2015 – das Jahr der Abschiede

19.12.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 19. Spieltag: 1. FC Heidenheim FCH - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa ---  Jubel nach Tor zum 0:1 - Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN ) Miso Brecko (2, 1. FC Nürnberg / FCN ) Georg Margreitter (33, 1. FC Nürnberg / FCN ) Patrick Erras (29, 1. FC Nürnberg / FCN ) Laszlo Sepsi (6, 1. FC Nürnberg / FCN ) Dave Bulthuis (4, 1.FC Nürnberg / FCN ) Alessandro Schöpf Schoepf (28, 1.FC Nürnberg / FCN ) Tim Leibold (23, 1. FC Nürnberg / FCN ) - Freude / Torjubel - Torschütze: Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN )
Das Jahr nähert sich dem Ende, die Spiele sind gespielt, und die Club-Freunde schauen zurück und ziehen Bilanz. 2015 wird dereinst wohl als das Jahr der Abschiede in die Annalen des 1.FC Nürnberg eingehen. Bereits im Februar war für Finanz-Vorstand Ralf Woy, seit 2006 in führender Funktion beim Club tätig, Schluss. Ende September endete dann auch die elfjährige Ära von Martin Bader. Die Trauer über den Weggang der beiden langjährigen Vereinsbosse hielt sich in der Fan-Gemeinde in Grenzen. Immerhin hatten sich beispielsweise die Fehlentscheidungen von Bader in der Kaderplanung gehäuft, so dass ihm der Aufsichtsrat mit Wolfgang Wolf schon nach dem Abstieg 2014 einen Abteilungsleiter mit Fußball-Sachverstand zur Seite stellte.
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Tschüss, Andy!

 Der Club wird allmählich zum Kindergarten. Nun geht einer der letzten Routiniers: Kapitän Andreas Wolf konnte sich mit dem Verein nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Schade, denn Wolf gehörte am Valznerweiher zum Inventar – im März 2002 absolvierte er sein erstes von insgesamt 175 Bundesligaspielen für den 1.FC Nürnberg. Bei der 0:2-Niederlage in Berlin agierte der Innenverteidiger an der Seite von Akteuren wie Paulo Rink, Anthony Sanneh, Tommy Larsen oder Jacek Krzynowk. Neun Jahre spielte Wolf für die Club-Profis, in der schnellebigen Fußball-Welt ist das eine Ewigkeit. Hätten sich Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader mehr bemüht, wären wohl noch einige Spielzeiten hinzugekommen, aber Wolfs Aktien standen bei den Verantwortungsträgern offensichtlich nicht mehr allzu hoch im Kurs. Nun zählen Verdienste von gestern im harten Profigeschäft wenig, und aus dem rustikalen Abwehrrecken Wolf wird auch kein Filigrantechniker mehr – aber dennoch ist es fraglich, ob Hecking und Bader sich einen Gefallen damit tun, den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung auf diese Weise zu entschärfen.

Philipp Wollscheid spielte eine überragende Rückserie, aber bei dem jungen Talent wären Einbrüche nicht verwunderlich. Ob es bei Maroh und Klose langfristig für die Bundesliga reicht, bleibt abzuwarten. Routinier Per Nilsson dagegen dürfte nun wieder eine feste Größe sein. Doch es wäre zweifelsohne spannender geworden, wenn es zum Konkurrenzkampf zwischen Wolf, Nilsson und Wollscheid gekommen wäre.  

Nun ist für Wolf, der neben den besagten 175 Bundesligaeinsätzen (sechs Tore) auch 38 Zweitligaspiele (ein Tor) für den FCN bestritt, also Schluss. Zwei Ab- und zwei Aufstiege hat der 28-Jährige mit dem Club durchlebt, er gehört ebenso wie Marek Mintal zu den Legenden, die das Autorentrio Kaiser/Siegler/Bausenwein in ihrem gleichnamigen Buch verewigt haben und stand auch im Pokalfinale 2007 beim 3:2 über Stuttgart auf dem Platz. Tschüss, Andy!

Die blöde Favoritenrolle

20100307 Hecking br¸llt energischNein, die Favoritenrolle schmeckt uns nicht. Das war schon im Heimspiel gegen Freiburg so. Das setzte sich letzten Sonntag in München fort und erlebte seinen Höhepunkt heute gegen den FC Kaiserslautern.

Während nämlich bei den Clubspielern und deren Umfeld Begriffe wie „magisches Elfeck“ oder „neuer Jugendstil“ und die Frage, in welcher Nationalmannschaft man demnächst kicken soll. im Kopf herumschwirren, spielen die Gegner Fußball. Und dann lässt der „zuverlässige Rückhalt“ Raphael Schäfer auch noch den Ball ungeschickt abprallen und es heißt 0:1.

Dann denken die wackeren Abwehrrecken der favorisierten Heimmannschaft aber immer noch: Betriebsunfall, wird gleich repariert, schließlich sind wir ja Nationalspieler, z.B. von Australien oder Weißrußland. Wie da wohl das Wetter gerade ist?

Auf einmal heißt es 0:2. Häh, wer ist da auf dem Platz? FCK? Waren das nicht mal die roten Teufel? Die schauen doch ganz harmlos aus mit ihren weißen Hemdchen? Die werden sich doch nicht wehren wollen und meinen, sie hätten hier eine Chance?

Da fällt das dritte Tor.. So was Dummes aber auch! Jetzt müssen wir uns doch noch anstrengen. Ah, da ist ja der Pausenpfiff. Also erst mal entspannen! Der göttliche Schiri ist wenigstens auf unserer Seite und nun wird der Erfolgstrrainer in der Pause die richtigen Worte finden.

Doch „Trainerfuchs“ Dieter Hecking (im Bild) dürfte eher an seinem gescheiterten Experiment zu knabbern gehabt haben. Vidosic, das ewige australische Talent, das eigentlich als Stürmer gilt, rechts hinten als Ersatz für Juri Judt aufgestellt zu haben, war wohl die Hauptursache für den Rückstand. Klassischer Rohrkrepierer. Folgerichtig wurde Vidosic auch noch vor der Pause ausgewechselt.

Viel elanvoller kam der Favorit jedenfalls nicht aus der Kabine. Der FCK war weiterhin die dominante Mannschaft und hätte mehrfach noch auf 4:0 erhöhen können.

Erst die Einwechslung von Robert Mak für die alles andere als geniale Bayern-Leihgabe Ekici brachte dann etwas mehr Schwung. Mak schoss immerhin den Ehrentreffer. Dass es nicht zu weiteren Favoritentoren reichte, war unter anderem Andreas Wolf zu verdanken, der einen Elfer an die Querlatte hämmerte. Der Club hat das Spiel also wegen seiner (umformierten) Abwehr verloren. Wobei man sagen muss: Vorne lief auch nicht viel und im Mittelfeld hatte der FCK ebenfalls meist die Oberhand.

Es scheint so, als kehrte in der Bundesliga Normalität ein: Bayern hat sich gerappelt, Schalke siegt wieder, Fürth ist Vierter und der Club ein Depp.

Clubspieler in die Nationalelf! Bloß in welche?

wolfIrgendwie ist es schon erstaunlich: Kaum gewinnt der Club ein paar Mal, schon kommen sogar Nationaltrainer, ja selbst Manchester United, an und buhlen um die Nürnberger Spieler. Mehmet Ekici konnte sich gar entscheiden, spiele ich für Deutschland oder die Türkei. Bei Andi Wolf ist das zwar nicht der Fall. Jogi Löw winkte schon einmal (bevor sich Wolf schwer verletzte) ab. Aber Wolf, der 1982 in Tadschikistan geboren wurde, braucht die Sympathie Löws gar nicht. Er kann – und wird möglicherweise schon bald – für Russland spielen. Der dortige Trainer Dick Advocaat hat ihn jedenfalls im Visier. Wir gönnen es ihm auf jeden Fall.

Das ist jedenfalls besser als bei Ilkay Gündogan. Der wird wohl – dann aber für Deutschland – erst Nationalspieler, wenn er nicht mehr für den Club spielt. Es ist nämlich so: Nürnberg liegt zwar in Deutschland, wenn es aber um die Nationalelf geht, dann liegt es ganz weit weg.