In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.

Aue (mit dem früheren Club-Stürmer Albert Bunjaku als Einwechselspieler) musste die erste Niederlage unter dem neuen Coach Domenico Tedesco (er ersetzte den zurückgetretenen Pavel Dotchev) hinnehmen, für die „Macht aus dem Schacht“ dürfte es im Abstiegskampf nun wieder sehr eng werden. Der 1.FC Nürnberg sollte nun mit Volldampf in die Planungen für die Zweitligasaison 2017/18 einsteigen. Im „kicker“ durften die Nürnberger übrigens nachlesen, dass seit Einführung der Dreipunkteregel (1995/96) noch nie ein Team mit nur 35 Punkten nach 28 Spieltagen Achter war, insofern ist der Club also der schlechteste Achte aller Dreipunktezeiten. Der Ruhmreiche ist halt immer für besondere „Titel“ gut.

Hauptsache drei Punkte

2764529253Beim Spiel in Aue durfte Sylvestr gegen seinen Ex-Verein mal wieder von Anfang an spielen – und kurz vor der Pause hätte er vielleicht sogar ein Tor erzielen können, aber er verpasste die Flanke Kempes. Aus Club-Sicht war das indes nicht schlimm, denn Möhwald stand völlig frei und erzielte mit einem Flachschuss das zu diesem Zeitpunkt durchaus etwas überraschende Führungstor für die Nürnberger. Die Defensive von Erzgebirge Aue hatte den Mittelfeldmann völlig aus den Augen verloren. Der Treffer in der 44. Minute war einer der wenigen Höhepunkte einer ereignisarmen ersten Hälfte.

Auch im zweiten Abschnitt vermochte keines der Teams zu überzeugen. Sylvestr, wegen des Ausfalls von Matavz in die Startelf gerückt, konnte die Chance nicht nutzen und machte nach 81 Minuten für Teuchert Platz. Ein anderer dagegen traf gegen seinen alten Arbeitgeber. Nicky Adler, der in der Abstiegssaison 2007/08 ein wenig erfolgreiches Gastspiel beim Club gegeben hatte, besorgte den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Nach einer Flanke des Auers Hertner gewann dessen Teamkollege Kaufmann das Kopfballduell gegen Sepsi und lenkte den Ball ins Zentrum, wo Köpke den Nürnberger Abwehrchef Hovland abbblockte – Adler war zur Stelle und besorgte das 1:1 (60.). Kurz darauf hätte Susac die Gastgeber sogar in Führung bringen, aber sein harmloser Kopfball aus aussichtsreicher Position ist kein Problem für Club-Torsteher Kirschbaum (67.).

 

Und so hat am Ende doch der 1.FC Nürnberg die Nase vorn. Standardspezialist Möhwald setzte mit einem Eckstoß Burgstaller in Szene, dessen Kopfball von Kaufmann unhaltbar abgefälscht wird. 2:1 für den Club durch Burgstallers zehntes Saisontor (77.). Nach einem wenig ansehnlichen Spiel steht als Fazit: Hauptsache drei Punkte. Für Aue dürfte es in dieser Verfassung nicht einfach werden, die Klasse zu halten.

 

Gutes Rezept: schlecht spielen und gewinnen

2448576869Schon die Anfahrt nach Aue war dank des Scheetreibens eher unwirtlich. Im Sparkassen-Stadion erwies sich dann aber auch der Tabellenvorletzte als äußerst unangenehmer Gegner. Zwar hatte der Club in der ersten Halbzeit durchaus Chancen. Die größten allerdings besaß Aue, als einmal Robert Koch für den bereits geschlagenen Patrick Rakovsky auf der Linie klären muss und letzterer dann über den Ball trat, der Auer Spieler aber gottseidank das leere Tor nicht traf.

Auch in der zweiten Hälfte war es nichts mit Überlegenheit und Souveränität. Das schon alte Lied: Im Mittelfeld kamen höchstens mal zwei Bälle hintereinander an. Selbst die Freistöße landeten oft beim Gegner. Immerhin: Aue machte es auch nicht viel besser. Selbst als Füllkrug dann Sylvestr bediente und der an seiner früheren Wirkungsstätte das 1:0 machte, konnte sich der Clubfan nicht relaxt zurücklehnen und seinen Strich unter den Dreier machen. Bis in die Nachspielzeit, als Aue noch in der 92. Minute eine Riesengelegenheit hatte, musste gezittert werden.

Aber was zählt sind die drei Punkteund mit denen ist der Club auf einmal wieder fast oben mit dabei (vier Punkte auf den Relegationsplatz). Trotzdem: Wir schauen da lieber nicht hin. Dafür sind wir schon zu lange Clubfans und wissen, dass immer dann, wenn der FCN nach den Sternen zu greifen scheint, der Fall ins tiefe Loch folgt. Wichtiger als der Sieg im Erzgebirge ist ohnehin, dass wir am Samstag nicht wieder unsere Rolle als Samariter und Aufbauhelfer spielen. Und wie in Aue wieder gesehen: Feiern sollte man beim Club erst, wenn wirklich gar nichts mehr daneben gehen kann.

Hauptsache weiter!

Eine Offenbarung war es nicht gerade, das Spiel des Clubs bei Erzgebirge Aue. Aber auch beim Pokalsieg 2007 stolperte sich das Team des damaligen Trainers Hans Meyer ja von Runde zu Runde, hatte selbst mit Cloppenburg Probleme und kam bisweilen nur dank des erstaunlichen Elfmeter-Killers Daniel Klewer (was macht er eigentlich inzwischen?) weiter.

Insofern ist es vielleicht ein gutes Omen, dass der 1. FCN im Erzgebirge zwar tolle Treffer erzielte, sich insgesamt aber beim 2:1 doch schwer tat. Julian Wießmeier, schon in seinem ersten Bundesligaspiel am Ende der Vorsaison zielsicher, traf nun auch bei seinem DFB-Pokaldebüt für den Club. Damit empfahl sich das Talent wieder für die Bundesliga, zuletzt kam der Mittelfeldmann ja vorwiegend im Regionallligateam zum Einsatz.  Alexander Essweins (Bild) Aktien dürften dank des  Sonntagsschusses zum 1:0 ebenfalls weiter steigen. Nun müssen wir auf Losglück hoffen. Bis auf Regionalligist Holstein Kiel sind nur noch Erst- und Zweitligisten im Topf – darunter Bayern und Fürth…