Langsam darf es wieder losgehen

Die Woche:

So, das Trainingslager in Valencia ist vorbei. Zeit für einen kurzen Zwischenbericht, ehe es nach einem weiteren Test gegen Dukla Prag nächste Woche mit dem Heimspiel gegen Jahn Regensburg wieder ernst wird.

1. Nach dem Weggang von Cedric Teuchert zu Schalke 04 stand erst einmal die Frage im Vordergrund, wer soll beim Club stürmen, wenn Mikael Ishak ausfällt. Verschärft wurde dies dadurch, dass der ein bisschen in Vergessenheit geratene Adam Zrelak sich in Valencia einen Muskelfaserriss zuzog und erst einmal ausfällt. Zusätzlich will Trainer Köllner eventuell verstärkt auf die Dreikette setzen und mit zwei Stürmern antreten. Mit Federico Palacios von RB Leipzig und den vom VfL Wolfsburg ausgeliehenen Marvin Stefaniak bekommt Köllner aber die gewünschten Optionen im Sturm. Wobei bei Palacios schon die ersten „Fans“ Ablehnung signalisierten, weil der sich an die Brause-Heinis verkauft habe. Kann man nur sagen: Leute, lasst den Scheiß! Das ist schon beim FC Kaiserslautern schief gegangen. Außerdem können wir uns doch freuen, wenn verlorene Schäfchen den Weg zurück zur Herde finden.

2. Weiter hinten gab es hingegen nicht den akuten Handlungsbedarf, nachdem Leibold, Möhwald und Kammerbauer (alle haben auslaufende Verträge) signalisiert hatten, sich vorerst beim Club für den Wiederaufstieg zu engagieren. Trotzdem präsentierte der FCN mit Ulisses Garcia von Werder Bremen einen neuen Linksverteidiger, der bei den Testspielen übrigens am ehesten den Eindruck vermittelte, sofort einsetzbar zu sein.

3. Wie das so ist, wenn nicht gespielt wird, da wird dann selber ein bisschen an der Nachrichtenlage geschraubt. So kursierten allerlei Gerüchte über weitere Neuzugänge. Da war etwa der in Metz gescheiterte ehemalige FCN-Verteidiger Philipp Wollscheid, oder unser alter Bekannter Stefan Kießling . Auch Ex-Nationalspieler Marko Marin wurde gehandelt. Und natürlich Pascal Köpke, bei dem sogar dynamische Allerweltsgestern bei Instagram als Fingerzeig für einen Wechsel Richtung Nürnberg gewertet werden.

Die Spiele:

Womit wird bei den Spielen wären. Im ersten Testspiel gegen KAA Gent verlor der Club zwar mit 0:1. Dennoch war der Eindruck eher positiv. Vor allem Torwart Bredlow, der den Kampf um die Nummer 1 gegen Thorsten Kirschbaum auch wegen dessen neuerlicher Verletzung gewonnen haben dürfte, konnte sich auszeichnen. Ondrej Petrak konnte auf der Sechserposition ebenfalls Pluspunkte machen. Gegen die deutlich limitierteren Schotten von Heart of Midlothian hatte die gar nicht einmal bestbesetzte Club-Mannschaft praktisch gar keine Probleme und siegte mit 5:0. Das Spiel bekräftigte den Clubtrainer auch darin, häufiger mal auf die Dreierkette zu setzen.

Ein Letztes:

Zum Testspiel gegen die Schotten präsentierte „Club-TV“ den kindgerechten Sportkommentar. Vielleicht sollte man dafür die Alterskategorie „bis 12“ einführen.

Gute Leistung nicht belohnt

Unwirtliches Wetter, arbeitnehmerfeindlicher Termin und dann auch noch das Parallelspiel im GEZ-TV: Kein Wunder, dass nur 25.000 Zuschauer ins Morlock-Stadion kamen. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass der Club in der Vergangenheit gegen Bundesligisten immer kaum Land sah. Das war gegen den VfL Wolfsburg diesmal nicht der Fall. In der ersten Halbzeit waren wir durchaus ebenbürtig. Der Club hatte sogar die größere Zahl an Torchancen. Nach einer halben Stunde tankte sich erst der diesmal von Beginn an spielende Eduard Löwen durch, verfehlte das Tor aber knapp. Eine Minute später passte Hanno Behrens super auf Möhwald, der vergab aber überhastet. Allerdings hätte auch der Bundesligist ein Tor erzielen können, zum Beispiel in der 41. Minute als Dimata am herauseilenden Bredlow scheitert. Von einem Klassenunterschied war aber dennoch nichts zu spüren.

In der zweiten Hälfte machte der Club zunächst weiter mehr Druck. Die größte Chance hatte dabei Behrens in der 56. Minute als Tisserand für den bereits geschlagenen Keeper Grün Zentimeter vor der Linie klärte. Kurz darauf musste erneut Grün gegen Salli klären. Doch dann kamen die Wolfsburger, bei denen jetzt der frühere Cluberer Daniel Didavi mitspielte. Mehr als ein Pfostenschuss durch Malli in der 78. Minute kam dabei nicht rum.

So ging das Spiel in die Verlängerung. Damit war die Köllner-Vorgabe, gut auszusehen und dem Bundesligisten alles abzuverlangen schon erfüllt. Das spürte man leider auch auf dem Rasen. Die Konzentration ließ sichtlich nach. Aber die Wolfsburger brauchten dennoch ein Gurkentor, um den Club in die Knie zu zwingen. In der 96. Minute war es Uduokhai der nach einem Gewühl im Strafraum am schnellsten schaltete (Clubkeeper Bredlow kam etwas zu zögerlich raus) und den Ball zum 1:0 ins FCN-Tor stocherte. Verdient, wie der Sky-Reporter behauptete, war das nicht. Der Club war insgesamt die bessere Mannschaft. Die Wolfsburger Millionenkicker wirkte eher wie Ferraris im Stadtverkehr. Irgendwie brachten sie ihr Potenzial nicht auf den Boden.

Danach war der Käse eigentlich gegessen, denn beim Club paarte sich Frust mit ersten Ermüdungserscheinungen. Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, Cedric Teuchert einzuwechseln und ihm die Gelegnehit zu geben, sich bei solventen Vereinen zu empfehlen. Aber Trainer Köllner brachte zunächst Kammerbauer. Erst vier Minuten vor Schluss ließ er Teuchert dann doch noch auflaufen. Doch prompt nutzte Didavi eine unglückliche Vorlage von Tobias Werner zum 2:0 und das war´s dann.

Das Glück war diesmal jedenfalls nicht bei den Tüchtigen. Insofern kann sich der Club trotz Pokal-Aus erhobenen Hauptes in die Winterpause verabschieden und sich dann voll auf den Wiederaufstieg konzentrieren. Angst vor der Bundesliga müssen wir, diese Erkenntnis kann man aus der unglücklichen Niederlage mitnehmen, jedenfalls nicht haben.

So sehen Aufsteiger aus!

Die Woche:

1. Am 19. Dezember geht es für die Clubprofis nach dem Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg in die Winterpause. Dann könnten wir eigentlich fünf Wochen Winterschlaf einlegen. Der Club muss nämlich erst an 23. Januar wieder ran. Dazwischen geht es ins höchstwahrscheinlich wärmere Valencia ins Trainingslager (und nicht mehr, wie früher, ins türkische Belek). Wenn es da oder an anderen FCN-relevanten Schauplätzen was zu berichten gibt, erfahrt ihr das natürlich bei euren Clubfreunden.

2. Cedric Teuchert wird wahrscheinlich nicht mehr für den Club auflaufen. Gegen Düsseldorf war er nicht einmal im Kader. Prompt wurden die Kollegen hellhörig. Laut Kicker stehen „die Zeichen“ auf Abschied. Laut Bild ist dieser schon besiegelt. Offenbar ging es nur noch um die Ausstiegsklausel. Beim Gehalt war man sich schon einig. Schade, das alles. Aber nicht überraschend.

3. Die U19 des FCN ist wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt und geht nach einer Serie von drei Siegen doch etwas hoffnungsfroher in die Winterpause. Allerdings steckt der Clubnachwuchs in der In der A-Junioren-Bundesliga immer noch abstiegsgefährdet hinten drin.
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Ein fast schon historischer Auswärtsdreier

Die Woche:

1. Wenn wir doch nicht aufsteigen, dann kennen wir schon mal den Grund: die Heimschwäche. Manche schieben sowas gerne aufs Stadion. Andererseits gibt es genügend Vereine, die auch mit reinen Fußballarenen nicht aufgestiegen sind. Vielleicht liegt es eben doch an individuellen Fehlern, an mangelnder Souveränität, an der fehlenden Fähigkeit, auch mal einen Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Und außerdem: Das letzte Mal als der FCN noch mit dem Begriff Heimstärke in Zusammenhang gebracht wurde, gab es, glaube ich, noch schwarze Kassen und Trimm-Dich-Geräte für die Schiedsrichter. Aber immerhin gewinnen wir jetzt dafür auch „ungwinnbare“ Auswärtsspiele…

2. Vielleicht hat Clubtrainer Michael Köllner die Aufgabe unterschätzt. Wenn es bei den Profis eher mittel läuft und trotzdem noch Aufgaben wie die Suche nach einer geeigneten Lokalität für die Aufstiegsfeier wahrgenommen werden, dann bleibt nicht mher so viel Zeit und Energie für eine andere Aufgabe: die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums. Dort schrillen gerade die Alarmglocken: In der A-Jugend-Bundesliga steht der FCN am Tabellenende. Der U19 droht damit der Abstieg in die Bayernliga. Die Folge könnte sein, dass sich unsere Nachwuchshoffnungen schon bevor sie den Profis ein paar Monate helfen können, andere Vereine suchen, weil sie lieber oben mitspielen wollen.

3. Jeden Tag kann uns ein irgendwo herunter fallender Blumentopf ins Jenseits befördern. Insofern kann man die Frage, ob wir bestimmte Dinge nochmal machen werden, immer stellen. Die Bild-Zeitung hat sich jetzt Club-Keeper Thorsten Kirschbaum für dieses Spielchen ausgeguckt. Die einzige Information (übrigens keine neue) darin: Der Vertrag mit Kirschbaum läuft nur bis Saisonende. Ansonsten kann er derzeit wegen einer Knieprellung nicht spielen.


Das Spiel:

Fast 30 Jahre hat der Club in einem Ligaspiel nicht mehr in Braunschweig gewonnen. Letztes Jahr holte er sich dort gar eine 6:1-Klatsche. Und das, obwohl er damals noch mit 1:0 in Führung ging. Auch diesmal lag der FCN zunächst vorne. In der 36. Minute köpfte Kapitän Hanno Behrens eine Valentini-Ecke ins Braunschweiger Tor. Doch mitten in den Jubel platzte gleich die Ernüchterung. Hochscheidt wurde auf der linken Seite nicht richtig angegriffen und in der Mitte stand dann auch noch Torschütze Khelifi völlig frei – und Towart Bredlow sah auch nicht wirklich gut aus. Wobei das allerdings auch für das gesamte Spiel galt, das durch einen unüblich hohen Wasserstand doch ziemlich beeinträchtigt wurde.

In Hälfte zwei kam der Club zwar agiler aus der Kabine, das nächste Tor machten aber leider die Braunschweiger. In der 64. Minute markierte Abdullah die Braunschweiger Führung. Trainer Köllner wechselte danach nicht nur Unischerheitsfaktor Hufnagel (durch Sepsi) aus, er brachte auch endlich Tobias Werner und Petrak für die ebenfalls nicht überzeugenden Kammerbauer und Löwen. Letztere beiden Einwechselspieler bereiteten dann jeweils die Wende vor, indem sie in der 69. und 83. Minute den offenbar noch auf den WM-Zug springen wollenden Mikael Ishak bedienten, der das Spiel zugunsten des Clubs drehte. Dass dann das übliche Zittern einsetzte, sind wir ja schon gewohnt. Immerhin muss man diesmal auch den Schiedsrichter (Sören Storks) loben, der den Druck von Braunschweigs Rängen und Trainerbank souverän standgehalten hat. Das ist leider nicht immer so.

Am Ende stand nicht nur endlich mal wieder ein Dreier für den Club, sondern auch das Ende einer jahrzehtelangen Durststrecke in Braunschweig.

Ein Letztes:

Das Fußball-Fachblatt Kicker hatte auf seinem letzten Titelbild unter der Überschrift „Wird Blau das neue Gelb?“ das BVB-Logo blau und das Schalke-Logo gelb eingefärbt. Um den hiesigen Fans einen Eindruck zu vermitteln wie das im Ruhrgebiet ankommt, hat sich ein Mittwitterer die Mühe gemacht, das ins Fränkische zu übersetzen:

Da wird der Palazzo wohl leer bleiben

1. Ja, was denn nun? Angeblich hatte der Club doch einen breiten Kader mit massenhaft Alternativen, die Trainer Michael Köllner jedes Mal vor die Qual der Wahl stellen. Jetzt soll auf einmal alles anders sein: Der 2. Anzug zwickt, Ausfälle und Verletzungen können nicht kompensiert werden. Verletzungen? Da sind Sebastian Kerk und Dennis Lippert dabei, wo der Club bereits bewiesen hat, dass er auch ohne sie zurecht kommt. Enis Alushi und Laszlo Sepsi würden wahrscheinlich eh nicht aufgestellt. Adam Zrelak höchstwahrscheinlich auch nicht. Bleiben der eher indisponierte als verletzte Eduard Löwen und Georg Margreitter. Auch bei jenen Spielern, die angeblich außer Form sind, fragt sich, ob das nicht der Normalzustand ist. Wobei es der „formschwache“ Edgar Salli mit Note 2 beim letzten Mal immerhin in die Kicker-Elf-des-Tages geschafft hat. Später wurde er dann zwar auf eine 4 abgewertet. Eines wird dadurch jedenfalls deutlich: Auch Journalisten haben Formschwächen.

2. Im DFB-Pokal wurde dem Club von Stefan Effenberg ein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg zugelost. Finanziell gesehen ist das eher mittelgut. Was die Chancen aufs Weiterkommen angeht auch. Seit dem Pokaltriumph vor zehn Jahren war leider regelmäßig Schluss, wenn es gegen einen Erstligisten ging.

3. Dank unserer lokalen Sportberichterstattung wissen wir jetzt, dass Club-Sportvorstand Andreas Bornemann Apfeltaschen von Hildes Backwut isst. Man mag da von Schleichwerbung sprechen. Vielleicht wird auch ein neuer Sponsor aufgebaut. Auf jeden Fall dient der Sportteil mal wieder (wie in der Vorwoche bei der Bahnfahrt von Osnabrück) dazu, in die Realitäten der einfachen Leserschaft einzutauchen. Eine lohnenswerte Aufgabe, um die sich andere Ressorts leider zu wenig kümmern.

4. Ob unseren Trainer der, in Nürnberg regelmäßig im Debakel endende, Größenwahn gepackt hat, oder ob es wieder eine von Journalisten – aus Ermangelung an Berichtenswertem – aufgebauschte Nebenbemerkung war, lassen wir mal dahingestellt. Vielleicht war auch nur die Marketingabteilung am Werkeln. Jedenfalls soll Köllner gesagt haben, der Club werde die Aufstiegsfeier in Alexander Hermanns Palazzo ausrichten. Vielleicht sollten wir einfach erstmal unsere Spiele gewinnen.

Das Spiel:

Dass Montagspartien als „Spitzenspiele“ annonciert werden, erwies sich schon häufiger als Etikettenschwindel. Diesmal galt das ganz besonders. Ein ödes Gekicke, das da im flutlichtbeleuchteten Morlock-Stadion abgeliefert wurde. Wobei die Gäste aus Ingolstadt anfangs noch die Aktiveren waren und den Club mit ihrem frühen Pressing praktisch kaum Zugang in Strafraumnähe ermöglichten. Ein abgefälschter Pass landete dann in der 14. Minute bei Pledl, der den Ex-Nürnberger Kutschke bedient und plötzlich liegt der Club hinten.

Diesem fiel danach weiterhin nicht viel ein, nur dass jetzt auch die Ingolstädter kein Interesse mehr daran hatten, die Partie irgendwie gefälliger zu gestalten. Als wir Fans schon in Depression zu versacken drohten, erbarmte sich Cedric Teuchert doch noch, setzte zu einem unwiderstehlichen Dribbling an, passte zu Kevin Möhwald, der den Ball zum Ausgleich unter die Latte hämmerte. Auf einmal war wieder Selbstvertrauen und Druck in den Clubaktionen. Doch beides blieb dann irgendwo in der Kabine.

Nach der Halbzeit wurde auf der nach unten offenen Ödnessskale ein neuer Tiefpunkt anvisiert. Nichts ging mehr. Lediglich Torwat Thorsten Kirschbaum fiel – übrigens auch zum Unmut seines Trainers – durch wiederholtes Meckern auf. Blöderweise war es dann ebenfalls Kirschbaum, der der zweiten Hälfte doch noch einen Höhepunkt bescherte: Der Torhüter legte sich nach einem harmlosen Rückpass den Ball zu weit vor und grätscht dann den mittlerweile eingewechselten Ingolstädter Stürmer Lezcano um: Elfmeter! Lezcano versenkt diesen in Stop-and-Go-Manier zum Siegtreffer.

Unverdient war das nicht. Trotzdem war das eine saublöde und durch mangelndes Engagement und einen Torwartfehler selbstverschuldete Niederlage.

Ein Letztes:

Ein clubaffines Alphornduo hat auf dem Consumenta-Stand der Greuther Fürther einen musikalischen Derbysieg nachgereicht. Die beiden intonierten dort „Die Legende lebt“. Was man übrigens vom Kleeblatt derzeit nicht unbedingt behaupten kann.

Wir können´s auch gegen die Guten

Nach den drei Siegen zu Saisonauftakt war die Euphorie groß. Allerdings wurden die gegen Gegner eingefahren, die eher schwächer einzustufen sind. Nun war mit Union Berlin ein sogenannter Aufstiegsaspirant auf dem Platz. Da musste sich zeigen, ob die Köllner-Buben auch mit einem Spitzenteam mithalten können.

Zunächst sah alles danach aus, als ob der Club selbst hier drei Punkte einfahren kann. Das ging schon im Vorfeld los. Während wir zum Beispiel mit den Sabiri´schen Erpressungsversuchen durchaus mit diversen Topteams mithalten können, schaffte es Union nicht einmal, das Torwarttrikot mit nach Nürnberg zu nehmen. Busk musste daher mit einem Fan-T-Shirt antreten, was ihn allerdings nicht daran hinderte, eine Klasseleistung abzuliefern und den FCN-Stürmern ziemlich auf die Nerven zu gehen.

Auch die erste halbe Stunde konnte der Club deutlich für sich entscheiden. Das angebliche Spitzenteam aus Berlin kam kaum in unsere Hälfte und zog in den Zweikämpfen meist den Kürzeren. Was fehlte waren die Tore. So kam Union dann immer mehr auf und demonstrierte, warum man nicht zu Unrecht in der Liga ganz oben steht.

Dass es dann kurz nach dem Wechsel 0:1 hieß war dann eher einer gewissen Schlafmützigkeit der Clubelf zuzuschreiben. Da waren einige wohl noch gedanklich in der Kabine, so dass Hedlund freistehend vor Kirschbaum ins linke Eck einschieben konnte. Das war allerdings dann offenbar der nötige Weckruf. Auf einmal drückte der Club. Erst musste sich Busk gegen Leibold und Valentini auszeichnen. Gegen die Direktabnahme einer Kerk-Flanke durch Cedric Teuchert war er in der 55. Minute allerdings machtlos. Danach schaltete der Club wieder einen Gang runter und hatte Glück, dass ein Petrak-Patzer nicht bestraft wurde. In der 66. Minute gingen dann die Berliner aber durch den Ex-Cluberer Sebastian Polter erneut in Führung. Thorsten Kirschbaum blieb nach einer Ecke auf der Linie kleben, hätte aber wohl zum, an sich angebrachten Rauslaufen ein paar Leute über den Haufen rennen müssen. Insofern sah das zwar unglücklich aus, war aber auch kein Grund, jetzt irgendeine Torwartdiskussion vom Zaun zu brechen.

Zumal dann der Club doch noch zurückschlug und durch Hanno Behrens (Kopfball nach Salli-Flanke) in der 90. Minute den durchaus verdienten späten Ausgleich erzielte. In der Nachspielzeit gab es dann noch eine rote Karte für den Berliner Prömel. Dann war Schluss.

Immerhin wissen wir jetzt: Wir können mit anerkannten Spitzenteam auf Augenhöhe mitspielen. Zudem macht unsere Mannschaft zurzeit richtig Spaß, weil sie nicht nur schön kombiniert, sondern auch niemals aufgibt. Von den 29.000 Zuschauern, die zum Spitzenspiel ins Morlock-Stadion gekommen waren, dürfte jedenfalls kaum einer seinen Besuch bereut haben.

Bleibt nur zu erwähnen, dass der arme Sabiri dringend einen neuen Berater braucht. Aber das ist ein Nebenschauplatz, der nach so einem Spiel nicht wirklich interessiert. Wesentlich schlimmer ist da schon, dass Sebastian Kerk einen Achillessehnenriss erlitt und wahrscheinlich Monate ausfallen dürfte.

Spitzenreiter mit Schwachstellen

Zweite Liga, das ist harter Kampf, viel Arbeit und der eine oder andere lichte Moment, der den Unterschied macht. Beim Club weiß man das inzwischen. Der Aufsteiger Jahn Regensburg hat da wohl noch ein paar Lektionen vor sich. Dabei waren die Regensburger in dem kampfbetonten Match lange Zeit durchaus ebenbürtig. Hüben wie drüben gab es Chancen, allerdings niemanden, der damit etwas anzufangen wusste.

Beim FCN war diesmal Rurik Gislason für Edgar Salli in der Startelf. Doch die Frisur macht es halt nicht. Gislason agierte leider wieder mal plan- und erfolglos und wurde zurecht ausgewechselt. Allerdings gegen eben jenen Salli, der dann auch nur die Argumenten dafür nachlieferte, warum er nicht schon zu Beginn an spielen durfte. Wird Zeit, dass Abdelhamid Sabiri wieder die Kurve kriegt.

Auch Mikael Ishak versackte wieder in alten Verhaltensweisen und brachte vorne kaum etwas zustande. Kein Wunder, dass der Siegtreffer für den Club erst fiel, nachdem Ishak durch Cedric Teuchert ersetzt wurde. Der war dann allerdings lediglich als Störenfried am Treffer beteiligt. Die Supervorabeit von Valentini ließ er in der 78. Minute durchlaufen zu Kevin Möhwald, der dann den Ball zum entscheidenden Treffer im Regensburger Kasten versenkte.

Wie gesagt: Es war der eine lichte Moment, der den Unterschied machte. Insofern gilt nach wie vor, was wir schon nach dem Kaiserslauternspiel gesagt haben: Ob der Club wirklich da oben hingehört (für uns als Fans tut er das natürlich sowieso), muss sich erst noch gegen stärkere Gegner erweisen. Auch gegen Regensburg gab es durchaus Situationen, wo eine abgezocktere Mannschaft den einen oder anderen Treffer erzielt hätte. Da war längst nicht alles so souverän und fehlerfrei, wie es jetzt der Tabellenstand andeutet. Schön ist diese Momentaufnahme freilich allemal und deswegen zelebrieren wir sie halt hier noch ein bisschen.

Wo stehen wir? Erstmal ganz oben!

Vorbereitungsspiele sind das eine. Selbst wenn man alle sieben gewinnt, bleibt da eine Unsicherheit: Wo steht die Mannschaft, wenn es ernst wird?

Was den Club angeht lautet die Antwort: erstmal ganz oben. Allerdings: Aussagekräftig ist das zu Beginn der Saison natürlich überhaupt noch nicht, zumal sich mit dem FC Kaiserslautern eine Mannschaft im inzwischen nach Weltmeister Max Morlock benannten Stadion präsentierte, die nicht gerade zu den Favoriten der 2. Liga zählt. Zudem schwächte sich der FCK auch noch selber. Die Pfiffe und Beleidigungen der Fans gegen den eigenen Keeper (Marius Müller kehrte vom ungeliebten RB Leipzig zurück) verfehlten ihre Wirkung nicht. Beim ersten Treffer in der 13. Minute ließ der Lauterer Keeper einen Schuss vom kaum wiederzuerkennenden Mikael Ishak prallen. Der leicht abseitsverdächtige Edgar Salli schiebt den Ball erst zu Sebastian Kerk (spielte gegen seinen Interimsverein als sei er nie weggewesen), der lässt Kapitän Hanno Behrens ran, welcher eiskalt verwandelt. Beim 2:0 (25. Minute) fungierte Müller gar als Torschütze und bugsiert eine Kerk-Ecke ins eigene Netz.

Nur an Müller und am Unvermögen des FCK lag es freilich nicht. Der Club spielte souverän und selbstbewusst auf und ließ außer in der Anfangsphase kaum etwas zu. Pressing im Mittelfeld, ständige Positionswechsel und dauerndes Bemühen um Ballbesitz zeichneten das Clubspiel aus. Der FCK merkte offenbar schnell, dass in Nürnberg nicht viel zu holen ist. Der Club konnte so bereits nach einer halben Stunde einen Gang zurückschalten und abwarten. Weil der Gegner aber nichts zuzusetzen hatte, litt das Spielniveau doch ziemlich deutlich.

Das ging in der zweiten Hälfte zunächst so weiter. Der Club wollte nicht, Kaiserslautern konnte nicht. Bis zur 54. Minute. Da packte Kevin Möhwald ein Pfund raus und hämmerte den Ball aus 22 Metern ins FCK-Gehäuse. Die sichere und angesichts der Harmlosigkeit des Gegners ungefährdete Führung gab Trainer Michael Köllner die Gelegenheit, Neuzugang Adam Zrelak, Rurik Gislason und Cedric Teuchert einzuwechseln.

Ohne große Probleme wurde dann der Auftaktsieg fix gemacht. Aber wie gesagt, wo wir genau stehen, lässt sich bei diesem Gegner noch nicht genau verorten. Auf jeden Fall erstmal weiter vorne als uns das viele Experten zugetraut haben. Und meistens, wenn uns keiner was zutraut…

Feiermodus gegen Abstiegskampf: 2:3

Es war das letzte Heimspiel nach einer Saison, die der Clubfan wohl schnell abhaken dürfte. Dafür war diese Begegnung mit allerlei anderem befrachtet. Mit Abschieden, mit Traditionspflege, mit ungewöhnlichen Witterungs- und Platzverhältnissen. Die Punkte spielten da nicht die allerwichtigste Rolle.

Das merkte man dem Club letztlich auch an. Der Spaß am Spiel stand eher im Vordergrund als lästige Pflichtaufgaben, wie Absichern nach hinten oder Decken bei Standards. Für den Gegner, die Fortuna, ging es hingegen noch darum, den Abstieg zu vermeiden. Da brennt man eben auch noch, wenn der andere schon ans Freibier denkt. weiter lesen

Club kann sich leider nicht belohnen

Schade, schade, das hatte der Club nicht verdient! Nach streckenweise überzeugenden Spiel unterlag er durch ein Tor in der Nachspielzeit noch Tabellenführer VfB Stuttgart, der nach dem Spiel mit seinen zahlreichen Fans dann schon mal den wichtigen, und fast nicht mehr erwartbaren Schritt zum Aufstieg feierte.

Womit wir bei den Fans wären. Da machten die aus Stuttgart angereisten Gäste, die für ein ausnahmsweise fast gefülltes Nürnberger Stadion sorgten, mehr Betrieb als die Club-Anhänger. Das lag nicht nur an deren Quantität, sondern auch daran, dass den Nürnberger Ultras wieder mal irgendetwas Verstummendes über die Leber gelaufen ist. weiter lesen