Nur den Club auf der Brust


Ein bisschen schade ist es schon, dass der Club nicht auf seine Fans baut, sondern lieber auf die Interessen irgendwelcher, noch nicht bekannter Sponsoren. Dafür lässt er dann sogar richtig Geld liegen. Denn das werbefreie Trikot (nur mit der Aufschrift „Der Club“), das der FCN beispielsweise beim Abschiedsspiel für Marek Mintal getragen hat, würde fast jeder Fan gerne besitzen. Doch leider geht das nicht. Das Trikot wird nicht verkauft.

Die Argumente, die Club-Manager Martin Bader dafür angibt, sind eher dünn. Es dürfte wohl so sein, dass sich der künftige Sponsor – er wird voraussichtlich nächste Woche vorgestellt – den zusätzlichen Weerbeeffekt über Fantrikots ausbedungen hat. Freunde macht man sich so nicht.

Wenn ich ein Unternehmer wäre und genug Geld hätte um den Club zu sponsern, dann will ich doch, dass die Fans meinen Firmennamen gern spazieren tragen und nicht gezwungenermaßen. Aber vielleicht ist es auch diese Einstellung, weswegen ich kein Geld habe um den Club zu sponsern.

Uranstaub für alle

Wir haben hier schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass der Trikotsponsor des FCN vielleicht den einen oder anderen Euro in die Vereinskasse bringt, jedoch sehr viel an Sympathien kostet. Am Donnerstag wurde im ARD-Magazin „Kontraste“ wieder einmal auf die skandalösen Zustände in Niger aufmerksam gemacht, wo Areva das Uran für unsere Atomkraftwerke abbauen lässt und Arbeiter und Bewohner schutzlos dem Uranstaub aussetzt. Da gleichzeitig auf Sat.1 die Europa-League übertragen wurde, hat die Sendung wahrscheinlich wieder kaum einer gesehen. Und hinterher heißt es dann: Ich wusste das alles gar nicht.

Der Beitrag ist aber hier in der ARD-Mediathek zu finden. Da kann man Versäumtes nachholen. Zumindest die nächsten Tage. Dann muss – ja, auch dafür zahlen wir Rundfunkgebühren – irgendein Fernsehbeschäftigter die Sendung wieder depublizieren.

niger
areva
…und dass diese Firma auch das Erlanger Poetenfest sponsert, macht die Sache nicht besser. Sie wirft höchstens einen Teil des schlechten Lichtes auf unsere Dichter.

Stuhlfauth – nur für Fans!

Muss man Heiner Stuhlfauth kennen? Die jungen Kolleginnen in der Lokalredaktion meinen: Nein! Sie verstehen auch, dass meine, dann doch noch erfolgreiche (s.l.), Nachfrage nach einem Archivfoto mit Unverständnis beantwortet wurde. „Heiner Stuhlfauth, was macht der jetzt?“ „Eigentlich nichts…“

Aber wir schließen Bildungslücken gern. Besonders dann, wenn es um einen ganz Großen des FCN geht. Vor allem schließen wir diese Lücke aus aktuellem Anlass, denn auf den neuen Club-Trikots ist jetzt ein – regelmäßigen Frankenstadionbesuchern durchaus bekannter – Satz des legendären Torwarts aufgedruckt:

Es ist eine Ehre, für diese Stadt, diesen Verein und die Bewohner Nürnbergs zu spielen. Möge all dies immer bewahrt werden und der großartige 1. FC Nürnberg niemals untergehen.

Schöner Spruch! Leider steht er nicht dort, wo er wirklich hingehört, auf den Trikots jener elf Spieler, die kommende Saison wohl vor allem um den Klassenerhalt kämpfen müssen (dank an TobFis für den Hinweis via Twitter), sondern nur auf jenen Hemdchen, die die Fans für 69,95 Euro im Fanshop erwerben sollen. Das Areva-Logo ist dafür überall drauf, was wiederum nicht so ganz einleuchtet, denn dem Atomunternehmen geht es schließlich vorwiegend darum, kostenlos ins Fernsehen zu kommen, und nicht in die Nürnberger Kleiderschränke.

Ach so, den Unwissenden sind wir ja noch die Infos schuldig. Der 1966 verstorbene Stuhlfauth machte zwischen 1916 und 1933 mehr als 600 Spiele für den Club, stand auch in der Nationalmannschaft und war sowohl für seine Mütze als auch für seine „Abortdeckelhände“ bekannt. Er war wohl der erste „mitspielende“ Torwart in der Fußballgeschichte. Mehr findet Ihr im Franken-Wiki und noch mehr hier.

Stuhlfauths berühmte Mütze ist übrigens im Nürnberger Museum Industriekultur zu besichtigen.