Wochenende der Ex-Cluberer

Nicht nur der FCN hat Grund zur Freude, auch für einige Ex-Cluberer war es ein ganz besonderes Wochenende. Michael Oenning zum Beispiel ist wieder Bundesliga-Coach. 2009 führte er den FCN zunächst zum Aufstieg, musste aber nach einer Niederlagenserie Ende des Jahres gehen und heuerte später als Co-Trainer beim Hamburger SV an. Nun beerbte er wie schon in Nürnberg (Thomas von Heesen) mal wieder seinen Vorgesetzten. Für Armin Veh war nach dem 0:6 gegen die Bayern Dienstschluss, Oenning erhält eine neue Chance im Oberhaus.

Dass Angelos Charisteas eine solche ebenfalls bekam, fanden viele Schalke-Fans geradezu irrwitzig. Nun gelang ausgerechnet dem beim Club glücklosen Griechen das Siegtor für die Knappen gegen Frankfurt. Und damit machte er mit seinem Chef einen weiteren Ex-Nürnberger glücklich: Felix Magath war wegen  der Verpflichtung des Europameisters von 2004 verhöhnt worden, doch wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Allerdings sieht es derzeit so aus, als würde der „Dreier“ Magath ebensowenig retten können wie das Weiterkommen in Champions-League und DFB-Pokal. Schalke wollte dem Trainer eigentlich vier Jahre Zeit geben. Aber so langfristige Planungen funktionieren doch ohnehin nur in Bremen oder Freiburg.

Charisteas macht das Dutzend voll

2508404588Die unendliche Geschichte hat ein Ende, Angelos Charisteas heuert bei Arles-Avignon an und wird daher nicht sein letztes Vertragsjahr noch beim Club auf der Tribüne absitzen. Interessant wäre immer noch die Frage, ob der griechische Nationalstürmer in Nürnberg doch noch „angekommen“ wäre, wenn ihm nicht die Trainer Hans Meyer und später Thomas von Heesen im Winter 2007/08 Jan Koller vor die Nase gesetzt hätten. Ende 2007 nahm „Harry“ nämlich Fahrt auf. Danach ging aber nur noch wenig bei dem 30-Jährigen, der in der Rückserie 2008/09 an Leverkusen ausgeliehen war und dort ebenfalls nicht überzeugte. Charisteas, 2007 von Feyenoord Rotterdam gekommen, macht das Dutzend der Abgänge voll, über die die Club-Freunde ja ohnehin noch einen kleinen Überblick geben wollten. Also los:
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Der Club-Sturm ist weltmeisterlich

Gerade einmal 32 Tore erzielte der Club in der vergangenen Saison. Die wenigsten in der ersten Liga. Nicht sonderlich überraschend haben daher nicht nur wir fast permanent die Sturmmisere des FCN beklagt. Dass nun gleich drei Clubstürmer (da liegen wir bei den Bundesligavereinen ganz vorne) für die Fußball-WM in Südafrika nominiert wurden, mutet da schon fast wie ein Witz an. Aber was den Club angeht, da sind Dinge, die andere als Witz abtun würden, Normalität.

Lassen wir uns also überraschen, wie und ob Angelos Charisteas (Griechenland), Eric Choupo-Moting (Kamerun) und der jetzt nachnominierte Albert Bunjaku (Schweiz) für ihre Nationalmannschaften treffen. Wobei Choupo-Moting wohl eh nicht mehr für den Club spielen dürfte, und Charisteas, sofern sich ein Interessent findet, genausowenig.

Immerhin ermöglichen uns die drei (theoretisch könnte man sogar noch den für Australien spielenden Dario Vidosic mit aufführen), im Clubfreunde-Blog einen WM-Beitrag zu schreiben. Ansonsten werden unsere Ergüsse zur Weltmeisterschaft im neuen NZ-WM-Blog zu finden sein, das wir Euch hiermit für die nächsten Wochen wärmstens ans Herz legen.
20100516 Charisteasurn:newsml:dpa.com:20090101:100513-10-1130320100516 Judt und Bunjaku

Harry, der Sargnagel

CharisteasWenn Du oben drin steckst (unter der Betondecke), dann gehen halt auch Dinge, die sonst nicht gehen. Dann gewinnt man auch mal in Berlin gegen ein überlegenes und kämpferisch besseres Team.

Was der Club im Olympiastadion in der ersten Halbzeit abgeliefert hat, damit hätte er selbst in der 3. Liga Probleme bekommen. In der 2. Halbzeit wurde es zwar besser, aber zwingend oder gut war auch das nicht – einfach nur Glück. Dass dann ausgerechnet der eingewechselte Angelos Charisteas erst ein paar mal kläglich verkickte, dann aber mit dem Sioegtreffer den Sarg für die Hertha zumachte, das passte irgendwie. Schlecht spielen und trotzdem gewinnen. Das kennt man sonst nur von den Bayern. Aber egal: lieber glücklicher Nichtabsteiger, als Absteiger der Herzen!

Dass auch Hannover 96 drei Punkte eingefahren hat, beweist wie wichtig der Sieg war und dass noch lange nichts gewonnen ist. Bestenfalls ist einer von zwei Direktabstiegsplätzen schon weg. Mehr aber nicht. Und richtig Mut für die Zukunft macht zumindest die erste Halbzeit nicht. Das war in der Abwehr wieder ein Rückfall in die finstersten Untiefen der Hinrunde.

Nachtrag: Nach dem Spiel kam es noch zu Ausschreitungen, für die etliche Hertha-Fans (hiier oder hier) auch provozierende Gesten von Clubtorhüter Raphael Schäfer verantwortlich machen.
Hier das abgebrochene Dardai-Interview bei Sky:
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und hier ein Amateurvideo von den randalierenden Hertha-„Fans“:
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Harry-Initiative am Ziel

CharisteasSo schnell kann es gehen. gestern war er noch der ungeliebte Kostgänger, den man möglichst schnell loswerden wollte, doch nach dem Frankfurt-Spiel ist Angelos Charisteas plötzlich der Club-Hoffnungsträger. Nach seiner Einwechslung machte er enormen Wirbel und bereitete das Tor seines Sturmpartners Bunjaku vor. Die Initiative „Gebt-Harry-eine-Chance„, die in den letzten Monaten eher belächelt wurde, scheint also urplötzlich am Ziel angekommen zu sein. Trainer Michael Oenning hat jedenfalls durchblicken lassen, dass er das nächste Mal Harry und Bunjaku in der Startelf bringen und Boakye und Eigler auf die Bank setzen wird.
Nach dem Erfolg der Harry-Kampagne halten wir es für an der Zeit, die Initiative „Gebt-Vidosic-eine-Chance“ anzuregen. Wir können uns aber durchaus auch vorstellen, dass Ähnliches bald für Eigler und Boakye passiert.

Harry weg, Stürmerproblem da

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Ein Eckball in der 57 Minuten: Der portugiesische Torwart Ricardo irrt im Fünf-Meter-Raum herum, doch der griechische Schädel stößt zu. Der Kopfball war der einzige Torschuss von Angelos Charisteas im EM-Endspiel 2004 Griechenland-Portugal. Doch bekanntermaßen traf der Stürmer und Euro-Harry ward geboren.

Sein erster Einsatz beim Club war ein Testspiel gegen den FSV Erlangen-Bruck am 11. Juli 2007; nach 18 Minuten traf der Grieche zum 1:0. Was verheißungsvoll begann, wurde schnell zur Tragikomödie. Ein Begriff, der ja einst von den Griechen erfunden wurde. Jetzt wechselt Charisteas zumindest für ein halbes Jahr nach Leverkusen und nicht mal der Wirt meines Stammgriechen trägt Trauer.

Auch Mario Breska zieht kurz vor Ende der Transferperiode weiter, immerhin einst auch als Offensivkraft geholt. Bleiben also Eigler und Boakye übrig, zwei Stürmer sind nicht gerade üppig. Vielleicht kommt ja noch Albert Bunjaku, immerhin ein erfolgreicher Drittligaspieler. Klingt sehr nach kontrollierter Offensive.

Scheinbar wollen Michael Oenning und Martin Bader unbedingt, dass hinten die Null steht. Um aufzusteigen braucht es halt wieder einen starken Marek Mintal.

Der Club sollte Äsop verpflichten

Humanistische Bildung dürfte beim Club kaum zu finden sein. Daher hier ein Ausflug in die alte griechische Fabel, zu Äsop, der einmal von einem Fünfkämpfer erzählte, der permanent damit prahlte, wie weit er bei Wettkämpfen in Rhodos gesprungen sei.

Wahrscheinlich gab es damals auch schon Leute, die meinten, diesen hervorragenden Athleten unbedingt unter Vertrag nehmen und ein paar Millionen Ablöse zahlen zu müssen. Wer aber Äsop kennt, weiß: Die einzig richtige Reaktion ist der bekannte Satz: Hic Rhodus, hic salta! Also: Hier ist das Frankenstadion, hier zeige, was du kannst. Weil man aber am Valznerweiher Äsop nicht kennt, konnten Leute wie Engelhardt („In Karlsruhe habe ich mal ein grandioses Spiel abgeliefert“), Masmanidis („Ich kann nur mit Thomas von Heesen“) oder Charisteas („Das Tor treffe ich nur im Nationaltrikot“) dauernd von der Angabe leben. Bezeichnenderweise sind zwei der drei Griechen. Das legt nahe, dass sie durch ihr Verhalten vielleicht den Clubverantwortlichen vor Augen führen wollten, wie sehr es ihnen an klassischer Bildung gebricht. Erfolg hatte das allerdings nicht: Nach Engelhardt ist nun auch Masmanidis weg und Angelos Charisteas dürfte der nächste sein (wahrscheinlich geht der auch gleich nach Rhodos).