In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.

Aue (mit dem früheren Club-Stürmer Albert Bunjaku als Einwechselspieler) musste die erste Niederlage unter dem neuen Coach Domenico Tedesco (er ersetzte den zurückgetretenen Pavel Dotchev) hinnehmen, für die „Macht aus dem Schacht“ dürfte es im Abstiegskampf nun wieder sehr eng werden. Der 1.FC Nürnberg sollte nun mit Volldampf in die Planungen für die Zweitligasaison 2017/18 einsteigen. Im „kicker“ durften die Nürnberger übrigens nachlesen, dass seit Einführung der Dreipunkteregel (1995/96) noch nie ein Team mit nur 35 Punkten nach 28 Spieltagen Achter war, insofern ist der Club also der schlechteste Achte aller Dreipunktezeiten. Der Ruhmreiche ist halt immer für besondere „Titel“ gut.

Es ist nicht lustig, aber ziemlich hoffnungslos

1943908274Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man ja lachen und seine Witze reißen. Aber leider ist es ernst und da müsste man in Trauer verfallen. Freilich, das hilft und ändert ebenfalls nichts. Insofern ist Humor vielleicht ein besseres Rezept um der Lage beim Club zu begegnen. Zumal dann, wenn man eh nichts ändern kann.

Doch wie ändert man was? Mal unterstellt, die Clubspieler sind keine Volldeppen und haben ein bisschen Grips in der Birne (wer zum Beispiel Mike Frantz am Dienstag bei seinen neuen Verein Freiburg beobachtet hat, könnte auf die Idee kommen), dann muss man das wohl genau so machen, wie sie das in Heidenheim gemacht haben. Wie willst du einen Manager, der derart wider alles besseren Wissens von einer einflußreichen Fangruppe unterstützt wird, sonst los werden? Da muss der Karren so weit in die Scheiße manövriert werden, dass wirklich dem letzten, verblendeten Deppen klar wird, dass da Handlungsbedarf besteht.

Ob Platz 16 in Liga 2 reicht, das ist freilich noch die Frage. Zumal ja wieder die Option besteht, den Trainer zu entlassen und so die Schuld erstmal anderweitig loszuwerden. Gut, Ismael ist mit der Situation in Nürnberg überfordert. Der kann einen Schäfer nicht einfach auf die Bank setzen. Der kann sich auch nicht gegen die anderen Mächtigen im Verein wehren. Auch mit seinen Analysen lag er meistens daneben. Zum Beispiel, wenn er uns mit der völlig überraschenden Erkenntnis kam, das sei alles eine Kopfsache und bei der Mannschaft fehlten nur ein paar Prozent. Dass es wesentlich mehr Prozente sind, sah jeder – in Karlsruhe und jetzt in Heidenheim. Im übrigen scheint Ismael auch den Unterschied zwischen Intellekt und Psyche nicht zu kennen. Deshalb ist für ihn der FCN mit Sicherheit ein zu dickes Brett. Nur: Wer will denn inzwischen noch zum Club? Welcher Trainer soll es denn da – bitteschön – richten? Da hast du dann den Bader und seine Ultras, den Marek, den Wolf, ein paar stadtbekannte Profilneurotiker und vielleicht noch ein paar besserwisserische Blogger ;-). Und jeder will dir reinquatschen.

Andererseits bekommst du so auch den Manager nie weg. Insofern hat es jetzt keinen Sinn, Bader einen Nachfolger für Ismael suchen zu lassen. Doch dazu müsste es im Aufsichtsrat erst einmal eine Mehrbheit gegen Bader geben. Da zweifle ich leider dran.

See U in Liga 3! Und das meine ich leider ernst.

Leidenschaftslos in die 2. Liga

Es war ja schon vorher erstaunlich, wo die geduldigen und treuen Fans vor dem letzten Heimspiel nochmal die Hoffnung herauskramten. Es war ja nur Hannover, das da im Frankenstadion auflief. Für die ging es um nichts mehr. Viel gerossen hatten die in dieser Saison auch nicht. Aber letztlich waren selbst die eine Nummer zu groß für diese leblose, blutleere und desorientierte Mannschaft (bezeichnend für deren Fehleinschätzung der Lage und der eigenen Fähigkeiten war ja auch, wie die sich blauäugig nach dem Spiel bei den Fans ihre Abfuhr abholten). Die Spieler ließen in keiner Minute erkennen, dass es um irgendwas ging. Hatten sich offensichtlich schon längst aufgegeben und waren in keiner Phase in der Lage, die Chancen, die sie auf dem eigenen und auf fremden Plätzen immer wieder geboten bekamen (Hamburg und Braunschweig verloren ebenfalls) zu nutzen.

Der Trainerwechsel hatte jedenfalls null Effekt. Das Gefasel Baders „wir müssen in den Endspielmodus kommen und Impulse setzen“ wurde grandios konterkariert. Impulse setzte Ersatztrainer Roger Prinzen dann bloß durch Verzweiflungswechsel. Da ließ er Pachonik und Colak auflaufen. Nachwuchskräfte, die angebliche Leistungsträger ersetzten. Wobei weder Kiyotake noch Pekhart in den letzten Monaten irgendwie den Eindruck vermittelten, Leistungsträger sein zu können.

Die, aber auch die anderen Clubkicker machten eher den Eindruck von Fußballbeamten, die Dienst nach Vorschrift schieben. Nicht unangenehm auffallen. Ein bisschen auf Betriebstemperatur geraten und schauen, dass man bei der Kickerbenotung nicht auf eine 6 kommt. Mehr? Ach wozu? Dann müsste man ja Überstunden machen. Eventuell sogar gegen Fürth.

Dass diese Mannschaft jetzt immer noch eine Chance hat, ist eigentlich der größte Witz an der Geschichte. Dass beim Saisonabschluss in Gelsenkirchen Pinola, Plattenhardt und Chandler gelbgesperrt fehlen, hätten wir früher als Schwächung empfunden. Jetzt tun wir nicht einmal das. Wer auch immer auf Schalke aufläuft, schlechter als die, die heute gegen Hannover sang- und klanglos die drei Punkte verschenkt haben, können sie es eigentlich auch nicht machen.

Der Club schlittert also weiter in die 2. Liga. Wie es dort weiter gehen soll? Mit dieser Mannschaft dürfte es – schon von der Einstellung her – für die 2. Liga nicht reichen, zumal etlöiche „Leistungsträger“ ohnehin weg sind. Eigentlich bleiben jetzt nur noch die Nachwuchsspieler als Hoffnungsträger übrig. Nicht mal in den Bereich das Absurden verweisen möchte man in dieser Situation den Vorschlag einiger twitternder Clubfans, Gertjan Verbeek wiederzuholen, Bader zu entlassen und den Alttrainer eine Mannschaft zusammenstellen lassen, die zu ihm passt. Der Club ist jedenfalls – wieder mal – am Nullpunkt angelangt. Da sind nur noch unermüdliche Fans und eine leere Hülle, die nichts, aber auch gar nichts in der ersten Liga verloren hat.

Der Club und sein Trainerverschleiß

Immerhin eines kann man dem 1.FC Nürnberg in dieser Saison nicht vorwerfen: Dass er bei seinen Trainer-Rauswürfen merkwürdige Zeitpunkte wählt. Das war schon mal anders, wie man sich erinnert. 1993 musste Willi Entenmann ausgerechnet nach einem 2:0-Erfolg gegen Bayern München gehen. Die vom damaligen Präsidenten Gerhard Voack forcierte Trennung war auch deswegen volkommen unverständlich, weil sich der Club nach einem Fehlstart  gerade stabilisiert hatte und auf Rang 13 stand. Am Ende stieg der phantomtorgeschädigte Verein mit Rainer Zobel als neuem Chef ab.

Ungeschickt sicher auch der Zeitpunkt der  Trennung von Hans Meyer, der in der Saison 2007/08 die Mannschaft noch auf die Rückrunde vorbereiten sowie Jan Koller einkaufen durfte und dann nach dem 19. Spieltag (1:1 daheim gegen Rostock) von Martin Bader abserviert wurde. Sein Nachfolger Thomas von Heesen blieb vollkommen glücklos, der amtierende Pokalsieger musste in die Zweite Liga.

Diesmal  hat Bader zumindest ein besseres Timing: Die Heimpleite gegen den HSV (0:5) im Oktober besiegelte das Aus für Michael Wiesinger und Armin Reutershahn, die Klatsche gegen Leverkusen (1:4) beendete die Ära Verbeek. Ob Roger Prinzen und Marek Mintal den Club noch retten können?

Der Blick ins Geschichtsbuch zeigt: Bei allen seinen sieben Abstiegen hat der Club zum probaten Mittel Trainerwechsel gegriffen. 1968/69 kamen Robert Körner und dann  „Ritter“ Kuno Klötzer für Zampano Max Merkel, 1978/79 Zapf Gebhardt für Werner Kern, 1998/99 Friedel Rausch für den allerdings freiwillig scheidenden Willi Reimann, 2003/04 Wolfgang Wolf für Klaus Augenthaler. In der Katastrophensaison 1983/84 verschliss der Club mit Udo Klug und Rudi Kröner gleich zwei Trainer. Heinz Höher, die Nummer drei, holte kaum Punkte, durfte aber trotzdem bleiben und dann mit der „Generation Eckstein“ den Neuaufbau einleiten. Von 1993/94 und 2007/08 war schon die Rede.

Sicher, es gibt auch Gegenbeispiele. Vielleicht wird Roger Prinzen ja der neue Udo Klug. Der übernahm 1981/82 den Club, als er mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet war, und führte ihn zum Klassenverbleib. Im Jahr zuvor sorgte das Gespann Fritz Popp/Fred Hoffmann nach der Entlassung von Horst Heese für den Ligaverbleib.  Auch Hans Meyer, der eher mit dem Pokalsieg in Verbindung gebracht wird, machte sich zunächst als Retter verdient – er übernahm die Mannschaft im Herbst  2005 von Wolfgang Wolf und half ihr aus dem Keller. Jüngster Retter der Club-Geschichte war Dieter Hecking, der 2009/10 als Nachfolger von Michael Oenning jedoch zwei Relegationsspiele gegen Augsburg benötigte, um den Club in der Bundesliga zu halten.

Doch Klug, Popp, Meyer oder Hecking – sie alle hatten auch noch viel mehr Zeit. Roger Prinzen bleiben nur drei (oder vielleicht fünf) Spiele, um das Blatt zu wenden…

Der Club ist ein Depp, aber kein Arschloch

Fangen wir mit dem Positiven an: Braunschweig und Hamburg haben auch verloren. Insofern ist der Relegationsplatz noch drin. Eigentlich müsste man aber sagen: wäre. Denn so wie der Club sein Heimspiel gegen Leverkusen absolvierte, fragt sich nicht nur der niemals bereuende Liebhaber: Wann und gegen wen sollen wir eigentlich noch gewinnen?

Der Club, daran wurden wir heute wieder überdeutlich erinnert, ist ein Depp. Das ist wohl ein ehernes Gesetz. In dieser Saison taten wir immerhin alles, um kein Arschloch zu sein. Ein bisschen schön spielen, keine Linkereien, nicht einfach fallen lassen oder den Schiri anbrüllen. Nein, wir sind Gentlemen. Solche Mätzchen überlassen wir den Streichs der Liga.

Und genauso sah dann auch das Spiel über weite Strecken aus. Wer nicht wusste, um was es für den Club geht, der hatte den Eindruck, da spielt eine im Mittelfeld der Tabelle stehende Mannschaft um die goldene Ananas. Da versuchte dann ein Marvin Plattenhardt mal der Gareth Bale-Trick und scheiterte an seiner eigenen Lamgsamkeit (aber danach versenkte er immerhin einen Freistoß). Da ließ ein Hiroshi Kiyotake hin und wieder gute Absichten erkennen. Da deutete ein Josip Drmic an, dass er unter anderen Umständen schon mal für ein Tor gut sein könnte. Da rannten die oftmals vom Mittelfeld in die Bredouille gebrachten Abwehrspieler wenigstens noch, wenn schon die Spielintelligenz fehlte. Aber letztlich erschöpften sich diese Bemühungen immer dann, wenn der Gegner einmal das praktizierte, worauf es im Fußball ankommt: den Ball im Netz eintüten. Dann mischte sich in die Bemühungen mitzuspielen Resignation. Dann wählten die Clubspieler den wohlfeielen Weg der Selbstaufgabe: Gewinnen können wir ja schließlich ein anderes Mal, heute ist das zu anstrengend und nervenaufreibend.

Die anderen Male sind allerdings nicht mehr so reich gesät. Genauer gesagt gibt es noch drei Chancen, es anders zu machen. Dass ausgerechnet die genutzt werden sollten, dafür fehlt mir mittlerweile der Glaube.

Kircher will uns auch nicht haben

Keine Ahnung, was man da noch sagen, raten, anmerken soll. Der Trainer wurde schon gewechselt. Spieler wurden auch nachverpflichtet. Diverse Taktiken wurden ausprobiert. Mit Schönspielen haben wir´s probiert, mit Schlechtspielen auch. Sogar Hanno Balitsch bekam wieder eine Chance. Das einzige, was wir vielleicht versäumt haben, dem Schiedsrichterobmann mal was von unserem Vontobelkonto…. Aber nee, das gibt es ja nicht. Bei uns geht alles korrekt zu und Hoeneß ist ein ehrenwerter Mann, vor dem man Respekt haben muss 😉

Vielleicht sollten wir angesichts dieser Situation etwas tun, das wir bislang vermieden haben: in den Abgrund blicken. Der heißt: 2. Liga. So wie es aussieht geht der 1.FC Köln rauf und die anderen, auf die wir nicht ab können, eventuell auch. Denen können wir schon mal aus dem Weg gehen. Besser, als gegen die in der Relegation rausfliegen. Zwar sind wir dann in Bayern nur noch die Nummer 4. Aber, was soll´s? Dann kommen wir halt von hinten, mit jungen Spielern, die durchaus auch die Verbeeksche Taktik umsetzen können und nicht von routinierteren Kollegen im Abstiegskampf düpiert werden.

So war das nämlich gegen Frankfurt. Die zeigten, dass man nicht Angst haben, sondern Angst machen muss. Zum Beispiel, indem man, wie Joselu, einfach mal dem noch unerfahrenen Gegner eine mitgibt (Bild). Gut, wenn der Schiri von Frankfurt aus verwaltet wird und sowas dann schon mal übersehen darf. Als Petrak dann wegen seiner Gehirerschütterung behandelt wurde, nutzte die Eintracht die Überzahl zum Führungstreffer. Joselu, der sich auch nicht hätte beschweren dürfen, wenn er da schon unter der Dusche gestanden hätte, war dann sogar noch an zwei weiteren Treffern beteiligt. Der Club spielte derweil derart mutlos und verunsichert, dass wir alle froh waren, nur mit einem 0:1 in die Pause entlassen zu werden. Danach hätte alles besser werden können, aber was kam: der zweite Treffer der Frankfurter. Die legten sogar, allerdings aus Abseitsposition, auch noch den dritten nach. Wir schauten da schon mal nach Aue und Paderborn.

Doch, wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt irgendwo der Drmic her. Der haute plötzlich den Ball in die Maschen und auf einmal stand ein ganz anderer Club auf dem Rasen. Jetzt waren die Frankfurter verunsichert, machten Fehler und kassierten folgerichtig durch Campana noch ein zweites Tor. Aber da war ja auch noch Schiedsrichter Knut Kircher. Der wusste, den Pinola kann man schon aufgrund seiner Frisur mal ne Karte zeigen. Gut, es war jetzt nicht die vollkrasse Fehlentscheidung. Irgendwie war vielleicht Körperkontakt da. Aber das sind halt auch die Momente, wo die Weichen in Richtung Abstieg gestellt werden.

Eines können wir uns nach dieser neuerlichen Pleite gegen einen Abstiegskonkurrenten aber zugute halten: Wenigstens sind wir am Ende ehrlich abgestiegen.

Der Vergleich mit 2008 hinkt

 Die Club-Freunde haben Kassandra gespielt und es nach den Abgängen von Simons und Klose prophezeit: In dieser Saison droht härtester Abstiegskampf. Nun kommt ja immer in der Causa Simons der unvermeidliche Einwand, ein Verein könne doch nicht von einem 36-Jährigen abhängig sein – aber wie alt ein Spieler ist, spielt nun einmal keine Rolle, es zählt die Leistung auf dem Platz. Im übrigen war es wohl auch ein Fehler, den kampfstarken Almog Cohen ohne Not auszusortieren. Für den war ja im Winter bereits als Ersatz Muhammed Ildiz geholt worden, der jetzt aber auch schon wieder auf dem Abstellgleis steht. Und Mittelfeldmann Makoto Hasebe wird verpflichtet, um mehr Alternativen in diesem Mannschaftsteil zu haben – und kurz darauf serviert man  Mittelfeldmann Hanno Balitsch ab. Etwas wirr mutet sie in manchen Fällen schon an, die Personalpolitik des 1.Fc Nürnberg.

Manche Beobacher und Medien ziehen jetzt Vergleiche zur Abstiegssaison 2007/08. Damals jedoch stürzte der  Club aus heiterem Himmel ab, nachdem er in der Vorsaison ständig oben mitgespielt, am Ende Platz 6 belegt und den DFB-Pokal gewonnen hatte. Dies ist eine andere Fallhöhe als die aktuelle, denn in der vergangenen Saison musste das Team von Dieter Hecking und später Michael Wiesinger den Blick tendenziell schon eher nach unten richten, auch wenn es keine ganz akute Gefahr gab. Nun haben sich noch die genannten Leistungsträger verabschiedet, die Konkurrenz verstärkte sich – da ist Abstiegskampf fast die ganz logische Folge, so unangenehm das klingen mag. Aber als Club-Fan ist man das doch auch gewohnt. Der Blick in die Historie mag aufgeregte Gemüter beruhigen: Zwischen 1985 und 1994, die Periode der längsten ununterbrochenen Bundesliga-Zugehörigkeit des Rekordabsteigers, spielten die Nürnberger in sieben von neuen Spielzeiten mehr oder weniger intensiv gegen den Abstieg und retteten sich mehrfach erst am letzten Spieltag (1986, 1989, 1991, 1993).  

Aber um noch etwas Positives zu sagen: So schlimm das 0:3 gegen Freiburg auch war (was zu den Debatten von Pinola und Co. mit den Fans führte, siehe Foto), am elften Spieltag ist noch nie ein Team abgestiegen.  Trainer Gertjan Verbeek hat eine weise Aussage getroffen, als er zu Beginn seines Engagements sagte, er wolle jetzt bis Weihnachten noch den einen oder anderen Punkt holen (sich also etwas durchwurschteln), und danach, wenn er mal eine Vorbereitung absolviert hat mit dem Team, richtig angreifen. Das ist nämlich noch ein Unterschied zu 2007/08 – damals entließ der 1.FCN Trainer Hans Meyer zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt, nämlich kurz nach der Winterpause. Nachfolger Thomas von Heesen  hatte so keine Gelegenheit, das Team nach seinen Vorstellungen personell und taktisch zu formen und scheiterte letztlich als „Retter“.  Diesmal, hoffen wir mal, läuft es anders. Zumal Rang 16, der 2008 für den Club den direkten Abstieg bedeutete (auch das war damals anders…), diesmal ja zur Relegation reichen würde. Und Relegation kann der 1.FCN!

Der Club kann noch gewinnen

Geht doch. Der Club hat das Siegen offenbar doch nicht verlernt. Nach den grottenschlechten Auftritten seit der Niederlage in München hat die Club-Mannschaft es doch noch geschafft, den Schalter umzulegen. Allerdings erst nach der Pause.

In der ersten Hablbzeit knüpfte der FCN nahtlos an die letzten Spiele an. Unmotiviert, lustlos und ohne Herz: Ein absolut trauriger Auftritt. Die Krönung war dann das Eigentor durch Hanno Balitsch. Der, aber auch einige andere schienen anscheinend auszuloten, wie weit die Geduld der Fans reicht und ob ihr Kredit uferlos ausreizbar ist.

Keine Ahnung, was Wieisinger oder Reutershahn oder sonstwer dann in der Pause gesagt hat, jedenfalls kam der Club ganz anders aus der Kabine. Plötzlich war Siegeswille da und vor allem Robert Mak, der in letzter Zeit wenig für seinen Ruf und eine Weiterbeschäftigung in Nürnberg getan hat, drehte auf und sorgte auf einmal für eine seit Wochen schmerzlich vermisste Torgefahr. Der Clubfan hatte auf einmal das fast schon vergessene Gefühl wie es ist, mit einem Sturm zu spielen.

Da machte es dann auch nicht, dass Wiesinger einigen Rätsel aufgab, indem er für Esswein Marvin Plattenhardt einwechselte, obwohl mit Pinola schon ein Linksverteidiger im Spiel war. Zuvor hatte er schon Mendler eine Chance gegeben für den völlig ausgelaugten Hiroshi Kiyotake. Aber dann machten zunächst Mak und ausgerechnet Platte (mit einem tollen Freistoss) die Treffer und drehten in der zweiten Hälfte das Spiel.

Die Düsseldorfer konnten einem da fast ein bisschen leid tun. Auf einen Gegner zu treffen, der eigentlich weder nach unten noch nach oben irgendwas erreichen kann, den aber ein massives Fanproblem offensichtlich doch noch gepuscht hat (hierzu als Leseempfehlung der Beitrag der IG Zukunft), das ist schon Pech. Aber so ist es, wenn man unten drin steht. Wir wissen das nur zu gut.

Der Club hat immerhin doch noch einen versöhnlichen Abschluss der Saison hinbekommen. Jetzt gibts noch lockeres Auslaufen gegen Bremen und wir können uns doch noch über den geschafften Nichtabstieg freuen.


Nachtrag 12.5.:
Dass die Mannschaft – allen voran Torwart Raphael Schäfer – ihrerseits noch keine Lust auf Versöhnung hatte, können wir allenfalls unter der Rubrik „kurios“ ablegen.

O weh, o weh!

Wenn man einen Flm drehen und jemanden als Vollpfosten darstellen will, dann kann man sich selbst mit viel Phantasie nicht das einfallen lassen, was der Club mitunter praktiziert. Gut, gegen die Bayern kann man verlieren. Auch 0:4. Aber gegen den Tabellenletzten derart blöd in der letzten Minute unterzugehen, dass zerrt nicht bloß an den Nerven, das geht auch voll auf die Psyche.

Mit der haperte es bei den Clubspielern seltsamerweise aber schon während des Spiels. Keine Ahnung, was die Freiburger für ein Rezept haben, um dem FCN jedesmal jegliches Selbstvertrauen zu nehmen, aber irgendwas haben die auf der Pfanne, scheinen sie den FCN-Spielern ins Ohr zu flüstern, anders sind die Ergebnisse gegen den SCF nicht zu erklären. Beim Club stoßen sie allerdings auch auf willige Kontrahenten. Die scheinen offenbar drum zu betteln, den Schneid abgekauft zu bekommen. Dass dabei auch Schiedsrichter Christian Dingert mitgeholfen hat (aus welchem Nest rekrutiert eigentlich der DFB immer seine clubfeindlichen Schiris?), solten man auch erwähnen.

Aber, auch einen schwach pfeifenden Schiri, muss man mal wegstecken können. Auch ein wegen Abseits nicht gegebenes reguläres Tor. Und einen Gegner wie Freiburg darf man gerne mal mit mehr als einem Tor Unterschied schlagen, dann verkraftet man auch ein oder zwei Fehlentscheidungen. Das klappt allerdings nicht, wenn bis auf Alexander Esswein keiner Normalform erreicht. Von Schäfer angefangen, bei dem in Twitter welche behaupteten, er wurde eigentlich wegen Fliegenfängerei und nicht wegen Adduktorenproblemen ausgewechselt, über die vergurkten Standards von Markus Feulner, bis zu der Ladehemmung von Tomas Pekhart: So darf man gegen einen Abstiegskonkurrenten nicht auftreten. Da geht es im Prinzip um sechs Punkte und dass der Club die liegen hat lassen und nicht nur das, einen der Topabstiegsfavoriten auch noch aufgebaut hat, das lässt Schlimmes ahnen.

Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen. Aber wenn der Club so weiter spielt und vor allem wenn er sich aus allen möglichen Szenarien immer den Worst Case heraussucht, dann steht am Ende noch die Relegation gegen Fürth an und der FCN spielt danach in Liga 2 und wir dürfen nicht ins Max-Morlock-Stadion, sondern in die Trolli-Arena um Erstligafußball zu sehen.

Abstieg, welcher Abstieg?

Clubtrainer Dieter Hecking hat schon vor dem Leverkusen-Spiel die Parole ausgegeben, der FCN habe nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das schien mir etwas verfrüht. Aber nach dem Spiel gegen Leverkusen will wohl keiner mehr unken.

Die Ewig-Zweiten waren allerdings auch nur auf dem Papier furchteinflößend. Die Clubspieler machten es gegen die großen Namen genau richtig, sie kauften ihnen den Schneid ab. Gegen zusammengewürfelte Millionentruppen muss man so spielen. Denen ist das eigene Wohlbefinden im Zweifelsfall immer wichtiger als der Erfolg des Vereins.

Die erste Halbzeit war, wie in letzter Zeit häufiger, eher arm an Torchancen, dafür reich an Fouls und Nickligkeiten. Wir Clubfans kennen das schon und wissen: Unsere Leute kommen in Hälfte zwei. Wer dann nach der Pause das Highlight setzt, ist aber immer wieder eine Überraschung. Diesmal war es Christian Eigler. Der traf – und hier möchten wir schon mal einen Vorschlag zum Clubwort des Jahres anbringen – mit einem sehenswerten Hammer in die Gambel – wie Julian Schieber vor zwei Wochen in Freiburg. Die Gambel, für die Zugereisten unter euch, ist das obere Tordreieck.

Über Eigler haben wir hier nicht immer nur Positives geschrieben. Diesmal hätten wir es gerne, leider machte er sein Erfolgsergebnis in der Offensive dann durch etwas ungeschicktes Defensivverhalten zunichte und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Dies bescherte uns dann noch das clubübliche Zittern am Ende. Aber die Abwehr hielt. Andi Wolf wurde eigentlich die ganzen 90 Minuten nicht vermisst, was beweist: Beim Club kann man mittlerweile auch Spielerausfälle wegstecken.

Und wenn man mal 15 Minuten wegen der drei Punkte zittern muss, ist das schließlich Luxus. Normalerweise zittern wir bis zum zweiten Relegationsspiel – und zwar um den Klassenerhalt.