Gefängnis Zweite Liga

Platz zwölf in der Zweiten Liga: Seit der Saison 1996/97, als der 1.FC Nürnberg zwar Meister wurde, aber eben nur in der (damals) drittklassigen Regionalliga, stand der Ruhmreiche nicht mehr schlechter da. Zudem scheint es so, als würde sich der Club im Unterhaus einnisten. Vereine wie Bochum (seit 2010), Kaiserslautern (seit 2012) oder vor allem die jüngst sogar in den Amateurbereich  abgestürzten Münchner „Löwen“ (seit 2004) können ein Lied davon singen, wie es ist, wenn die ersehnte Rückkehr ins Oberhaus Jahr für Jahr vertagt werden muss. Das „Gefängnis Zweite Liga“, schrieb der „Kicker“ einmal. Immerhin darf man nun gegen Inter Mailand spielen  – wenn auch nur in einem Test. Zuvor gibt’s aber den Blick zurück auf 2016/17:
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Tolle Serie, aber kein Aufstieg: Die Bilanz 2015/16

23.05.2016 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- Relegation - Rückspiel --- 1. Bundesliga / 2. Bundesliga --- 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - SG Eintracht Frankfurt SGE --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi --- Dave Bulthuis (4, 1.FC Nürnberg / FCN ) im Lichtschein von Pyro Pyrotechnik Bengalos Bengalfackel Rauch
Nun ist die Spielzeit 2015/16 wirklich zu Ende. Offizieller Stichtag für den Saisonschluss ist nämlich der 30. Juni  – auch wenn zu diesem Zeitpunkt alle schon an das neue Fußball-Jahr denken, endet doch der Spielbetrieb gewöhnlich bereits Mitte Mai.

Der 1.FC Nürnberg hat es aber geschafft, die eineinhalb Monate vom letzten Zweitligaspiel bei Absteiger Paderborn (1:0) bis zum offiziellen Saisonende spannend zu gestalten. Ende Mai musste der Altmeister noch in die letztlich verlorene Relegation gegen Eintracht Frankfurt, und im Juni standen dann noch Trainerdiskussion und -wechsel an. Nun aber ist sie endgültig Geschichte, die Spielzeit 2015/16.
Was bleibt?

Ein Rückblick in Stichworten:
Die Gewinner: Trainer René Weiler hat dem Club nach zwei dunklen Jahren zu einer lange nicht mehr gekannten Stabilität verholfen und qualifizierte sich für höhere Aufgaben. Als Coach des traditionsreichen RSC Anderlecht kann er nun einen Europacup-Teilnehmer betreuen. Auch Raphael Schäfer, der seine Karriere eigentlich als Nummer zwei ausklingen lassen wollte, und der mehrfach als Verkaufskandidat gehandelte Dave Bulthuis (Bild) sind Gewinner dieser Spielzeit. Schäfer, ältester  Zweitliga-Spieler,  kam trotz dreier Verletzungen noch auf 16 Einsätze und verdrängte den als Stammkeeper geholten Thorsten Kirschbaum wieder aus dem Gehäuse. Und Verteidiger Bulthuis gelang es, sich im Verlauf der Vorrunde gegen den vor der Saison als gesetzt geltenden Even Hovland durchzusetzen.
Den ganz jungen Patrick Erras hatte man vor der Saison wohl noch weniger auf der Rechnung als Bulthuis oder Schäfer – aber er acvancierte zum torgefährliche Stabilisator im Mittelfeld, bevor er sich schwer verletzte. Dass auf Guido Burgstaller Verlass sein würde, damit konnte man rechnen – dass Niclas Füllkrug am Ende sogar noch mehr Tore schießt als sein Sturmkollege (14:13), nicht unbedingt. Als Derby-Held ist Füllkrug freilich ein Gewinner für die Geschichtsbücher.

Die Verlierer: Kirschbaum, als Leistungsträger eingeplant, fand sich ab dem Herbst auf Bank und Tribüne wieder. Jakub Sylvestr, Zweitliga-Torschützenkönig aus Aue, spielte in seinem zweiten Club-Jahr keine Rolle mehr und flüchtete im Winter nach Paderborn – wo er sich aber ebenfalls nicht durchsetzen konnte. Vielleicht nimmt der nun an den Valznerweiher zurückgekehrte Stürmer einen neuen Anlauf. Jan Polak, 2014 als Leitwolf nach Nürnberg zurückgeholt, wurde nach gutem Saisonbeginn immer weniger benötigt und verpasste den Schluss der Spielzeit verletzungsbedingt. Er geht nun nach Brünn.

Die Neuen: Stefan Kutschke war schon bald wieder weg, Kirschbaum und der im Winter geholte Zoltan Stieber verloren ihre Stammplätze, Rurik Gislason hatte Verletzungssorgen. Trotzdem: Unterm Strich hat der Club gut eingekauft. Kevin Möhwald avancierte zum Edel-Joker, Miso Brecko, Laszlo Sepsi, Georg Margreitter, Hanno Behrens und Tim Leibold waren absolute Stammkräfte.

Die Serie: Nach einem wechselhaften Start traf der Club am 11. Spieltag (17. Oktober) auf den FSV Frankfurt, unter dem Strich stand gegen den bieder auftretenden späteren Absteiger ein enttäuschendes 1:1. Es konnte niemand an jenem Herbsttag damit rechnen, dass dieses unspektakuläre Remis den Auftakt zu einer historischen Serie von 18 Spielen ohne Niederlage bilden würde. Aus dem grauen Mittelfeld (Platz zehn) heraus arbeitete sich der Club bis auf Rang drei vor – und schlug dabei nicht nur die Spitzenteams aus Freiburg (2:1) und Leipzig (3:1), sondern auch den Erzrivalen Greuther Fürth (2:1). Spektakulär freilich auch die 4:0-Auswärtssiege bei St. Pauli und Bielefeld. Das 6:2 gegen Union Berlin nach 0:2-Rückstand gehört sicher auch zu den Höhepunkten der Saison – da aber war die Serie bereits gerissen. Gegen Absteiger Frankfurt begann sie, gegen Absteiger Duisburg (1:2) schloss sich der Kreis.

Die Relegation: Weil Freiburg und Leipzig aber letztlich auch durch diese Aufholjagd nicht mehr zu beeindrucken waren, musste der Ruhmreiche in die Relegation. Rund 20 Minuten fehlten zur Bundesliga-Rückkehr – die die Nürnberger aber gegen den stärkeren Bundesliga-Sechzehnten Eintracht Frankfurt (1:1, 0:1) nicht verdient gehabt hätten.

Abschiede: Von Sportvorstand Martin Bader und Fußball-Abteilungsleiter Wolfgang Wolf trennte sich der Club früh in der Saison, die jungen und hoffnungsvollen Leistungsträger Niklas Stark und Alessandro Schöpf spülten durch ihre Wechsel in die Bundesliga Geld in die Kasse. Trotzdem wird über die Finanzlage geklagt – die neuen Vorstände Michael Meeske und Andreas Bornemann, die Ruhe in den Verei brachten, haben es nicht einfach. Vielleicht muss der Club auch Abschied von der Hoffnung auf eine baldige Bundesliga-Rückkehr nehmen. Aber wir wollen ja nicht unken. Die Fans (Bild) sind wieder versöhnt mit ihrem Club nach dieser tollen Saison. Und vielleicht darf nächstes Jahr dann doch gefeiert werden. In diesem Sinne: Auf ein Neues.

23.05.2016 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- Relegation - Rückspiel --- 1. Bundesliga / 2. Bundesliga --- 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - SG Eintracht Frankfurt SGE --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Clubfan / Clubfans / FCN-Fans / Fans singen nach Spielende enttäuscht / Enttäuschung traurig you will never walk alone

Die Club-Bilanz der Vorrunde

Das Jahr geht zu Ende, und die Clubfreunde blicken zurück auf eine Vorrunde, in der es zweimal eng für den 1.FC Nürnberg wurde – und beide Male landete der Ruhmreiche einen Befreiungsschlag. Am 10. Spieltag beendete das Team von Trainer Dieter Hecking eine Serie von sechs sieglosen Spielen mit einem 1:0 gegen Wolfsburg –  den damaligen Tabellensechzehnten, der wie der Club acht Punkte auf dem Konto hatte.

Eine ähnliche Konstellation bot sich dann nochmals am 14. Spieltag. Der Club stand mit 13 Punkten auf Rang 15, Hoffenheim mit 12 auf Relegationsrang 16 – und wieder entschieden die Nürnberger das Kellerduell für sich. Außerdem brachen die bis dahin wenig torhungrigen Clubberer den Bann, denn mit dem quirligen Mittelfeldtechniker Hiroshi Kiyotake, Abwehrrecke Per Nilsson und Stürmer Sebastian Polter erzielten gleich drei Spieler ihr zweites Saisontor. Das war bis dahin noch keinem Nürnberger gelungen.

Das Team von Trainer Dieter Hecking  beendete die Vorrunde mit 20 Punkten auf Rang 14 – das ist zwar nicht weit weg von den Abstiegsrängen, aber da Hoffenheim (die TSG blieb bei 12  Zählern stehen), Augsburg und Fürth (je 9 Punkte) so bescheiden punkteten, könnte es dennoch eine ruhige Rückserie werden.

Der sportlichen Leitung muss man bescheinigen, gut eingekauft zu haben. Der ideenreiche Kiyotake war auf Anhieb Stammspieler und erzielte drei Treffer, Polter (ebenfalls drei Tore, Bestwert beim Club) lief im Sturm Tomas Pekhart den Rang ab und Timo Gebhart erzielte wichtige Treffer in besagtem Spiel gegen Wolfsburg und in Bremen (1:1). Auch Gebhart konnte sich im Mittelfeld einen Stammplatz erobern, während es bei Marcos Antonio zuletzt nicht einmal für einen Platz im 18er-Kader reichte. Der Brasilianer, eigentlich als Abwehrchef vorgesehen, patzte bei seinem Bundesligadebüt am sechsten Spieltag gegen Stuttgart (0:2) und saß fortan draußen.

Gewinner der Vorrunde sind neben den genannten Neuzugängen sicher die Innenverteidiger Per Nilsson und Timm Klose. Der Schwede konnte endlich mal eine Halbserie ohne größere Verletzungssorgen durchspielen und bot, von seinem rabenschwarzen Tag gegen Hannover (1:4) mal abgesehen, zumeist solide Leistungen. Noch besser trumpfte Klose auf – der Tribünenhocker der Rückserie 2011/12 avancierte zum absoluten Leistungsträger.

 Was im Rückblick freilich nicht fehlen darf, ist das erste Pflichtspiel der Saison. Wie schon vor 21 Jahren musste der Club im DFB-Pokal-Wettbewerb nach Havelse. Und blamierte sich prompt ein zweites Mal. Das muss man auch erstmal hinkriegen.

Der Ruhmreiche und die Saison 2010/11

Wer hätte mit diesem Ende gerechnet? Hannover trifft auf den Club, der eine Verein  ist Vierter, der andere Sechster, beide können ganz entspannt das letzte Spiel angehen. Zur Erinnerung: Im Vorjahr retteten sich beide Teams auf Kosten von Bochum und Berlin erst in letzter Sekunde. Mit so einem entspannten  Saisonabschluss war also wirklich nicht zu rechnen. 

Übrigens auch zu Beginn der Saison noch nicht, denn der FCN startete von den Ergebnissen her sehr durchwachsen. Also drehen wir zum Ende einer sehr zufriedenstellenden Spielzeit die Uhr noch einmal zurück… Der 1.FC Nürnberg startete mit einem Remis in Gladbach und verlor dann gleich mal das erste Heimspiel gegen Freiburg. Nach zwei weiteren Unentschieden glückte erst im fünften Spiel der erste Sieg – Linksverteidiger Javier Pinola gelang in letzter Minute das 2:1 im Heimspiel gegen Stuttgart.
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