Club verliert mit Anstand

Auf den Wahnsinn folgte die Ernüchterung: Der 1. FC Nürnberg hat sein Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund hochverdient mit 0:3 (0:0) verloren. Darin sind sich die Berichterstatter ausnahmsweise mal einig – egal ob aus rot-schwarzer, schwarz-gelber oder neutraler Sicht. Es war dennoch eine Niederlage mit Anstand. Der Club hat im Rahmen seiner Möglichkeiten gut dagegengehalten, war in der ersten Halbzeit mit 57 Prozent Ballbesitz sogar die spielbestimmende Mannschaft, wenn auch nur auf dem Papier.

Vor gewohnt beeindruckender Kulisse, 80.645 Zuschauer füllten den Signal-Iduna-Park bis auf den letzten Platz, begann der FCN zaghaft. Die Aktionen des BVB wirkten trotz der für eine Heimmannschaft mageren Spielanteile von 43 Prozent strukturierter und zielstrebiger, die Nürnberger beschränkten sich auf Konter. Die Schwarz-Gelben hatten einige Großchancen, unter anderem einen indirekten Freistoß aus fünf Metern, den sie nach einer unerlaubten Rückgabe von Martin Angha von Schiedsrichter Christian Dingert zugesprochen bekommen hatten (15.).

Auf der anderen Seite war Adam Hlousek mehrmals mutterseelenallein am linken Flügel durch – leider ohne Ball. Meist kam der Club mit Hiroshi Kiyotake durch die Mitte, oder in Person von Josip Drmic über rechts. Die Angriffsbemühungen verpufften jedoch wirkungslos. Dabei erwies sich Tomas Pekhart im Sturmzentrum als echter Aktivposten. Als im Zuge eines dieser blitzschnellen Vorstöße die Kugel dann doch einmal den vielgescholtenen Tschechen erreichte, hätte der sich fast mit dem 1:0 bedankt. Doch BVB-Keeper Roman Weidenfeller und der rechte Pfosten verhinderterten die Führung für den 1. FC Nürnberg. Das war es dann leider auch schon mit dem Positiven aus Club-Sicht.

Vor allem in den Minuten vor der Pause deutete sich an, was auf die Truppe von Trainer Gertjan Verbeek im zweiten Durchgang zukommen würde. Die Westfalen drückten, Keeper und Kapitän Raphael Schäfer hatte alle Mühe, seine Vorderleute zusammenzuhalten. Apropos Verbeek: Der Niederländer schien mit der Leistung von Javier Pinola überhaupt nicht einverstanden zu sein und brachte an dessen Stelle bereits in Minute 36 den eigentlich angeschlagenen Emanuel Pogatetz, aus „Leistungsgründen“. Man darf gespannt auf die ausführliche Erkärung sein.

Nur sechs Zeigerumdrehungen nach dem Pausentee ging Dortmund schließlich in Führung. Nuri Sahin trat einen Freistoß aus dem Halbfeld nach innen, Robert Lewandowski stieg am höchsten und köpfte aufs Tor, Schäfer parierte stark, aber Mats Hummels traf im Nachsetzen (51.). Erst die Fernsehbilder enthüllten, dass Lewandowski einen halben Meter im Abseits gestanden hatte. Niemand auf dem Feld beschwerte sich – wir wollen es auch nicht tun.

„Abseitssünder“ Lewandowski legte wenig später höchstpersönlich nach und bestrafte die zu diesem Zeitpunkt fahrlässige Club-Defensive mit seinem Treffer zum 2:0 (64.). Letztere schien danach bisweilen gänzlich die Ordnung zu verlieren, fing sich aber glücklicherweise zunächst wieder etwas. Bis zur 83. Minute, als Henrikh Mkhitaryan einen sehenswerten Spielzug mit dem 3:0 veredelte. Dortmund ist eben doch eine Nummer zu groß für den FCN. Nun gilt es, den Fokus auf Werder Bremen zu legen.

Ärgerliche Randnotitz: Markus Feulner sah zum fünften Mal Gelb, wird also im wichtigen Heimspiel gegen die Werderaner fehlen. Ebenso wie Per Nilsson, der bekanntlich weiterhin aufgrund seiner Roten Karte gegen Braunschweig gesperrt ist.

Wenigstens hat sich niemand weh getan

Wenn du gegen Dortmund in der derzeitigen Form gewinnen willst, dann muss schon vieles zusammenpassen. Dann muss du dich noch das Quäntchen mehr reinhängen, bissig sein und den anderen ein bisschen Angst einjagen und sei es nur, dass sie sich eventuell eine Verletzung zuzuziehen könnten.

Wir hatten da schon mal auf Raphael Schäfer gezählt, der sich tags zuvor wegen seiner Nasenblessur mit einer Ledermaske ziemlich furchteinflößend präsentiert hatte. Aber was kam: Er lief mit einem dezenten Pflaster auf, das auch noch fleischfarben war. Nach dem Motto: Nur nicht unangenehm auffallen! Die anderen Spieler hielten sich ebenfalls an diese Rücksichts-Vorgabe. Keine einzige gelbe Karte gab es. Und wenn mal einer mit Körpereinsatz zur Sache ging, dann so ungeschickt wie Timo Gebhart beim Elfmeter zum 1:0.

Wobei das aber nur in Relation zum körperlosen Fußballballett des FCN ein harter Einsatz war. Vielleicht lag auch der Grund für diese zurückhaltende Spielweise in der Person des Schiedsrichters begründet. Mit Michael Weiner haben wir leider schon sattsam schlechte Erfahrungen. Prompt nutzte der dann auch die erste Gelegenheit zum Clubverpfeifen und gab einen unberechtigten Elfer. Der machte dann dem Club die ohnehin geringe Chance, in Dortmund was zu reißen, gänzlich zunichte.

Wenn man davon ausgeht, dass Weiner in Franken eh nur Weinen hervorruft, war es also richtig, auf alles, was irgendwie nach Foul aussehen könnte, zu verzichten. Dann hätte das Michael Wiesinger allerdings auch Timo Gebhart sagen sollen.

So war das dann halt wie immer. Der Club verliert in Dortmund (diesmal 3:0). Der Club verliert, wenn Weiner pfeift.

Hoffen wir mal, dass wir unser Weinerpensum hinter uns haben und in den wichtigen Spielen einen Schiri bekommen, der sich etwas weniger deutlich auf die Gegenseite schlägt.

Die wichtigen Spiele? Das sind die gegen die Abstiegskonkurrenz. Denn auf dem Niveau eines BVB sind wir, das hat man unabhängig vom Schiedsrichter gesehen, leider nicht.

Der Club war ebenbürtig

Wer sagt´s denn? Der Club kann auch gegen den deutschen Meister bestehen. Und zwar nicht bloß in einem Freundschaftsspiel. Das war richtig gut, was die Mannschaft da gegen die Dortmunder ablieferte. Auch für den Zuschauer. Es ging hin und her. Das Mittelfeld wurde ruckzuck überbrückt. Torchancen am laufenden Band. Der BVB hatte wahrscheinlich ein paar mehr. Aber der Club hatte Raphael Schäfer im Kasten, der wieder ein paar Mal Klasse parierte. Kurz vor Schluss zum Beispiel bei einem Schuss des Ex-Cluberers Julian Schieber.

Beim Club gab es aber auch genügend Grund, mangelndes Glück und mangelnde Genauigkeit im Abschluss zu beklagen. Auch einen Elfer hätte der Club mit etwas Wohlwollen bekommen können.
Aber letztlich war das Unentschieden gerecht. Dortmund war spielerisch sicher besser und baute in der zweiten Halbzeit unheimlich Druck auf. Da musste mancher von uns schon die Luft anhalten. Der Clubhielt aber mit viel Kampf und Engagement dagegen. Spannend war´s und mit dem 1:1 können wir leben.

Und noch was: Beim BVB spielte neben dem eingewechselten Schieber mit Ilkay Gündogan ein weiterer früherer FCN-Leistungsträger und heute hatte keiner das Gefühl, dass wir die beiden unbedingt vermissen müssen. Auch Philipp Wollscheid, der sich bei Leverkusen übrigens als Torschütze profilieren konnte, nicht mehr. Die Lücken scheinen geschlossen. Gut so!

Eine Niederlage, die Hoffnung macht

Kalt war’s. Ansonsten war’s wie immer, wenn der Club gegen den BVB spielt: Keine Punkte, keine Tore für den FCN, dafür zwei für die Dortmunder. Wie schon bei den letzten vier Aufeinandertreffen. Nichts Neues also, eine sichere Tippbank.

Im Stadion stand deswegen wohl auch das Eckenverhältnis im Vordergrund. Demnach hätte der Club den BVB vom Platz gefegt. Hätte. Aber langsam ist es wie in Vor-Hecking-Zeiten: Aus den Standards wird einfach zu wenig gemacht. Diesmal ging das so weit, dass selbst die Einwürfe selten beim eigenen Mann landeten.

Dabei spielte der Club anfangs wirklich klasse auf, weiter lesen

BVB nur mit Glück zum Sieg

Schade, dass es beim Fußball keine Haltungsnoten gibt. So gut hat nämlich schon lange keine Nürnberger Mannschaft in Dortmund ausgesehen. Ein spielerischer Unterschied oder eine deutliche Überlegenheit waren kaum festzustellen. Dabei ist der BVB immerhin Meister, hat sich für viel Geld verstärkt und spielte im eigenen Stadion. Der Club hatte dagegen etliche Leistungsträger – unter anderem seinen Spielmacher Gündogan an den BVB – abgegeben, hatte noch dazu einen 18-Jährigen zwischen die Pfosten stellen müssen, weil Raphael Schäfer verletzt ist. Also war eigentlich krasser Außenseiter. Doch trotz aller Bemühungen hat es leider nicht zu Zählbarem gereicht.

Vorne hatten Jens Hegeler in der ersten Hälfte und Julian Wießmeier in der zweiten zwar Superchancen, um einen Treffer zu machen. Stattdessen machen die die Dortmunder. Einmal hatte die sonst solide Clubabwehr nicht aufgepasst. Einmal half ein depperter Duseltreffer.

Aber grämen müssen wir uns nicht. Nicht nur, dass sich auf dieser Leistung aufbauen lässt. Auch Schäfer-Vertreter Patrick Rakovsky bewies, dass er ein Guter ist und sich Club-Manager Martin Bader hektische Einkaufsaktivitäten sparen kann.
Also: Weiter so, dann kommt auch das (verdiente!) Glück wieder – und der Klassenerhalt dürfte kein Problem sein!

Ein Stadion wie Götterspeise

Wenn man sich anschaut, was da zur Zeit im Internet über unser Frankenstadion kursiert, dann fragt man sich schon, ob easyCredit nicht doch der richtige Name wäre, schließlich passt er gut zu: easyBauweise.

Das Video stammt vom letzten Heimspiel des Club gegen den BVB und vermittelt nicht gerade das Gefühl von Sicherheit (wir kennen das Phänomen freilich schon ein bisschen länger)

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Das böse S-Wort

3758789702Ok, das war die vierte Niederlage in Folge. Aber von Krise muss deswegen keiner reden. Krise hieße ja, im Normalzustand wendet sich alles wieder zum Besseren. Gegen Dortmund präsentierte sich aber ein durchaus normaler Club. Für seine Verhältnisse spielte er sogar ganz ordentlich. Aber man hatte irgendwie das Gefühl, dass da ein Fliegengewichtler gegen einen Schwergewichtsweltmeister boxt. Da langt es halt nicht, wenn die Schwächeren sich reinhängen, rennen und kämpfen. Das sind zwei verschiedene Welten. Insofern: abhaken! Die waren einfach besser, da war nicht mehr drin.

Freilich, wenn Andi Wolf beim 0:1 nicht pennt und Schäfer auch mal rauskommt, dann gerät man nicht so blöd durch einen Freistoß aus eher ungünstiger Position in Rückstand. Das S-Wort vermeiden wir hier aber bewusst. Vom kommenden Meister kann man da nur lernen. Z.B., dass man bestimmte Worte einfach mit einem Bann belegt.

Aber selbst, wenn das Gegentor nicht fällt, der Club hatte keine Chance. Also auf die nächsten Spiel gegen Hoffenheim und Hannover konzentrieren, da ist eher was drin!

Auch Trainer Dieter Hecking zeigte übrigens Lernbereitschaft. Wie der BVB ließ er ganz junge Spieler ran, brachte mit Mak und Plattenhardt zwei davon sogar von Anfang an. Dann wechselt er auch noch Mendler ein. Alle drei haben bestimmt ebenfalls einiges gelernt. Genau wie wir. Insofern war das doch kein ganz erfolgloser Abend.

Mit dem BVB in einem Boot

Hin und wieder schauen wir auch iin der Welt herum, was andere Vereine so treiben, warum sie erfolgreicher sind als wir und ob wir vielleicht was finden, das wir den Club-Schnarchnasen (wobei sich die neuen Aufsichtsräte als solche erst noch profilieren müssen) vor den Latz knallen könnten. Und da sind wir jetzt beim gegenwärtigen Tabellenführer fündig geworden. Dessen Geschäftsführer, er heißt Hans-Joachim Watzke, hat nämlich den Vorschlag gemacht, andere Kriterien bei der gegenwärtig zur Neuregelung anstehenden Vergabe der Fernsehgeldern einzuführen. Nach dem „holländisches Modell“) sollten auch Beliebtheit, Tradion oder Zahl der Fans berücksichtigt werden. Dann, so meint Watzke, bekämen die „richtigen“ Vereine, wie etwa sein BVB, erheblich mehr, während Vereine wie Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim, die ohnehin genug Geld von ihren Eigentümern bekommen, schlechter dastünden.

An sich keine ganz abwegige Idee, zumal wenn man sich anschaut, wie etwa der Bazahlsender Sky versucht, die Dortmund-Fans mit BVB-Trikots und Spezialangeboten zu umgarnen. In Dortmund lohnt sich sowas, in Hoffenheim nicht. In Nürnberg würde sich das auch eher rentieren (wobei Sky sich da wohl denkt: Wer will schon ein Areva-Trikot geschenkt bekommen?).

Jedenfalls macht Sky – Spezialangebote hin oder her – mit Vereinen, die mehr Fans haben, auch mehr Geld und dieses Geld landet dann wieder beim Liga-Verband zum Verteilen. Also ist es doch logisch, dass die stärkeren Einnahmebringer auch stärker berücksichtigt werden.

Aber was macht unser Club? Nichts! Und was macht eine – angeblich dem Club wohlgesonnene – Lokalzeitung? Sie druckt (leider nicht online) einen SID-Kommentar ab, in dem Watzke als Witzbold dargestellt wird.

Klar, man kann auch vor lauter langweiligen Korrektheit zum Permanenzgast im Fahrstuhl werden und dort als missverstandener Musterschüler mit der Welt hadern. Wenn es aber nach mir ginge, dann sollten Traditionsvereine sehr wohl mehr vom Fernsehkuchen abbekommen. Der Obertraditionsverein ist schließlich der FCN.

Da hilft nur noch Hoffen auf die Konkurrenz

urn:newsml:dpa.com:20090101:100424-10-12159Die gute Nachricht zuerst: Die anderen Abstiegskandidaten machen es auch nicht besser. Hertha ist nach der Niederlage gegen Schalke praktisch weg. Bleibt noch ein weiterer Abstiegsplatz und der Relegationsplatz (wahrscheinlich gegen Augsburg). Um den kämpfen Bochum, Hannover, Freiburg und der Club. Und man hat das Gefühl, alle vier (Freiburg war noch nicht entschieden) strengen sich richtig an, da unten hinzukommen. Vielleicht sind es die Tantiemen, die durch die Relegationsspiele winken….

Gegen den BVB hat der Club teilweise durchaus ansehnlich gespielt. War in vielen Phasen drückend überlegen. Aber wie immer, wenn sich beim Club ein Fitzelchen Überlegenheit einstellt, dann wird man sorglos, überheblich, tändelt rum und schaut dann plötzlich ganz schnell ganz blöd aus der Wäsche. Es ist halt leider so: Die Chance, dass hinten einer einen spielentscheidenden Fehler macht, ist beim Club allemal größer, als dass vorne einer ein spielentscheidendes Tor erzielt. Da kann der FCN noch so lange drängen und spielen. Dortmund reichen gerade einmal dreieinhalb Chancen für drei Tore. Beim Club muss hingegen ein unheimlicher Aufwand betrieben werden um was Zählbares zu erreichen.

Wer zwei Spieltage vor Schluss 28 Punkte hat, für den gilt ganz klar: Ab in die 2. Liga! Wenn es diesmal trotzdem noch reichen sollte, dann höchstens aufgrund des Unvermögens der Konkurrenz. Sollte dieser letztlich desolate Club noch die Klasse halten, wäre das auf alle Fälle unverdient. Hoffen wir halt auf die Konkurrenz. Beim Club scheint nachhaltig der Wurm drin zu sein.

Der Club auf Platz neuneinhalb

Vom direkten Wiederaufstieg ist der Club zwar noch meilenweit entfernt, was das Klickverhaltebn der Fans angeht, da ist er aber längst im Oberhaus. Mit 92.000 Unique Visitors ist die Homepage des 1.FCN nicht nur die meistgeklickte von allen Zweitligavereinen, sondern läge auch auf Platz 9 der 1. Bundesliga. Dort steht der BVB an der Spitze mit 350.000 Besuchern, gefolgt von HSV und Schalke (je 240.000), Werder Bremen (200.000), Köln und Gladbach (je 150.000) sowie Stuttgart und Frankfurt je 120.000. Vielleicht wäre der Club auch nur auf Platz 10, wenn man wüsste, wie oft die Bayern angeklickt werden. Aber die halten sich bedeckt und geben ihre Zahlen nicht bekannt. Ich würde aber mal sagen: Wer klickt denn die Bayern?

Dass der Club hier so gut abschneidet, ist wohl auch der Leidensfähigkeit seiner Fans zu verdanken. Wer die Seite aufruft, dem dröhnt zwar gleich Status Quos „Whatever You Want“ entgegen, dahinter rockt es aber nur bedingt. Das Forum, in dem es früher manchmal hoch her ging, ist inzwischen woandershin abgewandert und dort hält man von der offiziellen FCN-Homepage eher wenig. Aber wie gesagt: trotzdem Platz neuneinhalb.

Hier sind die Klicktabellen zu finden und hier sind Status Quo ohne das – eh nicht zur Fremdnutzung freigegebene – Club-Logo:

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