Reform der Aufsichtsratswahlen?

Kollege vip hat schon darauf hingewiesen: An diesem Sonntag ist mal wieder Jahreshauptversammlung. Spannend ist in der Tat die Frage, ob es Ex-AZ-Chefredakteur und Buchautor Andreas Hock in den Aufsichtsrat schafft. Aber noch ein anderer Tagesordnungspunkt birgt Brisanz – nämlich ein Antrag, der auf eine Reform eben jener Aufsichtsratswahl abzielt. Der Satzungsänderungsantrag, der auf fcn.de nachgelesen werden kann, stammt unter anderem von Christian Mössner, einem der Macher des Fanmagazins „Ya Basta!“.

Wenn er und seine Mitstreiter Erfolg haben, dürften die Vereinsmitglieder einerseits nicht mehr so oft wählen (die Legislaturperiode der Aufsichtsräte soll von drei auf vier Jahre ausgedehnt werden) und andererseits – und das ist der eigentlich interessante Punkt – könnten sie auch nur noch sechs der neun Mitglieder des Kontrollgremiums direkt bestimmen. Drei weitere würden als kooptierte Aufsichtsräte per Beschluss von den sechs gewählten Herrschaften ernannt.

Auf den ersten Blick klingt das nach weniger Demokratie. Und gerade deswegen – könnte man frech einwerfen – müsste der Vorschlag eigentlich auch für die hohen Herren des Vereins einen gewissen Charme besitzen. Wenn seltener gewählt wird, ist eine kontinuierlichere Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gewährleistet. Und wenn drei Mitglieder per Beschluss und nicht mehr per Wahl ins Gremium kommen, könnte man vielleicht hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft oder Sport für ein Engagement im Aufsichtsrat begeistern, die eigentlich Interesse hätten, es aber scheuen, sich den Unwägbarkeiten eines Mitgliedervotums zu stellen. Immerhin hat so mancher Kandidat auch schon recht üble Niederlagen bei solchen Wahlen erlitten.

Aber: Der Antrag kommt von der Basis. Und die hat natürlich ein Interesse daran, dass Fanbelange im Aufsichtsrat ausreichend zur Geltung kommen. Deswegen werden durch den Vorschlag von Mössner und Co. auch andere Vereinsgremien gestärkt. Kooptierte Aufsichtsräte müssen vor ihrer Ernennung zunächst durch den Wahlausschuss vorgeschlagen werden. Und der Wahlausschuss wiederum muss in seine Vorschlagsliste zumindest eine Person aufnehmen, die der Fanbeirat vorschlägt. Insofern wären Faninteressen gewahrt. Wobei die Anhängerschaft es früher auch auf dem herkömmlichen Weg geschafft hat, einen Vertreter ins Gremium zu entsenden: Man denke an die triumphalen Wahlerfolge des Rechtsanwalts Ralf Peisl, der von 2010 bis 2016 dem Aufsichtsrat angehörte.  Die Abstimmung über den Antrag könnte  jedenfalls zu den spannenderen Tagesordnungspunkten am Sonntag gehören.

Alles im Lot

Viele gute Nachrichten gab es auf der Mitgliederversammlung: Der Club, Meister der tiefroten Zahlen, macht tatsächlich Gewinn! Dass man das noch erleben darf. Mit einem Plus von 4,3 Millionen Euro vermeldet der Ruhmreiche das vielleicht beste Ergebnis der Vereinshistorie. Freilich dräuen trotzdem neue Geldsorgen, weil neben der TeamBank (easyCredit) auch Sponsor Areva wohl im Jahr 2012 aussteigt. Für die Club-Freunde ist aber auch das eine gute Nachricht. Atomenergie ist doch ohnehin von gestern.

Und in der Bundesliga sieht es ja sowieso gut aus momentan. Alles im Lot also? Naja, das Ergebnis bei der Aufsichtsratswahl gibt zu denken. Wie im Vorjahr Manfred Müller sind auch diesmal die Ex-Spieler unter den Kandidaten gescheitert, Marc Oechler hat sogar als einziger der amtierenden Räte (neben dem freiwillig ausscheidenden bayerischen Umweltminister Markus Söder, rechts im Bild) seinen Posten verloren. Er landete bei der Wahl nur auf Rang acht von zehn Kandidaten, lediglich die besten sechs zogen (wieder) ins Gremium ein. Etwas besser schnitt Horst „Leo“ Leupold ab, doch auch ihm fehlten satte 101 Stimmen auf den sechstplatzierten – später auch in der Funktion als Boss des Gremiums bestätigten – Klaus Schramm (links). Gut, Oechler, von 1989 bis 1999 für die Club-Profis in drei verschiedenen Ligen aktiv, hatte sich wohl durch die Debatten um seine Anlageberatungen um mehr Stimmen gebracht. Das Scheitern von Leupold, immerhin Meisterspieler von 1968, überrascht aber doch sehr.

Aber vielleicht brauchen die Mitglieder auch keine Ex-Spieler, wenn sie einen mitfiebernden Radiomann als volksnahen Vertreter im Gremium wissen. Günther Koch bekam das drittbeste Ergebnis – hoffentlich nimmt er diesmal die Wahl auch an; als SPD-Landtagskandidat von 2003 fuhr er zuerst ein tolles Ergebnis ein und lehnte das Mandat dann doch ab. Apropos SPD: Ulrich Maly ist die Rolle als strahlender Wahlsieger ja gewohnt. Auch bei der Ratswahl sicherte sich der Oberbürgermeister  Rang eins vor Peter Schmitt und Koch. Fanfavorit Christian Ehrenberg, wie Koch neu im Gremium, holte sich Platz vier, Klaus L. Wübbenhorst verteidigte sein Mandat als Fünfter.

Eine Ära geht nie so ganz

Am Mittwoch wird beim 1. FC Nürnberg ein neuer Aufsichtsrat gewählt. In der Jahreshauptversammlung werden die Zeiten als Präsidenten – teilweise nach Gutsherrnart – den Verein regierten beendet. „Eine Ära geht zu Ende“ sagte das für die Finanzen zuständige Vorstandsmitglied Ralf Woy.

20101002 Schäfer mit Schneider und SchmausAber keine Ära geht so ganz. Irgendwie wirkt sie auch noch in die neue hinein bzw. versuchen diejenigen, die in der alten das Sagen hatten, auch in der neuen noch mitreden zu können. Das mag zwar menschlich verständlich sein, denn Loslassen-können gehört nun einmal nicht zur hervorragenden Eigenschaft des homo sapiens. Demokratisch ist sowas aber nicht. Daher regen sich diejenigen, die aus Liebe zum Club (vielleicht aber auch aus anderen Motiven) jetzt ebenfalls einen der drei freien Sitze im Aufsichtsrat anstreben, aber nicht zu den Favoriten des alten Präsidiums zählen, mit Recht auf. Mehr dazu ist bei den Kollegen aus der Nordkurve zu finden. Wir brauchen das hier also nicht noch einmal ausführen.

Dennoch sei angemerkt: Auch zu solchen Geschäften gehören immer zwei, einer der unzulässige Wahlempfehlungen ausspricht und einer der brav dem Vorblöker folgt. Wir wünschen daher dem letzten Clubpräsidenten Franz Schäfer (links im Bild, mit Siegfried Schneider und Vize Lothar Schmauß) alles Gute und hoffen, dass die Mitglieder eine gute Wahl treffen.

Inzwischen stehen elf Kandidaten für die drei Aufsichtsratsplätze zur Wahl (hier die Namen).