Hilft ein Mentalcoach?

Kollege vip und Blog-Leser Weizenkeim haben angeregt, dass die verunsicherten Club-Profis dringend einen Mentaltrainer brauchen, um wieder in die Spur zu kommen. Und gerade die verunsicherten Verteidiger Wolf und Nilsson könnten vielleicht etwas psychische Aufbauarbeit gebrauchen. Zumal Nilsson ein Jahr auf der Hoffenheimer Ersatzbank hinter sich hat und auch Kapitän Wolf in der vergangenen Saison alles andere als brillierte. Keine gute Basis, um ein unüberwindliches Bollwerk zu bilden…   
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Wer den Club alles nach oben führte

Aufstieg klar und Sommerpause, da kann man schon einmal etwas in der Historie wühlen. Die Frage lautet: Wie heißen die bisherigen Aufstiegstrainer und Vorgänger von Michael Oenning? Wolfgang Wolf oder Klaus Augenthaler kennt noch jeder und auch der Triumph von Felix Magath ist noch in guter Erinnerung. Die anderen Aufstiegsmacher sind jedoch heute nicht mehr so gegenwärtig, doch haben sie ihren Teil zum Club-Mythos beigetragen. Da ist einmal der Wiederaufstieg in die Bundesliga 1978. Damals hieß der heute fast vergessene Trainer Werner Kern, der in der Bundesliga aber schon nach wenigen Monaten wegen Erfolglosigkeit von Club-Legende »Zapf« Gebhardt abgelöst wurde. Trotzdem ging es wieder runter, aber nach einem kleinen Intermezzo mit dem Belgier Jef Vliers, machte Gebhardt die Clubberer wieder erstklassig.

Letzter im Bunde der Aufstiegs-Heroen war 1986 Horst Höher, der dann sensationell in den UEFA-Cup einzog. Und dann gab es noch Willi Entenmann, der den Club 1997 aus der Regionalliga führte.

Jetzt kommen wahrscheinlich Thomas Broich und Timo Rost. Die Angst der potentiellen Absteiger-Konkurrenz aus Mainz, Bochum oder Hannover hält sich da sicherlich in Grenzen.

Der verbale Amoklauf des Edgar Geenen

Zwei Siege in Folge, noch dazu einer gegen das unaufsteigbare „Kleeblatt“ – das setzt beim Club-Fan ungewohnte Glücksgefühle frei. Um gleichwohl die Bodenhaftung zu bewahren, sollten wir vielleicht mit unserer Tiefpunkt-Serie weitermachen.

geenen.JPGDie nächste Station auf der kleinen Zeitreise durch die Geschichte der gern verdrängten FCN-Peinlichkeiten führt uns in den Oktober des Jahres 2001. Der Club war im Sommer davor mal wieder in die Bundesliga aufgestiegen, doch die Euphorie hatte sich schnell verflüchtigt. Am 10. Spieltag verliert die Elf um Kapitän Martin Driller mit 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach und stürzt von Rang 16 auf 18. Am Valznerweiher leuchtet mal wieder das Rotlicht der Schlusslaterne. Und auch der Manager sieht „Rot“: Edgar Geenen leistet sich einen in der Geschichte der Fußball-Bundesliga wohl einmaligen verbalen Amoklauf und beschimpft sieben als Konsequenz aus der Talfahrt in einen B-Kader verbannte Spieler als „Müll“ und „Abschaum“ . Manche Akteure seien „wie Lepra“, tut Geenen kund, und am liebsten würde er „einigen in die Fresse hauen“.

Das Kuriose: Die betroffenen Spieler Bernd Hobsch, Armin Störzenhofecker, Sven Günther, David Bergner, Adebowale Ogungbure, Stefan Leitl und Pavel David können wohl am wenigsten für die Club-Krise, waren sie doch in den bisherigen zehn Saisonspielen kaum zum Einsatz gekommen. Und Trainer Klaus Augenthaler, in Personalfragen äußerst unflexibel, hatte kurz zuvor Hobsch und Störzenhofecker noch für ihre Trainingsleistungen gelobt, sie dann aber doch nicht oder kaum eingesetzt.

Jetzt aber verteidigt Augenthaler die Ausfälle seines Managers mit der Fußballer-Sprache, die ebenso deftig sei wie die am Bau. Und auch Geenen entschuldigt sich erst auf Druck von außen. Das missglückte Krisenmanagement macht die Sache noch schlimmer.

Und nach der Saison wird der Amoklauf Geenens und die Verbannung der Spieler fatalerweise durch den Manager, Augenthaler und einige Kommentatoren auch noch als in der Wortwahl falsch, in der Sache aber richtig schöngeredet. Immerhin habe sich der Club gerettet. Letztlich aber bleiben die Nürnberger im Jahr 2002 als einer der schlechtesten Nichtabsteiger aller Zeiten nur deshalb in der Bundesliga, weil Köln, Freiburg und St. Pauli noch mieser kickten. Ein Beleg: Zwischen dem 25. und dem 32. Spieltag verlieren die Augenthaler-Schützlinge sieben von acht Spielen und „verteidigen“ dennoch durchgängig den rettenden 15. Rang, da das Trio am Ende ebenso konsequent die Punkte abgibt.

Die vermeintlichen „Seuchenvögel“ sind zu diesem Zeitpunkt längst davongeflattert, ihnen kann niemand mehr die Schuld zuschieben. Hobsch und Günther lösen Ende November 2001 ihre Verträge auf, Leitl, Ogungbure, Bergner und der verdiente Kämpfer Störzenhofecker verabschieden sich in der Winterpause. Einzig David bleibt noch bis 2004 beim Club und hat noch einen Anteil am bislang letzten Wiederaufstieg in die Bundesliga. Zu diesem Zeitpunkt sind Augenthaler und der inzwischen verstorbene Geenen längst nicht mehr am Valznerweiher. Sie werden im Frühjahr 2003 entlassen, als der FCN dann doch wieder der Zweitklassigkeit entgegentrudelt.

Der verbale Amoklauf des Edgar Geenen: Unser Kandidat Nummer neun für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 9