Autogramm, nein danke!

Auf Autogrammkarten von Fußballern war früher ein meist nicht besonders hübscher, nichtsdestotrotz aber entschlossen geradeaus blickender, einsamer Mann abgebildet. Inzwischen haben offenbar auch in diesem Bereich Werbefuzzis, Marketingstrategen und Sponsorenbetreuer das Sagen. Heraus kommt dann so etwas völlig Verstrahltes (um im Sponsorenbild zu bleiben), bei dem man sich höchstens fragt, von wem bekomme ich jetzt das Autogramm und wie will der arme Michael Oenning diese Spieler jetzt noch auf die Bundesliga fokussieren. Eigentlich fehlen einem aber die Worte angesichts dieses Autogrammkartenangebots:

Trikotsponsor: Der Club ganz hinten

Es ist manchmal schon ein bisschen unheimlich, wie sich der Club seinen Fans zur Zeit präsentiert. Da waltet plötzlich Vernunft, wo früher Großmannssucht angesagt war (Spielereinkäufe), da werden moderne Führungskonzepte entwickelt, wo früher Napoleonische Strukturen herrschten (Abschaffung des Präsidentenamtes). Sollte der Club auf einmal kein Depp mehr sein?

Ganz so schlimm wird es fürs erste nicht kommen. Zum einen hat die Bundesligasaison noch nicht begonnen. Die Chancen Misserfolge einzufahren und sich deppert anzustellen sind also erheblich geringer. Zum anderen gibt es da noch die Trikotsponsorenfrage. Da hat der Club bekanntlich mit dem Atomkonzern Areva den wohl umstrittensten unter allen Bundesligavereinen auf seinen Laibchen prangen. Dummerweise ist jetzt der Atomstrom nach den Pannen im Atomkraftwerk Krümmel auch noch zum Wahlkampfthema geworden – und so richtig für die Atomlobby engagieren will sich nicht einmal mehr dei Union. Da rennen die Clubprofis dann möglicherweise ziemlich einsam in eine strahlende Zukunft.

Wer gerade wieder in der ersten Liga Fuß fassen und (Sympathie-)Punkte sammeln will, dem ist das Vorgehen des FSV Mainz 05 sicher eher zu empfehlen. Die haben nämlich einen Ökostromanbieter als Sponsor gewonnen.

Was allerdings am ärgerlichsten an der Sache ist, und jetzt kommen wir wieder zum Deppenbegriff, ist: Der Club ist (abgesehen von dem VfL Bochum, der derzeit noch auf Sponsorensuche ist) Schlusslicht bei der Trikotsponsoreneinnahmen. Alle anderen Vereine bekommen von ihren Sponsoren mehr bezahlt.

Dahher sollte der Club dringend nachverhandeln. Am Ende denken die Zuschauer noch, der Verein sei selber von der Kernkraft überzeugt, weil er für lau im Areva-Shirt über den Platz rennt.

Stuhlfauth – nur für Fans!

Muss man Heiner Stuhlfauth kennen? Die jungen Kolleginnen in der Lokalredaktion meinen: Nein! Sie verstehen auch, dass meine, dann doch noch erfolgreiche (s.l.), Nachfrage nach einem Archivfoto mit Unverständnis beantwortet wurde. „Heiner Stuhlfauth, was macht der jetzt?“ „Eigentlich nichts…“

Aber wir schließen Bildungslücken gern. Besonders dann, wenn es um einen ganz Großen des FCN geht. Vor allem schließen wir diese Lücke aus aktuellem Anlass, denn auf den neuen Club-Trikots ist jetzt ein – regelmäßigen Frankenstadionbesuchern durchaus bekannter – Satz des legendären Torwarts aufgedruckt:

Es ist eine Ehre, für diese Stadt, diesen Verein und die Bewohner Nürnbergs zu spielen. Möge all dies immer bewahrt werden und der großartige 1. FC Nürnberg niemals untergehen.

Schöner Spruch! Leider steht er nicht dort, wo er wirklich hingehört, auf den Trikots jener elf Spieler, die kommende Saison wohl vor allem um den Klassenerhalt kämpfen müssen (dank an TobFis für den Hinweis via Twitter), sondern nur auf jenen Hemdchen, die die Fans für 69,95 Euro im Fanshop erwerben sollen. Das Areva-Logo ist dafür überall drauf, was wiederum nicht so ganz einleuchtet, denn dem Atomunternehmen geht es schließlich vorwiegend darum, kostenlos ins Fernsehen zu kommen, und nicht in die Nürnberger Kleiderschränke.

Ach so, den Unwissenden sind wir ja noch die Infos schuldig. Der 1966 verstorbene Stuhlfauth machte zwischen 1916 und 1933 mehr als 600 Spiele für den Club, stand auch in der Nationalmannschaft und war sowohl für seine Mütze als auch für seine „Abortdeckelhände“ bekannt. Er war wohl der erste „mitspielende“ Torwart in der Fußballgeschichte. Mehr findet Ihr im Franken-Wiki und noch mehr hier.

Stuhlfauths berühmte Mütze ist übrigens im Nürnberger Museum Industriekultur zu besichtigen.

Die Sponsoren schwächeln

Die Fußballvereine sind heute längst nicht mehr nur vom sportlichen Erfolg abhängig. Auch wenn der Club heute gegen die Mainzer Rumpfmannschaft gewinnen sollte, ziehen für den FCN dunkle Wolken am Finanzhimmel auf.

Der Hauptsponsor Areva ist in den Krisenstrudel geraten und schreit jetzt nach staatlicher Finanzhilfe. Die wird ihm – die französische Regierung hat bekanntlich drei Ohren für die Atomlobby – wahrscheinlich auch gewährt.  Aber meistens sind die zunächst genannten Verlustbeträge nur die halbe Wahrheit, und außerdem ist fraglich in wieweit sich die Regierung einen Einfluß sichert. Da kann man dann darauf warten, dass Nicolas Sarkozy fragt: Was wollt ihr denn mit der Unterstützung dieses Zweitligavereins?

Doch nicht nur Areva steckt in der Krise. Auch das Teppichimperium von Club-Präsident Michael A. Roth ist in Schwierigkeiten geraten. Gestern hat die Süddeutsche Zeitung (leider nicht online verfügbar) das Thema aufgegriffen und folgendes Roth-Zitat übermittelt: „Wer seine Leistung nicht bringt, fliegt.“ Das hat Roth aber nicht zu seinen Kickern gesagt, sondern den Führungskräften bei ARO.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat ARO demnach übrigens 20 Filialen geschlossen und mehr als 200 Mitarbeiter entlassen.

Die berühmteste aller ARO-Filialen, die aus dem Roman „Geht in Ordnung – sowieso – genau“  von Eckard Henscheid, war da nicht dabei. Sie war immer nur halbfiktiv und sowas ist wenigstens krisenresistent.

Mehr zu dieser berühmten Filiale kann man hier nachlesen.

Meine Kontaktlinsen sind verrutscht

Die Diskussion, ob unser Club für ein Kernkraftunternehmen wie Areva Werbung machen sollte, wollen wir hier nicht noch einmal aufwärmen. In den heutigen Presseorganen sieht man jedenfalls, dass sich ein solcher Sponsor nicht umsonst engagiert und die Fußballprofis gerne dazu benutzt, um von aktuellen Krisenmeldungen abzulenken. Auf unserem Bild wird zusätzlich deutlich, dass man sich Kernenergie offenbar auch schön trinken kann. Doch, wie gesagt, darum geht es gar nicht.

Vielmehr hat Club-Trainer Oenning bei diesem PR-Termin eine recht eigenwillige Erklärung für das Fehlen einiger Spieler genannt. Die seien zwar auch mit nach Erlangen gefahren, nicht jedoch um sich den Hersteller von Kernkraftwerken anzuschauen, sondern um zum Augenarzt zu gehen.

Mal unterstellt, dass dies keine Schutzbehauptung war, um nicht zugeben zu müssen, dass es unter den Spielern auch AKW-Gegner gibt, die so einen Good-Will-Termin nicht mitmachen wollen, heißt das doch: Wir wissen jetzt, warum der Club so wenig Tore schießt (und zudem bedeutet das wohl auch: In Nürnberg gibt es keine gescheiten Augenärzte).

Wenn künftig einem Stürmer so etwas passiert:

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dann hat er immerhin auch eine prima Ausrede: Meine Kontaktlinsen sind verrutscht.