In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.

Aue (mit dem früheren Club-Stürmer Albert Bunjaku als Einwechselspieler) musste die erste Niederlage unter dem neuen Coach Domenico Tedesco (er ersetzte den zurückgetretenen Pavel Dotchev) hinnehmen, für die „Macht aus dem Schacht“ dürfte es im Abstiegskampf nun wieder sehr eng werden. Der 1.FC Nürnberg sollte nun mit Volldampf in die Planungen für die Zweitligasaison 2017/18 einsteigen. Im „kicker“ durften die Nürnberger übrigens nachlesen, dass seit Einführung der Dreipunkteregel (1995/96) noch nie ein Team mit nur 35 Punkten nach 28 Spieltagen Achter war, insofern ist der Club also der schlechteste Achte aller Dreipunktezeiten. Der Ruhmreiche ist halt immer für besondere „Titel“ gut.

Alte Schwachstellen, neuer Soundtrack

Nur schlecht reden möchte den neuen Club auch keiner. Deswegen fangen wir mal mit dem Positiven an. Die erste Halbzeit war durchaus ansehnlich. Der Club praktizierte teilweise Powerplay, entwickelte viel Druck und schnürte den Zweitliga-Siebzehnten aus Hamburg teilweise ein. Allerdings: Richtig gefährlich wurde es vor dem Tor von St. Pauli trotzdem nicht. Irgendein Pass kam immer nicht an und eine Idee, wie der Ball ins Netz finden soll, war letztlich auch nicht erkennbar.

Das könnte man auf das kurzfristige Fehlen von Kevin Möhwald schieben. Aber in den letzten Spielen, als er noch die Fäden im Mittelfeld ziehen sollte, war es leider auch nicht anders. Heute kam allerdings noch hinzu, dass nun Tobias Kempe allein für die Standards verantwortlich war und daraus null Kapital zu ziehen wusste.

Im Sturm lief diesmal Dominic Baumann auf. Inzwischen scheint es aber schon egal, wen Michael Köllner dorthin stellt, er mutiert immer zum Ausfall.

Aber beim vom Köllner propagierten Neuaufbau ist die Mannschaft ja auch erst bei 80 Metern angelangt. Die restlichen 20 werden erst noch durchgenommen. Insofern wollen wir nochmal Geduld walten lassen.

Leider erhöht die Flaute vorne dann aber den Druck hinten. Da ist die Clubabwehr halt immer für den einen oder anderen Aussetzer gut. Das war dann auch diesmal so. Bulthuis lascher Kopfball bringt St. Pauli in Ballbesitz. Den Schuss von Sahin kann Schäfer dann zwar abwehren, aber genau zu Bouhaddouz der nur noch abstauben muss. Jetzt war der Wurm im gesamten Clubspiel drin. Das Anrennen gestaltete sich noch planloser, die Folge: In der 70. Minute machte erneut Bouhaddouz den Deckel drauf. Und nachdem sich unsere Mannschaft nicht mal mehr selber einen Torerfolg zutraute, war der Käse gegessen.

Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings auch ein Akteur, den Köllner unter der Woche in die Pflicht genommen hat: das Publikum. Das war diesmal zweigeteilt. Da waren zum einen die Ultras, die jedoch zum Stimmungsboykott aufgerufen hatten, was sich für Außenstehende jedoch nicht einmal negativ bemerkbar machte. Statt dem bekannten, eher eintönigen, mit Trommelklang unterlegten Singsang war diesmal sogar zu hören, ob der Club am Drücker war oder der Gegner eine Chance besaß. Die Nicht-Ultras im Stadion schienen ihre Chance zu nutzen, sich auch mal akustisch äußern zu können. Leider brachte sie der Spielverlauf dann eben auch zum Verstummen. Insofern war das, was den Neuaufbau anging, eine eher gescheiterte Doppelstunde.

Nicht schlecht, aber zu harmlos

Bis vor wenigen Wochen wäre da jede Menge Zündstoff drin gewesen. Inzwischen sind unser Ex-Manager und unser Ex-Chefscout bei ihrem neuen Verein auch abserviert worden. Dazu geht für den Club nach oben nichts mehr und nach unten nicht mehr viel. Insofern wra das eine gute Gelegenheit für den aktuellen Clubcoach Michael Köllner, beim Spiel in Hannover seine taktischen Umstellungen einzustudieren.

Wobei sich die diesmal in 4-3-2-1 auflaufende Mannschaft mittlerweile schon fast von selbst aufstellte. Zehn Ausfälle sind zu beklagen. So musste dann sogar der angeblich kranke Dave Bulthuis ran. Nicht verwunderlich also, dass einem zu Beginn des Spiels angst und bange werden musste um unseren Club. Hannover legte furios los und hatte eine Torchance nach der anderen. Doch nach gut zehn Minuten hatte sich die Notelf gefunden und der Elan der 96er verpuffte. Plötzlich versuchte es die von ihrem Hörgerätehersteller zum Aufstieg verdonnerte Mannschaft mit weiten, aus der Verzweiflung geborenen Pässen. Auf der anderen Seite schaffte es der Club aber leider auch nicht, offensiv etwas zu reißen. Folgerichtig ging es mit einem 0:0 in die Pause.

Doch nach der Pause passierte es dann doch. Der ehemalige Nürnberger Niklas Füllkrug bediente seinen Sturmkollegen Martin Harnik, der dann in der 47. Minute die Führung markierte. Da zeigte sich leider auch, dass Hannover Spieler hat, die wenigstens einmal einen Angriff erfolgreich zu Ende spielen können ohne dabei auf Fehler der gegnerischen Abwehr bauen zu müssen. Auf der anderen Seite musste der Club erkennen, nicht immer auf die Mithilfe des Schiedsrichters bauen zu können. Der pfiff eine elfmeterverdächtige Situation gegen der Clubangreifer Eduard Löwen.Trotzdem: Wie schon in den letzten Spielen ging halt nach vorne viel zu wenig zusammen. Da war nicht nur der erneut enttäuschende Winterzugang Ishak dran schuld, sondern auch die meist verunglückten Flanken, besonders von dem zudem oft zu langsamen Mannschaftskapitän Miso Brecko. Während der Club immer stärker auf den Ausgleich drängte, jedoch nur einen Pfostentreffer durch Mühl zustande brachte, ließ Hannover auf der anderen Seite ein paar hundertprozentige Konterchancen liegen.

Verdient hätte sich der Club den Ausgleich durchaus. Doch neben der schon bekannten Schwäche vor dem gegnerischen Kasten, fehlte diesmal auch das gnädige Eingreifen des Schiris. Dann kommt halt am Ende so eine unbefriedigende 1:0-Niederlage heraus, nach der morgen keiner mehr fragt. Immerhin bleibt festzuhalten: Der Club kann selbst gegen einen potenziellen Aufsteiger mithalten. Hätten wir einen solventen Mäzen wie 96 und demzufolge noch Guido Burgstaller mit dabei, hätten wir das wahrscheinlich gewonnen.

Club verliert beim neuen Tabellenführer


Eine Phrase vorab: Jede Serie hat einmal ein Ende. Bisher verlor der 1.FC Nürnberg noch nie in der Zweiten Bundesliga gegen Union Berlin, doch nach sechs Siegen und einem Remis ist der Nimbus des Angstgegners perdu. Mit 1:0 setzte sich das Team von Jens Keller an der Alten Försterei durch und übernahm die Tabellenführung vom zuletzt leicht kriselnden VfB Stuttgart.  Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde die Partie auf ein 0:0 zusteuern.

Der nach wie vor von vielen Ausfällen gebeutelte Club – diesmal musste er neben den Langzeitverletzten auch die bereits zu ihren Nationalmannschaften einbestellten Hovland und Gislason entbehren – startete mit einer Änderung: Abräumer Behrens kehrte nach abgesessener Sperre wieder zurück, dafür blieb Stürmer Ishak draußen. Insofern ging Trainer Michael Köllner mit einer etwas defensiveren Formation in sein zweites Spiel als Zweitliga-Cheftrainer.

Die wohl beste Chance der Gäste im ersten Abschnitt hatte Salli, dessen Bogenlampe beinahe im linken oberen Toreck gelandet wäre. Unions Keeper Mesenhöhler lenkte den tückischen Ball gerade noch über die Latte (29.). Direkt danach kam dann aber Union Berlin in die Gänge. Polter, in der Saison 2012/13 als Leihspieler für den Club in der Bundesliga aktiv (26 Einsätze/5 Tore), verzog zweimal knapp (30./33.). Dann musste Nürnbergs Torwart-Oldie Schäfer, der wieder den verletzten Kirschbaum vertrat, gegen Skrzybski klären (36.). Damit endete die Drangphase der Berliner wieder.

Zu Beginn der zweiten Hälfte tauchte Löwen gefährlich frei vor Mesenhöhler auf, produzierte aber nur ein Schüsschen, das den Union-Torwart nicht besonders forderte (49.). Anschließend gab es viel Kampf im Mittelfeld, ohne dass beide Mannschaften in der ausgeglichenen Partie besondere Durchschlagskraft erzielt hätten. Eine kuriose Spielunterbrechung – Schiedsrichter Dr. Drees meldete sich für einige Minuten ab (75.) – hatte aber offensichtlich belebende Wirkung für die Heimelf. Jedenfalls entschieden die Berliner nach dem Wiederanpfiff das Spiel für sich. Erst  traf Polter den Pfosten (81.), doch dann machte der eingewechselte Hosiner nach einer tollen Kombination über Trimmel und Skrzybski ernst und traf aus kurzer Distanz zum 1:0 (83.). Schäfer, der noch dran war, verhinderte in der Nachspielzeit gegen Schönheim und (durch zeitiges Herauslaufen) gegen Redondo weitere Gegentreffer.

Während Berlin von der Bundesliga träumen darf, steht der 1.FC Nürnberg als Zehnter im Niemandsland der Tabelle. Neun Punkte Vorsprung vor Rang 16 dürften ein ausreichendes Polster sein, um den Blick wenigstens nicht mehr nach unten richten zu müssen.

Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.

Dem Club fehlt ein Lodda


Wir könnten eigentlich zufrieden darüber sein, dass unsere Kritik an Alois Schwartz erhört wurde. Sind wir aber nicht. Die Gründe, dass ein offensichtlich nicht zum Club passender Trainer nicht nur verpflichtet, sondern auch noch teuer eingekauft wurde, bestehen leider weiter. Bei der Analyse dieser Gründe hilft das Traditionsvereins-Geschwurbel eher bedingt weiter. Nur insofern, als dahinter das Bewusstein steckt: Früher war mehr Ramba-Zamba.

Heute gibt es stattdessen „Seriosität“ und „Professionalität“.

Beim Club klopft man sich dafür gerne auf die Schulter. Auf diese Weise kehre der Club aus dem Dunkel der Bader/Woy-Jahre zurück ins Licht.

Dass die Finanzen seriös verwaltet und Eskapaden auf dem Transfermarkt vermieden würden, dagegen hat keiner etwas einzuwenden. Das ist eigentlich selbstverständlich. Beim Finanziellen erwarten wir keine Unterhaltungswerte. Auf dem Platz hingegen schon. Und von einem Trainer eventuell auch. Das jedoch haben die Bornemanns und Meeskes im FCN offenbar nicht so auf dem Schirm. Vielleicht ist auch die Club-Familie zu derartigen Differenzierungen nicht in der Lage. Paradigmenwechsel funktionieren eben oft nur, wenn sie nicht allzu komplex daher kommen. Gediegene Finanzverwaltung geht dann aber mit gediegener Spielverwaltung einher. Das Resultat ist Langeweile und Ödnis.

Das Folgen sieht der Clubfan seit Monaten. Einerseits auf dem Platz, andererseits auf den Rängen. Die werden immer leerer und das liegt beileibe nicht bloß an der mediokren Tabellensituation.

Dass hinter dem Wunsch nach derartiger „Seriosität“ auch handfeste Eigeninteressen stecken, wird übrigens auch an der von den Vereinen betriebenen eigenen medialen Vermarktung deutlich. Da werden Printreporter gerade noch akzeptiert, weil man noch keine eigene Tageszeitung produzieren kann. Die anderen versucht man gefügig zu machen oder auszugrenzen und anzuschwärzen. Der Club bildet da keine Ausnahme.

Abwaschbare Berichterstattung, lobhudelnde Tweets, blutleere Mannschaftsauftritte, streberhafte Trainerplattitüden: all das passt nicht zum FCN. Dass wir vor diesem Hintergrund einmal (wobei wir Michael Köllner derzeit die Befähigung zum Traineramt nicht absprechen wollen) Lothar Matthäus näher treten würden, hätten wir nie gedacht. Jetzt tun wirs! Lodda üernimm! Bring endlich Pep in den Laden, bevor wir vollends abschlaffen!

Wenn ihr der gleichen Meinung seid, dann unterzeichnet doch bitte diese Petition.

Das Stadion ist schuld

Lasst uns über das Stadion reden. Da ist mehr los. Da bröckelt der Beton. Schon werden wieder Baupläne gewälzt. Große Pläne. Für die EM 2024, aber nicht nur.

Die Realtät auf dem nur wenige Zentimetre über dem Grundwasserspiegel liegenden Rasen sieht leider anders aus. Da bemüht sich die Mannschaft gerade, eher kleine Stadionlösungen zu forcieren. ODer Zuschauerzuspruch wird von Spiel zu Spiel bescheidener. Das liegt allerdings nur bedingt an den manchmal ungünstigen Anstosszeiten. Das liegt bedingt an der mediokren Tabellensituation, wo nicht einmal mehr die Volloptimisten an den Wiederaufstieg glauben. Das liegt aber vor allem an dem uninspirierten Bemühen, wie die Clubmannschaft unter Alois Schwartz ihre Heimspiele gestaltet. Braves Handwerk, sinnbefreites Kilometerfressen, aber kein Plan, wie man eine Abwehr knackt. Selbst an der Bochumer scheitert unser FCN und die kamen mit dem Ruf eines der schlechtesten Auswärtsteams und immer für ein Gegentor gut zu sein nach Nürnberg. Trotzdem: Selbst gegen diesen VfL hätten wir heute noch stundenlang anrennen können. Da wäre nichts passiert. Dafür ist der Club hinten immer für einen Treffer anfällig. So – leider – auch heute.

Die Spielweise des Clubs erinnert inzwischen frappant an die Ausstrahlung ihres Trainers: bieder und blaß. Insofern erkennt man zwar die Handschrift von Alois Schwartz, aber nichts, was irgendwie Hoffnung macht. Selbst da, wo diese bislang aufkeimte, herrscht inzwischen Ödnis. Sabiri zum Beispiel hat sich längst angepasst. Teuchert oder Ishak kommen zu spät, um noch etwas zu reißen und hängen zudem vorne in der Luft, weil aus dem Mittelfeld nichts kommt. Gislason, in München noch der einzige Aktivposten, wirbelte heute nur noch alibimäßig. Torgefahr ging von ihm auch nicht aus.

Eine seltsame Bräsigkeit scheint auf der gesamten Mannschaft zu lasten und die liegt nicht nur am Weggang von Guido Burgstaller oder daran, dass die Mannschaft zu wenig Qualität hat. Jakub Sylvestr, vom Club als untauglich ausgemustert, hat zeitgleich für seinen neuen Verein drei Tore gemacht.

So scheint selbst auf dem anderen Schauplatz, über Spielerverkäufe die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, der Wurm drin zu sein. Womit wir wieder bei Stadion wären. Wenn da der Beton bröckelt, dann strahlt das eben auch auf die Mentalität der dort agierenden Beteiligten ab. Einen anderen Grund kann es schließlich nicht geben… Oder fällt euch einer ein?

Ende einer imposanten Serie


Gut, die zwischenzeitlich schon arg enteilten Braunschweiger kriseln momentan und gaben nun auch Relegationsrang drei an Union Berlin ab. Dennoch werden wohl jetzt auch die kühnsten Optimisten einsehen müssen, dass der 1.FC Nürnberg in der Spielzeit 2017/18 in seine vierte Zweitligasaison in Folge gehen wird. Bei den Münchner „Löwen“ gab es für die Nürnberger eine 0:2-Pleite. Trotz großer Personalnöte parkte der 1.FC Nürnberg dabei seine vier externen Winter-Neuzugänge ein weiteres Mal auf Bank und Tribüne. Der TSV München 1860 startete mit einem zur Jahreswende eingekauften Quartett – und prompt avancierten zwei der Neuen im bayerischen Derby zu Matchwinnern. Nach einer Viertelstunde war es der aufgerückte Abwehrhüne Ba, der einen Eckstoß von Aycicek mit einem wuchtigen Kopfstoß zum 1:0 verwertete. Und in der 39. Minute zog Mittelfeldspieler Lumor von der Strafraumkante ab und traf ins kurze Eck. Club-Keeper Kirschbaum, der bisher eine so starke Saison spielte, sah bei beiden Treffern nicht besonders gut aus.

Während es sich die „Löwen“ leisten konnten, Spieler wie Olic, Liendl, Adlung oder Aigner auf der Bank zu lassen, verschärften sich beim Club vor dem Spiel noch einmal die Personalsorgen. Nach Erras, Leibold, Bulthuis, Sepsi und Brecko meldeten sich im Vergleich zur Vorwoche auch Innenverteidiger Margreitter (verletzt) und Stürmer Matavz (krank) ab. Mühl und Gislason, der überraschend den Vorzug vor Teuchert und Ishak bekam, rückten neu in die Startelf. Gislason sorgte denn auch für einigen Betrieb im ersten Durchgang, aber insgesamt stellten die Gastgeber das bessere Team und führten zur Pause durch die beiden eingangs erwähnten Treffer verdient mit 2:0. Nach dem Wiederanpfiff vereitelte Kirschbaum das 0:3 aus Nürnberger Sicht, als er geistesgegenwärtig aus seinem Kasten eilte und dem freistehenden Aycicek den Ball abluchste (59.). Club-Coach Alois Schwartz brachte dann Parker und Hufnagel für Sabiri sowie Kempe (62.), später kam auch noch Ishak für Möhwald (77.) – aber zwingende Chancen erspielten sich die Nürnberger auch mit den frischen Kräften kaum. Und so endete an diesem Abend auch eine imposante Serie: 41 Zweitligaspiele in Folge hatte der Club immer mindestens ein Tor erzielt. Nun hängt der „Ruhmreiche“ im grauen Mittelfeld fest. Die Münchner dagegen haben jetzt sieben Punkte Vorsprung vor dem Quartett auf den letzten vier Plätzen, das geschlossen 18 Zähler aufweist. Das Abstiegsgespenst könnte bald verjagt sein.

Der Klassenerhalt ist noch drin

Die Hinrunde begann schon extrem bescheiden. Gegen Aufsteiger Dresden war da aber immerhin noch in 1:1 drin. Damals schoß Burgstaller den Treffer und der Schiri ließ so lange nachspielen, bis Dynamo dann doch noch traf.

Zum Rückrundenauftakt musste der Club ohne solche Hilfen auskommen. Wesentlich schwerer wog dabei aber das Fehlen des Hinspieltorschützen Burgstaller. Der wurde auf der linken Seite durch den Youngster Adelhamid Sabiri ersetzt. Und das nicht einmal schlecht. Zumindest nach vorne lief fast alles über die Seite des Debütanten. Allerdings kamen nach einer Anfangsphase, in der der Club eigentlich alles im Griff hatte, auch die Dresdner zunehmend über diese Seite vors FCN-Tor. Da offenbarten sich dann die Schwächen in der Defensive. Sabiri fehlte da noch die Abstimmung mit Linksverteidiger Sepsi und dem fehlten wieder einmal Übersicht und Durchsetzungsvermögen. Nach einer guten halben Stunde ließ er den Dresdner Berko vorbeiziehen, der dann unbehindert in den Strafraum flanken konnte, wo Heise nur noch einschieben brauchte.

Jetzt wurde auch ergebnismäßig deutlich, was sich schon auf den Rängen und akustisch manifestierte: die Dynamo-Übermacht. Von einem Heimvorteil konnte nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Der Club sah sich zwar irgendwie in der Rolle, das Spiel machen zu müssen, fand aber nicht die adäquaten Mittel. Vor allem fehlte jegliches Überraschungsmoment. So konnte man höchstens das stete Bemühen loben und hoffen, der Trainer würde in der Pause die richtigen Worte und die entsprechenden Stellschrauben finden.

Ein Trugschluss! Nicht nur, dass Schwartz den abermals indisponierte Sepsi wieder auf den Rasen schickte und den vorne vielleicht zu etwas mehr Wirbel fähigen Teuchert auf der Bank ließ: Es dauerte nicht einmal eine Minute bis Kirschbaum erneut hinter sich greifen durfte. Berko hatte sich in der geistig noch nicht voll präsenten Clubabwehr durchgesetzt und zum 2:0 erhöht. Dynamo spielte jetzt mit seinen 10.000 Fans im Rücken noch selbstbewusster auf und beim Club wurde die eh schon vorhandenen Defizite noch deutlicher: Keiner da, der die Mannschaft mal mitreißt, fehlendes taktisches Verständnis und die schon erwähnte Einfallslosigkeit. Erst nach einer Stunde sah sich der Trainer dann bemüßigt, doch zwei neue Spieler zu bringen. Auslöser war allerdings eine Verletzung von Kapitän Brecko. Kammerbauer und Teuchert kamen. Prompt wirkte Dynamo verunsichert. Der Club kam plötzlich zu Chancen und in der 72. Minute auch zum Tor. Lukas Mühl konnte nach einer Ecke den Ball ins Tor bugsieren. Ein Tor, das dem Club jetzt immerhin den Titel beschert, die längste Zeit wenigstens einen Treffer erzielt zu haben. Bislang lagen wir da gleichauf mit Wattenscheid.

Kaufen können wir uns dafür nichts. Zumal es dann bei diesem einen Treffer blieb. Das ganze Winterpausengeschwätz, die ewigen Durchhalteparolen und das Gefasel von der optimalen Vorbereitung: alles obsolet. Die Chance, doch noch nach oben schielen zu können, wurde nicht vertan, sie besteht – das muss man leider konstatieren – mit diesem Team leider nicht. Ob sie mit Burgstaller bestanden hätte, ist jetzt auch eine müßige Überlegung. Als einziges Ziel kann derzeit nur gelten, die Klasse zu erhalten, die Kasse zu konsolidieren und noch ein paar Youngsters an die 2. Liga ranzuführen. Der FCN-Winter wird wohl noch etwas länger andauern.

Eingeknastet in der Zweiten Liga

Der Club ist schon  als Meister aus der Bundesliga abgestiegen (im Jahr 1969), als Pokalsieger (2008), mit 17 Auswärtsniederlagen (1984), mit einer Hinrunde ohne Sieg (2014) und mit einem Sturz von 12 auf 16 am letzten Spieltag (1999): Für negative Superlative ist der Ruhmreiche also bekannt. Nun aber mal ein positiver Rekord im Jahr 2016: 38 Zweitliga-Spiele in Serie hat der 1.FC Nürnberg stets ein Tor erzielt, das glückte außer der SG Wattenscheid 09 (September 1987 bis Dezember 1988) keinem Verein.
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