Mehr Probleme mit Sandhausen als damals mit den Bayern

Die Woche:

1. Fast schon exemplarisch demonstriert Eduard Löwen gerade, wo Vereine wie der FCN ein Kardinalproblem besitzen. Da müssen junge Spieler schneller als es für sie zuträglich ist in den Ligabetrieb hineinwachsen und machen das eine Zeitlang vielleicht sogar richtig gut. Dass das dann auch anderen auffällt, dagegen kann ein Verein, der auf Transfererlöse angewiesen ist, nichts haben. Blöd nur, wenn die Spieler mit derartigen Lorbeeren noch nicht umgehen können. Womit wir bei der Frage wären: Was treibt eigentlich Abdelhamid Sabiri? Der sitzt beim 14. der Premier-League noch nicht einmal auf der Bank.

2. Woran merkt man, dass man alt wird? Wenn man sich selbst noch an Ereignisse erinnern kann, für die jetzt Gedenkveranstaltungen zelebriert werden. Heute jährt sich zum 50. Mal der phänomenale 7:3-Sieg des FCN über die Bayern. Ich habe damals sehr unter meiner Noch-nicht-Erwachsenheit gelitten, weil die vor mir stehenden Fans dauern am Jubeln waren und mir die Sicht versperrten. Außerdem weiß ich noch, dass Beckenbauer und Co damals groß getönt hatten, sie würden dem Club mindestens drei Tore einschenken. Beim Stande von 7:1 haben sie dann in meinem Block beschlossen: „Ach komm, die zwei gönnen wir ihnen noch.“ Das fand ich ziemlich generös und dachte mir: „Der Glubb, das ist mein Verein.“ Diesen glorreichen Tag will jetzt die Deutsche Akademie für Fußballkultur noch einmal aufleben lassen. Am 7. Dezember, 19:30 Uhr, blicken die Meisterspieler Franz Brungs und Horst Leupold im Südpunkt, Pillenreutherstraße 147, auf das legendäre 7:3 von 1967 zurück.

Das Spiel:

Sowas nennt man wohl Arbeitssieg. Der SV Sandhausen war im Morlock-Stadion der erwartet unangenehme Gegner. Teilweise minutenlang schnürte er den Club mit aggressiven Pressing in der eigenen Hälfte ein. Der FCN schaffte es nur ganz selten mal vors Gästetor zu kommen. Und wenn, dann hielt SVS-Keeper Schuhen. Bezeichnend auch, dass die besten Chancen Abwehrspieler Ewerton und der oft nicht zielorientierte Edgar Salli hatten.

Dass man aber auch als Nicht-Goalgetter treffen kann, bewies Tim Leibold in der 68. Minute. Erst eroberte er selbst den Ball, dann tankte er sich in Richtung Sandhäuser Strafraum durch, spielte zu Mikael Ishak, der dann mustergültig erneut für Leibold auflegte: der Dosenöffner. Jetzt musste Sandhausen mehr aufmachen, allerdings ließ die Clubabwehr diesmal nichts anbrennen. Der 4. Heimsieg war auch deshalb wichtig, weil die beiden Spitzenteams Dosseldorf und Kiel sich gegenseitig die Punkte abnahmen. Jetzt sind die Direktaufstiegsplätze wieder in Sichtweite.

Ein Letztes:

Wenn es nicht einmal eine Freundin oder ein Lieblingsbier gibt, das die Nachwuchskicker hier hält, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sie fort wollen. Hier gehts zum Hintergrundbericht unseres ehemaligen Kollegen Stefan Hofer.

Ein 2:0 noch vergeigt

1. Der Club hat die Verträge mit seinen beiden Vorständen Michael Meeske und Andreas Bornemann vorzeitig und offenbar gleich für zwei weitere Jahre verlängert. Das überrascht eigentlich niemanden. Trotzdem waren einige Journalisten sauer, weil sie sich nicht ausreichend informiert fühlten.

2. Freilich ist es aber schon länger so, dass die Presse den Club nötiger braucht als der Club die Presse. Deswegen müssen die Kollegen schauen, wo sie bleiben. Da ist dann einerseits Jammern angesagt, weil die „interessierte Öffentlichkeit“ nicht richtig bedient wird. Andererseits wird der neue Pressesprecher mit Nettigkeiten beworfen, auf dass er wohlgesonnen sei und einen wenigstens besser behandele als die Konkurrenz.

3. Für manche dauerte das Heimspiel gegen Holstein Kiel noch etwas länger. Letzte Woche gab es nämlich ein Treffen zwischen der Ultras mit dem DFB. Die Ultras informierten im Stadion, wie es jetzt weiter geht. Wir bleiben dran.

Das Spiel

Mit Holstein Kiel kam eine Mannschaft nach Nürnberg, die für viele überraschend ganz oben in der 2. Liga mitspielt. Warum das so ist, das demonstrierten die Kieler im Morlock-Stadion ein ums andere Mal. Zwar legte der Club eine starke Anfangsphase hin, aber dann tauchte der Tabellenzweite doch immer wieder gefährlich vor dem diesmal von Fabian Bredlow statt vom gegen Imgolstadt patzenden Kirschbaum gehüteten Clubtor auf. Hier wie dort fehlte aber meist die letzte Präzision.

So war es dann Club-Kapitän Hanno Behrens vorbehalten, den Bann zu brechen. In der 54. Minute zog er in Robben-Manier nach innen und schlenzte den Ball ins Kieler Netz. Acht Minuten später kam es noch besser: Löwen setzte sich auf der rechten Seite durch und passte zum freistehenden Mikael Ishak, der das 2:0 markierte. Doch leider, ihr und wir kennen das: Beim Club reicht sowas nicht. Kiel gelang in der 70. Minute und in der 88. Minute noch der Ausgleich. So ist er halt der Club!

Ein Letztes:

Skandale, über die mal wieder keiner aufgegriffen hat:

Ernüchterung und neue Hoffnungsträger

1. Wenn der Verein nichts reißt, dann geht individuell meistens auch nichts. Die beiden FCN-Vertreter bei der deutschen U21, Eduard Löwen und Cedric Teuchert, kamen beim 7:0 gegen Aserbaidschan in der EM-Quali jedenfalls nicht zum Einsatz. Bei der U20 ist der FCN ebenfalls nicht vertreten. Lukas Mühl und Patrick Kammerbauer haben verletzungs- bzw. krankheitsbedingt abgesagt.

2. Club-Sportvorstand Andreas Bornemann steht vor der Vertragsverlängerung. Da ist die Bereitschaft, sich für ein längeres Interview zur Verfügung zu stellen, natürlich höher. Interessant immerhin, warum Bornemann – anders als wir Clubfans – Sabiri bei Huddersfield alles Gute wünscht.

Das Spiel

Punktspiele gab es wegen des Länderspiels zwar nicht. Dafür durften die Club-Profis gegen den Regionalligisten VfR Garching ein paar taktische Varianten testen. Das Ergebnis (2:0) war da wohl nicht so wichtig. Erwähnenswert, dass Bredlow nach dem Kirschbaum-Patzer gegen Ingolstadt im Kasten stand und Edgar Salli mal ein Tor machte. Außerdem tauchte ein neuer Hoffnungsträger („16-jähriges Juwel“ Makanda) auf. Wobei solchen Berichten leider immer auch etwas marktschreierisches anhaftet und so eher die Hoffnung genährt wird, dass da bald was in die nach wie vor klamme Clubkasse kommt.

Ein Letztes:

Endlich wird das Gegenpressing, ein Modebegriff in der aktuellen Fußballberichterstattung, einmal anschaulich erklärt:

Stark im Pokal, schwach in der Liga

Die Woche:

1. In Osnabrück gab es für ein Foul außerhalb des Strafraums Elfmeter. In Leipzig für eines, das noch ein bisschen weiter drinnen war, letztlich dann doch keinen. Hier zahlt es sich offenbar aus, wenn mächtige Vereinsbosse im Hintergrund wirken. Da muss noch nicht mal Geld fließen. Da reicht es wohl schon, wenn der Schiedsrichter Angst vor einem hat.

2. Die Leistungsfähigkeit fördert es eher nicht. Andererseits ist es schön, wenn unserer Profis auch mal jene Zustände erleben, mit denen sich der eher nicht so gut verdienende Fan tagtäglich herumschlagen muss. Zum Beispiel mit verspäteten und überfüllten Zügen. Auf der Heimfahrt vom Pokalspiel in Osnabrück mussten unsere Spieler sogar am Boden sitzen. Immerhin schafften es so jene Missstände, an die wir uns fast schon gewöhnt haben, in die Zeitung.

3. Anders als beim Rasensport spielt der FCN beim eSport ganz oben mit. Dort ist er – auch aufgrund namhafter Neuzugänge – sogar auf Augenhöhe mit europäischen Topclubs wie Paris St.Germain oder Manchester City. Während die ESL-Meisterschaft, wo unsere Cracks ganz vorne liegen, demnächst zuende geht, beginnt in wenigen Tagen für unsere Playstation-Cracks die virtuelle Bundesligasaison. Dabei haben alle Clubs übrigens, anders als im richtigen Leben oder bei den bekannten Managerspielen, die gleichen Startvoraussetzungen. So ist schon mal mehr Spannung garantiert als in der analogen Bundesliga.

Die Spiele:
Unter der Woche galt es für den FCN erst einmal die nächste Pokalrunde zu erreichen. Rein tabellarisch schien die Aufgabe in Osnabrück lösbar, schließlich steht der VfL aktuell ganz unten in der dritten Liga. Andererseits hatte er in Unterzahl zuvor den HSV aus dem Wettbewerb gekickt und auch der Club durfte diese Seite der Osnabrücker kennenlernen. Dabei half Schiedsrichter Dankert mit, der ein ungeschicktes Einsteigen von Patrick Kammerbauer in den Strafraum verlegte und so der Heimmannschaft bereits nach drei Minuten die Führung durch Elfmeter ermöglichte. Trainer Michael Köllner erkannt dann immerhin, wie wichtig der diesmal zunächst geschonte Patrick Erras für Ruhe und Stabilität in der Anwehr ist und korrigierte diesen Fehler. Danach kam der Club besser ins Spiel. Unser vom Saulus zum Goalgetter mutierte Schwedenstürmer Mikael Ishak traf erneut und zwar noch vor der Pauase. Kurz danach besorgte Leibold sogar die Führung, die die Osnabrücker aber noch ausgleichen konnten. So musste dann Enrico Valentini ran, um in der 74. Minute den dritten Treffer zu erzielen. „Obwohl“ dann die Osnabrücker endlich zu zehnt spielen durften (Rote Karte nach Notbremse für Furkan Zorba) gelang ihnen der neuerliche Ausgleich nicht mehr.

Womit wir am Tiefpunkt der Woche angelangt wären, der 1:0-Niederlage in Heidenheim. Eigentlich sah es dort ebenfalls nach einer klaren Sache aus. Der Tabellendritte kam zum Tabellenvorletzten. Der demonstrierte dann auch über eine Stunde lang, warum er dort unten drin steht. Fast schon mitleiderregend versiebten die Heidenheimer eine Großchance nach der anderen. Zudem standen ihnen wiederholt der beste Nürnberger an diesem Nachmittag, Torwart Thorsten Kirschbaum, und einmal die Latte im Weg.

Allerdings war auf das Unvermögen des FCH doch nicht auf Dauer Verlass. Nach gut einer Stunde herrschte nach einer Ecke (die Standards gegen uns mal wieder) Unordnung im Nürnberger Strafraum und Glatzel staubte aus kurzer Entfernung zum Siegtreffer ab.

Dem Club gelang es an der Brenz in keiner Phase des Spiels, zu alten Qualitäten zu finden. Müde, fahrig, unkonzentriert und seltsam lasch ging die Mannschaft zu Werke. Diesmal hatte Köllner Miso Brecko und Edgar Salli in der Startelf gebracht. Die Chance wusste keiner der beiden zu nutzen. Aber selbst Aktivposten wie Ewerton oder Erras leisteten sich haarsträubende Fehler. Vorne ging auch wenig zusammen. Von der einstigen Effektivität war nichts zu sehen. Ishak und Teuchert waren weitgehend abgemeldet. So kann man den Auftritt wohl als bislang schlechteste Saisonleistung einstufen und muss den Heidenheimern leider attestieren: Der Sieg war verdient.

Ein Letztes:

Da tut doch ein bisschen Optimismus gut:

Das Beste waren die drei Punkte

Die Woche:

1. Noch ein Nachtrag zum versprochenen und auch eingelösten geilen Spiel in Darmstadt. Das Montagsmatch wurde diesmal exklusiv von Sky übertragen, allerdings eher alibimäßig. Stimmen, Kommentare und Analysen zum Spiel gab es keine. Zumindest nicht für den zahlenden Sky-Kunden. Die wurden dann später bei RTL Nitro nachgeliefert. Da scheint man mit dem FCN offensichtlich mehr anfangen zu können als bei Sky (belegt wurde das auch durch die lustlose Moderation während des Dresdenspiels). Warum sich Bezahlsender die Rechte an Spielen sichern, die sie offensichtlich gar nicht interessieren, diese Frage darf man durchaus auch mal stellen.

2. Nicht nur was die guten Spieler angeht, müssen wir leider mit sofortigen Abwerbeversuchen finanzkrtäftigerer Vereine rechnen. Jetzt hat Bayer Leverkusen auf seiner Suche nach einem neuen Geschäftsführer auch ein Auge auf Club-Finanzvorstand Michael Meeske geworfen. Es gibt zwar inzwischen ein Dementi. Dennoch zeigt uns der Vorgang wieder mal: Kontinuität gibt es offensichtlich nur bei den Vereinen mit viel Kohle oder bei denen mit schlechtem Personal.

3. Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Es liest sich wie eine Reportage von der Maueröffnung. Dabei geht es, wieder einmal, ums Nürnberger Stadion. Im Stadtrat ging es um dessen Zukunft. Soll man einen Privaten mit ins Boot holen (wobei da – und das ist wohl eines der Probleme – offenbar nur Max Bögl ein Kandidat ist)? Braucht der Club angesichts seiner Leistungsstärke überhaupt ein neues Stadion? Während die Grünen ihn hier schlecht reden, wissen SPD und CSU, dass nur mit Optimismus bei den Fans Stimmung gemacht werden kann. So lassen wie es ist, was angesichts der unabsehbaren Entwicklung im deutschen Fußball, nicht die verkehrteste Strategie wäre, geht allerdings auch nicht. Denn auch für das alte Stadion müssen zur Sanierung Millionenbeträge in die Hand genommen werden.

Das Spiel:

Diesmal war Dynamo Dresden zu Gast im Nürnberger Stadion. Eine Mannschaft, die ihren erfolgreichen Sturm der vergangenen Saison verloren und seitdem vorne Probleme hat. Trotzdem kennen wir das, wenn die scheinbaren grauen Mäuse der Liga bei uns auftauchen, da bekommt der Club oft Schwierigkeiten. Das schien diesmal zunächst aber nicht der Fall zu sein. Bereits in der 7. Minute war der vom Chancentod zum Torjäger mutierte Mikael Ishak zur Stelle und staubte zum 1:0 ab. Das war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon unverdient. Im Laufe des Spiels mussten sich die Dresdner noch mehr wie im falschen Film vorkommen. Sie schnürten die Heimmannschaft (wobei das diesmal angesichts der zahlreichen mitgereisten und stimmlich überlegenen Gästefans etwas relativiert werden muss) regelrecht ein und die wiederum war selten in der Lage Konter zu setzen und die dann auch erfolgreich abzuschließen. Ganz offensichtlich ging beim Club die Taktik, die Außen nicht fest zu besetzen nicht auf. Andererseits war aber auf die Abschlussschwäche von Dynamo Verlass. Zumindest bis zur 69. Minute. Schiedsrichter Kempter sah da nämlich eine Berührung von Berko durch Leibold. Elfmeterwürdig war die zwar nicht. Über den Ausgleich mochte trotzdem keiner so richtig lamentieren. Er war längst verdient.

Danach brachte Trainer Köllner Kammerbauer für den heute eher indisponierten Eduard Löwen. An der Dresdner Überlegenheit änderte das zunächst wenig. Die Gäste waren dem Siegtreffer näher als der Club. Das Genick brach ihnen dann ein Abspielfehler in der 82. Minute, Erras (nach dem überragenden Ewerton heute einer der besten) schaltete am schnellsten, schickte den eigentlich schon zur Auswechslung prädestinierten Cedric Teuchert, der den Torwart umkurvte und den Club erneut in Führung brachte (Bild). Am Ende verzweifelte Dresden dann nicht nur an der eigenen Torschwäche, sondern auch am Schicksal. Kurz vor Schluss ließ sich Heise noch zu einem brutalen Foul hinreißen und flog mit Rot vom Platz. Der Club holte glückliche drei Punkte. Aber wie sagt das Phrasenschwein: Morgen fragt danach keiner mehr.

Ein Letztes:

Glückliche Siege positiv umdeuten, kann man allerdings auch so:

Geiles Zittern

Die Woche:

1. Im Absurditätenkabinett ist der FCN immer noch erstklassig. Sogar international. Gerade erinnert sich die Welt wieder an das Phantomtor, das Thomas Helmer 1994 (nicht) geschossen hat. Erinnerungsauslöser war ein ähnliches Tor das Panama gegen Costa Rica erzielte und das zum WM-Aus der USA führte. Bei der Welt sprach der Autor von vergleichsweise weitreichenderen Konsequenzen. Dass das Quatsch ist, wissen sämtliche nicht mehr so ganz jungen Clubfans, zu denen auch der Weltchefredakteur gehört, der dann offenbar diesen Kommentar lancierte:

„Also bitte entschuldigen Sie liebe Welt, aber ihrem Zitat: „Damals erzielte Thomas Helmer sein legendäres Phantomtor gegen den 1. FC Nürnberg. Verglichen mit damals sind die Konsequenzen diesmal viel weitreichender“ muss ich doch wehement widersprechen! Wäre das damalige Phantomtor nicht gegeben worden, wäre das Spiel anstatt 2:1 für die Bayern 1:1 ausgegangen. Somit wäre der „Club“ sicher in der Bundesliga geblieben. Später führte dieser Abstieg sogar zum erst- und einmaligen Fall in der damals 95-jährigen Geschichte des FCN in die Drittklassigkeit! Das Wiederholungsspiel ging dann 5:0 für die Bayern aus, womit diese – anstatt des 1. FC Kaiserslautern – Meister wurden. Wäre das Spiel nämlich 1:1 ausgegangen, hätte der FCK bei Punktgleichheit das bessere Torverhältnis gehabt. Das erachte ich doch als wesentlich weitreichender, als dass nun die USA einmal nicht an einer WM teilnehmen können… MfG“

2. Die WM in Russland trifft den Club aber auch aktuell. Island hat sich, für viele immer noch überraschend, für den Wettbewerb qualifiziert. Eine einmalige Chance für die nicht gerade zahlreichen isländischen Profis. Wenn du als solcher allerdings bei einem Zweitligisten in Deutschland bestenfalls auf der Bank sitzst, kannst du dich nicht aufdrängen. Rurik Gislason hat daher angekündigt, den FCN in der Winterpause verlassen zu wollen. Der dürfte ihm kaum Steine in den Weg legen, kommt so wenigstens Geld in die schwindsüchtige Kasse, zumal Gislason noch einen hochdotierten Altvertrag besitzt.

3. Ein bisschen ging das nämlich unter in der Derbysieg-Harmonie bei der Jahreshauptversammlung: Der Club hat weiter massive finanzielle Probleme. Um von den Schulden runterzukommen, wird daher auch ein Grundstücksverkauf erwogen. Die einfachste und von uns selbstverständlich favorisierte Lösung wäre jedoch der Aufstieg in die erste Liga. Den Hashtag dafür gibt es schon. Allerdings wird er derzeit noch lediglich von einem einzigen Twitterer benutzt.


Das Spiel:

Genauer gesagt waren es zwei Spiele. Erst sieben Stück in Schweinfurt beim Testspiel. Dann sieben in Darmstadt am Böllenfalltor. Dort erzielten zwei allerdings die Gastgeber und eines versenkte Eduard

Löwen auf kuriose Weise im falschen Kasten. Dafür machten es der überragende Cedric Teuchert mit zwei Treffern sowie Ishak und Leibold richtig und bescherten dem Club einen Auswärtsdreier und den Fans das von Trainer Köllner versprochene geile Spiel.

Danach sah es zunächst einmal allerdings gar nicht aus. Bereits nach sechs Minuten lag der Club hinten. Stark hatte abgezogen und Mühl unhaltbar für Kirschbaum abgefälscht. Ein echtes Duseltor. Ein Rückstand aber auch, den sich der Club dann irgendwie verdiente, denn 20 Minuten lang brachte er keinen einzigen Angriff zustande. Der zweite brachte dann allerdings bereits den Ausgleich. Mit einem schönen Lupfer überwand Teuchert, der diesmal zusammen mit Ishak im Sturm agierte, den Darmstöädter Keeper. In der 51. Minute war dann der andere Stürmer dran. Ishak spitzelte nach Klassepass von Leibold den Ball an Mall vorbei. Der Club hatte das Spiel gedreht und nicht nur das: Eine Minute später krachte ein Behrens-Schuss an den Pfosten und weitere sechs Minuten später schließt erneut Teuchert nach einem langen Zuspiel von Löwen zum 3:1 ab. Der Club schien den Dreh gefunden zu haben, wie man die doch reichlich unorganisierte Darmstädter Abwehr ausspielen kann. Leider macht es auch unsere aktuelle Mannschaft immer gern spannend. Nach einer Ecke kamen die Hausherren wieder auf einen Zähler heran. Zwei Minuten später stellte Leibold den alten Abstand wieder her. Aber halt nur bis zur 87. Minute. Sechs Minuten zittern waren da angesagt. Aber mit glücklichem Ende. Der Club rangiert jetzt auf Rang 3, was dann doch noch ein bisschen geiler ist als das Spiel.

Ein Letztes:

Langsam wird´s professionell

1. Nun gut, es hat ein bisschen gedauert, aber trotzdem ist der Club mit seinem eSports-Einstieg noch relativ weit vorne. Dafür hat er zwei Fifa-Zocker eingekauft, die den 1.FCN jetzt auf dem virtuellen Rasen voranbringen sollen. Um den herum muss zumindest schon mal kein – selbst im Unterhalt sündteures – Stadion gebaut werden.

2. Dass mittel- bis langfristig weiter an einem Stadionneubau festgehalten wird, erklärte Finanzvorstand Michael Meeske auf der Jahrenshauptversammlung. Selber Geld in die Hand nehmen wird der Club allerdings kaum können. Im Gegenteil, der Schuldenberg ist im vergangenen Jahr um weitere 1,9 Millionen auf inzwischen über 20 Millionen Euro angewachsen. Nichts war es also mit der vermuteten schwarzen Null (die aber wenigstens auf dem eigens zu FCN-JHV kreierten Bullshitbingo abgehakt werden konnte). Mit ein Grund war der Wegfall des Sponsors Wöhrl. Auch wenn Meeske angeblich zahlreiche Arbeitsessen mit potenziellen Unterstützern intus hat, zeigt sich hier erneut ein Problem der Region: Zahlungskräftige Firmen fehlen oder engagieren sich lieber beim FC Bayern bzw. in anderen Sportarten. Ansonsten war es eine selten harmonische Veranstaltung (trotz des prognostizierten Zündstoffs), was sich unter anderem auch darin niederschlug, dass die drei „abgelaufenen“ Aufsichtsräte Stefan Müller, Thomas Grethlein, der zuvor schon in der NZ eine ganzseitige „Regierungserklärung“ abgeben durfte. und Günther Koch wiedergewählt wurden. Manch einer machte für diese Harmonie den Derbysieg verantwortlich-

3. Der FC Bayern setzt im deutschen Fußball bekanntlich die Maßstäbe. Jetzt hat er Jupp Heynckes als neuen Trainer verpflichtet. Das führt uns alte Glubberer zu der Frage: Was treibt eigentlich Michael A. Roth?

Das Spiel:

Wegen der Länderspielpause bot sich für die Clubprofis – und damit auch für uns Fans – wieder einmal die Gelegenheit, unbekannte Ortschaften der Umgebung kennenzulernen. Diesmal ging es in das 1169 Einwohner zählende Pfarrdorf Meckenhausen. Das gehört zu Hilpoltstein, was jetzt auch nicht gerade eine Weltstadt ist. Unter solchen Voraussetzungen stellt sich leicht Überheblichkeit ein. Die war jedoch fehl am Platz. Gerade mal zu einem 6:1 langte es für den Club. Aber in diesen Fällen zählen ja nicht Ergebnisse, sondern Erkenntnisse – und da dürften schon angesichts der eingesetzten Nachwuchshoffnungen einige dabei gewesen sein.


Ein Letztes:

Die Kollegen von Clubfans_United haben für die Nachwelt dieses schöne Fazit aus der Jahreshauptversammlung festgehalten:

Daheim wollen wir oft zuviel

Die Woche:

1. Wer mal im Club-Aufsichtsrat sitzt, der hockt da gern bis er rausgetragen wird. Macht und Einfluß scheinen dabei nicht die Beweggründe zu sein, denn nach der Wahl hört man selten was von den Aufsichtsräten. Am 8. Oktober strebt neben den Posteninhabern auch ein bekannter Medienkollege neu in dieses Gremium. Andreas Hock war mal Chefredakteur der inzwischen leider verblichenen Nürnberger Abendzeitung und veröffentlichte seitdem Bücher wie „Like mich am Arsch“ oder „Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“. Allein sprachlich wäre es also schon ein Gewinn, wenn der Hock im Aufsichtsrat hockt.

2. Beim Club ist man ein bisschen traurig darüber, dass sich die jüngsten Erfolge nicht in den Zuschauerzahlen niederschlagen. Ein spezifisches FCN-Problem ist das freilich nicht. Insofern scheinen sportliche Erfolge nicht der alleinige Grund des rückläufigen Zuschauerinteresses zu sein. Aber solange die Vereine gegenüber DFB und DFL nur buckeln, wird sich da nicht viel ändern.

3. Da sage noch einer, die Medien wären gleichgeschaltet und Sportberichte könnten bald aus einer Hand – notfalls auch durch entsprechende Software – abgeliefert werden. Schon bei der Frage, wer gegen die Bielefelder das Clubtor hütet, wurden deutliche Unterschiede offenbar: Kicker und NN tippten auf Bredlow, NZ und Bild auf Kirschbaum. Und wie sich herausstellte lagen das Fußballfachblatt und die Premiumzeitung daneben.

Das Spiel:

Wie schon im Spiel gegen St. Pauli war es wieder eine dieser scheinbaren Graumäuse der 2. Liga, gegen die wir zuhause nicht zurecht kamen. Ein paar Unterschiede zur Niederlage gegen die Hamburger gab es dann aber doch. Zum einen erarbeitete sich die Arminia deutlich mehr als nur eine Torchance. Zum anderen war die von Ortega zwar glänzend bewachte Bielefelder Bude nicht ganz so vernagelt wie die von St. Pauli. Allerdings reichte es für den FCN halt nur zu drei Aluminiumtreffern und zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ishak, dem dann sieben Minuten später nach einem Löwen-Fehler leider das ernüchternde 1:2 folgte.

Taktische Lehren aus dem Spiel zu ziehen, ist ein bisschen schwierig. Zunächst spielte der Club zu verhalten und ging erst nach dem Rückstand Risiko. Das wurde zwar belohnt, kurz danach aber auch schon wieder bestraft, Insofern war das vielleicht so ein Fall, wo man mal mit einem Unentschieden zufrieden sein sollte. Aber nachher sind wir halt leicht schlauer. Kann auch sein, dass der Club zuhause oft zuviel will, schließlich geht es auch um die Zuschauerzahlen, und dafür nicht belohnt wird.

Auf jeden Fall ist der FCN nach dem Derbysieg wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet und hat damit auch den Bielefelder Trainer widerlegt, der vor dem Spiel behauptete, der Club sei die wohl beste Mannschaft der 2. Liga. Dort gibt es ganz offensichtlich jedoch eine ganze Reihe von besten Mannschaften. Fast jeden Spieltag eine andere.

Ein Letztes:

Englische Woche mit Sternchen

Die Woche:

1. Am 8. Oktober ist Jahreshauptversammlung. Wahrscheinlich eine vergleichsweise unaufgeregte nach dem Derbysieg. Da geht es dann mal offiziell um die Finanzen und nicht nur indirekt im sportlichen Hintergrund. Inzwischen würde es schon als Erfolg gewertet, wenn der Etat wenigstens ausgeglichen wäre. Ach ja und drei Posten im Aufsichtsrat sind auch zu besetzen.

2. Die Trainerfrage stellt sich beim Club aktuell glücklicherweise nicht. Insofern registrieren wird manches gelassen. Zum Beispiel, dass unser Ex bei seinem Folgeverein auch vor die Tür gesetzt wurde.

3. Letzte Woche habe ich hier die gescheiterte Bewerbung Nürnbergs als Spielort für die EM 2024 erwähnt. Mittlerweile stellt sich raus, dass die Stadt damit – wenn auch unfreiwillig – die Grundrechte schützt.

Die Spiele:

Optimale Ausbeute aus der englischen Woche: Erst das 6:1 in Duisburg. Danach gelang gegen den VfL Bochum Historisches. Bisher waren die unser Angstgegner und in der 2. Liga unbezwingbar. Jetzt schickte der FCN die Bochumer mit einem 3:1 nach Hause. Dabei spielten die durchaus gut mit, waren anfangs gar überlegen. Trotzdem gingen sie auf eher kuriose Weise in Führung. Enrico Valentini stellte sich in den Strafraum und hob die Hand, der VfL-Stürmer nahm das Angebot an, kickte den Ball gegen den unnatürlich ausgestreckten Arm und es gab Elfmeter. Gut, es war aus Valentinis Sicht natürlich anders. Er wollte Abseits reklamieren.

In der zweiten Hälfte machte es der Clubverteidiger besser. Der erneut torgefährliche Eduard Löwen hatte zuvor schon den Ausgleich erzielt, da servierte Valentini Clubkapitän Behrens den Ball vor die Stirn und der machte den Führungstreffer. Später gelang Ishak per Elfmeter noch des 3:1. Der Clubstürmer, der monatelang nur durch Ladehemmung auffiel, spielt jetzt sogar um die Torjägerkanone mit.

Im Derby legte der Schwede nämlich gleich noch nach. Bereits in der 9. Minute schloß er auf Pass des diesmal in die Startelf beorderten Cedric Teuchert erfolgreich ab. Allerdings ließ der Club dann die Fürther kommen und verschaffte so dem, trotz der Genesung von Kirschbaum, wieder als Nummer 1 auflaufenden Fabian Bredlow genügend Chancen, warm zu werden. Besser wurde es erst als Köllner den – trotz guter Leistungen – erstmal auf die Bank verbannten Neuzugang Tobias Werner brachte. Fünf Minuten später war es allerdings der überragende Kapitän Hanno Behrens, der mit tollem Pass Teuchert bediente, der dann den scheinbar beruhigenden und angesichts des Fürther Unvermögens auch verdienten Zwei-Tore-Vorsprung herstellte.

Doch gegen die Kicker aus der Nachbarkommune sollten wir uns nie zu früh freuen. Da ist immer irgendein krummes Ding drin. Das lieferte diesmal Schiedsrichter Zwayer. Der schenkte den Fürthern in der 79. Minute einen Elfmeter. Zuvor hatte Bredlow beim Herauslaufen den Fürther Hofmann irgendwie ein bisschen im Gesicht erwischt. Danach hatten die Hausherrn natürlich Oberwasser und Bredlow jede Menge Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Schließlich schenkte ihnen Zwayer auch noch unerklärliche vier Minuten Nachspielzeit. Die nutzte dann allerdings Behrens um nach einer eigentlich eher auf Zeitgewinn gespielten Ecke den Ball zum dritten Mal im Fürther Tor unterzubringen.

So gibt es endlich mal wieder einen Derbysieg zu feiern.

Ein Letztes:

…und damit Außenstehende halbwegs eine Ahnung davon bekommen, was das bedeutet:

Einfach den Spieß umgedreht

Die Woche:

Eigentlich ist die Woche ja eine englische. Das heißt drei Spiele innerhalb von acht Tagen (MSV-Hammer am gestrigen Samstag, Bochum am Donnerstag und das Derby gegen die Fürther am Sonntag). Für uns ist dagegen heute schon Wochenrückblick. Euphorieschübe sollte man nutzen, gerade in der zweiten Liga, wo offenbar jeder jeden schlagen kann und auf jeden Ansatz von Höhenflug prompt der Dämpfer folgt – und umgekehrt.

Einen Dämpfer gab es diese Woche ohnehin schon. Allerdings nicht unbedingt für den FCN. Dort dürften eher die Stadionneubau-Protagonisten Oberwasser bekommen haben. Den Dämpfer erhielten die Stadt Nürnberg und unser Max-Morlock-Stadion. Dort wird es 2024 keine EM-Spiele geben. Ein Grund für das Scheitern war mal wieder die Aschenbahn (andererseits entpuppt sich die vielleicht noch mal als Investition in die Zukunft, wenn sich der Profifußball weiter so selbst demontiert).

Ein alter Bekannter meldete sich jetzt zurück. Ilkay Gündogan lief nicht nur erstmals nach seiner langen Verletzungspause für Manchester City auf, er gab auch dem Zeit-Magazin ein längeres Interview. Darin steht auch Folgendes:

„Seine glücklichste Zeit sei in Nürnberg gewesen, sagt er und sein Blick bekommt etwas Strahlendes. Er kam im Februar 2009 mit 18 neu in die Stadt, besuchte die 11. Klasse des Gymnasiums, stieg von der zweiten in die erste Bundesliga auf, verhinderte mit seinem Tor den Wiederabstieg. Vor allem aber habe er sich aufggehoben gefühlt in einer Clique von Mitspielern, jede Woche seien sie zusammen ins Kino gegangen. Mit manchen aus der Zeit ist er heute noch befreundet.“

Das Spiel:

Manchmal scheint alles so einfach. Nach dem St.Pauli-Spiel gab es nicht nur hier jede Menge Analysen, warum es zu der Niederlage gekommen war. In Duisburg machte dann die Mannschaft das genaue Gegenteil und hatte Erfolg. Statt Ballbesitz und Dominanz ließ man den Gegner spielen, statt den eigenen Torwart beschäftigungslos zu machen und in Konzentrationsprobleme zu stürzen, ließ man ihn sein wahres Können beweisen, statt vorne zu verzweifeln, haute man halt einfach jeden Ball rein, statt Lücken aufzuzeigen, wo dringend Neueinkäufe nötig sind, demonstrierte man staunenswerte Potenziale (Ishak, Löwen), die nun eher die Sorge nähren, da könne uns bald wieder einer weggekauft werden.

Natürlich ist das alles nicht so einfach. Und wahrscheinlich funktioniert dieses Erfolgsrezept schon im nächsten Spiel nicht mehr. Die Bochumer dürften sich wahrscheinlich vor allem hinten rein stellen und dem Club nicht den Gefallen tun, schnelle Konter anzusetzen. Andererseits ist endlich auch Patrick Erras wieder an Bord und mit dem verlieren wir ja bekanntlich nicht.

Genaueres zum Spielverlauf findet ihr hier, hier oder hier.

Ein Letztes: