Der Club ist ein Depp, aber kein Arschloch

Fangen wir mit dem Positiven an: Braunschweig und Hamburg haben auch verloren. Insofern ist der Relegationsplatz noch drin. Eigentlich müsste man aber sagen: wäre. Denn so wie der Club sein Heimspiel gegen Leverkusen absolvierte, fragt sich nicht nur der niemals bereuende Liebhaber: Wann und gegen wen sollen wir eigentlich noch gewinnen?

Der Club, daran wurden wir heute wieder überdeutlich erinnert, ist ein Depp. Das ist wohl ein ehernes Gesetz. In dieser Saison taten wir immerhin alles, um kein Arschloch zu sein. Ein bisschen schön spielen, keine Linkereien, nicht einfach fallen lassen oder den Schiri anbrüllen. Nein, wir sind Gentlemen. Solche Mätzchen überlassen wir den Streichs der Liga.

Und genauso sah dann auch das Spiel über weite Strecken aus. Wer nicht wusste, um was es für den Club geht, der hatte den Eindruck, da spielt eine im Mittelfeld der Tabelle stehende Mannschaft um die goldene Ananas. Da versuchte dann ein Marvin Plattenhardt mal der Gareth Bale-Trick und scheiterte an seiner eigenen Lamgsamkeit (aber danach versenkte er immerhin einen Freistoß). Da ließ ein Hiroshi Kiyotake hin und wieder gute Absichten erkennen. Da deutete ein Josip Drmic an, dass er unter anderen Umständen schon mal für ein Tor gut sein könnte. Da rannten die oftmals vom Mittelfeld in die Bredouille gebrachten Abwehrspieler wenigstens noch, wenn schon die Spielintelligenz fehlte. Aber letztlich erschöpften sich diese Bemühungen immer dann, wenn der Gegner einmal das praktizierte, worauf es im Fußball ankommt: den Ball im Netz eintüten. Dann mischte sich in die Bemühungen mitzuspielen Resignation. Dann wählten die Clubspieler den wohlfeielen Weg der Selbstaufgabe: Gewinnen können wir ja schließlich ein anderes Mal, heute ist das zu anstrengend und nervenaufreibend.

Die anderen Male sind allerdings nicht mehr so reich gesät. Genauer gesagt gibt es noch drei Chancen, es anders zu machen. Dass ausgerechnet die genutzt werden sollten, dafür fehlt mir mittlerweile der Glaube.

Ohne Einsatz weiter erstklassig

Das Positive zuerst: Der Club bleibt in der ersten Bundesliga. Das hat er aber nicht dem eigenen Engagement zu verdanken, sondern der Frankfurter Eintracht, die Düsseldorf schlug, weshalb der Club jetzt rechnerisch nicht mehr absteigen kann.

Freilich, wem soll man dafür gratulieren? Nach den Auftritten der Mannschaft in den letzten vier Spielen, die allesamt verloren gingen, eventuell sogar Dieter Hecking. Die ersten guten Spiele unter Wiesinger/Reutershahn waren vielleicht noch dessen Arbeit zu verdanken.

Könnte man so sehen. Kann aber auch sein, dass einfach die Luft zu früh draußen war und dass die weder Fans noch Trainer wieder reinpumpen konnten. Gegen Leverkusen gab es jedenfalls erneut eine saftlose Vorstellung. Dem Gegner reichte eine mittelmäßige Leistung um gegen den Club einen kaum gefährdeten 2:0-Sieg einzufahren.

Beim Club konnte diesmal wieder die Wunschabwehr auflaufen. Aber spätestens beim 1:0 zeigte sich, sicherer sind die auch nicht als die Notverteidigung von Hoffenheim. Eigentlich dachten wir immer, der Club beherrsche wenigstens Standards. Aber diesmal schliefen sie bei einer Ecke der Leverkusener und schon klapperte es. Auf der anderen Seite haben sie die Standards auch verlernt. Hiroshi Kiyotake, der sich anscheinend für irgendetwas schonen musste, trabte meistens schon aufreizend langsam zur Ausführung, um dann null Gefahr heraufzubeschwören.

Nach der Pause machte der Club dann wenigstens ein bisschen mehr Druck. Das lag vielleicht auch daran, dass die Chemiker schon einen Gang zurückgeschaltet hatten. Aber dann hob Pelle Nilsson einfach mal die Hände. Im Strafraum. Man weiß, wozu das führt. Zum 2:0, womit wir unserem alten Spezi Stefan Kießling immerhin einen weiteren Treffer auf dem Weg zur Torjägerkanone verschafft haben. Danach gab es nochmal Elfer, der landete am Pfosten.

Aber eigentlich war es da schon längst egal. Die Saison ist gelaufen. Wir haben sie am Ende wohl ernster genommen als die Mannschaft. Mit der wir der Club in der nächsten Saison so nicht mehr spielen. Empfohlen hat sich aktuell keiner. Auch das Trainerduo nicht. Vielleicht sind wir da als Fans zu streng. Aber wenn wir der Mannschaft derart egal sind, dann kann man schon mal etwas strenger sein.

Abstieg, welcher Abstieg?

Clubtrainer Dieter Hecking hat schon vor dem Leverkusen-Spiel die Parole ausgegeben, der FCN habe nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das schien mir etwas verfrüht. Aber nach dem Spiel gegen Leverkusen will wohl keiner mehr unken.

Die Ewig-Zweiten waren allerdings auch nur auf dem Papier furchteinflößend. Die Clubspieler machten es gegen die großen Namen genau richtig, sie kauften ihnen den Schneid ab. Gegen zusammengewürfelte Millionentruppen muss man so spielen. Denen ist das eigene Wohlbefinden im Zweifelsfall immer wichtiger als der Erfolg des Vereins.

Die erste Halbzeit war, wie in letzter Zeit häufiger, eher arm an Torchancen, dafür reich an Fouls und Nickligkeiten. Wir Clubfans kennen das schon und wissen: Unsere Leute kommen in Hälfte zwei. Wer dann nach der Pause das Highlight setzt, ist aber immer wieder eine Überraschung. Diesmal war es Christian Eigler. Der traf – und hier möchten wir schon mal einen Vorschlag zum Clubwort des Jahres anbringen – mit einem sehenswerten Hammer in die Gambel – wie Julian Schieber vor zwei Wochen in Freiburg. Die Gambel, für die Zugereisten unter euch, ist das obere Tordreieck.

Über Eigler haben wir hier nicht immer nur Positives geschrieben. Diesmal hätten wir es gerne, leider machte er sein Erfolgsergebnis in der Offensive dann durch etwas ungeschicktes Defensivverhalten zunichte und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Dies bescherte uns dann noch das clubübliche Zittern am Ende. Aber die Abwehr hielt. Andi Wolf wurde eigentlich die ganzen 90 Minuten nicht vermisst, was beweist: Beim Club kann man mittlerweile auch Spielerausfälle wegstecken.

Und wenn man mal 15 Minuten wegen der drei Punkte zittern muss, ist das schließlich Luxus. Normalerweise zittern wir bis zum zweiten Relegationsspiel – und zwar um den Klassenerhalt.