Last-Minute-Transfer mit Last-Minute-Tor

Die (Doppel-)Woche:

1. Ein bisschen haben mich die Nationalmannschaftsauftritte, die hier das Weekly zu einem 14-Tägly mutieren ließen, an „The Walking Dead“ erinnert. Aber mei, als Clubfan hat man mit jener übersättigten „Mannschaft“ kaum Schnittstellen, außer dass sie für solche Zwangspausen sorgt. Dafür schafft sie Gelegenheiten zu Freundschaftsspielen. Die hat der Club gegen die TSG Roth und gegen Dukla Prag souverän gemeistert. Der Herr Löw war anderweitig beschäftigt und konnte niemanden beobachten. Also: alles gut!

2. Sportvorstand Andreas Bornemann hat sich nachträglich zu den Last-Minute-Neuverpflichtungen geäußert und erzählt, wie man beim Club trotz Zeitdruck, ruhig die Transfers durchgezogen hat. Die, das hat sich auch bei den Freundschaftsspielen angedeutet, keine Verzweiflungseinkäufe gewesen seien.

3. Michael Köllner hatte für die Neuzugänge Deutschkenntnisse zur Bedingung gemacht. Die Neuzugänge haben derweil im Kicker und beim BR inzwischen allerdings Verständigungsprobleme mit dem Trainer beklagt. Man müsse oft mehrfach nachfragen, weil er so stark Dialekt rede.

4. Dementis scheinen beim Club nur sehr temporäre Bedeutung zu genießen. Jetzt verlässt Finanzvorstand Michael Meeske den FCN also doch. Dies war also nur dreijährige Zwischenstation auf dem Weg vom Kultclub (St.Pauli) zum Kapitalclub (VfB Wolfsburg). Das zeigt auch, wo der 1.FCN auf dieser Skala einzuordnen ist. Der hat Meeske dennoch einiges zu verdanken. Zum Abschied kann er endlich mal eine positive Bilanz nach einem abgelaufenen Geschäftsjahr präsentieren und hinterlässt seinem Nachfolger Niels Rossow somit geordnetes Terrain. Angeblich soll der Club auch für Meeske eine, bei solchen „Transfers“ eigentlich unübliche, Ablöse von 300.000 Euro kassiert haben. Pessimisten erinnern sich hingegen an den Jahreswechsel 2012/13, als besagter VW-Verein Trainer Dieter Hecking vom FCN abwarb. Ein Verlust mit Spätfolgen: 2014 gings dann in die 2.Liga.

Das Spiel:

Nicht ganz vollständig lief „Köllners neue Torfabrik“ an der Weser auf. Nur Matheus Pereira war von den beiden Last-Minute-Transfers von Beginn an dabei. Kubo musste daher erneut auf dem Flügel ran. Der Club begann recht gefällig nach vorne zu agieren, ohne allerdings echte Torchancen herauszuspielen. Der SV Werder Bremen, bei dem der ehemalige FCN-Spielmacher Kevin Möhwald (auch das ein Beweis für die anderen personellen Möglichkeiten an der Weser) nur auf der Tribüne saß, kam zwar seltener, meist aber gefährlicher vors Tor. Zwei Mal musste Georg Margreitter in höchster Not klären. Entsprechend angefressen stauchte er danach seine Abwehrkollegen zusammen. Die schafften es aber wieder nicht, die erste halbe Stunde ohne Gegentreffer zu überstehen. Diesxmal bedurfte es aber eines Sonntagnachmittagschusses von Maximilian Eggestein. Der kann ohne angegriffen zu werden aus 18 Meter abziehen und hämmert den Ball ins Dreieck. Schönes Tor, muss man leider zugeben.

In der zweiten Halbzeit beorderte Köllner Neuzugang Pereira nach vorne. Yuya Kubo, der ursprünglich mal Möhwald ersetzen sollte, musste weiterhin über den Flügel kommen, wo seine Qualitäten nicht so ganz zum Tragen kommen. Trotzdem liegt in der 59. Minute der Ball im Werdertor. Petrak hatte ihn reingespitzelt. Jubel beim Club. Jubel bei den Fans. Aber da ist halt noch der Videobeweis. Der entdeckte ein Abseitsposition von Ishak. Nichts war´s mit dem Ausgleich.

Dann wurden Fuchs und Pereira durch Neuzugang Virgil Misidjan und Edu Löwen ersetzt. Doch weiter rannte der Club vergeblich an. Die Bremer spulten die Sache souverän runter. Erst kurz vor Schluss – inzwischen war Knöll für Petrak drin – ging der Club all-in. Und er wurde in der Nachspielzeit belohnt: Virgil Misidjan verwertete in der 92. Minute eine Behrens-Vorlage zum inzwischen verdienten Ausgleich. Danach hatte Kubo nach Ishak-Zuspiel sogar noch die Möglichkeit, den Siegtreffer zu erzielen, schloß aber viel zu schwach ab. Ein Spiel dauert halt meist länger als 90 Minuten. Eine Erkenntnis, die der Club offenbar verinnerlicht hat.

Ein Letztes:

Unsereins verausgabt sich ja eher auf Twitter. Unter eSports fällt das – keine Ahnung warum – trotzdem (noch) nicht. Es gibt aber auch auf diesem Terrain Ereignisse, die der Sportfreund wissen sollte, vor allem dann, wenn sie zwei Stars der Szene betreffen:

Rückfall

Plopp! Da ist sie draußen, die Luft aus der Euphorieblase. Was wurde im Vorfeld des Bremenspiels alles an Optimismus verbreitet. Dann noch die Fahnen zur Aktion „Ich bereue diese Liebe nicht“. Nicht zu vergessen Pinolas neue Frisur. Alles schien angerichtet für einen entscheidenden Schritt aus der Abstiegszone, zumal die Konkurrenz am Nachmittag auch keine Siege einfahren konnte.

Aber wie das so ist im Fußball, entscheidend ist nicht das Brimborium, entscheidend sind die Tore. Und die schossen halt die Bremer. Da half es halt auch nichts, dass der Club teilweise schöne Spielzüge und eine teilweise drückende Überlegenheit an den Abend legte. Spätestens am Bremer Strafraum war dann meistens Schluss. Da standen die Grün-Weißen, die mit dem Ruf eine der schlechtesten Bundesligadefinsiven zu besitzen angereist waren, massiert. Zudem hatte sich Trainer Verbeek auch noch verzockt. Statt Pekhart hatte er Robert Mak als Stürmer aufgeboten, also einen, der eher im Mittelfeld zuhause ist und der weniger im Strafraum wühlt und Räume schafft. Da hatte ihn sein Gegenüber Robin Dutt mit seiner ziemlich archaischen Auswärtstaktik richtig abgekocht. Er setzte auch erfolgreich darauf, dass der Club eben seine Heimspiele immer noch nicht erfolgreich gestalten kann, wenn der Gegner nicht mitspielt, sondern mauert.

Dass Bremen dann zu zwei – beinahe sogar zu drei (aber der Bremer Aaron Hunt bewarb sich beim Stande von 2:0 zudem noch für den Fairplaypreis, als er den bereits auf den Elferpunkt zeigenden Schiri Gräfe signalisierte, dass kein Foul vorlag) – Treffern kam, lag auch an den Fehlern im Spielaufbau, beide Male durch Neuzugang José Campaña, der allerdings durchaus nach Vorne Akzente setzte. Aber letztlich ohne Erfolg. Überhaupt hatte man im Verlauf des Spiels immer mehr das Gefühl: Heute wird es kein Clubtor mehr zu bejubeln geben.

Insofern war das ein gebrauchter Abend. Denn zur Heimniederlage kam noch die Verletzung von Raphael Schäfer und die Erkenntnis, dass wir sowas schon sattsam aus der Vorrunde kennen, dass wir einen Mitkonkurrenten um den Abstieg aufgebaut haben und dass, wenn wir das in den nächsten drei Spielen gegen drei weitere Mitkonkurrenten wieder machen, wir uns leider wieder dort wiederfinden, wo wir am Jahresende waren. Der Keller wartet und wir sind mitten in der Vorwärtsbewegung blöd die Treppe runtergefallen.

Das lange Warten auf den Dreier

Wieder kein Sieg. Stattdessen das fünfte Unentschieden im siebten Spiel. Aber: Wenn man nur eine Halbzeit gut spielt und die andere grottig, dann kommt halt schon statistisch nicht mehr als ein Remis heraus.

Doch von vorne. Der Club musste nicht bloß ohne der verletzten Ginczek antreten, auch der andere Torgefährliche, Pelle Nilsson, musste krankheitsbedingt passen. So ließ sich die Mannschaft in der ersten Hälfte von Bremen teilweise vorführen. Auf rechts bekamen Chandler und Kiyotake überhaupt keinen Fuss auf den Boden. Permanent brannte es lichterloh und eine nennenswerte Entlastung gab es praktisch nicht. Dass Bremen da nur 2:0 führte, war eigentlich noch glücklich. Keine alte Sau hätte zu diesem Zeitpunkt nur einen Cent auf den FCN gewettet. Der Sky-Reporter konstatierte nur lapidar: „Der Club hat Riesenprobleme, vorne, hinten und in der Mitte.“ Im Netz wurden bereits wieder die Wiesinger-raus-Rufe laut. Da half es auch nicht, dass Kiyotake kurz vor der Halbzeit den Anschlusstreffer erzielte. Ein Glücksschuss halt, dachte jeder.

Nach der Pause wechselte Wiesinger Drmic für den wieder einmal blassen Alexander Esswein ein. Prompt kam der Club besser ins Spiel. Kiyotake, dem das Abwehren sichtlich keine Freude macht, blühte auf und auch die anderen zeigten auf einmal Biss und Spielfreude. Folgerichtig machte Drmic den Ausgleich. Danach ließ es der Club gleich wieder ruhiger angehen und geriet hinten wieder in die bekannten Schwierigkeiten. Dabanli, der schon das 1:0 der Bremer durch ein Eigentor erzielt hatte, bekam den Ball nicht weg und Werder lag erneut vorne. Der Club wachte wieder auf und mit einem Zuckerpass von Kiyotake war diesmal Hlousek der Ausgleichschütze. Zu mehr reichte es dann allerdings nicht.

Beim Club hat man zusehends das Gefühl, dass nur gefightet wird, wenn es brennt, wenn der Stuhl von Wiesinger am Kippen ist oder wenn weitere Rauswürfe drohen. Ein Unentschieden reicht da scheinbar als Leistungsnachweis. Wie schon gegen Dortmund ist zwar der Druck von Wiesinger durch die 2. Halbzeit erstmal wieder weg. Der erste Dreier steht aber weiterhin aus.

Selbst wenn die Einwechslung von Drmic die Wende brachte, steht und fällt das Clubspiel augenscheinlich mit der Stimmung von Hiroshi Kiyotake. Leute, besorgt ihm Geishas, füllt ihn mit Reiswein ab, peppelt ihn sonstwie… ganz egal, sonst wird das nie was mit einem Dreier. Den braucht der Club jedoch, und zwar bald. Wenn wir nämlich in dieser Saison remismäßig so weiter machen, dann hat der Club am Ende 32 Punkte. Das dürfte zum Klassenerhalt nicht reichen.

Versöhnlicher Sommerkick

Die Musik spielte heute woanders. Im Frankenstadion ging es eigentlich um nichts mehr. Trotzdem war das letzte Saisonspiel noch einmal typisch für die Saison. Die verschlafene erste Hälfte zum Beispiel. Unpräzises und wenig zielorientiertes Mittelfeldgeplänkel, das auch diesmal wieder eher den Club als den Gegner einlullte. Zumal wenn der einen Kevin de Bruyne in den eigenen Reihen hat. Solche Spieler machen dann den Unterschied. Aber halt nicht allein und nicht über 90 Minuten.

Es gibt ja immer auch noch eine zweite Hälfte und es gibt die Standards, über die der Club in dieser Saison (ganz anders als früher) meistens am gefährlichsten war. Und es gibt Pelle Nilsson, Nürnbergs Goalgetter. Der machte dann den wichtigen Ausgleich und spielte den Dosenöffner für die beiden P-Stürmer, die dann ebenfalls mal wieder trafen. (nachdem der Franke aber P eher wie B ausspricht, kommt der Begriff der Wahrheit dennoch ziemlich nahe).

Das junge Mittelfeld mit Mendler, Mak, Plattenhardt, Stark wirkte anfangs etwas überfordert, steigerte sich dann und konnte immerhin Erfahrungswerte sammeln. Ansätze für die neue Saison waren zu sehen. Trotzdem werden wir da mit den zuletzt abgelieferten Leistungen nicht bestehen können. Bremen wird mit Sicherheit nicht mehr mit einer derart löcherigen Abwehr antreten und der Sieg gegen Düsseldorf hat sich inzwischen ja auch relativiert.

Doch egal: Versöhnlicher Saisonanschluss, Platz 10 (vor Wolfsburg, hallo Dieter!), nochmal ein Heimsieg. Also lieber mal feiern, relaxen und dann abwarten, was noch an Verstärkungen kommt.

Schiri stört den Weihnachtsfrieden

Ein Punkt in Bremen, da hätten wir vor dem Spiel sicher eingeschlagen. Auch während des Spiels, so bis zur 80. Minute. Doch dann brachte Timo Gebhart den Club in Führung. Nicht verdient. Aber so ist er halt, der Fußball. Wenn die eine Mannschaft ihre zahlreichen Chancen nicht reinmacht, dann passiert das eben. Leider passiert es aber auch immer, dass der Schiedsrichter eingreift und mit offensichtlichen Fehlentscheidungen den Club schädigt. Diesmal war es Manuel Gräfe. Obwohl Torschütze Petersen klar im Abseits stand, gab er den Ausgleichstreffer. Abseits gilt offenbar nur, wenn es dem Club schadet.

Keine Frage, dass das 1:1 nach dem Spielverlauf verdient war. Aber, bitteschön: Abseits ist Abseits. Sonst können wir die Schiedsrichter auch durch Punktrichter ersetzen, die Ballbesitz, Ecken und Torchancen mit irgendeinem Algoritmus berechnen. Vielleicht kann man das überhaupt alles digital machen? Dabei auch noch ein paar Haltungsnoten einbauen und einen Frisurenbonus berücksichtigen.

Ich schweife ab. Wie gesagt, der eine Punkt wäre eigentlich ein versöhnlicher Jahresabschluss für uns gewesen. Aber so wie das dann am Ende gelaufen ist, dient das halt doch nicht dem Weihnachtsfrieden.

Trotzdem: Der Club hat gut gekämpft. Vor allem Raphael Schäfer stand hinten wie eine Eins. Bremen hatte nur mit Schiri-Hilfe eine Chance zu Torerfolg zu kommen. Über die durchaus vorhandenen Schwachstellen in der FCN-Mannschaft sehen wir (Weihnachtsfriede) mal hinweg. Der Dieter Hecking wird die, wenn er sich wieder beruhigt hat, mit Sicherheit sowieso ansprechen.

Ein riesiger Schritt zum Klassenerhalt

Das war ein ganz wichtiger Sieg, der dem Club da in Bremen gelungen ist. Ein bisschen glücklich zwar, auf keinen Fall aber unverdient. Am Ende zählt eh nur das nackte Resultat. 1:0 gewonnen, 28 Punkte, Platz zehn – und noch viel wichtiger: der Abstand zum Relegationsplatz ist auf acht, der auf die Abstiegsränge auf zehn Zähler angewachsen.

Werder begann zwar elanvoll, doch der Club trat auch zu Beginn der Partie nie wie ein Abstiegskandidat auf. Das 2:1 gegen Köln hatte Selbstvertrauen gegeben, das merkte man. Als die ersten Bremer Angriffswellen abgeebbt waren, spielte auch der FCN immer wieder frech nach vorne. Gegen Ende des ersten Durchgangs war es tatsächlich der Club, der bei den riesigen Chancen von Hegeler und Pekhart der Führung näher war.

Nach der Pause – da muss man ehrlich sein – war es allerdings schlicht Glück, dass die Schaaf-Elf nicht in Führung ging. Pizarro, der aus spitzem Winkel nur den Pfosten des leeren Tores traf, hat man solche Chancen schon verwandeln sehen. Und auch für Marin war es schwerer, die Kugel drüber statt ins Tor zu schießen.

Viel cooler blieb da auf der anderen Seite Esswein, als Hegeler von rechts nach innen gepasst hatte. Wiese flog nach links, der Ball nach rechts – 1:0 für den Club. Bremen packte die Brechstange aus, warf alles (auch Wiese) nach vorne, blieb aber planlos. Auch die Versuche, ein paar Elfer zu schinden, wirkten nicht sehr elegant. Ein bisschen Glück, ein bisschen Schäfer und eine ganz große Rettungstat von Hlosuek reichten dem über weite Strecken abgeklärten FCN zum Sieg.

Die Formkurve am Valznerweiher zeigt deutlich nach oben, während bei der Konkurrenz der Baum brennt. Lautern und Freiburg bekamen die Kiste voll, und auch der Einstand von König Otto bei der Hertha ging mächtig in die Hose. Der muss jetzt mit Berlin übrigens gegen Bremen ran. Und dass sich Werder nicht gerne zweimal überrumpeln lässt, müsste Rehhagel am besten wissen. Der Club kann dagegen gegen Gladbach ganz frei aufspielen.

Überlegenheit allein reicht nicht

Eines muss man sagen: Langweilig wird einem mit dem Club nie. Gegen Bremen ist traditionell sowieso immer etwas geboten – und meistens zu ungunsten des FCN. Deswegen hätten wir vor dem Spiel auch ein 1:1 für okay gehalten. Allerdings: Werder musste 75 Minuten mit 10 Mann spielen, nachdem Torwart Tim Wiese nach einem Foul an Eigler vom Platz gestellt wurde. Leider brachte das eher den Club als die Bremer aus dem Konzept, die dann ausgerechnet durch den Ex-Clubberer Mehmet Ekici in Führung gingen. Das war überhaupt die erste Aktion, bei der Alexander Stephan gefordert war. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Schiri Drees statt auf Platzverweis auf Tor und Gelb für Wiese entschieden hätte?

Die Überlegenheit des FCN hielt das ganze Spiel an. 13:0 Ecken, 65 Prozent Ballbesitz: Trotzdem langte es gerade noch zum Ausgleich. Beim Club geht nämlich Überlegenheit dummerweise mit mangelnder Konzentration einher. Irgendein Pass kam immer nicht an. Teilweise gingen die Spieler auch zu hektisch zu Werke. Dabei wuchs Trainer Dieter Hecking sogar über sich hinaus und ließ in der zweiten Halbzeit mit drei Mann (Esswein, Eigler, Bunjaku) stürmen. Immerhin bewies zumindest der Ausgleich, dass Hecking einiges bewirkt hat. Wollscheid, der in letzter Zeit verstärktes Kopfballtraining absolviert hatte, köpfte nach einer Ecke ein. Bei Standards war der Club, wir erinnern uns, lange Zeit völlig harmlos.

Womit wir beim Wetter wären. Der Hagelschauer und die Regenmengen, durch die das Spiel teilweise an die legendäre WM-Begegnung 1974 zwischen Deutschland und Polen erinnerte, hätten beinahe zu einem Spielabbruch geführt. Immerhin musste die Pause um 15 Minuten verlängert werden (was, nette Randerscheinung bei Twitter, manche Fans in drückende Entsorgungsschwierigkeiten brachte). Dabei schien rundherum die Sonne. Sogar in Fürth (siehe Unwetterkarte).

Der Club, man sieht es wieder, ist eben was besonderes.

Weiner – zum weinä!

Auch die schönste Serie geht mal zu Ende. Nach dem achten Spiel ohne Niederlage verlor der Club im Frankenstadion gegen Werder Bremen und wieder einmal spielte ein Schiedsrichter eine entscheidende Rolle.

Was Michael Weiner zusammenpfiff, schubste den – heute allerdings auch nicht besonders gut spielenden – Club voll von der Rolle. Will sagen: Die Mannschaft spielte diesmal nicht so gut, aber der Schiri zog sie noch vollends runter.

Trainer Dieter Hecking hatte vor dem Spiel richtig analysiert, dass der Druck bei den Bremern liegt. Wenn die zurück liegen, dürften sie das Muffensausen bekommen und eventuell einbrechen. Aber so kam es nicht. Weiner unterstützte die allerdings bissig aufspielenden Bremer mit einem doch etwas zweifelhaften (wie man in der TV-Zeitlupe später sah) doch wohl berechtigten Elfmeter. Der Club reagierte richtig, lamentierte nicht, sondern kam zurück – durch ein kurioses Tor, ein Schuss von Gündogan, der von Mertesacker abgefälscht wurde.

Doch Weiner nervte weiter durch seltsame Entscheidungen. Die mangelnde Standfestigkeit eines Marko Marin deutete er beispielsweise jedesmal als Foulspiel des Gegners. Die Clubmannschaft spielte leider genauso unsouverän. Agierte mehr gegen den Schiedsrichter als gegen die Bremer. Wahrscheinlich dachte man, irgendwann muss der Weiner doch mal Gerechtigkeit walten lassen. Das tat er aber nicht. Er stellte Timothy Chandler wegen zweier völlig unbedeutender Fouls mit Gelb-Rot runter. Dann gab er einen zweiten Elfer, der nun eher keiner war…

Die Schieber-Rufe waren schließlich berechtigt. Gleich doppelt. Denn ein Stürmer wie Julian Schieber, der fehlte dem Club heute.

Andererseits: Das bringt uns nicht um. Wenn man 42 Punkte hat, dann steckt man auch einen Michael Weiner weg.

Reschbeggd, das war Klasse!

2729158341Reschbeggd, (oder, für die Norddeutschen: Respekt!), das war Klasse! Dass wir als Clubfreunde sowas noch mal erleben dürfen. An Siege gegen Bremen können wir uns kaum erinnern. Im Weserstadion sowieso nicht. Und dass die dann auch noch so lässig rausgespielt werden, das ist uns gänzlich fremd. Aber so lassen wir uns gerne überraschen.

Dabei sah es zunächst gar nicht so aus. Bis kurz vor dem Pausenpfiff waren wir noch froh, dass die Clubelf nur mit 1:0 hinten lag. Die Bremer hatten, gefühlt, immer zwei Mann mehr auf dem Platz, weil vor allem Marin jedesmal gleich mehrere Nürnberger beschäftigte. Trotzdem machte Werder den Ball nicht rein. Zum Teil aus eigenem Unvermögen, zum Teil hielt Schäfer bravourös.

Aber dann, kurz vor dem Pausenpfiff, zeigte der Club, dass er lernfähig ist. Die Bremer, die schon dachten, erstmal Pause, die haben wir im Sack wurden vorgeführt. Julian Schieber zeigte, dass er auch den Marin geben und ein paar Gegner auf sich ziehen kann. Kurz vor dem Tor schob er dann die Kugel noch zu Ilkay Gündogan, der den ganz wichtigen Ausgleich besorgte.

In der zweiten Hälfte brachte der FCN die Gastgeber sogar an den Rand der Verzweiflung. Immer wieder wirbelte vor allem Schieber (nochmal danke, VfB, dass ihr so selbstlos euren besten Mann an uns ausgeliehen habt!) deren Abwehr durcheinander. „Wenn ich mal ein Kind bekomme, nenne ich es Julian“, twitterte daraufhin ein weiblicher Clubfan. Wir wunderten uns dagegen eher über die doch reichlich unflexiblen Bremer Fans, die nun versuchten den Schiedsrichter ausgerechnet mit Schieber-Rufen auf ihre Seite zu ziehen (unsere Tweets sind jetzt übrigens nicht bloß direkt bei Twitter, sondern auch auf der NZ-Sportseite zu finden). Aber, wie immer, wenn Blödheit und Arroganz zusammentreffen, wird das bestraft. Diesmal von Ekici und erneut Gündogan (Bild).

Freilich muss man auch sehen, dass die Bremer, das sah man schon beim Spiel gegen die Bayern, derzeit mit ähnlichen Problemen kämpfen wie der Club in der vergangenen Saison. Die Abwehr macht zu viele Fehler und dann verkrampft man vorne beim Abschluss. Insofern traf heute ein starker Club auf vergleichsweise schwache Bremer. Der Freude tut das aber keinen Abbruch. Auch der später Anschlusstreffer nicht.

Aufholjagd leider nicht belohnt

20100327 Werder Bremen - 1. FC NuernbergIn Halbzeit 1 hat der Club auch in Bremen mal wieder seine Drittliga-Fratze gezeigt. Wie souverän die Bremer Spieler aus der Kabine kamen, wie sie lässig grinsten und offenbar hofften, die restlichen 45 Minuten mit Links runterzureißen zu können, da wusste man, was da los war.

Doch dann startete die Nürnberger Mannschaft doch noch zu einer Aufholjagd. Gegen elf Bremer kam sie noch auf 2:3 ran, als dann Torsten Frings auch noch mit Rot vom Platz gestellt wurde, dachte man: Jetzt klappt´s, jetzt packen wir sie. Leider war es damit nichts. Raphael Schäfer lief in der letzten Minute zum Eckball mit nach vorne. Doch statt das Tor zu machen, zappelt der Ball auf der anderen Seite im leeren Tor, 4:2 statt 3:3. Schade!

Aber verloren wurde das Spiel, wie gesagt in der ersten Halbzeit. Da hatte man beim Club ganz offenbar nicht mitbekommen, dass auch Verteidiger Tore schießen können, noch dazu, wenn sie etwas größer sind als die anderen. Jedenfalls hatte den Per Mertesacker niemand auf der Rechnung. Schäfer, sonst meist ein Rückhalt, segelt am Ball vorbei, und der Nationalverteidiger köpfte gleich zweimal nach Ecke ein.

Sehen wir´s aber lieber positiv: Der Club lebt noch. Und mit dieser Einstellung steigt er auch nicht ab. Vor allem, weil die Hertha wieder nicht gewinnen konnte und weil sich Hannover offenbar schon aufgegeben hat. Insofern ist trotz der Niederlage zumindest der Direktabstieg heute wieder ein Stück unwahrscheinlicher geworden.