Per Kopf zum Jubiläumssieg

243381448So richtig anstrengen musste sich der Club für den Jubiläumssieg, den 250. Erfolg in seiner Zweitliga-Geschichte,  nicht – der 1.FC Kaiserslautern präsentierte sich doch arg von der Rolle. Das lag natürlich auch daran, dass die Pfälzer schon ab der 18. Minute in Unterzahl agieren mussten, weil Patrick Ziegler nach einem groben Foulspiel gegen Guido  Burgstaller „Rot“ sah. Damit die Überzahl nicht gleich wieder leichtfertig verspielt wird, brachte Trainer Rene Weiler nach einer halben Stunde Kapitän Jan Polak anstelle des ebenfalls am Rande eines Platzverweises stehenden Tim Leibold (30.). Polak hatte zunächst wieder auf der Bank schmoren müssen, weil Weiler der Anfangself vom Sandhausen-Spiel vertraute.

Kurz vor Schluss der ersten Hälfte gelang dann dem zuletzt arg kritisierten Abwehrchef Even Hovland per Kopf nach einem Eckstoß von Kevin Möhwald das 1:0 für die Gäste aus Nürnberg (41.). Nach dem Seitenwechsel ging es sehr gemächlich weiter, Polak und Co. schoben den Ball hin und her, ohne dass die Heimelf auf dem einst so gefürchteten Betzenberg in irgendeiner Form Druck gemacht hätte. Man hatte den Eindruck der Club macht das, was Kritiker in der Vergangenheit oft Kanzlerin Angela Merkel vorwarfen – er schläferte den Gegner ein.

Vorne wiederum zeigten sich die Nürnberger absolut effizient: Alessandro Schöpf köpfte nach einer feinen Burgstaller-Flanke das 2:0 (56.), und bereits fünf Minuten später erhöhte Burgstaller selbst – wieder nach einem Möhwald-Eckstoß, wieder per Kopf – auf 3:0 (61.). „Was ist denn jetzt kaputt?“ twitterte daraufhin ein Club-Fan, der dem Braten offenbar noch nicht recht trauen wollte. Aber es blieb dabei. 3:0. Sicher kein hoch unterhaltsamer Fußball-Abend, aber immerhin drei Punkte bei einem der heiß gehandelten Aufstiegsanwärter. Wobei die Pfälzer – in den Vorjahren einmal Dritter, zweimal Vierter – in dieser Form kaum eine Chance haben, in die Spitzengruppe der Zweiten Liga zurückzukehren.

Beim Club bekam der zwischenzeitlich in die Reserve verbannte Jakub Sylvestr eine Bewährungschance, Weiler wechselte ihn für Danny Blum ein (65.), und beinahe hätte der Angreifer auch noch ein Kopfballtor beigesteuert, doch der Ball ging knapp vorbei (68.). Ein 4:0 wäre auch des Guten zu viel gewesen und hätte die schöne historische Parallele kaputt gemacht: Der erste der inzwischen 250 Club-Siege in der Zweiten Bundesliga war nämlich auch ein 3:0. Am 10. August 1974 siegte der 1.FCN mit diesem Ergebnis gegen den FSV Mainz 05. Die Torschützen: Rudi Sturz, Slobodan Petrovic und natürlich die Nürnberger Zweitliga-Legende Dieter Nüssing.

 

Brasilianischer Beginn, historisches Ergebnis

clubdepp„Der Club spielt brasilianisch“, höhnte die Netzgemeinde im Sommer 2014 in Anspielung auf das 1:7 der Südamerikaner im WM-Halbfinale gegen Deutschland. Grund des Spotts: Der 1.FC Nürnberg hatte ausgerechnet im Derby beim späteren Beinahe-Absteiger Greuther Fürth mit slapstickhaften Abwehreinlagen aufgewartet und war letztlich 1:5 untergegangen. Zum Saisonstart 2015/16 muss der geneigte Club-Fan nun feststellen, dass die Nürnberger offensichtlich abermals auf die brasilianische Taktik setzen. 3:0 heißt es schon nach 13 Minuten für den Bundesliga-Absteiger SC Freiburg gegen die heillos überforderten Schützlinge von Trainer Rene Weiler, und kurz vor der Pause legt der Ex-Nürnberger Mike Frantz das 4:0 nach (41.). Frantz, 2014 schon mit dem Club abgestiegen und danach gewechselt, nimmt nach dem abermaligen Absturz diesmal die 2. Liga in Kauf – ebenso wie Nils Petersen, Schütze der ersten drei Freiburger Tore (8./11./13.). Der war in der Vorbereitung komplett leer ausgegangen, doch die Wahrheit liegt eben – frei nach Fußball-Philosoph Otto Rehhagel – im Punkt- und nicht im Testspiel.

Zwei der drei Petersen-Treffer resultieren allerdings aus Foulelfmetern, verschuldet von den Club-Neuzugängen Rurik Gislason und Hanno Behrens. Mehr Glück als die beiden und Torwart Thorsten Kirschbaum, der zum Debüt gleich vier Treffer in 41 Minuten schlucken muss, hat ausgerechnet der vierte und letzte Neue in der Startformation, der junge Aushilfs-Rechtsverteidiger Kevin Möhwald. Kurz vor dem Pausenpfiff erzielt er das sehenswerte 1:4 (44.). Und während Gislason zur Pause draußen bleiben muss und durch Kapitän Jan Polak ersetzt wird, kann sich auch Behrens rehabilitieren. Nach einem Eckstoß von Danny Blum gelingt ihm  das 2:4 (47.). Weil dann Alessandro Schöpf mit einem an Guido Burgstaller verschuldeten Elfer zum 3:4 trifft (53.), kommen Spekulationen auf, ob der Club nach dem brasilianischen Start nun einen Eintrag in die Zweitliga-Geschichtsbücher anstrebt. Ein 0:4, weiß der Sport1-Kommentator, hat im Unterhaus nämlich letztmals der FSV Salmrohr aufgeholt, in der Spielzeit 1986/87 beim 5:5 gegen Hannover. Schafft der Club Vergleichbares? Doch dann läuft Spielverderber Maximilian Philipp Möhwald davon und beendet mit dem 5:3 derlei Spekulationen (61.). Auch wenn Weiler noch die Angreifer Jakub Sylvestr und Stefan Kutschke bringt, kann der Club die Freiburger nicht mehr ernsthaft gefährden, zumal Schiedsrichter Stieler gegen Ende seines intensiven Arbeitstages noch Linksverteidiger Dave Bulthuis die Rote Karte zeigt (85.). Der gerade eingewechselte Freiburger Kapitän Julian Schuster tunnelt dann – sträflich freistehend – Torwart Kirschbaum und trifft gegen zehn Nürnberger zum 6:3-Endstand (90.).  Ein bisschen historisch ist das Ergebnis aber trotzdem, weil Nürnberg nach acht Siegen erstmals in der gemeinsamen Zweitligageschichte gegen Freiburg verliert. Der SC, im Frühjahr denkbar unglücklich abgestiegen, übernimmt damit nach Spieltag 1 die Tabellenführung. Der brasilianische Club treibt das Feld dagegen erstmal vor sich her: Platz 18.