Club kann sich leider nicht belohnen

Schade, schade, das hatte der Club nicht verdient! Nach streckenweise überzeugenden Spiel unterlag er durch ein Tor in der Nachspielzeit noch Tabellenführer VfB Stuttgart, der nach dem Spiel mit seinen zahlreichen Fans dann schon mal den wichtigen, und fast nicht mehr erwartbaren Schritt zum Aufstieg feierte.

Womit wir bei den Fans wären. Da machten die aus Stuttgart angereisten Gäste, die für ein ausnahmsweise fast gefülltes Nürnberger Stadion sorgten, mehr Betrieb als die Club-Anhänger. Das lag nicht nur an deren Quantität, sondern auch daran, dass den Nürnberger Ultras wieder mal irgendetwas Verstummendes über die Leber gelaufen ist. weiter lesen

Ausrufezeichen im Abstiegskampf!

Luft! Durchatmen! Der 1. FC Nürnberg hat den Kopf im Abstiegskampf erst einmal wieder über die Wasseroberfläche gebracht. Aus eigener Kraft. Unsere Erleichterung war unmittelbar nach Abpfiff unbeschreiblich. Doch mittlerweile sehen wir das Ganze schon realistischer.

Denn das 2:0 (1:0) gegen den VfB Stuttgart war letztlich nur ein kleiner Schritt auf dem langen Weg weg vom Abgrund, der immer noch direkt hinter Gertjan Verbeek und seinen Mannen klafft. Aber es könnte ein entscheidender Schritt nach vorne gewesen sein. Um es drastisch auszudrücken: Der Club hat sich am Mittwochabend die Scheiße, die seit vier Spieltagen zwischen den Stollen geklebt hatte, von den Tretern gespielt, ein Ausrufezeichen gesetzt. „Abputzen und weitermachen“, muss das Motto jetzt vor der nächsten Schicksalspartie in Freiburg lauten.

Doch der Reihe nach. Hinter uns liegen 90 Minuten, in denen Raphael Schäfer und Co. gezeigt haben, dass sie endlich begriffen haben, um was es eigentlich geht. Nämlich ums nackte Überleben. Als Lebensversicherung entpuppte sich einmal mehr Josip Drmic, der gleich doppelt traf und somit den Weg für diesen Schritt überhaupt ebnete. Das Bild in diesem Blogpost zeigt den 21-jährigen Schweizer trotzig, aber auch entschlossen. Genau diese Einstellung war an diesem Abend auch der ganzen Mannschaft anzumerken.

Gewiss tat sich der 1. FC Nürnberg, der untermalt von einer „Feuershow“ der Ultras den Rasen betrat,  anfangs vor 38.188 Zuschauern im Grundig-Stadion schwer. Die zuletzt vier Niederlagen in Folge, also die Scheiße an den Fußsohlen, das alles musste erst einmal abgeschüttelt werden. Und wer schon einmal Scheiße am Fuß hatte, weiß, wie langwierig und auch eklig dieser Prozess sein kann. So ging es hin und her, man merkte förmlich, was für beide Teams auf dem Spiel stand.

Schließlich machte Frontmann Drmic den Unterschied. Seinen ersten Stich setzte er in Minute 43, als er, angespielt von Hiroshi Kiyotake, in unnachahmlicher Weise Fahrt aufnahm, sich durchsetzte und beinahe locker vom rechten Strafraumeck flach abzog und einnetzte. Saisontor Nummer 14. Ausrufezeichen! Dagegen hatte es der Schweizer später in der 54. Minute eher leicht, als er einen Konter, auf Anspiel von rechts durch den starken Markus Feulner, mustergültig abschloss. Drmic lief direkt in die Nordkurve (und auf das obige Bild), posierte selbstbewusst. Seht her: Hier bin ich! Ausrufezeichen! Punkt.

Der Rest ist schnell erzählt. Für seine Verhältnisse relativ locker brachte der Club den Vorsprung über die Zeit, ließ nicht mehr viel anbrennen. Einzig, als Lebensversicherung Drmic nach einem missglückten Tor-Abschluss für etwa fünf Minuten humpelte, hielten alle Clubfans kurz den Atem an. Drmic jetzt auch noch verletzt? Unvorstellbar. Zum Glück schien es dann wieder zu gehen. Natürlich muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass sich der VfB Stuttgart die ganze Partie über schlichtweg unterirdisch präsentierte und somit ein erstklassiges Bewerbungsschreiben für Liga zwei abgab. Doch auch für die Jungs vom Valznerweiher ist die Gefahr eines Absturzes noch lange nicht gebannt. Aber Verbeek wird schon wissen, wie er diesen Etappenerfolg im Kampf um den Klassenerhalt einzuordnen hat. Als ein Ausrufezeichen. Mehr nicht.

Neuer Trainer, altes Ergebnis

Remis in Stuttgart: Dafür hätte man den Trainer nicht wechseln müssen. Unentschieden haben wir schon unter Michael Wiesinger und Armin Reutershahn gespielt. Aber gut: Gertjan Verbeek hatte ja auch nur drei Tage Zeit für Veränderungen.

Ist und bleibt also alles beim Alten? Nein, so ganz stimmt das nicht. Diesmal trat der Club deutlich offensiver auf. Nach vorne wurden wesentlich mehr Chancen rausgespielt. Doch nachdem die erste gleich von Josip Drimic billard-mäßig versenkt wurde, war danach leider tormäßig nichts mehr drin. Das Tor war dann halt auch nur die – richtige – Antwort auf den Stuttgarter Führungstreffer. Der kam durch einen umstrittenen Elfer zustande, der in blödem Verhaltens begründet war. 10 Prozent davon, würde ich sagen, ging auf die Kappe von Niklas Stark und 90 Prozent auf die von Schiri Guido Winkmann.

Durch den Rückstand ließ sich die Mannschaft auch diesmal nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil. Das war eher ein Weckruf. Aber halt nur bis das Unentschieden stand. Das wurde diesmal sogar schon in der ersten Hälfte sicher gestellt. In der zweiten, wo der Club sonst meistens zulegte, war diesmal eher weniger Betrieb. Das lag wohl auch an den Stuttgartern. Die waren ziemlich unangenehm zu spielen, zumal bei denen die Ellenbogen irgendwie höher unterwegs sind als üblicherweise.

Ums kurz zu machen: Nicht schlecht gespielt. Aber geplatzt ist der Knoten noch nicht.

Europa, wir kommen nicht!

Der Spielplan meint es gut mit dem Club zurzeit. Letzten Sonntag ging es schon gegen die von der Europa-League scheinbar erschöpften 96er. Diesmal gegen die gleichermaßen müden Stuttgarter. Doch beiden Male langte es nur zu einem Unentschieden. Und beide Male muss man sagen: Es war glücklich.

Gegen Hannover fiel der Ausgleich erst in der Nachspielzeit. In Stuttgart traf Feulner aus dem Nichts und ziemlich überraschend zum 1:1-Endstand. Durch strukturiertes Spiel hatte sich der FCN das jedenfalls nicht verdient. Aber, was soll´s!

Das Spiel war – vor allem in Halbzeit eins – selbst für Fans harte Kost. Dem VfB konnte man zugute halten, dass ihm noch das Spiel gegen Genk zwei Tage zuvor in den Knochen steckte. Doch wovon waren eigentlich die Clubspieler platt? Oder war das Mitgefühl? Solidaritäts-Grottenkicken?

Dann lullten sie sich auch noch selber ein und lagen – wieder einmal unkonzentriert aus der Kabine gekommen – zu Beginn der zweiten Hälfte plötzlich hinten. Nicht unverdient. Korrekterweise hätte es aber kurz danach einen Handelfer für den Club geben müssen. Insofern war der Treffer von Markus Feulner dann doch irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit.

Trotzdem festzuhalten bleiben: die Fehlpässe, die Schnitzer hinten (Nilsson), die anhaltende Formschwäche der beiden Außenverteidiger und des für den erstmals seit Beginn spielenden Mu Kanazaki eingewechselten Alexander Esswein. Dazu kommt die Harmlosigkeit des Sturmsolisten (diesmal durfte sich Polter zuerst versuchen und wurde dann durch Pekhart ersetzt)…. Nachdem Timm Klose diesmal verletzt fehlte, war eigentlich nur Raphael Schäfer eine Bank.

Bei den anderen hatten der Zuschauer eher den Eindruck, dass sie dringend eine Pause benötigen. Und dabei sind wir in keinem weiteren Wettbewerb vertreten. Dass das mit der Europa-League wohl nicht klappen wird, ist insofern beruhigend. Immerhin hat sich der Abstand zum Relegationsplatz weiter vergrößert. Gönnen wir uns also den Luxus der Langeweile!

Grottig, grottiger, FCN

Was haben die der Mannschaft eigentlich vor den ersten drei Saisonspielen in den Tee getan? Da haben sie jedenfalls den Eindruck erweckt, als könnten sie in der Biundesliga mithalten und mit etwas Glück sogar oben angreifen. Nun aber zeigt sich das wahre Gesicht des FCN und das ist das Havelse-Gesicht.

Havelse hat sich aber wenigstens reingehängt, war auch fußballerisch gut. Der VfB Stuttgart spielte dagegen im Frankenstadion genauso auf, wie man es von einer Mannschaft am Tabellenende erwarten konnte. Grottig! Aber es geht immer noch grottiger. Es gibt ja noch den Club. Nur der schafft sowas. Nur der kann völlig danieder liegende Mannschaften derart aufbauen. Nur der kann auf dern Vierer-Position aufstellen, wen er will, und er wird immer die Flatter haben. Dass er zuhause das Spiel nicht machen kann und deswegen eigentlich hinten nichts anbrennen lassen dürfte, das ist ohnehin schon seit Jahren bekannt.

Inziwschen fragt man sich, was Trainer Hecking eigentlich in der Saisonvorbereitung gemacht hat. Dass Marcos Antonio den Part von Philipp Wollscheid übernehmen kann, das stellte sich ja schnell als Irrtum heraus. Dann setzte er auf Peer Nilsson. das war dann offensichtlich auch ein Irrtum. Also wieder Marcos Antonio. Den neuerlichen Irrtum durfte Hecking dann gleich nach 30 Sekunden einsehen. Wobei das sowohl bei Antonio als auch bei Nilsson nicht unbedingt mangelndes Können, sondern Defizite im Mentalbereich sind. Sowas kann ein Trainer, der weder von der einen noch von der anderen Lösung überzeugt ist, auch befördern. Sowas kann aber auch ein Mentaltrainer mal beheben.

Wobei man sich, isoliert betrachtet, sowohl beim Auftreten von Nilsson in Hannover als auch von Marcos Antonio gegen Stuttgart ein bisschen an Vlado Kasalo erinnert fühlte. Wenn nach dem Patzer zum 0:1 eingeblendet worden wäre: „dieses Tor wurde ihnen präsentiert von bwin“, dann wäre jeder für diese relativ plausible Erklärung dankbar gewesen.

So plan- und drucklos wie der Club dann aber den Ausgleich angestrebt hat, könnte man auch meinen, die drei Punkte waren vielleicht Teil des Gebhart-Deals. Aber wie gesagt, nur wenn man den Club der ersten drei Spieltage zugrunde gelegt hätte. Da das offensichtlich nicht der wahre Club ist, sehen wir leider inzwischen ziemlich schwarz.

Zu allererst muss jetzt die Abwehr stabilisiert werden. Notfalls halt noch über den Transfermarkt. Andernfalls müssen wir hoffen, dass Augsburg und Fürth nicht über sechs Punkte hinauskommen. Aber das wird wahrscheinlich nicht so kommen. Denn selbst für die grottigsten Mannschaften gibt es einen noch grottigeren Aufbaugegner.