Das Stadion ist schuld

Lasst uns über das Stadion reden. Da ist mehr los. Da bröckelt der Beton. Schon werden wieder Baupläne gewälzt. Große Pläne. Für die EM 2024, aber nicht nur.

Die Realtät auf dem nur wenige Zentimetre über dem Grundwasserspiegel liegenden Rasen sieht leider anders aus. Da bemüht sich die Mannschaft gerade, eher kleine Stadionlösungen zu forcieren. ODer Zuschauerzuspruch wird von Spiel zu Spiel bescheidener. Das liegt allerdings nur bedingt an den manchmal ungünstigen Anstosszeiten. Das liegt bedingt an der mediokren Tabellensituation, wo nicht einmal mehr die Volloptimisten an den Wiederaufstieg glauben. Das liegt aber vor allem an dem uninspirierten Bemühen, wie die Clubmannschaft unter Alois Schwartz ihre Heimspiele gestaltet. Braves Handwerk, sinnbefreites Kilometerfressen, aber kein Plan, wie man eine Abwehr knackt. Selbst an der Bochumer scheitert unser FCN und die kamen mit dem Ruf eines der schlechtesten Auswärtsteams und immer für ein Gegentor gut zu sein nach Nürnberg. Trotzdem: Selbst gegen diesen VfL hätten wir heute noch stundenlang anrennen können. Da wäre nichts passiert. Dafür ist der Club hinten immer für einen Treffer anfällig. So – leider – auch heute.

Die Spielweise des Clubs erinnert inzwischen frappant an die Ausstrahlung ihres Trainers: bieder und blaß. Insofern erkennt man zwar die Handschrift von Alois Schwartz, aber nichts, was irgendwie Hoffnung macht. Selbst da, wo diese bislang aufkeimte, herrscht inzwischen Ödnis. Sabiri zum Beispiel hat sich längst angepasst. Teuchert oder Ishak kommen zu spät, um noch etwas zu reißen und hängen zudem vorne in der Luft, weil aus dem Mittelfeld nichts kommt. Gislason, in München noch der einzige Aktivposten, wirbelte heute nur noch alibimäßig. Torgefahr ging von ihm auch nicht aus.

Eine seltsame Bräsigkeit scheint auf der gesamten Mannschaft zu lasten und die liegt nicht nur am Weggang von Guido Burgstaller oder daran, dass die Mannschaft zu wenig Qualität hat. Jakub Sylvestr, vom Club als untauglich ausgemustert, hat zeitgleich für seinen neuen Verein drei Tore gemacht.

So scheint selbst auf dem anderen Schauplatz, über Spielerverkäufe die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, der Wurm drin zu sein. Womit wir wieder bei Stadion wären. Wenn da der Beton bröckelt, dann strahlt das eben auch auf die Mentalität der dort agierenden Beteiligten ab. Einen anderen Grund kann es schließlich nicht geben… Oder fällt euch einer ein?

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Verbeek vermasselt Sprung auf Platz zwei

15.02.2016 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 21. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - VfL Bochum --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi ---  von links : Luana Valentini ( Pressesprecherin FCN) Rene Weiler (Trainer 1.FC Nürnberg / FCN ) Gertjan Verbeek (Trainer VfL Bochum ) vor Spielbeginn
Als Gertjan Verbeek (Bild rechts, beim Wiedersehen mit Club-Pressesprecherin Luana Valentini und Rene Weiler) den 1.FC Nürnberg in der Spielzeit 2013/14 betreute, wirkte er wie ein Gegenentwurf zu seinem Landsmann Huub Stevens: Die Null muss eben nicht stehen. Mit seiner offensiven Philosophie kam er bei Teilen der Fans extrem gut an, sägte aber auch an seinem eigenen Stuhl – zu oft stürmte der Club ins Verderben. Nach 22 Spielen war Schluss, Verbeek bekam seine Papiere. Mit seinem neuen Verein, dem VfL Bochum, zeigt der Niederländer dagegen, dass seine Mannschaften durchaus auch hinten sicher stehen können. Dreimal in Folge spielte Bochum zuletzt Zu-Null, und auch der so treffsichere Club tat sich verdammt schwer gegen die sattelfeste Hintermannschaft der Bochumer. So wurde es letztlich nichts mit dem Sprung auf Tabellenplatz zwei – mit einem Sieg hätten die Nürnberger Freiburg überholt. Am Ende konnte der 1.FCN zufrieden sein, noch einen Punkt gerettet zu haben.

Bochum hat nämlich nicht nur eine starke Defensive, sondern kann sich vorne auf den starken Simon Terodde verlassen, mit zehn Treffern nach Freiburgs Petersen (15) der zweitbeste Zweitliga-Torjäger. Jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten hatte Terodde gute Möglichkeiten, sein Trefferkonto auszubauen – einmal scheiterte er an Torwart-Oldie Raphael Schäfer, einmal am Pfosten. Das waren lange die Höhepunkte in einem Spiel, das zwar intensiv geführt wurde, den Zuschauern aber kaum Strafraumszenen bot. Saisontreffer Nummer elf blieb Terodde zwar versagt, aber immerhin sammelte er einen Scorerpunkt, als er mit einem feinen Doppelpass das 1:0 von Marco Terrazzino vorbereitete (66.).

In der Folgezeit ging es hoch her, und so kamen die Zuschauer doch noch auf ihre Kosten – und der Club durch Patrick Erras zum Ausgleich. Der Senkrechtstarter durfte nach einem Kerk-Eckstoß überraschend unbedrängt einköpfen (75.) und beendete so die Bochumer Zu-Null-Serie nach knapp sieben Stunden – zuletzt hatte Heidenheims Ikone Schnatterer am 17. Spieltag in der 32. Minute beim 1:1 gegen Bochum getroffen. Nach sechs Siegen musste sich das Team von Trainer Rene Weiler mal wieder mit einem Punkt bescheiden – zwei andere Serien haben dagegen weiter Bestand. Nürnberg hat vor den sechs „Dreiern“ viermal unentschieden gespielt, kommt damit nun insgesamt auf elf Partien ohne Niederlage am Stück. Für Bochum, das hinter Leipzig (44 Punkte), Freiburg (38), Nürnberg (37) und St. Pauli (36) als Fünfter (32) in Lauerstellung bleibt,  war es immerhin das fünfte Spiel ohne Pleite in Serie. Und das, obwohl diesmal die Null nicht stand.

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Verbeek als Sprücheklopfer spitze

1. FC Nürnberg - Bayer LeverkusenFast könnte der geneigte Betrachter zu dem Schluss kommen, die Mannschaft des 1.FC Nürnberg 2013/14 sei bundesligatauglich gewesen. Jetzt hat jedenfalls schon wieder ein bisheriger Club-Profi bei einem Erstligisten eine neue sportliche Heimat gefunden: Hiroshi Kiyotake geht zu Hannover 96.

Gefühlt sind damit fast alle Kicker der Stammelf in der Bundesliga geblieben, nur der Verein natürlich nicht – aber auch jener Coach, der 22 Spiele lang und damit die meiste Zeit für das Team verantwortlich war, hat keinen neuen Klub im Oberhaus gefunden. Dabei ist Gertjan Verbeek zumindest als Sprücheklopfer erstklassig. Das beweist ein Blick auf die Internetseite der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.

Die sucht für jede Saison das beste Fußballerzitat. Für 2013/14 umfasst die Sammlung 142 Sprüche  – und der kauzige Niederländer ist gleich sechsmal dabei. Seine meiner Meinung nach stärkste Aussage: „Ich hoffe, dass ich 90 Jahre alt werde. Dann kann ich sagen, ich hätte 100 werden können. Aber ich habe in Nürnberg gearbeitet.“ Originell auch seine Überlegungen zur Berufsauffassung von Fußballern im Vergleich mit anderen Professionen: „Du hast sicher auch schon einen schlechten Tag gehabt. Dann kannst du sagen: Ich nehm’ frei und ärger’ meine Frau. Aber Spieler müssen spielen.“ Ebenfalls mit in der Auswahl sind unter anderem Verbeeks Einlassungen darüber, dass selbst Bayern-Spieler auf die Toilette müssen und seine Freude über den Vergleich mit Rod Stewart: „Wir müssen spielen, wie ein Rockstar singt.“

Nun, das hat bekanntlich nicht ganz so gut geklappt. Tröstliches hat da Emanuel Pogatetz parat: „Es läuft nicht immer alles gut im Leben, aber zum Glück läuft auch nicht immer alles schlecht.“ Der ehemalige Club-Verteidiger ist damit ebenso nominiert, unter den 142 Sprüchen finden sich auch Zitate von Sportvorstand Martin Bader, Torwart Raphael Schäfer und Kiyotake.

Es wird spannend sein, ob die sportlich zuletzt so erfolglosen (Ex-)Cluberer im Sprüche-Wettbewerb vielleicht weit kommen. Eine Jury wird die besten elf Zitate auswählen und dann den Kreis nochmals auf vier Sprüche verengen. Aus diesem Quartett wählt dann das Publikum bei der Gala der Akademie im Oktober den Fußball-Spruch des Jahres. Der Jury gehören unter anderem Reporter-Legende Manni Breuckmann, die Buchautoren Horst Evers und Christoph Ruf sowie Ex-Profi Hans Sarpei an.

Trainer Stephan Schmidt, vergangene Saison zeitweise bei Zweitliga-Absteiger Cottbus tätig, dürfte gute Chancen haben mit seiner Erkenntnis: „Die Tabelle ist kalt und hässlich!“ Welcher Club-Fan mag ihm da nicht recht geben?

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Wahnsinns-Schäfer, Wahnsinns-Schiri, Wahnsinns-Spiel

Wenn Wahnsinn, dann richtig. Wenn Fußball, dann Club. Der 1. FC Nürnberg hat am Samstagnachmittag nicht nur gegen den Abstiegskonkurrenten Eintracht Braunschweig mit 2:1 (0:1) gewonnen, sondern hat auch den inneren Schweinehund besiegt und den Fluch der verkorksten Hinrunde endgültig gebannt. Wahnsinnig wichtige Punkte!

Bis zur 32. Spielminute sahen die rund 37.000 Zuschauer im Grundig-Stadion den, das kann man ruhig so sagen, bis dato schlechtesten FCN unter Gertjan Verbeek. Braunschweig machte das Spiel, die Elf vom Valznerweiher plätscherte vor sich hin, einige fränkische Protagonisten wirkten mitunter leicht paralysiert. Vielleicht war ja der neue Komfortrasen schuld. Das kürzlich pressewirksam ausgerollte Stück erwies sich nämlich, erstens, als nicht grün (eher gelb) und dürfte sich für die Spieler, zweitens, im Gegensatz zum alten Grün anfühlen wie ein Spaziergang auf einer Matratze: weich, aber wackelig. Die Eintracht stellte sich hingegen nicht so an, war präsenter, spritziger, aggressiver und auch torgefährlicher als der Club, der in Hälfte eins einzig durch einen 18-Meter-Schuss von Hiroshi Kiyotake zumindest an der Führung schnupperte.

Bis zur 32. Spielminute sahen die Fans auch Timo Gebhart. Das ist insofern bemerkenswert, da der passionierte Diskogänger beim letzten Spiel in Augsburg von Verbeek eingewechselt und nach nur 26 Minuten auf dem Feld angekotzt wieder ausgewechselt worden war. Daraufhin knirschte es kurz, aber heftig im Gebälk, die Versöhnung folgte prompt.

Ebenfalls bis zur 32. Spielminute sahen die fränkischen Fußballfreunde Per Nilsson. Und dann das! Ab der 33. sah die Menge plötzlich einen anderen FCN, kein langweiliges Spiel mehr, aber eben auch keinen Timo Gebhart und keinen Per Nilsson mehr. Was war passiert?

Nilsson hatte an Harvard Nielsen gezerrt. Nielsen fiel hin und Nilsson sah Rot. Nilsson war nach Sicht von Schiedsrichter Daniel Siebert letzter Mann, Nielsen wäre demnach wohl durch gewesen. Ein Foul hat Nilsson an Nielsen definitiv begangen, aber ob Nilsson wirklich Rot bekommen hätte müssen, darüber lässt sich diskutieren. Jedenfalls musste Verbeek reagieren, nahm Gebhart, der es diesmal immerhin auf sechs Minuten mehr Einsatzzeit gebracht hatte, vom Platz und brachte Ondrej Petrak als Aufnäher für die zusammengeflickte und aufgerissene Innenverteidigung. Petrak war kaum auf dem Platz, da fiel nach einer Ecke das 1:0 für Braunschweig, weil Markus Feulner in der Mitte gepennt hatte und den Schützen Domi Kumbela ungestört einnicken ließ.

Ab diesem Zeitpunkt steigerte sich die Partie von verrückt über irre hin zu wahnsinnig. Der Komfortrasen wurde zum Haifischbecken. Schäfer grätschte in seinem Strafraum herum, traf aus Versehen Kumbela, der fiel hin, Schiedsrichter Siebert biss an und pfiff Elfmeter für die Eintracht (39.). Anscheinend war dem Unparteiischen das Ganze selbst nicht so geheuer, denn Schäfer sah nur Gelb (nicht den Rasen). Eine komische Entscheidung. Kumbela war’s egal, er trat an. Schäfer auch, er hielt. Verrückt.

Nur Sekunden nach Wiederanpfiff schlug der dezimierte 1. FC Nürnberg dann gleich doppelt zu: Kiyotake (46.) und Tomas Pekhart (47.) drehten innerhalb nur einer Minute das Ergebnis auf 2:1. Irre.

32 Spielminuten nach der 32. Spielminute, also in der 64., gurkte auf einmal wieder dieser Nielsen dort rum, wo Nilsson seitdem nicht mehr sein durfte: im Nürnberger Strafraum. Javier Pinola gefiel das gar nicht, also berührte er Nielsen, der verneigte sich und ging zu Boden, was wieder den Wahnsinns-Schiedsrichter Siebert auf den Plan rief. Elfmeter. Schon wieder. Schäfer stöhnte, Siebert schiedsrichterte und Ermin Bicakcic versieb(er)te, weil Schäfer parierte. Nur drei Minuten später sichtete Siebert im Sechzehner auf der anderen Seite ein Foul von Ken Reichel an Pekhart. Strafstoß. Kiyotake trat an, verschoss und wurde (wie geplant) ausgewechselt. Noch nie in der Bundesliga-Historie gab es ein Spiel, in dem drei Elfmeter verzockt wurden. Der Wahnsinn war perfekt.

Der Vergleich mit 2008 hinkt

 Die Club-Freunde haben Kassandra gespielt und es nach den Abgängen von Simons und Klose prophezeit: In dieser Saison droht härtester Abstiegskampf. Nun kommt ja immer in der Causa Simons der unvermeidliche Einwand, ein Verein könne doch nicht von einem 36-Jährigen abhängig sein – aber wie alt ein Spieler ist, spielt nun einmal keine Rolle, es zählt die Leistung auf dem Platz. Im übrigen war es wohl auch ein Fehler, den kampfstarken Almog Cohen ohne Not auszusortieren. Für den war ja im Winter bereits als Ersatz Muhammed Ildiz geholt worden, der jetzt aber auch schon wieder auf dem Abstellgleis steht. Und Mittelfeldmann Makoto Hasebe wird verpflichtet, um mehr Alternativen in diesem Mannschaftsteil zu haben – und kurz darauf serviert man  Mittelfeldmann Hanno Balitsch ab. Etwas wirr mutet sie in manchen Fällen schon an, die Personalpolitik des 1.Fc Nürnberg.

Manche Beobacher und Medien ziehen jetzt Vergleiche zur Abstiegssaison 2007/08. Damals jedoch stürzte der  Club aus heiterem Himmel ab, nachdem er in der Vorsaison ständig oben mitgespielt, am Ende Platz 6 belegt und den DFB-Pokal gewonnen hatte. Dies ist eine andere Fallhöhe als die aktuelle, denn in der vergangenen Saison musste das Team von Dieter Hecking und später Michael Wiesinger den Blick tendenziell schon eher nach unten richten, auch wenn es keine ganz akute Gefahr gab. Nun haben sich noch die genannten Leistungsträger verabschiedet, die Konkurrenz verstärkte sich – da ist Abstiegskampf fast die ganz logische Folge, so unangenehm das klingen mag. Aber als Club-Fan ist man das doch auch gewohnt. Der Blick in die Historie mag aufgeregte Gemüter beruhigen: Zwischen 1985 und 1994, die Periode der längsten ununterbrochenen Bundesliga-Zugehörigkeit des Rekordabsteigers, spielten die Nürnberger in sieben von neuen Spielzeiten mehr oder weniger intensiv gegen den Abstieg und retteten sich mehrfach erst am letzten Spieltag (1986, 1989, 1991, 1993).  

Aber um noch etwas Positives zu sagen: So schlimm das 0:3 gegen Freiburg auch war (was zu den Debatten von Pinola und Co. mit den Fans führte, siehe Foto), am elften Spieltag ist noch nie ein Team abgestiegen.  Trainer Gertjan Verbeek hat eine weise Aussage getroffen, als er zu Beginn seines Engagements sagte, er wolle jetzt bis Weihnachten noch den einen oder anderen Punkt holen (sich also etwas durchwurschteln), und danach, wenn er mal eine Vorbereitung absolviert hat mit dem Team, richtig angreifen. Das ist nämlich noch ein Unterschied zu 2007/08 – damals entließ der 1.FCN Trainer Hans Meyer zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt, nämlich kurz nach der Winterpause. Nachfolger Thomas von Heesen  hatte so keine Gelegenheit, das Team nach seinen Vorstellungen personell und taktisch zu formen und scheiterte letztlich als „Retter“.  Diesmal, hoffen wir mal, läuft es anders. Zumal Rang 16, der 2008 für den Club den direkten Abstieg bedeutete (auch das war damals anders…), diesmal ja zur Relegation reichen würde. Und Relegation kann der 1.FCN!

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