Harte Erzgebirgs-Nuss geknackt

3260319448An die Aufstellung mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Viele neue Namen. Mancher stand auch ziemlich überraschend auf dem Spielbogen. Die Vierkette mit Pachonik, Petrak, Pinola und Ramirez hätten wir jetzt auch nicht unbedingt so erwartet. Dass Ismael auf 4-4-2 setzte und mit zwei Stürmern antrat, war vielleicht angesichts der vorhersehbaren Taktik des Gegners schon eher erwartbar. Nicht aber, dass Pekhart als einer der beiden Stürmer von Beginn an auflief.

Für uns Zuschauer war also etliches noch ungewohnt. Da freuten wir uns dann doch fast schon, wenn alte, bekannte Phänomene aufblitzten. Zum Beispiel, wenn Raphael Schäfer auf der Linie klebte, wenn Rauslaufen angesagt gewesen wäre. Oder wenn Javier Pinola (dessen Frisur immerhin neu ist) wieder mal aus 20 Metern einen Ball in Richtung Zuschauer hämmerte. Dass Pekhart im Abseits steht (und von dort zwei Mal ins Tor traf), das kennen wir auch schon. Ja, er hat sich beschwert, dass schon in der vergangenen Saison die Pässe auf ihn zu spät kamen. Das war auch diesmal so. Beim ersten Abseitstor war der Pass zudem einfach unnötig. Robert Koch hätte das Ding selber machen müssen.

Trotzdem: Kaum war Pekhart draußen, war plötzlich Zug im bislang eher verhaltenen Clubangriffsspiel. Ramirez, der für Pekhart eingewechselte Mlapa und schließlich Neuzugang Sylvestr sorgten mit einem sehenswerten Konter für den Treffer des Tages (69.Minute). Bis dahin erwies sich Erzgebirge Aue als harte Nuss und der Club schaffte es nicht, aus seiner Überlegenheit irgendetwas Vorzeigbares zu machen.

Zugute halten muss man der neuformierten Mannschaft, dass sich die Spieler auch noch nicht so gut kennen. Dass da manchmal der eine anders lief als der andere dachte. Immerhin gab es aber etliche Lichtblicke. Die Abwehr ließ zum Beispiel wenig anbrennen und stand weitgehend sicher. Sieht man einmal von der Riesenchance zum Ausgleich in der Schlussphase ab, war von Aue nicht viel zu sehen. Prompt verletzte sich bei dieser Riesenchance Jan Polak, als er bei der Rettungsaktion mit Schäfer zusammenprallte, schwer. Der Club musste den ersten Zweitliga-Dreier also in Unterzahl über die Zeit schaukeln.

Das wurde auch noch dadurch erschwert, dass einige Spieler unter Krämpfen litten. Offenbar sind manche was die Fitness angeht moch nicht in der 2. Liga angekommen. Ansonsten hatten wir, ehrlich gesagt, eine längere Eingewöhnungsphase befürchtet. Aber das war ja heute auch nur Aue…

Klatsche für den Club und die Experten

Der 6:2-Niederlage gegen Aachen etwas Positives abzugewinnen, ist zwar nicht einfach, aber es geht. Denn eine Klatsche bringt manchmal mehr Erkenntnisse, als eine knappe Niederlage. Zum Beispiel die, dass nicht nur die Spieler und das Umfeld – um die Skifahrersprache zu bemühen – „verwachst“ hatten, und zwar total.

Auch die Expertenmeinungen wurden konterkariert. Unsere Sportjournalistenkollegen sahen den Club fast unisono wieder auf Aufstiegskurs. Auch andere Fachleute meinten, der FCN habe sich nun an die 2.Liga gewöhnt und sei bislang meistens unter Wert geschlagen worden.

An die Stimmung im Aachener Tivoli hatten sich unsere Spieler allerdings ganz offensichtlich noch nicht gewöhnt. Auch an Schneetreiben und schlechtes Wetter. Doch das gehört auch dazu, wenn man aufsteigen und in der 2.Liga oben mitspielen will.

Im Augenblick sieht die Momentaufnahme jedenfalls so aus: Die Fürther packens (endlich, und vielleicht nur aus Daffke), der Club ganz offensichtlich nicht. Insofern ist der Blick auf die Tabelle für den Club-Fan fast noch peinlicher als der Auftritt in Aachen.

Bevor jetzt jedoch Ärger und Frust hochkochen und eventuell vorschnelle Entscheidungen getroffen werden, verweisen wir auf unsere, noch laufende Tiefpunkte-Abstimmung. Ein Blick in die Geschichte relativiert manches doch ein bisschen.