Erstes Tor, erster Punkt

Die Woche:

1. Wichtiger als der sportliche Erfolg ist beim Club bekanntlich die finanzielle Konsolidierung. Da kündigt sich jetzt eine Einnahme von fast 30 Millionen Euro an. Das Geld kommt aus den Vermarktungserlösen der DFL. Dabei gilt das, nicht unbedingt Kurzweil fördernde Prinzip: Der Teufel scheißt am liebsten auf den größten Haufen. Nachdem der Club haufenmäßig inzwischen zu den Top 18 gehört, bekommt er natürlich einiges zusätzlich ab. Das Geld fließt allerdings erst zu Ende des Saison. Trotzdem ist es angesichts solchen Aussichten verschmerzbar, wenn sich alte Hoffnungen zerschlagen, wie etwa die, am Weiterverkauf des früheren Clubprofis Niclas Füllkrug partizipieren zu können.

2. Seine ominöse „Rippenprellung“ und plötzliche Schmerzen vor der eigentlich geplanten Einwechslung in Berlin nährten Gerüchte, wonach Eduard Löwen nach England wechseln könnte. Das vielseitig einsetzbare Clubtalent will sich aber lieber mit dem FCN in der Bundesliga durchbeißen. Gut so!

3. Am gestrigen Deadline Day, also kurz nach dem Schließen des Transferfensters, präsentierte der Club noch zwei Neuzugänge. Sie sollen die Probleme auf den Außenbahnen beheben. Dnd, so wie es aussieht, könnten die beiden dazu durchaus in der Lage sein (laut Transfermarkt beträgt der Marktwert derzeit 3 bzw. 5 Millionen). Virgil Misidjan hat schon gegen Ronaldo in der Championsleague gespielt und kommt vom bulgarischen Serienmeister Ludogorez Rasgrad für angeblich 2,5 Millionen. Von Sporting Lissabon, ebenfalls einer guten Adresse, wechselt Matheus Pereira zum Club. Viele sahen bei den beiden Neuzugängen aber erstmal die Haare in der Suppe. Bei dem auf Leihbasis verpflichteten Pereira musste der Club auf den postulierten Grundsatz Kaufoption verzichten. Bei Virgil Misidjan wurde vor allem ein noch offenes Verfahren thematisiert, das ihm vier Monate Knast einbringen könnte. Andererseits: Ohne irgendwelche Makel würde der klamme Club solche Transfers gar nicht realisieren können.

4. In Mainz hat sich AfD-Chef Alexander Gauland für heute angekündigt. Der FSV Mainz 05 nutzte das um so in der Zeitung für das Auswärtsspiel in Nürnberg zu werben:

Das Spiel:

Endlich wieder Erstligafußball in Nürnberg. Für die Fans ein lange vermisstes Ereignis. Auf dem Platz war der Neuigkeitswert erst einmal geringer. Wie schon in Berlin spielte der Club zwar gefällig, hatte ein Übergewicht was den Ballbesitz anging, aber vor dem Tor war er erneut zu harmlos. Bezeichnend die wohl beste Chance nach einer Viertelstunde. Palacios spielt Kubo schön im Strafraum frei. Statt zu schießen, dreht der sich aber erst einmal um die eigene Achse und die Gelegenheit war dahin. Und dann kommt nach 25 Minuten – wie schon in Berlin – das wohl umvermeidliche Nickerchen in der Abwehr. Aaron kann auf der linken Seite relativ ungehindert flanken und Mateta kommt im Strafraum ebenso ungehindert zum Kopfball, dem Bredlow nur noch hinterherschauen kann. So einfach kann man Tore schießen.

Das scheint der Mannschaft auch irgendjemand in der Kabine gesteckt haben. Denn in der zweiten Hälfte waren kaum drei Minuten gespielt, da ließ Kapitän Behrens eine Valentini-Ecke durch, irritierte so die Mainzer Abwehr und Ishak hämmerte den Ball rechts oben ins Eck. Aus elf Metern. Genau aus der Distanz scheiterte er in Berlin noch mit dem ruhenden Ball.

Auf einmal war nicht nur Stimmung im, mit 38.000 Zuschauern leider eher enttäuschend besetzten Max Morlock-Stadion, sondern auch auf dem Platz. Man merkte dem Club an: Da war ein Knoten geplatzt. Die Spieler schienen gemerkt zu haben, dass sie in der ersten Liga auch dort, wo es drauf ankommt, mithalten können. Der FCN erspielte sich Chance um Chance und hätte den Sieg eigentlich verdient gehabt. Aber irgendwie war entweder ein Mainzer Bein dazwischen oder es fehlte das nötige Glück. Zudem avancierte auch noch Gästekeeper Müller zum besten Mann auf dem Platz. Wobei immerhin auch Neuzugang Kubo andeutete, dass er uns noch viel Freude bereiten könnte.

Insgesamt waren es zwar verlorene zwei Punkte. Aber die Kurve beim Club zeigt eindeutig nach oben. Wenn der Lernprozess so weiter geht, dann gewinnen wir solche Spiele auch bald.

Ein Letztes:

Ein bisschen mehr kam am gestrigen Abend doch noch nach:

Warten auf Ishak

Die Woche:

1. Wer mit eSport nichts anzufangen weiß, sollte sich mal diese Reportage anschauen. Da geht´s um den Clubprofi Bubu und seinen – dank Wildcard aktuell noch laufenden – Versuch, deutscher Meister zu werden. Zwar muss man als Clubfan in dem Film einiges an „Scheiße“ wegstecken. Trotzdem bekommt man einen guten Einblick in den virtuellen Fußball. Einen, der dem DFB-Präsidenten abgeht. Der hält nämlich nichts von eSport und zwar unter anderem deshalb, weil man den bei Stromausfall nicht praktizieren könne.

2. Die Süddeutsche Zeitung hat jetzt auch ein längeres Portrait unseres Trainers gebracht. Besonders erfreut hat sie dabei offensichtlich der Umstand, dass der mal Zahnarzthelfer war.

Das Spiel:

Für Dresden hatte der frühere Zahnarzthelfer Überraschungen angekündigt. Vielleicht meinte er damit den, angesichts der letzten Leistungen, doch überraschend als Stumspitze einlaufenden Edgar Salli. Wobei, bei Köllner ist Salli in der Startelf eigentlich keine Überraschung. Daneben spielte der Ex-Dresdner Marvin Stefaniak von Beginn an. Taktisch ließ der Trainer früh pressen, was die Heimmannschaft immer wieder in Probleme stürzte. Die Folge: häufige Rückgaben auf den Torwart, aber trotzdem nichts Zwingendes für den Club. Zunächst jedenfalls. Später gab es immerhin einen Torschuss von Stefaniak, der allerdings von Schwäbe gehalten wurde. Der sah zuvor auch noch Salli freistehend auf sich zulaufen. Doch sowas macht der Kameruner normalerweise nicht. Deswegen hielt sich die Aufregung, berechtigterweise, in Grenzen.

Leider setzt die Unfähigkeit vorne bekanntermnaßen die Abwehr zunehmend unter Druck. Kurz vor der Pause verlor erst der ebenfalls nicht überzeugende Palacios den Ball im Mittelfeld, dann bediente Clubkeeper Bredlow unfreiwillig Benatelli, der keine Schwierigkeiten hatte, das 1:0 zu erzielen. Nichts war´s mit dem Neustart nach der Länderspielpause. Stattdessen ging es erst einmal ernüchtert in die Pause.

Danach drückte Dynamo weiter. Umso überraschender (also doch!) fiel dann der Ausgleich. Wieder mal musste Kapitän Hanno Behrens als Goalgetter aushelfen. Nach einer Valentini-Flanke zirkelte er den Ball per Kopf ins linke Toreck. In der 60. und 70. Minute reagierte Köllner endlich auf die schwachen Vorstellungen von Stefaniak und Salli und brachte Löwen und Zrelak. Wenig später wurde auch noch Werner für Palacios eingewechselt. Allerdings führte das nicht zur erhofften Belebung des Sturmspiels. Zrelak hatte zwar eine hochkarätige Chance. Müßig zu sagen, dass auch die kläglich vergeben wurde. So blieb unter dem Strich nur der eine, insgesamt sogar glückliche Punkt.

Wir warten also weiter auf Mikael Ishak.


Ein Letztes:

Wie schaut die aktuelle Clubmannschaft aus? Harmlos? Nein! Sie hat vielmehr eine Hornbrille, leicht angegraute Haare, einen Dreitagebart… Hä? Nun ja, Trainer Michael Köllner hat im Interview behauptet, „die Mannschaft ist ein Ebenbild von mir“. Und wenn es der Trainer sagt!

Gute Leistung nicht belohnt

Unwirtliches Wetter, arbeitnehmerfeindlicher Termin und dann auch noch das Parallelspiel im GEZ-TV: Kein Wunder, dass nur 25.000 Zuschauer ins Morlock-Stadion kamen. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass der Club in der Vergangenheit gegen Bundesligisten immer kaum Land sah. Das war gegen den VfL Wolfsburg diesmal nicht der Fall. In der ersten Halbzeit waren wir durchaus ebenbürtig. Der Club hatte sogar die größere Zahl an Torchancen. Nach einer halben Stunde tankte sich erst der diesmal von Beginn an spielende Eduard Löwen durch, verfehlte das Tor aber knapp. Eine Minute später passte Hanno Behrens super auf Möhwald, der vergab aber überhastet. Allerdings hätte auch der Bundesligist ein Tor erzielen können, zum Beispiel in der 41. Minute als Dimata am herauseilenden Bredlow scheitert. Von einem Klassenunterschied war aber dennoch nichts zu spüren.

In der zweiten Hälfte machte der Club zunächst weiter mehr Druck. Die größte Chance hatte dabei Behrens in der 56. Minute als Tisserand für den bereits geschlagenen Keeper Grün Zentimeter vor der Linie klärte. Kurz darauf musste erneut Grün gegen Salli klären. Doch dann kamen die Wolfsburger, bei denen jetzt der frühere Cluberer Daniel Didavi mitspielte. Mehr als ein Pfostenschuss durch Malli in der 78. Minute kam dabei nicht rum.

So ging das Spiel in die Verlängerung. Damit war die Köllner-Vorgabe, gut auszusehen und dem Bundesligisten alles abzuverlangen schon erfüllt. Das spürte man leider auch auf dem Rasen. Die Konzentration ließ sichtlich nach. Aber die Wolfsburger brauchten dennoch ein Gurkentor, um den Club in die Knie zu zwingen. In der 96. Minute war es Uduokhai der nach einem Gewühl im Strafraum am schnellsten schaltete (Clubkeeper Bredlow kam etwas zu zögerlich raus) und den Ball zum 1:0 ins FCN-Tor stocherte. Verdient, wie der Sky-Reporter behauptete, war das nicht. Der Club war insgesamt die bessere Mannschaft. Die Wolfsburger Millionenkicker wirkte eher wie Ferraris im Stadtverkehr. Irgendwie brachten sie ihr Potenzial nicht auf den Boden.

Danach war der Käse eigentlich gegessen, denn beim Club paarte sich Frust mit ersten Ermüdungserscheinungen. Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, Cedric Teuchert einzuwechseln und ihm die Gelegnehit zu geben, sich bei solventen Vereinen zu empfehlen. Aber Trainer Köllner brachte zunächst Kammerbauer. Erst vier Minuten vor Schluss ließ er Teuchert dann doch noch auflaufen. Doch prompt nutzte Didavi eine unglückliche Vorlage von Tobias Werner zum 2:0 und das war´s dann.

Das Glück war diesmal jedenfalls nicht bei den Tüchtigen. Insofern kann sich der Club trotz Pokal-Aus erhobenen Hauptes in die Winterpause verabschieden und sich dann voll auf den Wiederaufstieg konzentrieren. Angst vor der Bundesliga müssen wir, diese Erkenntnis kann man aus der unglücklichen Niederlage mitnehmen, jedenfalls nicht haben.