In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.
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Es ist nicht lustig, aber ziemlich hoffnungslos

1943908274Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man ja lachen und seine Witze reißen. Aber leider ist es ernst und da müsste man in Trauer verfallen. Freilich, das hilft und ändert ebenfalls nichts. Insofern ist Humor vielleicht ein besseres Rezept um der Lage beim Club zu begegnen. Zumal dann, wenn man eh nichts ändern kann.

Doch wie ändert man was? Mal unterstellt, die Clubspieler sind keine Volldeppen und haben ein bisschen Grips in der Birne (wer zum Beispiel Mike Frantz am Dienstag bei seinen neuen Verein Freiburg beobachtet hat, könnte auf die Idee kommen), dann muss man das wohl genau so machen, wie sie das in Heidenheim gemacht haben. Wie willst du einen Manager, der derart wider alles besseren Wissens von einer einflußreichen Fangruppe unterstützt wird, sonst los werden? Da muss der Karren so weit in die Scheiße manövriert werden, dass wirklich dem letzten, verblendeten Deppen klar wird, dass da Handlungsbedarf besteht.

Ob Platz 16 in Liga 2 reicht, das ist freilich noch die Frage. Zumal ja wieder die Option besteht, den Trainer zu entlassen und so die Schuld erstmal anderweitig loszuwerden. Gut, Ismael ist mit der Situation in Nürnberg überfordert. Der kann einen Schäfer nicht einfach auf die Bank setzen. Der kann sich auch nicht gegen die anderen Mächtigen im Verein wehren. Auch mit seinen Analysen lag er meistens daneben. Zum Beispiel, wenn er uns mit der völlig überraschenden Erkenntnis kam, das sei alles eine Kopfsache und bei der Mannschaft fehlten nur ein paar Prozent. Dass es wesentlich mehr Prozente sind, sah jeder – in Karlsruhe und jetzt in Heidenheim. Im übrigen scheint Ismael auch den Unterschied zwischen Intellekt und Psyche nicht zu kennen. Deshalb ist für ihn der FCN mit Sicherheit ein zu dickes Brett. Nur: Wer will denn inzwischen noch zum Club? Welcher Trainer soll es denn da – bitteschön – richten? Da hast du dann den Bader und seine Ultras, den Marek, den Wolf, ein paar stadtbekannte Profilneurotiker und vielleicht noch ein paar besserwisserische Blogger ;-). Und jeder will dir reinquatschen.

Andererseits bekommst du so auch den Manager nie weg. Insofern hat es jetzt keinen Sinn, Bader einen Nachfolger für Ismael suchen zu lassen. Doch dazu müsste es im Aufsichtsrat erst einmal eine Mehrbheit gegen Bader geben. Da zweifle ich leider dran.

See U in Liga 3! Und das meine ich leider ernst.

Leidenschaftslos in die 2. Liga

Es war ja schon vorher erstaunlich, wo die geduldigen und treuen Fans vor dem letzten Heimspiel nochmal die Hoffnung herauskramten. Es war ja nur Hannover, das da im Frankenstadion auflief. Für die ging es um nichts mehr. Viel gerossen hatten die in dieser Saison auch nicht. Aber letztlich waren selbst die eine Nummer zu groß für diese leblose, blutleere und desorientierte Mannschaft (bezeichnend für deren Fehleinschätzung der Lage und der eigenen Fähigkeiten war ja auch, wie die sich blauäugig nach dem Spiel bei den Fans ihre Abfuhr abholten). Die Spieler ließen in keiner Minute erkennen, dass es um irgendwas ging. Hatten sich offensichtlich schon längst aufgegeben und waren in keiner Phase in der Lage, die Chancen, die sie auf dem eigenen und auf fremden Plätzen immer wieder geboten bekamen (Hamburg und Braunschweig verloren ebenfalls) zu nutzen.

Der Trainerwechsel hatte jedenfalls null Effekt. Das Gefasel Baders „wir müssen in den Endspielmodus kommen und Impulse setzen“ wurde grandios konterkariert. Impulse setzte Ersatztrainer Roger Prinzen dann bloß durch Verzweiflungswechsel. Da ließ er Pachonik und Colak auflaufen. Nachwuchskräfte, die angebliche Leistungsträger ersetzten. Wobei weder Kiyotake noch Pekhart in den letzten Monaten irgendwie den Eindruck vermittelten, Leistungsträger sein zu können.

Die, aber auch die anderen Clubkicker machten eher den Eindruck von Fußballbeamten, die Dienst nach Vorschrift schieben. Nicht unangenehm auffallen. Ein bisschen auf Betriebstemperatur geraten und schauen, dass man bei der Kickerbenotung nicht auf eine 6 kommt. Mehr? Ach wozu? Dann müsste man ja Überstunden machen. Eventuell sogar gegen Fürth.

Dass diese Mannschaft jetzt immer noch eine Chance hat, ist eigentlich der größte Witz an der Geschichte. Dass beim Saisonabschluss in Gelsenkirchen Pinola, Plattenhardt und Chandler gelbgesperrt fehlen, hätten wir früher als Schwächung empfunden. Jetzt tun wir nicht einmal das. Wer auch immer auf Schalke aufläuft, schlechter als die, die heute gegen Hannover sang- und klanglos die drei Punkte verschenkt haben, können sie es eigentlich auch nicht machen.

Der Club schlittert also weiter in die 2. Liga. Wie es dort weiter gehen soll? Mit dieser Mannschaft dürfte es – schon von der Einstellung her – für die 2. Liga nicht reichen, zumal etlöiche „Leistungsträger“ ohnehin weg sind. Eigentlich bleiben jetzt nur noch die Nachwuchsspieler als Hoffnungsträger übrig. Nicht mal in den Bereich das Absurden verweisen möchte man in dieser Situation den Vorschlag einiger twitternder Clubfans, Gertjan Verbeek wiederzuholen, Bader zu entlassen und den Alttrainer eine Mannschaft zusammenstellen lassen, die zu ihm passt. Der Club ist jedenfalls – wieder mal – am Nullpunkt angelangt. Da sind nur noch unermüdliche Fans und eine leere Hülle, die nichts, aber auch gar nichts in der ersten Liga verloren hat.

Der Club und sein Trainerverschleiß

Immerhin eines kann man dem 1.FC Nürnberg in dieser Saison nicht vorwerfen: Dass er bei seinen Trainer-Rauswürfen merkwürdige Zeitpunkte wählt. Das war schon mal anders, wie man sich erinnert. 1993 musste Willi Entenmann ausgerechnet nach einem 2:0-Erfolg gegen Bayern München gehen. Die vom damaligen Präsidenten Gerhard Voack forcierte Trennung war auch deswegen volkommen unverständlich, weil sich der Club nach einem Fehlstart  gerade stabilisiert hatte und auf Rang 13 stand. Am Ende stieg der phantomtorgeschädigte Verein mit Rainer Zobel als neuem Chef ab.

Ungeschickt sicher auch der Zeitpunkt der  Trennung von Hans Meyer, der in der Saison 2007/08 die Mannschaft noch auf die Rückrunde vorbereiten sowie Jan Koller einkaufen durfte und dann nach dem 19. Spieltag (1:1 daheim gegen Rostock) von Martin Bader abserviert wurde. Sein Nachfolger Thomas von Heesen blieb vollkommen glücklos, der amtierende Pokalsieger musste in die Zweite Liga.

Diesmal  hat Bader zumindest ein besseres Timing: Die Heimpleite gegen den HSV (0:5) im Oktober besiegelte das Aus für Michael Wiesinger und Armin Reutershahn, die Klatsche gegen Leverkusen (1:4) beendete die Ära Verbeek. Ob Roger Prinzen und Marek Mintal den Club noch retten können?

Der Blick ins Geschichtsbuch zeigt: Bei allen seinen sieben Abstiegen hat der Club zum probaten Mittel Trainerwechsel gegriffen. 1968/69 kamen Robert Körner und dann  „Ritter“ Kuno Klötzer für Zampano Max Merkel, 1978/79 Zapf Gebhardt für Werner Kern, 1998/99 Friedel Rausch für den allerdings freiwillig scheidenden Willi Reimann, 2003/04 Wolfgang Wolf für Klaus Augenthaler. In der Katastrophensaison 1983/84 verschliss der Club mit Udo Klug und Rudi Kröner gleich zwei Trainer. Heinz Höher, die Nummer drei, holte kaum Punkte, durfte aber trotzdem bleiben und dann mit der „Generation Eckstein“ den Neuaufbau einleiten. Von 1993/94 und 2007/08 war schon die Rede.

Sicher, es gibt auch Gegenbeispiele. Vielleicht wird Roger Prinzen ja der neue Udo Klug. Der übernahm 1981/82 den Club, als er mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet war, und führte ihn zum Klassenverbleib. Im Jahr zuvor sorgte das Gespann Fritz Popp/Fred Hoffmann nach der Entlassung von Horst Heese für den Ligaverbleib.  Auch Hans Meyer, der eher mit dem Pokalsieg in Verbindung gebracht wird, machte sich zunächst als Retter verdient – er übernahm die Mannschaft im Herbst  2005 von Wolfgang Wolf und half ihr aus dem Keller. Jüngster Retter der Club-Geschichte war Dieter Hecking, der 2009/10 als Nachfolger von Michael Oenning jedoch zwei Relegationsspiele gegen Augsburg benötigte, um den Club in der Bundesliga zu halten.

Doch Klug, Popp, Meyer oder Hecking – sie alle hatten auch noch viel mehr Zeit. Roger Prinzen bleiben nur drei (oder vielleicht fünf) Spiele, um das Blatt zu wenden…

Der Club ist ein Depp, aber kein Arschloch

Fangen wir mit dem Positiven an: Braunschweig und Hamburg haben auch verloren. Insofern ist der Relegationsplatz noch drin. Eigentlich müsste man aber sagen: wäre. Denn so wie der Club sein Heimspiel gegen Leverkusen absolvierte, fragt sich nicht nur der niemals bereuende Liebhaber: Wann und gegen wen sollen wir eigentlich noch gewinnen?

Der Club, daran wurden wir heute wieder überdeutlich erinnert, ist ein Depp. Das ist wohl ein ehernes Gesetz. In dieser Saison taten wir immerhin alles, um kein Arschloch zu sein. Ein bisschen schön spielen, keine Linkereien, nicht einfach fallen lassen oder den Schiri anbrüllen. Nein, wir sind Gentlemen. Solche Mätzchen überlassen wir den Streichs der Liga.

Und genauso sah dann auch das Spiel über weite Strecken aus. Wer nicht wusste, um was es für den Club geht, der hatte den Eindruck, da spielt eine im Mittelfeld der Tabelle stehende Mannschaft um die goldene Ananas. Da versuchte dann ein Marvin Plattenhardt mal der Gareth Bale-Trick und scheiterte an seiner eigenen Lamgsamkeit (aber danach versenkte er immerhin einen Freistoß). Da ließ ein Hiroshi Kiyotake hin und wieder gute Absichten erkennen. Da deutete ein Josip Drmic an, dass er unter anderen Umständen schon mal für ein Tor gut sein könnte. Da rannten die oftmals vom Mittelfeld in die Bredouille gebrachten Abwehrspieler wenigstens noch, wenn schon die Spielintelligenz fehlte. Aber letztlich erschöpften sich diese Bemühungen immer dann, wenn der Gegner einmal das praktizierte, worauf es im Fußball ankommt: den Ball im Netz eintüten. Dann mischte sich in die Bemühungen mitzuspielen Resignation. Dann wählten die Clubspieler den wohlfeielen Weg der Selbstaufgabe: Gewinnen können wir ja schließlich ein anderes Mal, heute ist das zu anstrengend und nervenaufreibend.

Die anderen Male sind allerdings nicht mehr so reich gesät. Genauer gesagt gibt es noch drei Chancen, es anders zu machen. Dass ausgerechnet die genutzt werden sollten, dafür fehlt mir mittlerweile der Glaube.