)

5. Die Ära Voack (6 Prozent)

6. „etwas anderes“ (4 Prozent) Genannt wurden unter anderem: die Vereinsgründung, das 7:3 gegen die Bayern versäumt, in der gleichen Liga mit Fürth spielen müssen, Schmelzer als Präsident, Luchs statt Club im BR, drohender Konkurs im Dezember 94.

7. Böbels schwarze Kasse (3 Prozent)

8. Retter Hoeneß (2 Prozent)

9./10. Katastrophensaison 83/84 gleichauf mit Pistolero Roth (2 Prozent)

11./12.  Pokalaus gegen Ulm gleichauf mit Geenens Verbalausfall (1 Prozent)

13./14. Spielerrevolte und Turbantor im Pokalfinale 82 (1 Prozent)

15. Kasalos Eigentore kamen nur auf 0 Prozent.

Wir bedanken uns bei allen, die mit abgestimmt haben.

Tiefpunkte: die Abstimmung

So, ihr habt eure Chance gehabt und nicht genutzt! Das war auch nicht anders zu erwarten. Also legen wir jetzt eben ohne Leserzusätze los mit unserer Tiefpunkt-Umfrage.

Wobei man fast immer auch noch eine zweite Chance bekommt. Hier auch, und so könnt ihr bei der Umfrage auch noch persönliche Tiefpunkte wählen.

Wir werden das Voting so lange offen lassen, bis es nicht mehr in die Landschaft passt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Club einen Aufstiegsrang erklommen hätte.
Also, stimmt fleißig ab! Und wenn jemandem zu einzelnen Tiefpunkten die Infos fehlen, hier ist noch einmal alles zusammengefasst.

[polldaddy|1298831]

Tiefpunkte: letzter Aufruf

In den vergangenen Monaten haben wir eine kleine Zeitreise durch die jüngere Club-Geschichte unternommen und einige extrem schwarze Stunden in Erinerung gerufen. Allerdings kann es sein, dass uns die eine oder andere Peinlichkeit durch die Lappen gegangen ist. Vielleicht haben wir so manches finstere Kapitel ja schlicht und einfach verdrängt. Dann sind die Blog-Leser gefordert, unserer Erinnerung auf die Sprünge zu helfen und die Liste zu ergänzen. Bislang bewerben sich diese 14 Kandidaten um den Titel „Ultimativer Tiefpunkt der Club-Geschichte“:
1.) Last-Minute Abstieg 1999
2.) Der Club nur drittklassig: Die Saison 1996/97
3.) 0:34 Auswärtspunkte: Die Katastrophensaison 1983/84
4.) Das Phantomtor und der Abstieg 1994
5.) Pokal-Aus gegen Fünftligist Ulm
6.) Abstieg als Meister 1969
7.) Mehr Bratwurst als Retter: Uli Hoeneß im Club-Trikot
8.) Der J.R. aus Lauf: Die Ära Voack
9.) Edgar Geenens verbaler Amoklauf
10.) Dieter Hoeneß‘ Turban und das verlorene Pokalfinale 1982
11.) Geisterfahrer: Vlado Kasalos mysteriöse Eigentore
12.) Die Spielerrevolution gegen Trainer Heinz Höher
13.) Pistolero Roth droht mit der Schusswaffe
14.) Professor Böbel und die Schwarze Kasse

Der Professor und die Schwarze Kasse

Der Stil von „Pistolero“-Präsident Roth mag manchmal gewöhnungsbedürftig sein, in der Reihe der führenden Club-Funktionäre der jüngeren Vergangenheit ragt „König Weißbart“  (so mal die Frankfurter Allgemeine Zeitung) aber trotzdem als Lichtgestalt heraus.

Zum Beleg für diese gewagte These und als Abschluss unserer Tiefpunkt-Serie sei an Prof. Dr. Dr. Ingo Böbel (im Bild rechts) erinnert, der ab 1986 fünf Jahre lang Schatzmeister des 1.FC Nürnberg war. Böbel hatte bei den Fans zeitweise einen Bonus, weil er sich gemeinsam mit Vizepräsident Sven Oberhof (links) gegen die Alleingänge Gerd Schmelzers (Mitte) gewehrt hatte. Nachdem  Schmelzer 1991 zurückgetreten war, bildeten Böbel und der neue Präsident Oberhof („Der Professor und ich“) ein zeitweise unzertrenntliches Duo.

Damit war es Ende 1991 vorbei. Böbel trat zurück, nachdem sein Vorgänger Peter Karg enthüllt hatte, dass der Professor und der damals beim FCN für die Schiedsrichter-Betreuung zuständige Obmann Hans Mausser die in Nürnberg pfeifenden Unpartteiischen mit üppigen Geschenken wie Trimmgeräten bedacht hatten. 174 000 DM wurden in der Saison 1990/91 in diese doch arg spezielle Form der Betreuung investiert.

Das war aber nur die Spitze des Eisbergs. Der Wirtschaftswissenschaftler Böbel hatte nämlich eine besonders unorthodoxe Art, mit Geld und Bilanzen umzugehen. So legte er eine Schwarze Kasse an, in die an der offiziellen Buchhaltung vorbei Gelder aus Freundschaftsspielen und Hallenturnieren flossen. Mit dem Geld konnte Böbel Extra-Honorare für Stars wie Sergio Zarate springen lassen zahlen oder auch wahlweise seine Eigentumswohnung abbezahlen. Zudem ließ  sich Böbel vom Verein nicht nur teure private Flugreisen nach Monte Carlo oder Venedig finanzieren, sondern er stellte dem Club sogar Käufe von Schallplatten oder Glühbirnen in Rechnung. Und 1991 ließ er sich die Einnahmen aus dem Kartenvorverkauf in bar auszahlen und behielt sie einfach mal für sich. Ebenso wie die 100 000 DM, die noch in der Schwarzen Kasse waren, als Böbel diese im November 1991 auflöste. Doch nicht genug der lustigen Anekdoten: Im Frühjahr 1991 bekam der FC St. Pauli einen 1,8 Millionen-Scheck vom Club für den Transfer des Spielers Andre Golke an den Valznerweiher – der war aber nicht gedeckt, was die finanziell angeschlagenen Hamburger an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte.

Apropos zahlungsunfähig: Als Böbel zurückgetreten war, hinterließ er einen Schuldenberg von 22 Millionen. Während der FCN jahrelang gegen den Konkurs ankämpfte, wurde Böbel 1993 verhaftet und 1994 wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Vor Gericht beklagte sich der Professor, dass die anderen Herren aus der Vorstandschaft über die Schwarze Kasse Bescheid wussten und er nun zum alleinigen Sündenbock gemacht werde. Musterhäftling Böbel kam 1995 wieder frei.

TIEFPUNKT 14

Ein Pistolero namens Roth

Es war im Oktober 2003, der Club war wieder einmal zweitklassig. Aber das war – wie auch in dieser Saison – natürlich nur ein Versehen. So tönte Präsident Michael A. Roth damals auch selbstbewusst, der Club sei der „FC Bayern der zweiten Liga“.

Dann stand am 4. Spieltag ein Heimspiel gegen den VfB Lübeck an. Jeder fragte sich nur, wie hoch die Überflieger die Underdogs aus Lübeck schlagen würden. Auch die damals von Wolfgang Wolf trainierten Spieler schienen die drei Punkte geistig schon eingesackt zu haben, zumal der erst im August verpflichtete Oktay den Club auch noch in Führung geschossen hatte. Dummerweise spielten aber die Lübecker nicht mit und ließen es an der nötigen Ehrfurcht fehlen. Sie schenkten dem Club in der zweiten Halbzeit zwei Dinger ein, der haushohe Favorit verlor 1:2.

Das Ergebnis hat unseren auf Feiern und Aufsteigen programmierten Präsidenten ganz offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. „Ich habe eine Pistole samt Waffenschein und würde einigen am liebsten das Hirn durchpusten“, sagte er nach dem Schlusspfiff, und die Reporter schrieben eifrig mit. Sie erinnerten sich gleich noch an den bereits als Tiefpunkt 9 erwähnten Ausfall Edgar Geenens zwei Jahre vorher. Der Club landete in der Buhmannecke und der nur zwei Monate beim Club aktive Argentinier Martin Mandra legte gleich noch nach. Er sei beim Club mit „rassistischen Beleidigungen“ weggeekelt worden. Fast alle in der Mannschaft seien Rassisten, sagte er.

Letztlich wurde der Club am Ende der Saison dann aber doch noch Erster in der 2. Liga und so war diese Geschichte dann auch relativ schnell vergessen. Trotzdem führen wir sie hier als:

TIEFPUNKT 13

Als die Spieler revoltierten

Auch da war der Club mal wieder Vorreiter: Im Oktober 1984 gab es eine bislang in der deutschen Fußballgeschichte noch unbekannte Spielerrevolte. Mehrere Clubprofis warfen nach einem vom damaligen Trainer Heinz Höher angesetzten Morgentraining (um sechs Uhr, also noch in der Dunkelheit, ließ er die Profis durch den Wald laufen) den Bettel hin. Sie übergaben eine Erklärung an die Nürnberger Tageszeitungen, worin sie ankündigten, nicht mehr unter Höher trainieren zu wollen. Beim nächsten Training waren ganze fünf Spieler anwesend. Der Rest boykottierte.

Präsident Gerd Schmelzer knöpfte sich daraufin jeden einzelnen der Spieler vor und kündigte Udo Horsmann, Stefan Lottermann, Rudi Kargus und Horst Weyerich die Verträge. Später bekamen auch noch Detlef Krella und Manfred Walz die Kündigung. Thomas Brunner der ebenfalls zu den Unterzeichnern der Presseerklärung gehörte, wurde hingegen als reuiger Sünder „begnadigt“ (später kam heraus, dass Höher offenbar absichtlich die Mannschaft provoziert hatte, um etliche Spieler, von denen er nicht überzeugt war, loszuwerden).

Nach den Kündigungen stand ein Spiel in Aachen an. Nur nach Rücksprache mit ihren Anwälten traten die verbliebenen Spieler überhaupt in Aachen an. Man verlor mit 1:2.  Dennoch gilt die Niederlage als Wende und Geburt einer jungen Mannschaft. Mit ihr schaffte der Club nicht nur den Aufstieg in die erste Liga ,  Hans Dorfner, Dieter Eckstein und Stefan Reuter avancierten später sogar zu Nationalspielern.

Insofern war die Spielerrevolte eigentlich eher ein Wendepunkt. Wir verbuchen sie dennoch als unseren:

TIEFPUNKT 12