Mehr Probleme mit Sandhausen als damals mit den Bayern

Die Woche:

1. Fast schon exemplarisch demonstriert Eduard Löwen gerade, wo Vereine wie der FCN ein Kardinalproblem besitzen. Da müssen junge Spieler schneller als es für sie zuträglich ist in den Ligabetrieb hineinwachsen und machen das eine Zeitlang vielleicht sogar richtig gut. Dass das dann auch anderen auffällt, dagegen kann ein Verein, der auf Transfererlöse angewiesen ist, nichts haben. Blöd nur, wenn die Spieler mit derartigen Lorbeeren noch nicht umgehen können. Womit wir bei der Frage wären: Was treibt eigentlich Abdelhamid Sabiri? Der sitzt beim 14. der Premier-League noch nicht einmal auf der Bank.

2. Woran merkt man, dass man alt wird? Wenn man sich selbst noch an Ereignisse erinnern kann, für die jetzt Gedenkveranstaltungen zelebriert werden. Heute jährt sich zum 50. Mal der phänomenale 7:3-Sieg des FCN über die Bayern. Ich habe damals sehr unter meiner Noch-nicht-Erwachsenheit gelitten, weil die vor mir stehenden Fans dauern am Jubeln waren und mir die Sicht versperrten. Außerdem weiß ich noch, dass Beckenbauer und Co damals groß getönt hatten, sie würden dem Club mindestens drei Tore einschenken. Beim Stande von 7:1 haben sie dann in meinem Block beschlossen: „Ach komm, die zwei gönnen wir ihnen noch.“ Das fand ich ziemlich generös und dachte mir: „Der Glubb, das ist mein Verein.“ Diesen glorreichen Tag will jetzt die Deutsche Akademie für Fußballkultur noch einmal aufleben lassen. Am 7. Dezember, 19:30 Uhr, blicken die Meisterspieler Franz Brungs und Horst Leupold im Südpunkt, Pillenreutherstraße 147, auf das legendäre 7:3 von 1967 zurück.

Das Spiel:

Sowas nennt man wohl Arbeitssieg. Der SV Sandhausen war im Morlock-Stadion der erwartet unangenehme Gegner. Teilweise minutenlang schnürte er den Club mit aggressiven Pressing in der eigenen Hälfte ein. Der FCN schaffte es nur ganz selten mal vors Gästetor zu kommen. Und wenn, dann hielt SVS-Keeper Schuhen. Bezeichnend auch, dass die besten Chancen Abwehrspieler Ewerton und der oft nicht zielorientierte Edgar Salli hatten.

Dass man aber auch als Nicht-Goalgetter treffen kann, bewies Tim Leibold in der 68. Minute. Erst eroberte er selbst den Ball, dann tankte er sich in Richtung Sandhäuser Strafraum durch, spielte zu Mikael Ishak, der dann mustergültig erneut für Leibold auflegte: der Dosenöffner. Jetzt musste Sandhausen mehr aufmachen, allerdings ließ die Clubabwehr diesmal nichts anbrennen. Der 4. Heimsieg war auch deshalb wichtig, weil die beiden Spitzenteams Dosseldorf und Kiel sich gegenseitig die Punkte abnahmen. Jetzt sind die Direktaufstiegsplätze wieder in Sichtweite.

Ein Letztes:

Wenn es nicht einmal eine Freundin oder ein Lieblingsbier gibt, das die Nachwuchskicker hier hält, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sie fort wollen. Hier gehts zum Hintergrundbericht unseres ehemaligen Kollegen Stefan Hofer.

Ein fast schon historischer Auswärtsdreier

Die Woche:

1. Wenn wir doch nicht aufsteigen, dann kennen wir schon mal den Grund: die Heimschwäche. Manche schieben sowas gerne aufs Stadion. Andererseits gibt es genügend Vereine, die auch mit reinen Fußballarenen nicht aufgestiegen sind. Vielleicht liegt es eben doch an individuellen Fehlern, an mangelnder Souveränität, an der fehlenden Fähigkeit, auch mal einen Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Und außerdem: Das letzte Mal als der FCN noch mit dem Begriff Heimstärke in Zusammenhang gebracht wurde, gab es, glaube ich, noch schwarze Kassen und Trimm-Dich-Geräte für die Schiedsrichter. Aber immerhin gewinnen wir jetzt dafür auch „ungwinnbare“ Auswärtsspiele…

2. Vielleicht hat Clubtrainer Michael Köllner die Aufgabe unterschätzt. Wenn es bei den Profis eher mittel läuft und trotzdem noch Aufgaben wie die Suche nach einer geeigneten Lokalität für die Aufstiegsfeier wahrgenommen werden, dann bleibt nicht mher so viel Zeit und Energie für eine andere Aufgabe: die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums. Dort schrillen gerade die Alarmglocken: In der A-Jugend-Bundesliga steht der FCN am Tabellenende. Der U19 droht damit der Abstieg in die Bayernliga. Die Folge könnte sein, dass sich unsere Nachwuchshoffnungen schon bevor sie den Profis ein paar Monate helfen können, andere Vereine suchen, weil sie lieber oben mitspielen wollen.

3. Jeden Tag kann uns ein irgendwo herunter fallender Blumentopf ins Jenseits befördern. Insofern kann man die Frage, ob wir bestimmte Dinge nochmal machen werden, immer stellen. Die Bild-Zeitung hat sich jetzt Club-Keeper Thorsten Kirschbaum für dieses Spielchen ausgeguckt. Die einzige Information (übrigens keine neue) darin: Der Vertrag mit Kirschbaum läuft nur bis Saisonende. Ansonsten kann er derzeit wegen einer Knieprellung nicht spielen.


Das Spiel:

Fast 30 Jahre hat der Club in einem Ligaspiel nicht mehr in Braunschweig gewonnen. Letztes Jahr holte er sich dort gar eine 6:1-Klatsche. Und das, obwohl er damals noch mit 1:0 in Führung ging. Auch diesmal lag der FCN zunächst vorne. In der 36. Minute köpfte Kapitän Hanno Behrens eine Valentini-Ecke ins Braunschweiger Tor. Doch mitten in den Jubel platzte gleich die Ernüchterung. Hochscheidt wurde auf der linken Seite nicht richtig angegriffen und in der Mitte stand dann auch noch Torschütze Khelifi völlig frei – und Towart Bredlow sah auch nicht wirklich gut aus. Wobei das allerdings auch für das gesamte Spiel galt, das durch einen unüblich hohen Wasserstand doch ziemlich beeinträchtigt wurde.

In Hälfte zwei kam der Club zwar agiler aus der Kabine, das nächste Tor machten aber leider die Braunschweiger. In der 64. Minute markierte Abdullah die Braunschweiger Führung. Trainer Köllner wechselte danach nicht nur Unischerheitsfaktor Hufnagel (durch Sepsi) aus, er brachte auch endlich Tobias Werner und Petrak für die ebenfalls nicht überzeugenden Kammerbauer und Löwen. Letztere beiden Einwechselspieler bereiteten dann jeweils die Wende vor, indem sie in der 69. und 83. Minute den offenbar noch auf den WM-Zug springen wollenden Mikael Ishak bedienten, der das Spiel zugunsten des Clubs drehte. Dass dann das übliche Zittern einsetzte, sind wir ja schon gewohnt. Immerhin muss man diesmal auch den Schiedsrichter (Sören Storks) loben, der den Druck von Braunschweigs Rängen und Trainerbank souverän standgehalten hat. Das ist leider nicht immer so.

Am Ende stand nicht nur endlich mal wieder ein Dreier für den Club, sondern auch das Ende einer jahrzehtelangen Durststrecke in Braunschweig.

Ein Letztes:

Das Fußball-Fachblatt Kicker hatte auf seinem letzten Titelbild unter der Überschrift „Wird Blau das neue Gelb?“ das BVB-Logo blau und das Schalke-Logo gelb eingefärbt. Um den hiesigen Fans einen Eindruck zu vermitteln wie das im Ruhrgebiet ankommt, hat sich ein Mittwitterer die Mühe gemacht, das ins Fränkische zu übersetzen:

Das Beste waren die drei Punkte

Die Woche:

1. Noch ein Nachtrag zum versprochenen und auch eingelösten geilen Spiel in Darmstadt. Das Montagsmatch wurde diesmal exklusiv von Sky übertragen, allerdings eher alibimäßig. Stimmen, Kommentare und Analysen zum Spiel gab es keine. Zumindest nicht für den zahlenden Sky-Kunden. Die wurden dann später bei RTL Nitro nachgeliefert. Da scheint man mit dem FCN offensichtlich mehr anfangen zu können als bei Sky (belegt wurde das auch durch die lustlose Moderation während des Dresdenspiels). Warum sich Bezahlsender die Rechte an Spielen sichern, die sie offensichtlich gar nicht interessieren, diese Frage darf man durchaus auch mal stellen.

2. Nicht nur was die guten Spieler angeht, müssen wir leider mit sofortigen Abwerbeversuchen finanzkrtäftigerer Vereine rechnen. Jetzt hat Bayer Leverkusen auf seiner Suche nach einem neuen Geschäftsführer auch ein Auge auf Club-Finanzvorstand Michael Meeske geworfen. Es gibt zwar inzwischen ein Dementi. Dennoch zeigt uns der Vorgang wieder mal: Kontinuität gibt es offensichtlich nur bei den Vereinen mit viel Kohle oder bei denen mit schlechtem Personal.

3. Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Es liest sich wie eine Reportage von der Maueröffnung. Dabei geht es, wieder einmal, ums Nürnberger Stadion. Im Stadtrat ging es um dessen Zukunft. Soll man einen Privaten mit ins Boot holen (wobei da – und das ist wohl eines der Probleme – offenbar nur Max Bögl ein Kandidat ist)? Braucht der Club angesichts seiner Leistungsstärke überhaupt ein neues Stadion? Während die Grünen ihn hier schlecht reden, wissen SPD und CSU, dass nur mit Optimismus bei den Fans Stimmung gemacht werden kann. So lassen wie es ist, was angesichts der unabsehbaren Entwicklung im deutschen Fußball, nicht die verkehrteste Strategie wäre, geht allerdings auch nicht. Denn auch für das alte Stadion müssen zur Sanierung Millionenbeträge in die Hand genommen werden.

Das Spiel:

Diesmal war Dynamo Dresden zu Gast im Nürnberger Stadion. Eine Mannschaft, die ihren erfolgreichen Sturm der vergangenen Saison verloren und seitdem vorne Probleme hat. Trotzdem kennen wir das, wenn die scheinbaren grauen Mäuse der Liga bei uns auftauchen, da bekommt der Club oft Schwierigkeiten. Das schien diesmal zunächst aber nicht der Fall zu sein. Bereits in der 7. Minute war der vom Chancentod zum Torjäger mutierte Mikael Ishak zur Stelle und staubte zum 1:0 ab. Das war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon unverdient. Im Laufe des Spiels mussten sich die Dresdner noch mehr wie im falschen Film vorkommen. Sie schnürten die Heimmannschaft (wobei das diesmal angesichts der zahlreichen mitgereisten und stimmlich überlegenen Gästefans etwas relativiert werden muss) regelrecht ein und die wiederum war selten in der Lage Konter zu setzen und die dann auch erfolgreich abzuschließen. Ganz offensichtlich ging beim Club die Taktik, die Außen nicht fest zu besetzen nicht auf. Andererseits war aber auf die Abschlussschwäche von Dynamo Verlass. Zumindest bis zur 69. Minute. Schiedsrichter Kempter sah da nämlich eine Berührung von Berko durch Leibold. Elfmeterwürdig war die zwar nicht. Über den Ausgleich mochte trotzdem keiner so richtig lamentieren. Er war längst verdient.

Danach brachte Trainer Köllner Kammerbauer für den heute eher indisponierten Eduard Löwen. An der Dresdner Überlegenheit änderte das zunächst wenig. Die Gäste waren dem Siegtreffer näher als der Club. Das Genick brach ihnen dann ein Abspielfehler in der 82. Minute, Erras (nach dem überragenden Ewerton heute einer der besten) schaltete am schnellsten, schickte den eigentlich schon zur Auswechslung prädestinierten Cedric Teuchert, der den Torwart umkurvte und den Club erneut in Führung brachte (Bild). Am Ende verzweifelte Dresden dann nicht nur an der eigenen Torschwäche, sondern auch am Schicksal. Kurz vor Schluss ließ sich Heise noch zu einem brutalen Foul hinreißen und flog mit Rot vom Platz. Der Club holte glückliche drei Punkte. Aber wie sagt das Phrasenschwein: Morgen fragt danach keiner mehr.

Ein Letztes:

Glückliche Siege positiv umdeuten, kann man allerdings auch so:

Geiles Zittern

Die Woche:

1. Im Absurditätenkabinett ist der FCN immer noch erstklassig. Sogar international. Gerade erinnert sich die Welt wieder an das Phantomtor, das Thomas Helmer 1994 (nicht) geschossen hat. Erinnerungsauslöser war ein ähnliches Tor das Panama gegen Costa Rica erzielte und das zum WM-Aus der USA führte. Bei der Welt sprach der Autor von vergleichsweise weitreichenderen Konsequenzen. Dass das Quatsch ist, wissen sämtliche nicht mehr so ganz jungen Clubfans, zu denen auch der Weltchefredakteur gehört, der dann offenbar diesen Kommentar lancierte:

„Also bitte entschuldigen Sie liebe Welt, aber ihrem Zitat: „Damals erzielte Thomas Helmer sein legendäres Phantomtor gegen den 1. FC Nürnberg. Verglichen mit damals sind die Konsequenzen diesmal viel weitreichender“ muss ich doch wehement widersprechen! Wäre das damalige Phantomtor nicht gegeben worden, wäre das Spiel anstatt 2:1 für die Bayern 1:1 ausgegangen. Somit wäre der „Club“ sicher in der Bundesliga geblieben. Später führte dieser Abstieg sogar zum erst- und einmaligen Fall in der damals 95-jährigen Geschichte des FCN in die Drittklassigkeit! Das Wiederholungsspiel ging dann 5:0 für die Bayern aus, womit diese – anstatt des 1. FC Kaiserslautern – Meister wurden. Wäre das Spiel nämlich 1:1 ausgegangen, hätte der FCK bei Punktgleichheit das bessere Torverhältnis gehabt. Das erachte ich doch als wesentlich weitreichender, als dass nun die USA einmal nicht an einer WM teilnehmen können… MfG“

2. Die WM in Russland trifft den Club aber auch aktuell. Island hat sich, für viele immer noch überraschend, für den Wettbewerb qualifiziert. Eine einmalige Chance für die nicht gerade zahlreichen isländischen Profis. Wenn du als solcher allerdings bei einem Zweitligisten in Deutschland bestenfalls auf der Bank sitzst, kannst du dich nicht aufdrängen. Rurik Gislason hat daher angekündigt, den FCN in der Winterpause verlassen zu wollen. Der dürfte ihm kaum Steine in den Weg legen, kommt so wenigstens Geld in die schwindsüchtige Kasse, zumal Gislason noch einen hochdotierten Altvertrag besitzt.

3. Ein bisschen ging das nämlich unter in der Derbysieg-Harmonie bei der Jahreshauptversammlung: Der Club hat weiter massive finanzielle Probleme. Um von den Schulden runterzukommen, wird daher auch ein Grundstücksverkauf erwogen. Die einfachste und von uns selbstverständlich favorisierte Lösung wäre jedoch der Aufstieg in die erste Liga. Den Hashtag dafür gibt es schon. Allerdings wird er derzeit noch lediglich von einem einzigen Twitterer benutzt.


Das Spiel:

Genauer gesagt waren es zwei Spiele. Erst sieben Stück in Schweinfurt beim Testspiel. Dann sieben in Darmstadt am Böllenfalltor. Dort erzielten zwei allerdings die Gastgeber und eines versenkte Eduard

Löwen auf kuriose Weise im falschen Kasten. Dafür machten es der überragende Cedric Teuchert mit zwei Treffern sowie Ishak und Leibold richtig und bescherten dem Club einen Auswärtsdreier und den Fans das von Trainer Köllner versprochene geile Spiel.

Danach sah es zunächst einmal allerdings gar nicht aus. Bereits nach sechs Minuten lag der Club hinten. Stark hatte abgezogen und Mühl unhaltbar für Kirschbaum abgefälscht. Ein echtes Duseltor. Ein Rückstand aber auch, den sich der Club dann irgendwie verdiente, denn 20 Minuten lang brachte er keinen einzigen Angriff zustande. Der zweite brachte dann allerdings bereits den Ausgleich. Mit einem schönen Lupfer überwand Teuchert, der diesmal zusammen mit Ishak im Sturm agierte, den Darmstöädter Keeper. In der 51. Minute war dann der andere Stürmer dran. Ishak spitzelte nach Klassepass von Leibold den Ball an Mall vorbei. Der Club hatte das Spiel gedreht und nicht nur das: Eine Minute später krachte ein Behrens-Schuss an den Pfosten und weitere sechs Minuten später schließt erneut Teuchert nach einem langen Zuspiel von Löwen zum 3:1 ab. Der Club schien den Dreh gefunden zu haben, wie man die doch reichlich unorganisierte Darmstädter Abwehr ausspielen kann. Leider macht es auch unsere aktuelle Mannschaft immer gern spannend. Nach einer Ecke kamen die Hausherren wieder auf einen Zähler heran. Zwei Minuten später stellte Leibold den alten Abstand wieder her. Aber halt nur bis zur 87. Minute. Sechs Minuten zittern waren da angesagt. Aber mit glücklichem Ende. Der Club rangiert jetzt auf Rang 3, was dann doch noch ein bisschen geiler ist als das Spiel.

Ein Letztes:

Reform der Aufsichtsratswahlen?

Kollege vip hat schon darauf hingewiesen: An diesem Sonntag ist mal wieder Jahreshauptversammlung. Spannend ist in der Tat die Frage, ob es Ex-AZ-Chefredakteur und Buchautor Andreas Hock in den Aufsichtsrat schafft. Aber noch ein anderer Tagesordnungspunkt birgt Brisanz – nämlich ein Antrag, der auf eine Reform eben jener Aufsichtsratswahl abzielt. Der Satzungsänderungsantrag, der auf fcn.de nachgelesen werden kann, stammt unter anderem von Christian Mössner, einem der Macher des Fanmagazins „Ya Basta!“.

Wenn er und seine Mitstreiter Erfolg haben, dürften die Vereinsmitglieder einerseits nicht mehr so oft wählen (die Legislaturperiode der Aufsichtsräte soll von drei auf vier Jahre ausgedehnt werden) und andererseits – und das ist der eigentlich interessante Punkt – könnten sie auch nur noch sechs der neun Mitglieder des Kontrollgremiums direkt bestimmen. Drei weitere würden als kooptierte Aufsichtsräte per Beschluss von den sechs gewählten Herrschaften ernannt.

Auf den ersten Blick klingt das nach weniger Demokratie. Und gerade deswegen – könnte man frech einwerfen – müsste der Vorschlag eigentlich auch für die hohen Herren des Vereins einen gewissen Charme besitzen. Wenn seltener gewählt wird, ist eine kontinuierlichere Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gewährleistet. Und wenn drei Mitglieder per Beschluss und nicht mehr per Wahl ins Gremium kommen, könnte man vielleicht hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft oder Sport für ein Engagement im Aufsichtsrat begeistern, die eigentlich Interesse hätten, es aber scheuen, sich den Unwägbarkeiten eines Mitgliedervotums zu stellen. Immerhin hat so mancher Kandidat auch schon recht üble Niederlagen bei solchen Wahlen erlitten.

Aber: Der Antrag kommt von der Basis. Und die hat natürlich ein Interesse daran, dass Fanbelange im Aufsichtsrat ausreichend zur Geltung kommen. Deswegen werden durch den Vorschlag von Mössner und Co. auch andere Vereinsgremien gestärkt. Kooptierte Aufsichtsräte müssen vor ihrer Ernennung zunächst durch den Wahlausschuss vorgeschlagen werden. Und der Wahlausschuss wiederum muss in seine Vorschlagsliste zumindest eine Person aufnehmen, die der Fanbeirat vorschlägt. Insofern wären Faninteressen gewahrt. Wobei die Anhängerschaft es früher auch auf dem herkömmlichen Weg geschafft hat, einen Vertreter ins Gremium zu entsenden: Man denke an die triumphalen Wahlerfolge des Rechtsanwalts Ralf Peisl, der von 2010 bis 2016 dem Aufsichtsrat angehörte.  Die Abstimmung über den Antrag könnte  jedenfalls zu den spannenderen Tagesordnungspunkten am Sonntag gehören.

Daheim wollen wir oft zuviel

Die Woche:

1. Wer mal im Club-Aufsichtsrat sitzt, der hockt da gern bis er rausgetragen wird. Macht und Einfluß scheinen dabei nicht die Beweggründe zu sein, denn nach der Wahl hört man selten was von den Aufsichtsräten. Am 8. Oktober strebt neben den Posteninhabern auch ein bekannter Medienkollege neu in dieses Gremium. Andreas Hock war mal Chefredakteur der inzwischen leider verblichenen Nürnberger Abendzeitung und veröffentlichte seitdem Bücher wie „Like mich am Arsch“ oder „Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“. Allein sprachlich wäre es also schon ein Gewinn, wenn der Hock im Aufsichtsrat hockt.

2. Beim Club ist man ein bisschen traurig darüber, dass sich die jüngsten Erfolge nicht in den Zuschauerzahlen niederschlagen. Ein spezifisches FCN-Problem ist das freilich nicht. Insofern scheinen sportliche Erfolge nicht der alleinige Grund des rückläufigen Zuschauerinteresses zu sein. Aber solange die Vereine gegenüber DFB und DFL nur buckeln, wird sich da nicht viel ändern.

3. Da sage noch einer, die Medien wären gleichgeschaltet und Sportberichte könnten bald aus einer Hand – notfalls auch durch entsprechende Software – abgeliefert werden. Schon bei der Frage, wer gegen die Bielefelder das Clubtor hütet, wurden deutliche Unterschiede offenbar: Kicker und NN tippten auf Bredlow, NZ und Bild auf Kirschbaum. Und wie sich herausstellte lagen das Fußballfachblatt und die Premiumzeitung daneben.

Das Spiel:

Wie schon im Spiel gegen St. Pauli war es wieder eine dieser scheinbaren Graumäuse der 2. Liga, gegen die wir zuhause nicht zurecht kamen. Ein paar Unterschiede zur Niederlage gegen die Hamburger gab es dann aber doch. Zum einen erarbeitete sich die Arminia deutlich mehr als nur eine Torchance. Zum anderen war die von Ortega zwar glänzend bewachte Bielefelder Bude nicht ganz so vernagelt wie die von St. Pauli. Allerdings reichte es für den FCN halt nur zu drei Aluminiumtreffern und zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ishak, dem dann sieben Minuten später nach einem Löwen-Fehler leider das ernüchternde 1:2 folgte.

Taktische Lehren aus dem Spiel zu ziehen, ist ein bisschen schwierig. Zunächst spielte der Club zu verhalten und ging erst nach dem Rückstand Risiko. Das wurde zwar belohnt, kurz danach aber auch schon wieder bestraft, Insofern war das vielleicht so ein Fall, wo man mal mit einem Unentschieden zufrieden sein sollte. Aber nachher sind wir halt leicht schlauer. Kann auch sein, dass der Club zuhause oft zuviel will, schließlich geht es auch um die Zuschauerzahlen, und dafür nicht belohnt wird.

Auf jeden Fall ist der FCN nach dem Derbysieg wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet und hat damit auch den Bielefelder Trainer widerlegt, der vor dem Spiel behauptete, der Club sei die wohl beste Mannschaft der 2. Liga. Dort gibt es ganz offensichtlich jedoch eine ganze Reihe von besten Mannschaften. Fast jeden Spieltag eine andere.

Ein Letztes:

In eigener Sache

Bei den Clubfreunden hat sich einiges geändert. Unser verehrter Stefan Hofer hat den Arbeitgeber gewechselt und ist daher auch leider nicht mehr bei den Clubfreunden aktiv (vielen Dank für alles und viel Erfolg im neuen Job). Für ihn springt Isabel Strohschein ein. Sie hat schon einmal vor fünf Jahren als Gastautorin für die Clubfreunde geschrieben und ist jetzt voll dabei. Allerdings als Freie, nachdem sie – wie ich übrigens auch – ihr Angestelltenverhältnis beim Verlag beendet hat. Marco ist also der einzige, der dort noch das Clubfreundefähnchen hochhält.

Vor diesem Hintergrund sind wir so frei, einige Änderungen im Blog durchzuführen. Wir wollen weg von den Spielberichten und unabhängig vom – sowieso zunehmend nervenden (gerade steht auch noch ein Montagabendspiel an) – Spielplan bloggen. Das jeweilige Spiel wird dafür in einem Wochenrückblick berücksichtigt. Dort geht es aber auch um alles, was sonst noch so beim Club und rund um den Club passiert ist. Der Wochenreport soll „Glubb-Weekly“ heißen und schon im Namen andeuten, dass hier internationaler Fußball auf fränkische Bodenständigkeit trifft. Wer also nicht regelmäßig alle Medien und Foren durchforsten und sich einfach nur im Wochenrhythmus updaten will, der ist hier richtig. Unabhängig vom Weekly soll hier auch jede Woche ein Clubthema eingehender behandelt werden.

Natürlich wollen wir dabei weiter aus der Fanperspektive bloggen – ohne Rücksicht auf etwaige Vorteile bei der Vergabe von Informationen oder Freikarten.

Club wird in Aue abgeschossen

Da startet der Club mit zwei Siegen und steht an der Tabellenspitze. Prompt herrscht allerorten Euphorie. Die wird nur leicht gedämpft als gegen Union Berlin nur ein glücklicher Last-Minute-Punkt rausspringt. Aber immerhin ist Berlin ja ein erklärter Aufstiegsanwärter. Also war es keine Frage, welche Erwartungen da gegen das bislang sieglose Aue gehegt wurden: Ein Dreier und zurück an die Spitze!

Aber wir kennen das als unverbesserliche Fans des Deppen leider schon zu Genüge: Wenn wir anfangen zu träumen und Höhenluft zu schnuppern geht es Richtung Fürth. So gab es jetzt in der Auer Stadionbaustelle einen richtig saftigen Abturner für den FCN. Und leider muss man sagen: Die Niederlage war völlig verdient und hätte sogar noch höher ausfallen können.

Begonnen hat der Club noch durchaus selbstbewusst. Man sah, dass er bereit war, die Favoritenrolle anzunehmen. Allerdings fehlte die letzte Zielstrebigkeit. Die beiden besten Chancen ließ dabei Cedric Teuchert liegen. Allerdings kamen dann die Hausherren zunehmend auf und Kirschbaum musste zweimal bravourös retten. Insofern durfte der Club mit dem 0:0 zur Pause durchaus noch zufrieden sein.

Aber anstatt die Lehren daraus zu ziehen, ging es in der zweiten Hälfte im gleichen uninspirierten Stil weiter. Blöd nur, dass Aue dann für seine Sturmbemühungen endlich belohnt wurde. Nach einer Stunde schlug der Ball erstmals hinter Kirschbaum ein. Konnte man hier noch von Glück sprechen (der Schuss von Wydra wurde abgefälscht), waren die zwei weiteren Treffer für Aue in der 73. und 78. Minute auf Unvermögen im Abwehrverbund zurückzuführen. Immerhin zeigte Möhwald drei Minuten vor Schluss noch, wie man Tore schießt. Aber da war es natürlich schon zu spät.

Klar, man kann durchaus mal ein Spiel verlieren. Auch gegen Aue. In der 2. Liga gibt es keine Underdogs. Bloß muss man aus solchen Niederlagen seine Lehren ziehen. Allein am Fehlen von Sebastian Kerk kann es nicht gelegen haben. Wobei man schon den Eindruck haben konnte, dass Köllners System eben nur mit einem Spieler wie Kerk funktioniert und gegen Aue nicht die optimale Lösung war. Warum er den bislang überzeugenden Kammerbauer nicht auflaufen ließ und stattdessen den als Innenverteidiger lustlosen Petrak brachte, war auch nicht ganz nachvollziehbar.

Noch besorgniserregender ist aber die Situation vorne. Teuchert agiert häufig zu überhastet und eigensinnig. Ishaks Spiel kann man bestenfalkls mit unauffällig beschreiben. Salli bringt zwar manchmal ein paar nette Gimmicks, aber kaum was Brauchbares. Bei Gislason warten wir immer noch vergeblich. Mag sein, dass das alles auch an den fehlenden Zuspielen liegt. So oder so herrscht vorne aber Handlungsbedarf. Deswegen muss beim Club im Sturm oder im offensiven Mittelfeld wohl doch noch nachgebessert werden. Für diese Erkenntnis war es immerhin gut, dass der Dämpfer dann doch so bald erfolgte.

Wir können´s auch gegen die Guten

Nach den drei Siegen zu Saisonauftakt war die Euphorie groß. Allerdings wurden die gegen Gegner eingefahren, die eher schwächer einzustufen sind. Nun war mit Union Berlin ein sogenannter Aufstiegsaspirant auf dem Platz. Da musste sich zeigen, ob die Köllner-Buben auch mit einem Spitzenteam mithalten können.

Zunächst sah alles danach aus, als ob der Club selbst hier drei Punkte einfahren kann. Das ging schon im Vorfeld los. Während wir zum Beispiel mit den Sabiri´schen Erpressungsversuchen durchaus mit diversen Topteams mithalten können, schaffte es Union nicht einmal, das Torwarttrikot mit nach Nürnberg zu nehmen. Busk musste daher mit einem Fan-T-Shirt antreten, was ihn allerdings nicht daran hinderte, eine Klasseleistung abzuliefern und den FCN-Stürmern ziemlich auf die Nerven zu gehen.

Auch die erste halbe Stunde konnte der Club deutlich für sich entscheiden. Das angebliche Spitzenteam aus Berlin kam kaum in unsere Hälfte und zog in den Zweikämpfen meist den Kürzeren. Was fehlte waren die Tore. So kam Union dann immer mehr auf und demonstrierte, warum man nicht zu Unrecht in der Liga ganz oben steht.

Dass es dann kurz nach dem Wechsel 0:1 hieß war dann eher einer gewissen Schlafmützigkeit der Clubelf zuzuschreiben. Da waren einige wohl noch gedanklich in der Kabine, so dass Hedlund freistehend vor Kirschbaum ins linke Eck einschieben konnte. Das war allerdings dann offenbar der nötige Weckruf. Auf einmal drückte der Club. Erst musste sich Busk gegen Leibold und Valentini auszeichnen. Gegen die Direktabnahme einer Kerk-Flanke durch Cedric Teuchert war er in der 55. Minute allerdings machtlos. Danach schaltete der Club wieder einen Gang runter und hatte Glück, dass ein Petrak-Patzer nicht bestraft wurde. In der 66. Minute gingen dann die Berliner aber durch den Ex-Cluberer Sebastian Polter erneut in Führung. Thorsten Kirschbaum blieb nach einer Ecke auf der Linie kleben, hätte aber wohl zum, an sich angebrachten Rauslaufen ein paar Leute über den Haufen rennen müssen. Insofern sah das zwar unglücklich aus, war aber auch kein Grund, jetzt irgendeine Torwartdiskussion vom Zaun zu brechen.

Zumal dann der Club doch noch zurückschlug und durch Hanno Behrens (Kopfball nach Salli-Flanke) in der 90. Minute den durchaus verdienten späten Ausgleich erzielte. In der Nachspielzeit gab es dann noch eine rote Karte für den Berliner Prömel. Dann war Schluss.

Immerhin wissen wir jetzt: Wir können mit anerkannten Spitzenteam auf Augenhöhe mitspielen. Zudem macht unsere Mannschaft zurzeit richtig Spaß, weil sie nicht nur schön kombiniert, sondern auch niemals aufgibt. Von den 29.000 Zuschauern, die zum Spitzenspiel ins Morlock-Stadion gekommen waren, dürfte jedenfalls kaum einer seinen Besuch bereut haben.

Bleibt nur zu erwähnen, dass der arme Sabiri dringend einen neuen Berater braucht. Aber das ist ein Nebenschauplatz, der nach so einem Spiel nicht wirklich interessiert. Wesentlich schlimmer ist da schon, dass Sebastian Kerk einen Achillessehnenriss erlitt und wahrscheinlich Monate ausfallen dürfte.

Club gewinnt packendes Pokalduell


Duisburg hätte der 1.FC Nürnberg in der ersten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs sogar ausscheiden dürfen, ohne sich zu blamieren – immerhin hatte der Club diesmal Lospech und musste zu einem Zweitliga-Rivalen reisen, wo doch auch Gegner wie Erndtebrück, Dorfmerkingen oder Rielasingen-Arlen im Pott gewesen wären. Der Club hätte also ausscheiden dürfen  – tat er aber nicht. Zum Mann des Spiels beim 2:1 (2:0)-Erfolg avancierte Sebastian Kerk, der mit Eckstößen die Kopfballtore von Hanno Behrens (21.) und Georg Margreitter (40.) vorbereitete.

Duisburg hielt in einem packenden  Duell der beiden Bundesliga-Gründungmitglieder in den ersten 45 Minuten gut mit, die besseren Chancen aber hatte  in der intensiv geführten, temporeichen Begegnung zunächst der Club. Standardspezialist Kerk hätte sich auch selbst in die Torschützenliste eintragen können, scheiterte aber zweimal am Ex-Fürther Flekken im MSV-Gehäuse (10./38.). Die beste Möglichkeit  für die Hausherren wiederum  vergab Brandstetter, der den Nürnberger Keeper Thorsten Kirschbaum nicht überwinden konnte (17.).

Nach dem Seitenwechsel verzeichneten die nie aufgebenden „Zebras“ mehr Spielanteile, der Club stand hinten aber sehr sicher. Richtig gefährlich wurde es selten. Einmal klärte Margreitter in höchster Not vor Onuegbu (69.), einmal rettete Kirschbaum gegen Iljutcenko (83.), einmal traf  Onuegbu die Latte (86.). Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit kam der MSV doch noch zum 1:2 – Wolze verwandelte einen Foulelfmeter, den der eingewechselte Alexander Fuchs verschuldet hatte.  Kurz darauf ist Schluss und der Club eine Runde weiter. Erndtebrück, Dorfmerkingen und Rieslasingen-Arlen werden aber auch in Runde zwei nicht auf den 1.FC Nürnberg warten – sie sind allesamt ausgeschieden.