Gute Leistung nicht belohnt

Unwirtliches Wetter, arbeitnehmerfeindlicher Termin und dann auch noch das Parallelspiel im GEZ-TV: Kein Wunder, dass nur 25.000 Zuschauer ins Morlock-Stadion kamen. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass der Club in der Vergangenheit gegen Bundesligisten immer kaum Land sah. Das war gegen den VfL Wolfsburg diesmal nicht der Fall. In der ersten Halbzeit waren wir durchaus ebenbürtig. Der Club hatte sogar die größere Zahl an Torchancen. Nach einer halben Stunde tankte sich erst der diesmal von Beginn an spielende Eduard Löwen durch, verfehlte das Tor aber knapp. Eine Minute später passte Hanno Behrens super auf Möhwald, der vergab aber überhastet. Allerdings hätte auch der Bundesligist ein Tor erzielen können, zum Beispiel in der 41. Minute als Dimata am herauseilenden Bredlow scheitert. Von einem Klassenunterschied war aber dennoch nichts zu spüren.

In der zweiten Hälfte machte der Club zunächst weiter mehr Druck. Die größte Chance hatte dabei Behrens in der 56. Minute als Tisserand für den bereits geschlagenen Keeper Grün Zentimeter vor der Linie klärte. Kurz darauf musste erneut Grün gegen Salli klären. Doch dann kamen die Wolfsburger, bei denen jetzt der frühere Cluberer Daniel Didavi mitspielte. Mehr als ein Pfostenschuss durch Malli in der 78. Minute kam dabei nicht rum.

So ging das Spiel in die Verlängerung. Damit war die Köllner-Vorgabe, gut auszusehen und dem Bundesligisten alles abzuverlangen schon erfüllt. Das spürte man leider auch auf dem Rasen. Die Konzentration ließ sichtlich nach. Aber die Wolfsburger brauchten dennoch ein Gurkentor, um den Club in die Knie zu zwingen. In der 96. Minute war es Uduokhai der nach einem Gewühl im Strafraum am schnellsten schaltete (Clubkeeper Bredlow kam etwas zu zögerlich raus) und den Ball zum 1:0 ins FCN-Tor stocherte. Verdient, wie der Sky-Reporter behauptete, war das nicht. Der Club war insgesamt die bessere Mannschaft. Die Wolfsburger Millionenkicker wirkte eher wie Ferraris im Stadtverkehr. Irgendwie brachten sie ihr Potenzial nicht auf den Boden.

Danach war der Käse eigentlich gegessen, denn beim Club paarte sich Frust mit ersten Ermüdungserscheinungen. Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, Cedric Teuchert einzuwechseln und ihm die Gelegnehit zu geben, sich bei solventen Vereinen zu empfehlen. Aber Trainer Köllner brachte zunächst Kammerbauer. Erst vier Minuten vor Schluss ließ er Teuchert dann doch noch auflaufen. Doch prompt nutzte Didavi eine unglückliche Vorlage von Tobias Werner zum 2:0 und das war´s dann.

Das Glück war diesmal jedenfalls nicht bei den Tüchtigen. Insofern kann sich der Club trotz Pokal-Aus erhobenen Hauptes in die Winterpause verabschieden und sich dann voll auf den Wiederaufstieg konzentrieren. Angst vor der Bundesliga müssen wir, diese Erkenntnis kann man aus der unglücklichen Niederlage mitnehmen, jedenfalls nicht haben.

Unaufgeregt in den Abgrund

Vor dem Spiel in Wolfsburg hatte Clubmanager Martin Bader noch die Parole ausgegeben, wir müssten eben auch gegen Mannschaften, die oben stehen, Punkte machen. Allerdings: Wolfsburg war halt eine Klasse besser und eine Mannschaft, die mitspielen, auf fiese Tricks verzichten und offensiv brillieren will, die kann da gleich gar nicht gewinnen. zumindest, wenn sie so bestückt ist wie der FCN.

Bei Wolfsburg saß da etwa ein Timm Kose auf der Bank. Einer, der letzte Saison unserer Abwehr die in dieser Saison schmerzlich vermisste Stabilität verlieh. Dafür stand bei uns Emanuel Pogatetz im Zentrum. Er kam damals von der Wolfsburger Bank und hat sich beim Club jetzt auch nicht unbedingt weiterentwickelt. Aber Plattenhardt, Stark oder Angha machten es freilich auch nicht besser. Schon daran sieht man: Der VfL Wolfsburg hat andere Ansprüche und ein anderes Personal. Dass der Club da nicht mit Mitspielen mithalten kann, müsste eigentlich auch einem Martin Bader klar sein.

Dabei sah es in Wolfsburg anfangs gar nicht mal schlecht aus. Da machte Markus Feulner, der diesmal neben Schäfer als einziger so etwas wie parzielle Erstligatauglichkeit ausstrahlte, aus der ersten richtigen Chance gleich den Nürnberger Führungstreffer. Sicherheit gab der aber nicht. Vor allem deckte er das Problem des FCN auf: Hinten reinstellen geht nicht. Deswegen fiel der Ausgleich dann auch nach einem Konter der Wolfsburger. Konter im eigenen Stadion gegen einen Abstiegskandidaten? Das muss man sich auch erst einmal geben. Prompt war der Rhythmus ganz raus. Die Muffe sauste und wie das so ist, kam dann auch noch Pech dazu. Frantz verletzt sich, verliert den Ball und Wolfsburg dreht noch vor der Pause das Spiel. Danach war die Sache eigentlich schon gegessen. Anders als der Club können die Wolfsburger Vorsprünge verwalten und dazu kam noch, dass Drmic fast völlig unterging. Ob es am Gegenspieler Knoche lag oder ob er mit den Gedanken schon beim BVB weilte? Vielleicht beides. Auch von Kiyotake sah man nicht viel (hat wohl auch schon Angebote).

Von einem Ruck, einem Aufbäumen war wenig zu spüren. Einzig Verbeek gab wieder alles und wechselte zwei frische Stürmer (Pekhart und Mak) ein. Wobei das leider eher Zeichen der Verzweiflung als Joker, die ein Spiel entscheiden, sind. Torungefährlicher geht es kaum. Da zudem die Konkurrenz um den Abstieg (bis auf den HSV) – anders als der Club – offenbar die Zeichen der Zeit begriffen hat und aufgewacht ist, war es das wohl. Auch wenn das auf dem PLatz, wie gesagt, nicht so sichtbar wurde. Manchmal hatte ich beim Zuschauen sogar das Gefühl, vielleicht wissen die mehr. Vielleicht bekommen da zwei Mannschaften ihre Lizenz für die nächste Saison nicht. Vielleicht droht dem FCB wegen der Hoeneß-Affaire doch mnoch der Zwangsabstieg.

Andernfalls wäre das einer der unaufgeregtesten Abstiege in der mit Abstiegen reich gesegneten Clubgeschichte. Ich versuche also, mich anzupassen und mir einzureden: ich reg mich nicht auf, ich reg mich nicht auf, ICH REG MICH NICHT AUF!

Auf dem Weg zum Remisrekord

Das Warten auf den Dreier geht weiter. Inzwischen heißt der Club schon 1. FC Sieglos. Dabei müssen wir auch nach dem Wolfsburgspiel froh sein, dass es wenigstens zu einem abermaligen Unentschieden reichte. Eine schöne Einzelaktion von Ginczek und ein Wolfsburgsturm,. der mit seinen Gelegenheiten nicht gerade pfleglich umging, bescherten uns wenigstens ein Pünktchen. Der Titel Remiskönig ist also durchaus drin in der Saison.

Leider war es wieder das alte Lied. Der Club scheint nicht das Glück, sondern das Pech erzwingen zu wollen. Irgendeiner spielt dann in der Kombinationskette immer falsch. Irgendeiner visiert immer erfolgreich das Aluminium an. Irgendeiner macht in der Abwehr immer einen blöden Fehler. Diesmal war es Raphael Schäfer, der aber ansonsten einige Male super hielt. Andererseits war es auch ein vertrackter Schuss von Arnold, bei dem jeder Torwart schlecht aussieht. Doch um das von Trainer Verbeek im Vorfeld angestimmte Gejammer von den Sonntagsschüssen gleich zu kontern. Die Wölfe hatten genug Chancen und waren spätestens nach einer Viertelstunde überlegen, so dass die Führung auf alle Fälle verdient war.

Über das Remis müssen wir uns also nicht beklagen. Mehr wäre nicht verdient gewesen. Im Übrigen hilft es auch nicht, immer wieder anzuführen, der Club könne auch mit Spitzenmannschaften mithalten. Es war auch in der Vergangenheit nicht so, dass alle Absteiger wie Absteiger gespielt haben. Das war eher die Ausnahme als die Regel. Insofern hat das neuerliche Unentschieden nicht unbedingt die Hoffnung auf den Klassenerhalt vergrößert.

In your face, Dieter!

Ok, ein Punkt in Wolfsburg, das hört sich jetzt nicht sooo toll an. Wie der Club den allerdings erkämpft und -das muss man wirklich ausdrücklich hervorheben – erspielt hat, das war Klasse.

Die erste Halbzeit fing nämlich denkbar unglücklich an. Da bekamen die Wolfsburger bereits in der zweiten Minute einen Freistoß und der sonst nur als Mime hervorgetretene Diego hämmert den auch noch rein. Da war es natürlich ungünstig, dass der Club wieder ohne echten Stürmer angetreten war. Zwar hatte der falsche Stürmer, Alexander Esswein, kurz darauf die Chance den Ausgleich zu machen. Aber der Ball zischte knapp am Pfosten vorbei. Trotzdem: Der Club erarbeitete sich weitere Chancen,. Doch dann kam es knüppeldick. Mit einem Sonntagsschuss markierte Olic das 2:0 und dann haute Helmes auch noch den Ball an den Pfosten. Es sah also richtig mies und nach einer sicheren Auswärtsniederlage aus.

In der Pause muss Michael Wiesinger dann seinen Leuten wohl gesagt haben, dass Ostern ist und dass man unter noch ungünstigeren Umständen auferstehen kann. Der Club kam also agilier und zielstrebiger und vor allem mit einem Stürmer (Pekhart) zurück auf den Platz und setzte die Wolfsburger immer mehr unter Druck. War dann der Treffer von Olic schon schön, setzte der 30-Meter-Hammer von Simons noch eins drauf. Der Club ließ freilich nicht locker und als Nilsson den Ausgleich machte und wir dann das Gesicht unseres Ex-Trainers sehen durften, war klar: Wir sind auf dem richtigen Weg, der Dieter auf dem falschen.

Der Club spielt inzwischen schönen engagierten Fußball. Da kämpft die ganze Mannschaft. Da steckt keiner auf. Bei der Plastiktruppe geht es nur um die Kröten und das eigene Ego. Wenn die jetzt noch Troubles mit ihrem Sponsorenverhalten bekommen, ist das nur folgerichtig. Geld schießt zwar Tore. Aber nicht genug. Insofern hätten wir halt gern noch den dritten Clubtreffer gesehen. Aber wir wollen nicht übermütig werden. Bassd scho!

…und hier, weils so schön war:
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Der Club gibt die Merkel

Dafür, dass Dieter Hecking so überraschend beim Club abgeheuert hat, ging die Nachfolge schnell. Erstaunlich schnell. Michael Wiesinger und Armin Reutershahn sollen die sportliche Verantwortung übernehmen. Wiesinger macht den Medien-Hampel und Reutershahn sorgt für die sportliche Kontinuität. Das ist, wie gesagt, keine schlechte Lösung. Allemal besser als Schuster, Mätthäus, Babbel, Effenberg, Daum und Konsorten.

Es ist aber vor allem eine typische Club-Lösung. Austerity ist dabei das oberste Prinzip. Der Club gibt die Merkel (zumindest was ihr Verhalten anderen Ländern gegenüber anbelangt). Da geht es nicht um unseren Spaß oder um Glamour. Da geht es um kostengünstige Lösungen und um Schuldenabbau. Genau aus dem Grund sollten wir Dieter Hecking eigentlich dankbar sein. Er bringt einen angeblich siebenstelligen Betrag in die Clubkasse, weil er von Wolfsburg aus einem laufenden Vertrag herausgekauft werden musste. Der Club dürfte sich also mit Heckings Hilfe schneller sanieren als gedacht. Mit Reutershahn und Wiesinger werden zudem die laufenden Kosten weiter gesenkt, also dürften die Kaufleute an der Clubspitze zufrieden sein.

Mich würde es auch wundern, wenn sich da nicht einige jetzt die Hände reiben und sich über den gelungenen Coup freuen. Freilich nach außen darf man sowas nicht zeigen. Da passt es besser, wenn der gewissenlose Retortenclub aus Wolfsburg gedisst wird und der Club als korrekter Traditionsverein da steht, der unser aller Mitgefühl verdient. Dass auch bei solchen Vereinen das Geld an erster Stelle steht, wird da gerne einmal übersehen.

Bei der nächsten Mitgliederversammlung wird Herr Woy die positiven Zahlen verkünden dürfen, dann werden sich alle auf die Schulter klopfen. das Gleiche gilt, wenn klar wird, dass sich der Club für die nächste Saison eventuell etwas anderes als Schnäppchen und Leihspieler als Verstärkung leisten kann. Vorausgesetzt allerdings: Die „Billiglösungen“ Wiesinger und Reutershahn halten die Klasse.

Dafür schaut es in dieser Saison allerdings relativ gut aus. Fürth und Augsburg haben sich quasi schon aus Liga eins verabschiedet. Bleibt also schlimmstenfalls die Relegation und mit der hat der Club ja bereits genügend Erfahrung. Insofern haben die Kaufleute beim Club alles richtig gemacht. Dass die eine derart dominante Rolle spielen, beklagen wir nicht erst seit vorgestern. Doch dadurch wird leider nichts besser, weder bei Wolfsburg noch beim Club.

Good bye, Dieter!

Da dachten wir schon, beim Club kehrt langsam sowas wie Ruhe ein, aber nichts da! Jetzt verlässt Trainer Hecking den FCN völlig überraschend zum Liga-Konkurrenten VfL Wolfsburg. Will heißen: Der Club braucht einen neuen Trainer. Vorbei ist es mit der Weihnachtsgemütlichkeit.

Die Umstände sind mehr als merkwürdig. Da verhandelt Wolfsburg erst mit Bernd Schuster, der sich schon seit Wochen bei Kabel1 und dann bei der ARD als Bundesligatrainer andient. Der aber – mich zumindest – dort auch extrem genervt hat mit seinen Binsenweisheiten, seinem bräsigen Schwabenslang und seinem beschränkten Wortschatz. Dass so jemand auch noch überzogene Gehaltsvorstellungen anmeldet und Wolfsburg damit vor den Kopf stößt, ist das eine. Das andere ist, dass die daraufhin bei einem Mitkonkurrenten um den Abstieg den Trainer weglocken (kann natürlich auch sein, dass Schuster nur eine Showveranstaltung war um den Club in Sicherheit zu wiegen).

Bei E-Jugendlichen wird eine mehrmonatige Spielsperre verhängt, wenn die während der Saison den Verein wechseln. In der Bundesliga kannst du einfach einen Trainer von der Konkurrenz abwerben und die erstmal schwächen. Ob du dich damit selber verstärkst, ist dann schon gar nicht mehr so wichtig. Das ist zum einen eine Sauerei, zum anderen Wettbewerbsverzerrung.

Viele sind jetzt über Dieter Hecking verärgert, weil er sowas mitmacht. Gut, kann man so sehen. Ich finde es aber auch skandalös, dass sowas überhaupt geht. Gleichzeitig ärgere ich mich, dass der Club Verträge abschließt, die einen solchen Wechsel ermöglichen.

Apropos Club: Die Pressesprecherin war von der Entwicklung heute völlig überrumpelt und wusste überhaupt nichts. Alle Fakten kamen vom VfL Wolfsburg. Das heißt offensichtlich: Der Club ist hier ein ahnungsloses Opfer, das plötzlich ohne Trainer da steht. Das macht nicht unbedingt Hoffnung, dass schnell die richtigen Lösungen gefunden werden. Man schaue sich nur einmal an, was der FCN da alles falsch machen könnte mit der Hecking-Nachfolge: http://www.transfermarkt.de/de/default/verfuegbaretrainer/basics.html Da muss man fast hoffen, dass die Sky-Meldung, U23-Trainer Michael Wiesinger werde zum Cheftrainer aufgewertet, stimmt.

Ach so, die Wettbewerbsverzerrung geht ja noch weiter: Bei den geplanten Kaderverstärkungen ist der Club jetzt auch noch abhängig von seinem Ex-Trainer. Etwa in Sachen Madlung. Zudem fragt man sich, was aus dem vom VfL ausgeliehenen Sebastian Polter wird.

Dessen ungeachtet möchten wir trotzdem Dieter Hecking für die gute Arbeit beim Club danken. Die Hoffnung, dass Kontinuität und Ruhe beim FCN einkehrt, müssen wir allerdings auf seinen Nachfolger übertragen.

Aus der Krise gekämpft

Geht doch! Langsam arbeitet sich der Club wieder aus dem Tal und kämpft sich zum Erfolg. Wichtiger Heimsieg gegen Wolfsburg. Und das Gute: Der Club war 90 Minuten lang überlegen, spielte richtig Fußball, machte das Spiel, wie sich das im eigenen Stadion gehört, und wurde dann auch noch belohnt. Ebenfalls positiv: Mit dem VfL Wolfsburg wurde ein Mitkonkurrent in die Schranken verwiesen. Von wegen Köstnereffekt. Der FCN spielte da indirekt auch für seinen Ex-Trainer Felix Magath. Aber der kann uns wurscht sein.

Wir haben ja den Dieter Hecking und der hat heute nichts verkehrt gemacht. Er hat die Mannschaft super eingestellt. Hinten stand sie sicher. Besonders auffällig, dass die angeblich unverzichtbaren Stammkräfte Raphael Schäfer und Javier Pinola in keiner Minute vermisst wurden. Plattenhardt räumte hinten solide ab. Rakovsky blieb praktisch fehlerfrei und leitete, von Schäfer sieht man sowas kaum, ein paar Mal sogar gefährliche Konter ein. Zwar lief vorne manches noch überhastet, wurde mancher Pass zu ungenau gespielt. Aber wahrscheinlich kannst du dir sowas nur durch entsprechendes Selbstbewusstsein erarbeiten. Um so wichtiger, dass Gebhart mit seinem sehenswerten Flugkopfball (Bild) was in diese Richtung ablieferte.

Drei wichtige Punkte. Endlich mal wieder ein Tor und dazu noch ein Heimspiel relativ souverän gewonnen. So kann´s weiter gehen!

Zu früh in den Relax-Modus gewechselt

Omeiomei! Da kommt die bislang schlechteste Auswärtsmannschaft, noch dazu einer der Lieblingsgegner des FCN, nach Nürnberg. Nach Nürnberg, wo die Abwehr normalerweise sicher steht und daher sogar als Prunkstück des Clubs gilt. Und dann macht Wolfsburg drei Tore und hätte eigentlich sogar noch höher gewinnen können. Da haben wir als Fans dann doch heftig dran zu schlucken. Das Schlimme war dabei auch der saft- und leblose Auftritt, das fehlende Aufbäumen. Im Grunde genommen spielte der FCN wie ein Absteiger.

Dabei hatte er den Abstieg doch schon abgehakt. Wahrscheinlich war das der Fehler, dass Dieter Hecking da zu schnell Entwarnung gegeben hat. Jetzt schaut es nämlich plötzlich wieder brandgefährlich aus. Augsburg und Freiburg haben gewonnen, der Club muss nächste Woche nach Stuttgart, dann kommen die Bayern. Punkte liegen da nicht unbedingt auf der Straße herum. In drei Wochen geht es dann gegen Freiburg und da kann dann der eine den anderen so richtig in den Abgrund kicken… Und wenn der Club weiter so überheblich und uninspiriert spielt, wird er wohl der Gekickte sein. Da muss also dringend nochmal jemand einen Weckruf starten.

Sorgen macht aber nicht bloß der Spielplan und die Konkurrenz. Wie schon Mainz in der ersten Spielphase demonstrierte auch Wolfsburg, wie man die Clubabwehr unter Druck setzen kann, wenn gleich die Stürmer draufgehen und einen Aufbau von hinten unterbinden. Dann verliert die Clubabwehr Ruhe und Übersicht und irrt wie ein Hühnerhaufen herum. Wenn Philipp Wollscheid dann auch noch (verletzungsbedingt?) neben sich steht, ist es mit der Sicherheit gleich ganz vorbei. Dann baut Dominic Maroh noch Mist, Adam Hlouseks Abwehrverhalten ist ohnehin steigerungswürdig, bei Timmy Simons regiert eh die Unauffälligkeit…

Man könnte sich da jetzt langsam nach vorne lästern, zum Beispiel zu Pekhart, der zwar Mintalsche Phantomqualitäten in punkto Unsichtbarkeit offenbart, nicht jedoch dessen Torgefahr. Aber letztlich war das Spiel generell verkorkst. Da hat sich mancher wohl auch anstecken lassen. Vielleicht hat wirklich nach dem schnellen 1:0 , schönem Sonnenschein und angenehmen Frühlingstemperaturen der eine oder andere bereits in den Relaxmodus geschaltet und kam da nicht mehr raus.

Sorry, da lege ich mich fest: 31 Punkte werden zum Klassenerhalt nicht reichen. Deshalb: Zammreißen, kämpfen!

Ihr müsst ja keinen VW kaufen

Die Abgebrühteren unter uns werden jetzt sagen: So ist das nun mal, da kannst du nichts machen, Geld regiert die Welt. Trotzdem: Mich regt das auf, wenn ein Felix Magath mit gefülltem Geldbeutel nach Nürnberg düst, um dort einem Abstiegskonkurrenten die Spieler wegzukaufen. Magath wurde am Dienstag im Cafe Lorenz gesichtet, wie er Gespräche mit Beratern von Clubspielern führte. Interessant für ihn sind vor allem Philipp Wollscheid und Timothy Chandler.

Der VFL-Trainer hat schon früher alles zusammen gakauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Nun meint er wohl, der FCN ist eh angeschlagen, da könne er ein bisschen wildern oder wenigstens etwas Unruhe reinbringen. Klar gehört zu einem der kaufen will immer auch einer der verkauft, in diesem Fall sogar noch einer, der sich verkaufen lässt. Aber wenn jemand mit größeren Beträgen wedelt, dann wird mancher schwach – zuimal beim Club.

Für mich ist aber einfach die Situation skandalös. Das würde nicht einmal der FC Bayern bringen, derart den Wettbewerb zu verzerren und offensichtlich zu demonstrieren, dass im Profifußball nur die Kohle zählt. Doch den Geldgebern von Magath geht es nicht um Fußball oder um einen regulären Wettbewerb. Für den VW-Konzern ist es aus Imagegründen wichtig, dass der VFL Wolfsburg in der ersten Liga bleibt. Der Rest ist diesen Leuten egal. Die Millionenbeträge die VW für neue Spieler bereit stellt, stammen größtenteils aus den nach wie vor enormen Absätzen in China. Dass VW dort so gut verkauft und auch weiter verkaufen wird, hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, dass unsere Bundesregierung – nicht zu vergessen auch der frühere Autokanzler Schröder – dies als eine nationale Aufgabe verstanden haben.

Vielleicht sollten wir diesen Totengräbern des Fußballs einmal zeigen, dass auch Clubfans Autos kaufen und Kanzler/innen wählen.

Das hätt´s nicht gebraucht!

Vorneweg: Das Spiel war schlecht: massenweise Fehlpässe, kaum Torchancen, langweiliges Mittelfeldgeplänkel… Die Wolfsburger Altherrenmannschaft, bei der es übrigens ein Wiedersehen mit Jan Polak gab, zeigte dabei aber auch nicht, dass sie irgendwie erstligatauglich ist. Bezeichnend, dass ein Fahler von Ersatzkeeper Stephan zum Gegentreffer führte.

In der zweiten Hälfte kam der Club etwas besser auf und war vor allem zielstrebiger. Trotzdem plätscherte das Spiel weiterhin im Mittelfeld dahin. Erst als Christian Eigler eingewechselt und nach seinem Ausgleichstreffer verletzt wieder ausgewechselt wurde, änderte sich das. Alexander Esswein hätte danach eigentlich zwei Tore schießen können, ja müssen. Vielleicht hatte er ja Angst vor seinem Ex-Trainer Magath. Stattdessen stellte sich dann ein anderer Einwechselspieler, Mike Frantz, bei seinem Comeback etwas blöd an und ermöglichte den Wolfsburgern den Siegtreffer per Elfer.

Das hätte alles nicht sein müssen. So schlecht haben wir die Wolfsburger eigentlich noch nie spielen sehen. Insofern hätte da mindestens ein Punkt herausspringen müssen. Aber hätte, könnte, würde, sollte, das nützt halt nichts. Jetzt hängt der Club schon wieder im unteren Drittel drin. Dass das ungerecht ist, hilft da leider auch nichts.