Noch zu brav fürs Oberhaus

Die Woche:

1. Nicht nur der „Kicker“ war down, auch unser Blog war nicht erreichbar. Das fiel natürlich vergleichsweise wenigen Leuten auf. Genau wie der Ausfall all der anderen Seiten, die vom, im Fürth beheimateten Provider ODN gehostet werden. Dass der Kicker ausgerechnet zum gestrigen Bundesligaauftakt in die Knie ging, zog hingegen Kreise. Auf Twitter schoß der Hashtag #kickerdown nach oben. Zunächst wurden ruchlose Hacker verantwortlich gemacht. Dann stellte sich allerdings heraus, dass wiederholte DDos-Attacken die Server zerschossen hatten. Übrigens ncht zum ersten Mal.

2. Sollen wir uns angesprochen fühlen? Unter der Überschrift „Die Legende bleibt“ wenden sich Clubfans gegen Schwarzmalerei und Grantlertum und fordern geschlossene Unterstützung der Mannschaft. Die hat sie natürlich verdient, zumal ihr zu Beginn der letzten Saison auch keiner den Aufstieg zugetraut hat. Andererseits hat Granteln im Zusammenhang mit dem Club schon etwas von Traditionspflege. Diese Tradition hat Gründe. Fast jedesmal, wenn man beim Club mit dem Weißmalen anfing, gab es ein jähes Erwachen. Insofern ist es eigentlich ein positives Signal, wenn uns alle nur als Absteiger auf der Rechnung haben.

3. Auch bei der „Zeit“ sieht man den Club eher als Lachnummer. Da passte dann das Zitat von Neuzugang Yuya Kubo gut ins Konzept. „Ich hatte keine andere Möglichkeit. Ich habe nur von diesem Club ein Angebot bekommen“, soll der japanische Nationalspieler gesagt haben. Das, beeilte man sich beim Club richtigzustellen, sei aber nur ein Übersetzungsfehler gewesen. Nun ja, auch wenn es anders gewesen wäre: Wichtig ist die Leistung auf dem Platz.

4. Auch organisatorisch hat der Aufstieg Weiterungen. Eine größere Zahl von Ordnern soll Staus an den Eingängen verhindern helfen. Außerdem wird die Trennung Männer- und Fraueneingänge aufgehoben, stattdessen wird – und der Satz hat es uns dann doch angetan – „das weibliche Ordnerpersonal in voller Breite postiert“.

Das Spiel:

Was wurde im Vorfeld alles geschrieben: Der Club sei erster Anwärter auf den Abstieg, der Kader sei nicht bundesligatauglich… In Berlin sei für diese Mannschaft jedenfalls nichts zu holen. Doch dann spielte der Club zwar kontrolliert und eher auf Absicherung bedacht, jedoch keineswegs unterlegen und durchaus ansehnlich. Lediglich nach vorne ging nicht viel zusammen. Dafür ließ die Clubabwehr wenig anbrennen. Gut, bei einer Hertha-Ecke flog Bredlow am Ball vorbei. Aber sonst? Doch dann kam die 27. Minute. Da spielte Lazaro auf Außen Leibold aus. Währenddessen foult sich Ibisevic (allerdings nach VAR nicht ahndungswürdig) an der Strafraumgrenze frei. Prompt ist die Ordnung in der Clubabwehr dahin und besagter Ibisevic steht mutterseelenallein im Torraum und braucht den Flankenball nur noch einzuschieben. Da merkte man bereits fehlende Erfahrung und Cleverness. Übrigens auch bei der ersten Clubecke als Behrens für den Schiri nicht sichtbar weggedrückt wurde.

In der zweiten Hälfte machte der Club mehr auf, wobei zunächst die Berliner weitere Chancen generierten. Doch dann kam der Club, in Gestalt von Neuzugang Kubo. Der tankte sich sehenswert auf der linken Seite durch, scheiterte aber an Keeper Jarstein. Dieser bekam dann im Verlauf der Partie mehr zu tun. Richtig ernst wird es für ihn aber erst in Minute 85. Per Videobeweis wird dem Club ein Handelfmeter (Rekik fährt seine Linke aus) zugesprochen. Mikael Ishak (Hanno Behrens, der sonst die Elfer schießt, war schon ausgewchselt worden) legt sich den Ball zurecht, zielt halbhoch auf die linke Ecke, aber der Hertha-Keeper kann parieren. Da war sie, die Ausgleichschance. In der Bundesliga, das zeigte das Spiel in Berlin, dürfte der Club nicht allzuviele bekommen, also muss man die künftig besser nutzen.

Trotz der Niederlage lässt sich aber auf dem Auftaktspiel aufbauen. Der Club war auf Augenhöhe mit der Hertha. Was fehlte war die Cleverness und die Souveränität. Bezeichnend, dass Ondrej Petrak, der als einziger schon mal für den FCN Bundesliga spielte, in unserer Mannschaft den besten Eindruck machte. Auch Kubo könnte durchaus zur Belebung beitragen. Die anderen müssen halt schnell den Respekt ablegen. Om Augenblick ist der Club jedenfalls nicht zu schlecht für die erste Liga, sondern nur (noch) zu brav.

Ein Letztes:

Als Lokalpatrioten mag einen das freuen, uns erinnert das an das erfolglose Hoeneß-Gastspiel beim FCN und daran, dass derartige Nottransfers selten was bringen.