Macht´s gut, Leute!

Nein, Niklas Luhmann kennen sie im Nürnberger Pressehaus wohl nicht. Der hat mal gesagt: „Theorien der Hierarchie oder der Delegation oder der Dezentralisierung, die immer noch von einer Spitze oder einem Zentrum ausgehen, können die heutigen Sachverhalte nicht adäquat erfassen.“ In besagtem Pressehaus wird demgegenüber die Sportberichterstattung ab 1. Oktober zusammengefasst und von einer Zentralredaktion gesteuert. Nischen, Ecken und Kanten haben da keinen Platz mehr. Die Folge:

Unser Clubfreundeblog wird eingestellt.

Seit zwölf Jahren haben wir hier in mehr als 700 Beiträgen unseren Club in allen Facetten aus Sicht des Fans beleuchtet. Dabei durften wir uns auch manchmal etwas undiplomatischer verhalten als die festangestellten FCN-Beauftragten in den Zeitungsredaktionen. Auch Themen, die dort liegen gelassen oder ausgeblendet wurden, kamen im Blog zur Sprache.

Vielleicht auch deshalb wurde unser Blog – wie auch die übrigen mittlerweile eingestellten oder kurz vor der Einstellung stehenden Blogs von NN und NZ – kaum beworben. Da blieb dann die Reichweite relativ überschaubar und die treue Lesergemeinde weitgehend unter sich. Bei der möchten wir uns aber ausdrücklich für das Interesse, die Ausdauer und das meist positive Feedback bedanken. War schön mit euch. Ohne euch hätten wir das auch nicht all die Jahre gemacht.

Eingestellt wird allerdings nur diese Blogseite. Bei Facebook und Twitter sind wir weiter aktiv. Zudem habe ich auch noch ein Privat-Blog, das ich derzeit mit bunten Meldungen aus Franken fülle, das ich aber jederzeit um eine Clubseite erweitern kann, falls die Zentralisierung in der Berichterstattung eines Gegengewichts bedarf.

Tschüss, Andy!

 Der Club wird allmählich zum Kindergarten. Nun geht einer der letzten Routiniers: Kapitän Andreas Wolf konnte sich mit dem Verein nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Schade, denn Wolf gehörte am Valznerweiher zum Inventar – im März 2002 absolvierte er sein erstes von insgesamt 175 Bundesligaspielen für den 1.FC Nürnberg. Bei der 0:2-Niederlage in Berlin agierte der Innenverteidiger an der Seite von Akteuren wie Paulo Rink, Anthony Sanneh, Tommy Larsen oder Jacek Krzynowk. Neun Jahre spielte Wolf für die Club-Profis, in der schnellebigen Fußball-Welt ist das eine Ewigkeit. Hätten sich Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader mehr bemüht, wären wohl noch einige Spielzeiten hinzugekommen, aber Wolfs Aktien standen bei den Verantwortungsträgern offensichtlich nicht mehr allzu hoch im Kurs. Nun zählen Verdienste von gestern im harten Profigeschäft wenig, und aus dem rustikalen Abwehrrecken Wolf wird auch kein Filigrantechniker mehr – aber dennoch ist es fraglich, ob Hecking und Bader sich einen Gefallen damit tun, den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung auf diese Weise zu entschärfen.

Philipp Wollscheid spielte eine überragende Rückserie, aber bei dem jungen Talent wären Einbrüche nicht verwunderlich. Ob es bei Maroh und Klose langfristig für die Bundesliga reicht, bleibt abzuwarten. Routinier Per Nilsson dagegen dürfte nun wieder eine feste Größe sein. Doch es wäre zweifelsohne spannender geworden, wenn es zum Konkurrenzkampf zwischen Wolf, Nilsson und Wollscheid gekommen wäre.  

Nun ist für Wolf, der neben den besagten 175 Bundesligaeinsätzen (sechs Tore) auch 38 Zweitligaspiele (ein Tor) für den FCN bestritt, also Schluss. Zwei Ab- und zwei Aufstiege hat der 28-Jährige mit dem Club durchlebt, er gehört ebenso wie Marek Mintal zu den Legenden, die das Autorentrio Kaiser/Siegler/Bausenwein in ihrem gleichnamigen Buch verewigt haben und stand auch im Pokalfinale 2007 beim 3:2 über Stuttgart auf dem Platz. Tschüss, Andy!