Der Club ist von der Rolle

3206769845Dass man auch vermeintlich leichte Gegner ernst nehmen sollte, diese Lektion hätte der Club eigentlich nach der Niederlage gegen den MSV mitnehmen und verinnerlichen können. Stattdessen gab es in Karlsruhe gleich die nächste Niederlage oben drauf. Offenbar wollen da welche eine neue Serie starten. Eine, die allerdings keiner von uns will.

Unverdient war diese Niederlage keineswegs. Auch wenn es anfangs richtig gut aussah. Schon in der 3. Minute ging der Club nach einem abgefälschten Kerk-Freistoß in Führung. Jetzt hätte die Mannschaft aus einer geordneten Abwehr auf Konter spielen können. Dazu passte die ziemlich offensiv ausgerichtete Aufstellung (für Leibold war Blum in die Startelf gerückt) allerdings nicht so richtig. Außerdem nutzt es auch nichts, auf Konter zu spielen, wenn jeder zweite Pass im Mittelfeld beim Gegner landet. Mag sein, dass die Platzverhältnisse in Karlsruhe eher mau waren. So ungenau, lasch und unkonzentriert muss man deswegen aber nicht zu Werke gehen. Trotzdem wäre dann in der 40. Minute beinahe das 2:0 durch Füllkrug fällig gewesen. Doch der trifft nur den Kopüf von KSC-Keeper Vollath. Fast im Gegenzug machte der KSC den Ausgleich, wobei der derzeit indisponierte Guido Burgstaller auch noch die Vorlage lieferte.

Gut, dachte man. Das ist kein Problem, schließlich kommt der Club ja in der letzten halben Stunde immer noch gewaltig. Fast die gesamte zweiten Hälfte mussten wir uns an dieser Hoffnung hochziehen. Denn sonst kam von der seltsam fahrig agierenden Mannschaft kaum irgendetwas, was Hoffnung machen könnte. Letztlich war es nur dem Unvermögen der KSC-Spieler zuzuschreiben, dass der FCN nicht schon längst hinten lag. Erst in der 86. Minute wurde dann das Gebettel der Clubspieler von KSC-Stürmer Torres erhört, indem er den durchaus verdienten Siegtreffer markierte. Für den Club traf der eingewechselte Stieber dann zwar noch den Pfosten. Aber auch der KSC hatte noch hochkarätige Möglichkeiten.

Statt die Niederlage von RB Leipzig auszunutzen, hat der Club nun wohl endgültig den direkten Aufstieg abgehakt. Mag sein, dass den Finanzjongleuren beim Club ein Aufstieg via Relegation ohnehin lieber ist. Mit einer Leistung wie in Karlsruhe dürfte das freilich nicht klappen, so derangiert ist in der ersten Liga niemand.

Feuerwehr unterbrach Diskussionsrunde

Braucht der Club in der neuen Saison einen Feuerwehrmann? So werden im Branchenjargon jene Trainer bezeichnet, die kurzfristig einspringen, um eine in arge Abstiegsnöte geratene Mannschaft doch noch vor dem Gang in die tiefere Etage zu bewahren. Am Donnerstag im Südpunkt tauchten indes echte, leibhaftige Feuerwehrleute auf. Ein entsprechender Alarm war losgegangen und unterbrach die Diskussionsrunde mit Club-Altstar Heiner Müller, Rainer Zietsch, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, und Co-Trainer Dirk Bremser jäh. Zuvor hatten sich die drei mit Moderator Markus Löser unter dem Motto „Aus der Not eine Jugend machen?“ angeregt über die Nachwuchsförderung einst und jetzt unterhalten.

Als Müller, der Meister von 1961, noch aktiv war, war es beinahe logisch, dass Nachwuchsleute aus dem eigenen Verein oder zumindest aus Nürnberg kamen und in die erste Elf integriert wurden. In jener Mannschaft, die das Finale um die Deutsche Meisterschaft vor 50 Jahren mit 3:0 gegen Borussia Dortmund gewann, standen mit Müller (TSV Roth), Joe Zenger (FC Herzogenaurach) und Roland Wabra (SV Unterreichenbach) nur drei Akteure, die ihre fußballerischen Wurzeln nicht in der Frankenmetropole hatten. Als „die Bäuerle“ galten die Kicker vom Lande damals in der Mannschaft, erzählte Müller.

Dirk Bremser gehört zur Kategorie „Prophet im eigenen Lande“: Beim VfL Bochum wurde er ausgebildet, aber der VfL hatte letztlich keine Verwendung für das Talent, das in der Bundesliga in den 90ern  für Duisburg und Uerdingen aktiv war.

Rainer Zietsch spielte von 1991 bis 1996 für den Club und leitet seit 2006 das Nachwuchsleistungszentrum, aus dem zuletzt so viele hoffnungsvolle Talente wie Plattenhardt, Chandler, Mendler oder Wießmeier hervorgingen. Zietsch betonte, wie sehr der Verein nicht nur auf die spieltechnischen Fertigkeiten, sondern auch auf das Sozialverhalten der Jungs achtet. „Ein Marvin Plattenhardt gehörte vergangene Saison schon zu den Profis, aber er war sich auch nicht zu schade, auch noch in der U19 zu spielen.“ Solche Akteure würden dem Club weiterhelfen. Zietsch schilderte auch, wie sehr mittlerweile schon um 15-Jährige geworben wird. Ganze Familien würden deshalb etwa von Berlin nach Hoffenheim ziehen.  Der Club will sich an solchen Werbemaßnahmen aber nicht beteiligen, sagte Zietsch.

Und dann ging mitten in der Debatte der Feueralarm los und ein großes Löschauto rückte an. Allerdings war es ein Fehlalarm. Wegen einer technischen Störung ging der allerdings wenig später gleich wieder los. Und so musste Löser die Debatte abbrechen und die Experten konnten nicht mehr ihren Tipp loswerden, was sie vom Club in der neuen Spielzeit erwarten. Doch sicher hoffen alle, dass er keine Feuerwehrleute braucht.

Der Club sollte Äsop verpflichten

Humanistische Bildung dürfte beim Club kaum zu finden sein. Daher hier ein Ausflug in die alte griechische Fabel, zu Äsop, der einmal von einem Fünfkämpfer erzählte, der permanent damit prahlte, wie weit er bei Wettkämpfen in Rhodos gesprungen sei.

Wahrscheinlich gab es damals auch schon Leute, die meinten, diesen hervorragenden Athleten unbedingt unter Vertrag nehmen und ein paar Millionen Ablöse zahlen zu müssen. Wer aber Äsop kennt, weiß: Die einzig richtige Reaktion ist der bekannte Satz: Hic Rhodus, hic salta! Also: Hier ist das Frankenstadion, hier zeige, was du kannst. Weil man aber am Valznerweiher Äsop nicht kennt, konnten Leute wie Engelhardt („In Karlsruhe habe ich mal ein grandioses Spiel abgeliefert“), Masmanidis („Ich kann nur mit Thomas von Heesen“) oder Charisteas („Das Tor treffe ich nur im Nationaltrikot“) dauernd von der Angabe leben. Bezeichnenderweise sind zwei der drei Griechen. Das legt nahe, dass sie durch ihr Verhalten vielleicht den Clubverantwortlichen vor Augen führen wollten, wie sehr es ihnen an klassischer Bildung gebricht. Erfolg hatte das allerdings nicht: Nach Engelhardt ist nun auch Masmanidis weg und Angelos Charisteas dürfte der nächste sein (wahrscheinlich geht der auch gleich nach Rhodos).

Mit dem Turban gegen den Club

Weil die Berliner Hertha derzeit nach vielen Enttäuschungen endlich mal wieder richtig gut dasteht, war ihr Manager Dieter Hoeneß am Wochenende ein gefragter Interviewpartner. Am Samstag gastierte er zum Beispiel im Aktuellen Sportstudio, wo der frühere Stürmer des FC Bayern München prompt auf sein vielleicht berühmtestes Tor angesprochen wurde. Jenen Kopfballtreffer, den er mit blutdurchtränktem Turban erzielte.
Und wer musste dieses Tor einstecken? Richtig geraten, Leidtragender war wieder mal der unglückliche 1.FC Nürnberg.
26 Jahre ist das nun her. Am 1. Mai 1982 hämmerte Hoeneß den Ball zum 4:2-Endstand gegen den Club ins Netz. Und zwar mit seinem Schädel, mit dem er schon nach 13 Minuten gegen den des FCN-Verteidigers Alois Reinhardt (der Vater des heutigen Club-Außenverteidigers Dominik) gerasselt war, so dass er nur mit einem dicken Kopfverband weiterspielen konnte. Und der verfärbte sich zunehmend rot. Alles vielleicht noch kein Grund, diese Geschichte in unsere Serie der Tiefpunkte einzureihen. Aber immerhin handelte es sich um das Endspiel des DFB-Pokalwettbewerbs!
Und lange sah es so aus, als könnten die vom inzwischen verstorbenen Udo Klug trainierten Nürnberger die Partie für sich entscheiden. Reinhold Hintermaier mit einem herrlichen Schuss aus über 40 Metern und Werner Dreßel hatten dem FCN einen soliden 2:0-Vorsprung verschafft. Die Fans wähnten sich schon als Pokalsieger, doch die ungeliebten Bayern drehten das Spiel noch um. Karl-Heinz Rummenigge verkürzte, Wolfgang Kraus glich aus und ließ sich dann bühnenreif fallen. Paul Breitner verwandelte den Elfmeter zum 3:2 für den Favoriten. Hoeneß, der mit seinem Turban auch die Treffer von Rummenigge und Kraus vorbereitet hatte, setzte den Schlusspunkt.
Das Magazin „Elf Freunde“ hat dieses Spiel im Februar 2007 auf Rang 43 in seine Hitliste der 100 besten Spiele aller Zeiten aufgenommen, und Turban-Hoeneß zierte das Titelbild der entsprechenden Ausgabe. Im Nürnberger Lager dauerte es indes lange, die Enttäuschung zu verkraften. Immerhin hatte man die Bayern am Rande einer Niederlage. Und dass die Münchner damals nicht unschlagbar waren, bewies die Bundesliga-Saison 1981/82, in der sie nur auf Rang drei landeten. Die stärkste deutsche Mannschaft stellte in jener Zeit der Hamburger SV, Meister 1982 und 1983 sowie Europacup-Sieger 1983. Und den HSV hatte der Club im Halbfinale aus dem Wettbewerb befördert. Doch mit dem Pokalsieg wurde es trotzdem nichts. Es sollte weitere 25 Jahre dauern, bis der Club-Anhang endlich mal wieder einen Titel bejubeln durfte…
Das Pokalfinale von 1982 mit dem Turban-Tor des Dieter Hoeneß – unser Kandidat Nummer zehn für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 10