Beim Club ist alles möglich

Es ist wirklich nett zu beobachten, wie jetzt Fans,  Journalisten und Spieler gleichermaßen versuchen, trotz des tollen Auswärtssieges in Cottbus und des Jubels über die drei Tore (Bild) auf die Euphoriebremse zu treten. „Wir haben noch nichts erreicht“, wird Torwart Raphael Schäfer in der NZ zitiert – und das nicht bloß im Text, sondern gleich in der Überschrift. Nach dem Spiel in Cottbus wunderte sich selbst Clubtrainer Michael Oenning über diese seltsame, fränkische Zurückhaltung: „Dann müsste die ja bei uns vier Tore schießen“, gab er zu bedenken.

Aber Oenning ist halt kein Nürnberger.  Und auch noch nicht so lange Clubfan wie wir. Sonst würde er wissen: Wenn es einen Verein gibt, der so eine komfortable Ausgangsposition noch vergeigen kann, dann ist das. na?

Klar, nur der Club schafft so etwas!

Wir erinnern nur an den Last-Minute-Abstieg 1999. Wer den erlebt hat und nach dem Spiel gegen Freiburg mit Tränen in den Augen auf die Aufbauten für die fest eingeplante Nichtabstiegsfeier geblickt hat, der feiert nicht mehr zu früh. Nie mehr!

Im Fußball ist alles möglich, beim Club erst recht!

Last-Minute-Abstieg war am schlimmsten

Das 2:6 in Aachen hat uns vor Augen geführt, wie schnell der Club doch in der Lage ist, Tiefpunkt an Tiefpunkt zu reihen. Daher haben wir uns (schließlich sollte man für die Zukunft offen sein und daher nicht allzulange Vergangenes nachkarteln) entschlossen, unsere Tiefpunkte-Abstimmung nunmehr auszuwerten. Schließlich können wir sie bei passender Gelegenheit gerne wieder, ergänzt um neues Material (ja auch um den verpassten Aufstieg von 1974 und natürlich den in seiner Folgenhaftigkeit noch nicht richtig einschätzbaren Auslöser der Umfrage, den Abstieg als amtierender Pokalsieger), durchführen.

Nach dem Stand des augenblicklich vorherrschenden Irrtums ergibt sich also folgendes Ergebnis:

Der Oscar für den tiefsten Tiefpunkt geht an den Last-Minute-Abstieg 1999 (er erhielt 30 Prozent der Stimmen). Zur Erinnerungsauffrischung hier noch einmal die legendäre Bundesligakonferenz mit Günther Koch live aus dem Nürnberger Stadion:

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Auf Platz 2 folgt mit 21 Prozent (die Prozentzahlen sind jeweils aufgerundet) die „Mutter aller Abstiege“, der eigentliche Favorit der 3 Clubfreunde, der erstmalige Abschied eines amtierenden Meisters aus dem Fußballoberhaus im Jahr 1969.

Mit 15 Prozent auf Rang 3 landete das Regionalligagastspiel des FCN 1996/97.

Die weiteren Platzierungen:

4. Phantomtor und Abstieg 1994 (11 Prozent)

5. Die Ära Voack (6 Prozent)

6. „etwas anderes“ (4 Prozent) Genannt wurden unter anderem: die Vereinsgründung, das 7:3 gegen die Bayern versäumt, in der gleichen Liga mit Fürth spielen müssen, Schmelzer als Präsident, Luchs statt Club im BR, drohender Konkurs im Dezember 94.

7. Böbels schwarze Kasse (3 Prozent)

8. Retter Hoeneß (2 Prozent)

9./10. Katastrophensaison 83/84 gleichauf mit Pistolero Roth (2 Prozent)

11./12.  Pokalaus gegen Ulm gleichauf mit Geenens Verbalausfall (1 Prozent)

13./14. Spielerrevolte und Turbantor im Pokalfinale 82 (1 Prozent)

15. Kasalos Eigentore kamen nur auf 0 Prozent.

Wir bedanken uns bei allen, die mit abgestimmt haben.

Eine ganz schwarze Stunde

Einen aktuellen Grund gibt es eigentlich nicht, dass Robert Basic, der meistverlinkte Blogger Deutschlands, gerade jetzt eine der wohl peinlichsten Episoden der Clubgeschichte auspackt, den Last-Minute-Abstieg in der Saison 1998/99. Vielleicht will er seinen Frankfurtern damit Hoffnung machen. Vielleicht rechnet er damit, dass es den Club zehn Jahre später wieder erwischt, nur dann halt von 2 nach 3. Wie auch immer. Hier noch einmal das Geschehen von damals erst in der Radioversion mit dem legendären Kommentar von Günther Koch („es ist unfassbar, was der Club seinen Anhängern, seinen treuen Fans zumutet“) und dann den Sportschau-Zusammenschnitt. Für alle Zuspätgeborenen, damit sie wissen, wovon wir hier reden:

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War das schon das Schlimmste, was die Clubfans jemals erleben mussten (zumal ja damals vor dem Stadion schon alles für die Nichtabstiegsfete vorbereitet war)? Keine Angst, es gibt noch mehr Kandidaten. Wir werden auch sie – nach und nach – aus der Mottenkiste holen. Am Ende lassen wir dann unsere Blogleser abstimmen und den Ultra-Club-Tiefpunkt wählen.  Dranbleiben!

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