Denkwürdiger Grottenkick

Es gibt zunehmend mehr Spiele, bei denen viel Vergangenheit auf wenig Gegenwart trifft. Das heute war so eines. Auf dem einst unbezwingbaren Betzenberg durfte sich der einst Ruhmreiche um den Einzug in die nächste Pokalrunde einfinden. Früher wäre das ein absolutes Spitrzenspiel gewesen. Diesmal traf ein mittelmäßiger Zweitligaverein auf einen abstiegsbedrohten Drittligisten.

Aber auch was die nicht so weit zurückliegende Vergangenheit angeht, hatte das Spiel einiges zu bieten. Bei den Gastgebern saß nicht nur unser Ex-Trainer Boris Schommers auf der Bank. Auch unser Ex-Sportdirektor Martin Bader ist noch bis Dezember beim FCK als Sportgeschäftsführer tätig. Zudem stand mit Philipp Hercher ein früherer FCN-Spieler bei den Roten Teufeln in der Startelf.

Womit wir bei der Gegenwart wären. Die sieht beim FCK sowieso nicht rosig aus. Dass sich der höherklassige Gast aus Nürnberg da spielerisch nicht abheben konnte, ist dann leider typisch. Typisch für den Pokal, aber irgendwie auch typisch für den Club. Der scheint inzwischen von Spiel zu Spiel abzubauen. In der Abwehr noch fahriger, hüftsteifer und unkonzentrierter als zuletzt. Nach vorne kaum geordnete Aktionen. Abschlüsse eher alibimäßig als gefährlich. Im Grunde genommen aber meist aus Einzelaktionen resultierend.

Bereits in der 8. Minute durften die Pfälzer in Führung gehen. Valentini räumte mit beiden Beinen Pick ab. Den Elfer verwandelte Thiele gegen den diesmal den Clubkasten hütenden Patric Klandt. Nach einer Viertelstunde war es Thiele, der bei einer Rettungsaktion einen eigenen Spieler traf, Jäger sagte Danke und haute den Abpraller ins Lauterner Tor.

Besser wurde das Spiel danach nicht. Nur absurder. Zunächst gab es wieder Elfer für die Hausherren, bei denen man nie das Gefühl hatte, sie könnten anders zum Torerfolg kommen. Diesmal trat der eingewechselte Handwerker Schaf von hinten in die Hacken. Erneut verwandelte Thiele.

Beim Club hatte man aber auch nicht das Gefühl, als könnte da noch irgendwas Konstruktives bejubelt werden. So war es bezeichnenderweise ein Geschenk mit anschließender Einzelaktion, das dann doch noch zum Ausgleich führte. FCK-Torwat Grill legte sich den Ball zum Abstoß zurecht, von hinten kam Frey, luchste ihm die Kugel ab und schob ins leere Tor ein.

Der nicht nur für Fußballästheten quälende Kick ging also in die Verlängerung. Deren Höhepunkt fand dann in der 117. Minute statt. Clubkeeper Klandt verletzte sichnach einem unglücklichen Sprung selbst und musste raus (Achillessehnenanriß, der FCN hat nach dem langfristigen Matheniaausfall auch auf der Torwartposition ein ernstes Problem). Canadi hatte das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft, weshalb Verteidiger Valentini in den Kasten musste. Der hatte schließlich auch das Elfmeterschießen zu bestreiten. Bei den insgesamt sechs Lauterer Strafstößen war er jedoch chancenlos. Nachdem Handwerker den letzten Elfer vergab (Grill hielt), war der Club draußen.

Dieser Club bietet zur Zeit immerhin so einiges, Drama, Komödie, Theater… aber leider keinen guten Fußball.

Ist Schwartz der Richtige?

12.08.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 02. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - 1. FC Heidenheim 1846 FCH --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi --- Alois Schwartz (Trainer 1.FC Nürnberg / FCN ) enttäuscht / Enttäuschung nach Spielende

Alois Schwartz nach dem 1:1 des FCN gegen Heidenheim: Aufbruchstimmung sieht irgendwie anders aus.  //    Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink

Zwei Punkte aus zwei Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner – das ist für den ambitionierten Club eindeutig zu wenig. Während sich die Vereinsverantwortlichen natürlich hüten, zu einem solch frühen Zeitpunkt bereits den neuen Trainer in Frage zu stellen, muss es für enttäuschte Fans erlaubt sein zu fragen: Passt Alois Schwartz zum 1. FC Nürnberg?

Nach zwei Spielen und den Eindrücken in der Vorbereitung lautet unsere Antwort: Jein. Aber ein Jein ist eben kein Ja. Sicherlich war Schwartz nach der plötzlichen „Flucht“ (Bild-Zeitung) von René Weiler die beste Option, die Sportvorstand Andreas Bornemann in der Kürze der Zeit und mit den begrenzten Mitteln für den Club gewinnen konnte. Die Gedanken hinter dieser Entscheidung sind logisch und gut nachvollziehbar: Schwartz, ein akribischer Trainertyp, hatte bei seinem vorherigen Klub, dem SV Sandhausen, wiederholt unter Beweis gestellt, dass er in der Lage ist, aus wenig viel herauszuholen. Deshalb ist er genau der richtige Mann für einen Verein wie den 1. FC Nürnberg, der sich in finanzieller Schieflage befindet, der aber alleine aufgrund seiner Tradition verpflichtet ist, unbedingt erfolgreichen Fußball zu spielen.

So weit, so gut.

Doch der Club ist nicht Sandhausen und schon gar nicht Rot-Weiß Erfurt, der 1. FC Kaiserslautern II oder Wormatia Worms. Alles frühere Trainerstationen von Alois Schwartz, der übrigens 2006 seine Fußball-Lehrer-Lizenz erhielt und zehn Jahre gebraucht hat, um auf der Karriereleiter bis zum Club hochzuklettern. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht gar nicht um fachliche Kritik an der Arbeit des gebürtigen Nürtingeners, sondern allein um eine Auseinandersetzung mit der Frage: Passt Schwartz zum FCN?

Betrachtet man die jüngere Vergangenheit des 1. FC Nürnberg, waren es vor allem charismatische Trainertypen, die erfolgreich waren: Magath, Meyer, Hecking, Weiler. Wenn man sich dagegen die Körpersprache des neuen Coaches in den Spielen gegen Dresden und Heidenheim so anschaut, fragt man sich, ob der fränkische Altmeister mit seinem hypernervösen, extrem emotionalen Umfeld und der ismaeleske, blasse Arbeiter Schwartz tatsächlich kompatibel sind. So richtig springt der Funke nämlich nicht über. Wo sind der Esprit und der unbedingte Wille eines Mannes, der etwas bewegen will, wenn nötig mit Risiko? Zu spüren ist davon jedenfalls nicht viel.

Ja, man sollte dem 49-Jährigen noch Zeit geben. Aber nicht zu viel. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger René Weiler fand Schwartz eine gut eingespielte Mannschaft vor, die es nicht erst zu formen gilt. Ja, es war zuletzt auch Pech dabei. Aber das ist es nicht… Es geht ums Gefühl: Passt das mit Alois Schwartz und dem 1. FCN? Und da ist eben nur dieses unentschiedene Jein.

Zu frisch sind die Erinnerungen an das fatale Festhalten an Valerien Ismael und Michael Wiesinger… Beides hervorragende Typen, aber halt keine Charismatiker.

2015 – das Jahr der Abschiede

19.12.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 19. Spieltag: 1. FC Heidenheim FCH - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa ---  Jubel nach Tor zum 0:1 - Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN ) Miso Brecko (2, 1. FC Nürnberg / FCN ) Georg Margreitter (33, 1. FC Nürnberg / FCN ) Patrick Erras (29, 1. FC Nürnberg / FCN ) Laszlo Sepsi (6, 1. FC Nürnberg / FCN ) Dave Bulthuis (4, 1.FC Nürnberg / FCN ) Alessandro Schöpf Schoepf (28, 1.FC Nürnberg / FCN ) Tim Leibold (23, 1. FC Nürnberg / FCN ) - Freude / Torjubel - Torschütze: Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN )
Das Jahr nähert sich dem Ende, die Spiele sind gespielt, und die Club-Freunde schauen zurück und ziehen Bilanz. 2015 wird dereinst wohl als das Jahr der Abschiede in die Annalen des 1.FC Nürnberg eingehen. Bereits im Februar war für Finanz-Vorstand Ralf Woy, seit 2006 in führender Funktion beim Club tätig, Schluss. Ende September endete dann auch die elfjährige Ära von Martin Bader. Die Trauer über den Weggang der beiden langjährigen Vereinsbosse hielt sich in der Fan-Gemeinde in Grenzen. Immerhin hatten sich beispielsweise die Fehlentscheidungen von Bader in der Kaderplanung gehäuft, so dass ihm der Aufsichtsrat mit Wolfgang Wolf schon nach dem Abstieg 2014 einen Abteilungsleiter mit Fußball-Sachverstand zur Seite stellte.
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Mit der Einstellung die Aufstellung kompensiert

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 20.13.55Für die Fans (ausgenommen ein paar Ultras) war das gestern ein echter Befreiungsschlag. Insgeheim hoffte jeder, das würde sich heute auch auf die Mannschaft niederschlagen. Mancher munkelte, die habe in Freiburg gar nicht gegen den SC, sondern gegen den MB (Martin Bader) gespielt.

Nun ist der FC Heidenheim sicher ein anderes Kaliber als der Absteiger aus dem Breisgau. Dennoch sah man der Club-Mannschaft an, dass sie wollte und dass sie sich durchaus bemühte, ansehnlich Fußball zu spielen. Das lag sicher nicht nur daran, dass diesmal mit dem Not-/Verzweiflungs-Einkauf Miso Brecko ein echter Rechtsverteidiger auf dem Platz stand. Links vertrat mit Niklas Stark ebenfalls eine Notlösung unseren angestammten Javier Pinola. Vielmehr lag das vor allem auch an Blum und Burgstaller, die vorne echt Betrieb machten und daran, dass die Mannschaft ganz offensichtlich gewillt war zu beweisen, dass Einstellung wichtiger ist als Aufstellung.

Die Aufstellung hat ja vorwiegend MB verbockt. Bei der Einstellung hat er, siehe Raststättengate, offensichtlich auch nicht den besten Einfluss ausgeübt. Da ist auf jeden Fall Entwarnung zu vermelden. Die Aufstellung, das bewiesen selbst die spielerisch doch recht limitierten Heidenheimer, taugt für höhere Ziele nicht. Die Abwehr kam fast regelmäßig ins Schwimmen, wenn der Gegner Druck machte. Außerdem strotzte der neue Keeper Thorsten Kirschbaum – kein Wunder nach dem Sechserpack in Freiburg – auch nicht gerade vor Selbstvertrauen und Souveränität. Bei dem, zugegeben, auch glücklichen zweiten Treffer der Heidenheimer, machte er jedenfalls eine ziemlich seltsame Figur.

Dafür krempelte kurz vor Schluss noch Jan Polak die Ärmel hoch und packte seinen Hammer aus, so dass es am Ende noch zum Dreier langte. Der Club ist damit im Zweitligamittelfeld. Dort, wo er letzte Saison schon landete. Wenn er weiterhin in jedem Spiel drei Tore schießt und es schafft, hinten weniger zu kassieren, dann könnte das vielleicht sogar noch was werden.

Möglicherweise sorgt ja der neue Sportdirektor noch für ein paar brauchbare Verstärkungen der Abwehr. Sollte das der bereits beim Klassik Open Air und heute auch im Stadion gesichtete Schmelzer-Spezi Felix Magath werden, dann brauchen wir uns zumindest über neue Spieler keine Gedanken machen.

Freibier für die Fanseele

24.05.2015 --- Fussball --- Saison 2014 2015 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 34. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN - VfR Aalen  --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / MiWi ---  FCN Klatschpappen sind auf den Stadionstuehlen ausgelegt

Auf den Stadionstühlen waren Klatschpappen ausgelegt.

Der Spannung auf den anderen Plätzen geschuldet haben wir das Spiel gegen den bereits abgestiegenen VfR Aalen am Sonntag nur in der Zweitliga-Konferenz verfolgt. Es ging ja schließlich um nichts mehr. Das war auch den Kollegen von Sky bewusst, denn mehr als die Tore bekamen die Zuschauer von „diesem ereignisarmen Gekicke“ (Tenor des Kommentators) nicht zu sehen.

Das wichtigste Ereignis spielte sich ohnehin vor der Partie ab, als die Nordkurve Fanliebling Pinola mit einer Wahnsinnschoreographie für zehn Jahre Vereinszugehörigkeit huldigte. Der von Dr. Drees gesperrte Argentinier war zu Tränen gerührt – ein Gänsehautmoment für jeden FCN-Anhänger.

Das gefühlt zweitwichtigste Ereignis fand rund zwei Stunden später statt: Dann nämlich gab es 4500 Liter Freibier für die Fans. Das hatten die sich zuvor, und eigentlich die ganze Saison über, auch redlich verdient, denn erwähnenswerter als das zweitklassige Geschehen auf dem Rasen ist in diesem Zusammenhang der erneut erstklassige Support von den Rängen. Wieder einmal.

Zwischen Choreo und Freibier brachte Bulthuis den Ball nach einer Schöpf-Ecke per Kopf zum 1:0 in den Maschen unter, diesmal zählte der Treffer. Das war in Minute 28. Gjasula glich nach der Halbzeit aus (51.), ehe Burgstaller das Leder nach gekonnter Vorarbeit durch Kerk zum 2:1-Siegtreffer ins Gehäuse bugsierte (87.). Eine Gelb-Rote gab’s noch für Aalens Welzmüller (75.). Ansonsten war es das bereits angeklungene „ereignisarme Gekicke“. Man hatte irgendwie den Eindruck, dass Pinola, die Fans und das Bier gereicht hätten, um von einem gelungenen Nachmittag im Grundig-Stadion zu sprechen.

Am Sonntag verabschiedeten sich schließlich die Spieler in einen vierwöchigen Urlaub. Unterdessen können sich Sportvorstand Martin Bader, der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf und Trainer René Weiler schon einmal Gedanken um die Kaderplanung für die kommende Saison machen. Hoffentlich beweisen die Verantwortlichen diesmal ein besseres Händchen als letztes Jahr…

„Ja, es ist kein Geheimnis, dass wir mit Willy Evseev vom VfL Wolfsburg und mit Mike Ott vom TSV 1860 München zwei Spieler geholt haben, die natürlich am Anfang ihrer Karriere sind, aber die natürlich auch unseren Kader von der persönlichen Klasse her bereichern können“Martin Bader im Mai 2014 gegenüber Sky nach dem Abstieg aus der Bundesliga über die Kaderplanung beim 1. FC Nürnberg

Das lassen wir mal so stehen – und brauchen jetzt selbst ein Bier. Prost!

Sie liebt den DJ. Aber wer liebt Bader, den Sportvorstand der guten Laune?

Mitgliederversammlung 1. FC NürnbergRecht befremdlich mutet der 1. FC Nürnberg dieser Tage an. Schuld daran ist unter anderem Trainer René Weiler, dessen allzu sonniges Gemüt unlängst ratlos machte. Es war die PK vor dem Bochum-Spiel, als Weiler eigentlich „nur“ eine Krisen-Sitzung weglächeln wollte – aber dann einfach nicht mehr aufhörte zu lächeln und plötzlich Hinz und Kunz über den grünen Klee lobte. Mit so viel Überschwänglichkeit konfrontiert, dürfte sich manch Journalist gefühlt haben wie ein katholischer Pfarrer, der versehentlich in einen Techno-Klub voller ekstatisch tanzender Menschen gerät und gegen seinen Willen gefeiert wird.

Aber auch der Sportvorstand der guten Laune, Martin Bader, sorgt derzeit für Stimmung. Natürlich. Schließlich hat er, im sportlichen Bereich entmachtet, gerade besonders viel Zeit für die Öffentlichkeitsarbeit bei einem Verein, der nach außen hin so auf Harmonie bedacht ist, dass es beinahe schon eklig wirkt. Eklig, weil den Fans nach dem 1:2 gegen den VfL so gar nicht zum Lachen zumute war. Solch Gebaren mag angebracht sein bei einem kriselnden Großkonzern, der seine Anleger nicht verschrecken und alles noch schlimmer machen will. Aber nicht bei einem Traditionsverein wie dem FCN, sorry.

Da muss man sich dann schon fragen: Wollen die uns eigentlich verarschen? Immerhin haben am Montag erneut rund 25.000 treudoofe Anhänger den Weg ins kalte Grundig-Stadion auf sich genommen (so wenige waren’s schon lange nicht mehr) und, beispielsweise, für eine Karte im Oberrang auf der Gegengeraden saftige 35 Euro geblecht. Zwar bekamen sie dafür ein ansehnliches Spiel mit vielen Chancen für den Club geboten, doch danach gingen sie abermals enttäuscht und wütend heim.

Und dann kommen die zwei oben genannten Herren mit ihrem Wohlfühl-Geschwätz daher und wollen der Öffentlichkeit was von guter Stimmung und Glück predigen. Ja, geht’s noch?

Doch die Fassade bröckelt. Hinter den Kulissen kracht es gewaltig, wie man hört. Ein Machtkampf soll toben zwischen Bader und Chefscout Christian Möckel auf der einen, und dem Sportlichen Leiter Wolfgang Wolf und Weiler auf der anderen Seite. Am brenzligsten ist die Lage demnach für Bader, dessen Felle immer mehr davonschwimmen und der von den Rängen nach der jüngsten Pleite erneut mit „Bader raus!“-Rufen bedacht wurde. Tenor einer Online-Petition, die seine Abwahl fordert: „Bader ist unser Untergang.“ Über 1834 Unterstützer vertreten diese Meinung mittlerweile (Stand: Mittwochabend, 23 Uhr).

Wer lange genug im Mediengeschäft dabei ist, spürt, dass Martin Baders Ära in Nürnberg bald zu Ende geht. Der Druck steigt erbarmungslos. Die Stimmung ist längst gekippt, Baders Kredit verspielt. Weiler fährt derweil schwere Geschütze auf. Seine neueste Waffe ist Raphael Schäfer, der im Sommer auf Wunsch Baders hin demontiert worden sein soll und der ausgerechnet jetzt ohne dessen Wissen erstmals wieder zum Einsatz kam. Schäfer sinngemäß: Wer vor Saisonbeginn den Wiederaufstieg zum Saisonziel erkläre und dann nicht liefere, müsse eben mit Schmähungen leben. Er hätte auch sagen können: G’schieht ihm g’scheit recht!

Erfolgreicher Raketentest vor dem Parteitag

1. FC Nürnberg - 1. FC KaiserslauternVor ein paar Tagen hat Blogger-Kollege „vip“ den Namen „Kim Jong Bader“ aus der Taufe gehoben. Da war Schäfer noch Torwart und noch nicht mundtot gemacht. Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg hatte gerade verkündet, dass er trotz aller Turbulenzen dem Club erhalten bleiben wolle.

Zugegeben: Nordkorea-Vergleiche sind in jedem Zusammenhang grenzwertig. Doch manchmal passen sie einfach wunderbar. Und wenn wir schon dabei sind: Für Bader muss sich der 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern im achten Saisonspiel am Vorabend der Jahreshauptversammlung ungefähr so angefühlt haben wie für Kim Jong Un ein im achten Anlauf kurz vor einem Parteitag endlich geglückter Langstreckenraketentest.

Gezündet hat es beim Club am Montagabend allemal. Zumindest in der ersten Hälfte. Von einer „Schöpf-Show“ sprach der Sky-Kommentator – und bekam sich gar nicht mehr ein vor lauter Lobhudelei. Schöpf hatte schließlich das 1:0 vorbereitet, das Candeias zentral stehend machte (24.). Das 2:0 in der 41. Minute besorgte der 20-jährige Youngster höchstselbst nach einem sehenswerten Turbo-Alleingang in bester Andi-Möller-Manier.

Die kompletten ersten 45 Minuten über spielte der Club wider Erwarten erfrischend stark auf. War es tatsächlich die Degradierung Schäfers, die Wirkung zeigte? Oder packte den FCN als Tabellenvorletzter der Mut der Verzweiflung? Man kann nur mutmaßen, doch es ging ein spürbarer Ruck durch die Elf von Coach Ismael. Diesen Schub nahm die Truppe um Interims-Kapitän Mössmer mit in Durchgang zwei, wenn nun auch etwas Gegenwind von den Roten Teufeln auffrischte. In Minute 51 war es wieder Schöpf, der zum Torjubel abdrehen durfte, nachdem er die Kugel irgendwie in die Maschen gedroschen hatte. Die Lauterer kamen vor 25.130 Zuschauern im Grundig-Stadion in Person von Ring (62.) und Löwe (71.) noch einmal auf 2:3 heran. Das große Zittern begann. Zweifler beschworen Übles herauf, schließlich hatte Schiedsrichter Kinhöfer auch das 3:3 in Hannover gepfiffen, wo der Club letzte Saison tragisch eine 3:0-Führung verspielt hatte. Doch es reichte. Am Ende war der Jubel groß.

Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Schramm („Wir haben einen Spordlichen Leider, wir haben den Fußballabdeilungsleider, wir haben den Drainer, wir haben die Mannschafd und die müssen die Woche weider arbeiden und dann gehd des weider“) bis zu Trainer Ismael („Wir haben gewonnen, jetzt gibt es keinen Grund mehr, etwas zu ändern“): Am Valznerweiher ist ohne Schäfer wieder Zug drin, das Club-Raumschiff ist auf Kurs. Und wenn am Dienstag nicht der Baiersdorfer Meerrettich-Pate zum Schubumkehrhebel greift, schwebt es einfach weiter, immer weiter. Völlig losgelöst. Bis es abstürzt.

Push-up für Martin Bader

Galgenhumor. Anders lässt sich das alles nicht mehr ertragen. Denn der Club ist wie ein Boxsack. Du kannst so oft draufschlagen, wie Du willst, vielleicht geht es Dir dabei besser, vielleicht tun Dir danach die Finger weh; aber egal was Du machst: Der Sack bleibt hängen. Ok, vielleicht baumelt er ein bisschen. Mehr aber nicht. Es bringt also nichts, auf den 1.FC Nürnberg einzuprügeln.

Deshalb lieber Galgenhumor. Damit geht es einem auch besser. Und die Finger bleiben ganz bestimmt heil. Deshalb sehen wir das 0:1 gegen den FSV Frankfurt doch einmal positiv: Vorne steht weiter die Null. Seit mittlerweile zwei Spielen. Das ist auch eine Kunst. Ach ja, gemeint ist natürlich das Ergebnis, nicht Pekhart.

Wobei es ja Pinola war, der in der 10. Minute einen Elfmeter versiebte und auch sonst schwach spielte. Himmelherrgott, bei den ganzen P’s kommt man aber auch schnell durcheinander. Denn auch Pachoniks Leistung war am Samstag indiskutabel. Er war zwar keine Nullnummer, aber doch eine ziemliche Gurke. Pachonik war es immerhin, der beim 1:0-Treffer für Frankfurt durch Stinkstiefel Balitsch in der 29. Minute auf der Torlinie stehend keine gute Figur machte.

Apropos Figur: Es trifft sich prächtig, dass der FCN am Sonntag personell nachgelegt hat und sich den Portugiesen Daniel Candeias sowie den Tschechen Ondrej Celustka gegönnt hat – und somit zu den ganzen P’s nun auch noch ein Doppel-C bekommt, quasi als Push-up für Martin Baders Außenwirkung. Und: Wer drischt schon gerne auf Brüste ein? Aber lassen wir das mit dem Galgenhumor.

Charisma und Charisteas

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juni 2014 plötzlich wieder beim 1. FC Nürnberg im Gespräch: Angelos Charisteas (rechts).

Die außerordentliche Mitgliederversammlung beim 1.FC Nürnberg begann stürmisch und endete harmonisch. In ihrem Verlauf avancierte Martin Bader vom angezählt wirkenden Sündenbock zum wieder lieb gewonnenen Sportvorstand. Viele, vor allem diejenigen, die am Montagabend nicht in der Meistersingerhalle zugegen waren, dürften sich angesichts dieser Wandlung jetzt fragen: Wie hat der Bader das nur wieder geschafft? Nun ja, „das“ hatte mehrere Gründe. Picken wir einfach einmal eine Szene heraus, die sich inmitten von Tagesordnungspunkt fünf, „Diskussion und Aussprache“, abgespielt hat. Da trat ein Mitglied aus einer der beiden langen Schlangen, die sich vor den zwei Mikrophonen im Publikum gebildet hatten, nach vorne und kritisierte Bader für dessen Transferpolitik.

Als der Redner Bader am Ende einer längeren Argumentationskette „fachliche Fehler“ beim Transfer von Angelos Charisteas vorhielt, schüttelten viele der rund 1200 Anwesenden teils verwundert, teils belustigt mit dem Kopf. Einige lachten. Zur Erinnerung: Der Grieche war 2007 für viel Geld an den Valznerweiher gekommen und hatte den Verein, bis er 2010 wieder ging, noch mehr Geld gekostet. So richtig es sein mag, dass Charisteas ein teurer Reinfall war; seitdem ist nun wirklich viel Wasser die Pegnitz hinab geflossen. „Für was wollen sie den Bader denn jetzt noch alles verantwortlich machen“, grummelte es aus den hinteren Reihen. Unruhe machte sich breit. Das Mitglied am Mikrophon verlor durch seine durchaus richtige, aber völlig deplatzierte Aussage jedenfalls die Aufmerksamkeit der meisten Cluberer im Saal. Doch einer blieb ruhig und hörte unbeeindruckt weiter zu: Martin Bader. Und genau das ist der Punkt.

Im Gegensatz zu einem an diesem Abend mitunter aufbrausenden Aufsichtsratsmitglied Günther Koch, einem bisweilen herrisch und wortkarg agierenden Finanzvorstand Ralf Woy, und zu einem gewohnt gesprächigen, aber rhetorisch eher schwachen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Schramm, antwortete Bader auf alle Fragen eloquent, sachlich – und vor allen Dingen charismatisch. Das Beispiel mit Charisteas spiegelt einen Abend wider, den Baders Charisma prägte. Selbst als ein anderes Mitglied den Pokalsieg von 2007 als „Betriebsunfall“ abkanzelte und dafür vom Publikum ausgepfiffen und niedergebuht wurde, bewahrte Bader die Contenance. Langatmige „Wirtschaftsprüfungen“ durch Mitglieder ertrug der Sportvorstand ebenso geduldig wie drollige Liebesbekundungen oder Stammtischparolen aus der versammelten Clubfamilie. Immer hatte er eine Antwort parat. Und entspannte so die Situation.

Eine Antwort blieb Bader aber doch schuldig. Es ist die Antwort auf die Frage nach einer Vision, einer roten Linie oder einer Philosophie. Bader wusste, mehrmals angesprochen, nicht so recht, was er darauf antworten sollte. Vielleicht kann er das auch gar nicht. Geht man schließlich nach dem Applaus der Cluberer, die spätestens nach der Bader-Aussage des Abends schlechthin („Der 1. FC Nürnberg hat keinen Preis, den 1. FC Nürnberg kann man nicht kaufen)“ enthusiastisch und losgelöst von den Sorgen der vergangenen Saison zu sein schienen, die mit glänzenden Augen nach vorne blickten in Richtung Podium, ja, geht man allein danach, dann ist die Antwort auf die Frage nach einer Philosophie leicht. Sie lautet schlicht und ergreifend: Martin Bader. Das dürfte der Kurzmann-Fraktion* gar nicht schmecken.

 *Kurzmann-Fraktion: Bezeichnung für eine Gruppe von Oppositionellen beim 1. FC Nürnberg, die oftmals unter dem Deckmantel der Anonymität die Kommentarspalten im Internet unsicher machen und dort vor wüsten Beleidigungen gegenüber Bader und einiger Pressevertreter nicht zurückschrecken – und Rainer Kurzmann, Initiator der außerordentlichen Mitgliederversammlung, Bader-Gegner und Buhmann des Abends. Anschauungsbeispiele finden Sie in Kürze unter diesem Blogbeitrag.

Peinlicher geht´s kaum

Oweia, das tat weh! So etwas bringt nur der Club. Keinem Drehbuchschreiber würde man so einen Quatsch abnehmen. 0:3 gegen einen Gegner, der in dieser Saison noch nicht gewonnen hat, der dann auch noch 20 Minuten in Unterzahl spielte und der dem Trainerbonus des Club einen verunsicherten Torwart entgegenzusetzen hatte. Als Clubfan musst du heute wieder besonders stark sein.

Nahtlos knüpfte die Mannschaft an das HSV-Spiel an, das Wiesinger und Reutershahn den Job kostete. Jetzt haben wir einen angeblich tollen neuen Trainer, der auch noch von der Mannschaft überzeugt ist und der einiges umkrempeln will. Aber was ist? Nix! Alles beim Alten. Der Club kickt die erste Hälfte halbwegs überlegen zu Ende. Aber außer einem Pfostentreffer schaut nichts raus dabei. Irgendwie hat der Zuschauer, aber leider halt auch die Mannschaft das Gefühl, da brennt nichts an, da muss nur der Siegtreffer her. Aber der fällt halt nicht. Auch nicht, nachdem das obligatorische Gegentor – ausgerechnet noch durch den Ex-Fürther Felix Klaus – dann doch fällt. Jetzt wäre man wieder mit einem Unentschieden zufrieden. Schon deshalb, damit der Mitkonkurrent um den Abstieg nicht an uns vorbeizieht. Doch keiner kriegt den Ball im Kasten der Freiburger unter. Dann werden die Freiburger auch noch dezimiert. Sorg bekommt Gelb-Rot. Nun aber! Doch wieder nichts. In Unterzahl machen die Freiburger, die keineswegs den Eindruck machten, eine wenigstens durchschnittliche Bundesligamannschaft zu besitzen, noch zwei Treffer. Die Freiburger haben uns zwar immer schon extremst genervt. Trotzdem: denen solche Geschenke zu machen, dass muss, das kann nicht sein.

Der neue Trainer Verbeek hat sein Heimdebüt also grandios verbockt. Jetzt liegt der FCN punktgleich mit den Braunschweigern am Tabellenende. Eigentlich müsste die Hütte brennen. Doch den Trainer haben wir schon entlassen. Die Mannschaft können wir nicht feuern. Vielleicht sollten wir mal über Manager Martin Bader reden.