Vogelwild in Darmstadt

Die Woche:

  • Dass ein Clubspieler gleich mehrfach mit Toren in unserer Nationalmannschaft für Furore sorgt, ist schon lange her. Die Älteren, wie ich, erinnern sich noch vage an Heinz Strehl, der mal in einem Spiel alle drei Tore erzielt hat. Das war im September 1962 gegen Jugoslawien. Jetzt hat Robin Hack das Gleiche bei der deutschen U21 geschafft. Übrigens jener Robin Hack, nach dessen Auswechslung der Club im letzten Heimspiel noch eine solide 2:0-Führung vergeigte.
  • Nur in der Regionalliga kicken die Frauen des FCN. Jetzt hatten sie aber mal ein echtes Erfolgserlebnis zu feiern, den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Dass für die Betreuung der Frauen-Webseite jemand mit fränkischer B-P-Schwäche zuständig zu sein scheint, geschenkt! Den „DFP-Pokal“ haken wir unter Bodenständigkeit ab.
  • Die Klatschreporter unter den Sportjournalisten scheinen Michael Köllner doch etwas nachzutrauern. Geballt tauchte er vergangene Woche auf, weil er erst im Trachtenanzug das Altstadtfest und dann im Smoking den Opernball besucht hatte. Was Promis angeht, klafft in Nürnberg halt eine Lücke. Das hat der Fuchsmühler immerhin gut erkannt.
  • Wenn man einen Österreicher als Coach hat, dann wundert einen sowas nicht wirklich: Dieser Tage griff Ski-Erfolgstrainer Mathias Berthold ins Clubtraining ein. Vielleicht sollte einfach der Begriff „Erfolgstrainer“ abfärben.

Das Spiel:

Am Böllenfalltor musste Trainer Canadi kurzfristig nach Sörensen mit Valentini einen weiteren Verletzten ersetzen. Für ihn rückte Sorg nach. In der Dreierkette spielten mit Margreitter, Mühl und Erras drei alte Bekannte. Allerdings: Sicherheit brachte das nicht. Im Gegenteil! Obwohl Darmstadt den bislang schwächsten Sturm der zweiten Liga aufwies, stellte dieser die Clubabwehr ein ums andere Mal vor massive Probleme. Schon nach sechs Minuten gingen die Hausherren durch den Ex-Fürther Dursun in Führung. Viel zu einfach konnten die Darmstädter Heller und Mehlem da durch die FCN-Abwehr spazieren.

Aber da war ja noch unser U21-Goalgetter. Nicht mal zwei Minuten später marschierte Robin Hack, von Dovedan frei gespielt, übers halbe Feld und schob zum Ausgleich ein. Sattelfester und souveräner wurde unsere Mannschaft dadurch allerdings nicht. Die Lilien dominierten das Spiel. Nach einer halben Stunde lag der Ball dann wieder hinter Mathenia im Netz. Wieder war es Dursun. Allerdings wurde das Tor dann via Videobeweis (ein Darmstädter stand knapp im Abseits) aberkannt. Wer spätestens jetzt erwartete, dass der Clubtrainer einen Wechsel in der Abwehr vornehmen und eventuell auf Viererkette umstellen würde, sah sich aber getäuscht. Canadi tobte nur am Spielfeldrand herum und hoffte wohl auf das Glück. Das kam dann in Gestalt des starken Michael Frey, der einen Freistoß von Sorg zur überraschenden Clubführung verwerten konnte.

In der zweiten Hälfte kam dann doch Jäger für Margreitter. Nun versuchte der Club sich die Führung quasi nachträglich zu verdienen. Allerdings wurden dabei hundertprozentige Chancen leichtfertig vergeben (Dovedan, Hack). Dann schien man sich aufs Verwalten des Vorsprungs geeinigt zu haben. Auf einmal kamen die Hausherren wieder zu Gelegenheiten. Dass dann in der 75. Minute der Ausgleich fiel, war bei der indisponierten Clubabwehr leider nicht fast erwartbar. Diesmal war der Videobeweis auf Darmstädter Seite. Und es kam noch schlimmer. Fast schon symbolisch für die Leistung der Clubabwehr war die Szene in der 82. Minute Erras und Mathenia räumen sich gegenseitig ab, Dursun sagt Danke und schiebt ins leere Tor. Gottseidank hatten wir aber noch Robin Hack. Drei Minuten später traf er aus der zweiten Reihe zum Ausgleich. Dabei blieb es, nachdem der eingewechselte Kerk nur den Pfosten getroffen hat.

Für unbeteiligte Zuschauer war das sicher ein interessantes Spiel. Für Clubfans jedoch eine Tortur. Da musste man sich fast noch freuen, weil wenigstens ein Punkt rumgekommen ist. Trotzdem: Mit dieser Abwehr wird das diese Saison nichts!

Ein Letztes:

Vielleicht auch eine Lösung:

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Die Woche:

1. Hatten wir letzte Woche noch etliche drohende Abgänge zu vermelden, hat sich inzwischen die Lage offenbar etwas entspannt. Finanzvorstand Michael Meeske fand das Interesse des HSV an ihm zwar schmeichelhaft, will aber dann doch lieber seinen Vertrag beim Club erfüllen. Tim Leibold könnte laut Clubkapitän Hanno Behrens auch bleiben. Auch Kevin Möhwald betont, es sei noch nicht entschieden, ob er wechselt. Und auch aus dem Lazarett dringt Positives. Mikael Ishak kann eventuell nach der Länderspielpause wieder eingreifen und Sebastian Kerk steht auch schon in Laufschuhen auf dem Platz.

2. Der ehemalige Clubtrainer Gertjan Verbeek hat der WAZ ein Interview gegeben. Eigentlich zu seinem abrupten Abgang beim VfL Bochum. Er sagte aber auch einiges zu seinem Vorgöängerengagement beim FCN. Zum Beispiel lobte er die Stadt Nürnberg („wunderschön“), die Fans („ein Kultclub“) und die viele Menschen, mit denen er „herzlich gern“ zusammengearbeitet habe. Dafür zieht er über unseren damaligen Manager Martin Bader ziemlich deutlich vom Leder. Der habe „keine Ahnung von Fußball“ gehabt, sich aber dennoch überall eingemischt.

3. „Der Club schlägt die Bayern“: Ein Satz, von dem viele von uns träumen. Jetzt darf man ihn hinschreiben. Denn unsere U21 hat die zweite Mannschaft des FC Bayern mit 3:1 geschlagen. Weil es „nur“ der Nachwuchs war, wurde dieser Sieg medial nicht groß abgefeiert. Dabei ist der Nachwuchs die Zukunft. Und in die können wir wohl ganz optimistisch schauen.

4. Nach den Club-Heimspielen heißt es künftig erst einmal: Leergut zurückbringen. Die Stadt Nürnberg will etwas gegen den Plastikmüll unternehmen. Die bislang verwendeten Einwegbecher werden abgeschafft.

Das Spiel:

Trainer Köllner ließ gegen die abstiegsbedrohten Darmstädter die gleichen Spieler auflaufen, die auch in Bielefeld an den Start gingen. Mit dabei also jene Stürmer, bei denen wir alle seit Wochen vergeblich auf den Ishak-Effekt hoffen. Leider ging bei Salli, Trelak und Stefaniak auch im nur mit 27.000 Zuschauern besetzten Max-Morlock-Stadion kein Knopf auf. Dabei bemühte sich die Mannschaft immerhin, Chance um Chance zu generieren. Nach dem Motto: die Masse macht´s! Dummerweise bewiesen ihr die Gäste dann nach 18 Minuten das Gegenteil. Die erste, durch Abwehrunvermögen begünstigte Gelegenheit saß gleich. Boyd kann nach einer Ecke aus drei Metern einnicken. Das ermöglichte es den Darmstädtern, sich erst recht hintenreinzustellen und genußvoll zuzusehen, wie der Club sich die Zähne ausbeißt. Wobei der erst einmal verunsichert wirkte und außer viel Ballbesitz und neuerlichen Ecken nichts zustande brachte.

Nach der Pause versuchte es unsere Mannschaft gegen die nun zeitweise mit einer Sechserkette verteidigenden Darmstädter mit Kampf und Dauerdruck. Doch das Gästetor schien wie vernagelt. Irgendwie stand immer ein Darmstädter Fuß und einmal auch der Pfosten im Weg. Und dann war er dann doch drin. Nach der 15. oder 16. Ecke musste ausgerechnet Verteidiger Georg Margreitter die Torflaute beenden. Selten wurde wohl für ein einziges Tor mehr Aufwand betrieben. Und dass das die letzten 15 Minuten so weiter ging und nicht wie erhofft der Knoten aufgegangen ist, muss man leider auch konstatieren. Es passierte nämlich nichts mehr.

Jetzt ist erst einmal Länderspielpause. Beim Club scheint die gerade recht zu kommen. Eine Auszeit, in der Verletzungen auskuriert und an etlichen Stellschrauben gedreht werden kann. Immerhin weiß die Mannschaft nun, dass sie Tore zumindest erzwingen kann.

Ein Letztes:

Wenn er Dinge verbal nicht ganz sauber eintütet, wird Clubtrainer Michael Köllner gerne zum „gebürtigen Oberpfälzer“. Auch jetzt, als er in einem Interview das D-Wort beerdigen wollte und dafür sogar einen Termin nannte: Karfreitag. Hoffentlich steht es dann nicht drei Tage später wieder auf…

Kräftiger Einlauf in Darmstadt

SV Darmstadt 98 - 1. FC NürnbergVor beeindruckender Kulisse liefen die Teams in das Stadion am Böllenfalltor ein. Die Darmstädter Fans hatten ein beachtliche Choreografie auf die Beine gestellt, von den ausverkauften Rängen dröhnte dazu der Klassiker „You’ll never walk alone“. 16.500 Zuschauer kamen trotz der unpopulären Spielzeit um 20.15 Uhr an diesem kalten Montag, um ihre Mannschaft anzufeuern. Rund 2000 Gästeanhänger waren extra aus Nürnberg angereist. Aus der Gegend, wo das Motto „You’ll never walk alone“ so selbstverständlich gelebt wird, dass es so gut wie nie extra besungen werden muss.

Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen war der 1. FC Nürnberg vom Aufsteiger im Vorfeld geradezu in die Favoritenrolle gedrängt worden. Und das, obwohl der SV Darmstadt 98 mit zwei Punkten mehr auf dem Konto ins Rennen ging. Die neue Rolle schien der jungen Elf von Trainer Valerien Ismael jedoch von Anfang an nicht richtig geheuer zu sein. Beflügelt durch die tolle Stimmung ergriff der SV sogleich die Initiative. Erst in Minute 7 strahlte der Club in Person von Alessandro Schöpf erstmals so etwas wie Torgefahr aus. Vor allem mit Standards, vor denen Ismael ausdrücklich gewarnt hatte, brachten die Hessen die Abwehr um Ondrej Petrak und Niklas Stark ein ums andere Mal ins Wackeln.

Erst nach einer Viertelstunde befreite sich der Club etwas, die Drangphase der Hausherren war überstanden. Über den rechten Flügel machte Daniel Candeias jetzt ordentlich Dampf nach vorne. Wenn auch wiederholt der letzte Pass nicht ankam. Eine dicke Chance hatte der Portugiese dann aber doch, als er in der 31. Spielminute aus zehn Metern abzog, allerdings an Keeper Christian Mathenia scheiterte. Man könnte sagen, dass das den Höhepunkt des Nürnberger Spiels an diesem Abend markierte, denn fortan ging es leider bergab mit der Leistungskurve der Truppe um Kapitän Jürgen Mössmer.

Das 1:0 für Darmstadt ließ nicht lange auf sich warten. In Minute 39 versetzte Dominik Stroh-Engel die Heimfans, die nach 21 Jahren Abstinenz ihre Elf endlich wieder in der 2. Bundesliga anfeuern durften, mit seinem Treffer aus abseitsverdächtiger Position in Ekstase. Und den FCN-Anhang in Schockstarre. Die „Lilien“ dominierten auch die zweite Halbzeit über weite Strecken. Leon Balogun durfte sich die Ecke aussuchen und netzte souverän zum 2:0 ein (70.). Darmstadts Tobias Kempe setzte in der Schlussphase sogar nochmal ein Tor drauf (82.).

Wie zu Beginn tobte das Stadion am Böllenfalltor, als Schiedsrichter Martin Petersen den Schlusspfiff ertönen ließ. Die Einen vor Freude. Die Anderen vor Wut. Es bleibt die Erkenntnis, dass der 1. FC Nürnberg keinesfalls gefestigt ist. Es zeigte sich erneut, dass die junge Elf zu unerfahren ist, um Rückschläge wegzustecken. Wo ist der Leitwolf, der dieses Team wieder aufrichtet, der es nach vorne peitscht? Und kommt Ismael nun doch wieder von seiner Linie ab und greift notgedrungen auf seine gechassten erfahrenen Spieler wie Javier Pinola zurück? Es bleiben: Fragen über Fragen und ein kräftiger Einlauf in Darmstadt, der im Nachgang riecht wie Sch***.

 

Nürnberg, Bielefeld und die Allianz der Deppen

Nun, der Club ist als Oberknalldepp wieder alleiniger Rekordhalter in Sachen Abstieg aus der Bundesliga. Zum achten Mal geht es hinunter, Arminia Bielefeld (sieben Abstiege), kann da nicht mithalten, wie Kollege vip zu Recht anmerkte.

Dennoch, so ganz wollen die Ostwestfalen die Konkurrenz aus Franken in Sachen Deppentum nicht alleine lassen. Und so haben sie prompt einen satten 3:1-Vorsprung gegen Darmstadt im Relegations-Rückspiel noch vergeigt, und das vor heimischem Publikum und auch noch in der allerletzten Minute der Verlängerung. 2:4 hieß es am Ende, Bielefeld steigt wieder in den Fahrstuhl. Für die Arminia ist es der dritte Abstieg aus der Zweiten Bundesliga nach 1988 und 2011. Zählt man Erst- und Zweitliga-Abstiege zusammen, liegt Bielefeld also mit Nürnberg weiter gleichauf, denn dann steht es 10:10. Und das auch nur, wenn man beim Club den sportlichen Abstieg aus der Zweiten Liga von 1995 dazuzählt, damals durfte der Club ja drinbleiben, weil Dresden aus finanziellen Gründen und Saarbrücken wegen fehlender Unterlagen zwangsabsteigen mussten. Sonst würde Bielefeld 10:9 führen.
Ergo: Die Arminia ist sehr solidarisch mit dem Club.

Deppen-Zusatzpunkte gibt es auch dafür, dass den Bielefeldern ähnlich wie dem 1.FCN dieselben Peinlichkeiten immer wieder unterlaufen. Heuer reichte ein 3:1-Auswärtssieg nicht, die Klasse in der Relegation zu halten, anno 1977 geschah Vergleichbares. Damals war die Zweite Liga noch zweigeteilt, die beiden Meister der Staffeln Süd und Nord stiegen direkt auf, die Zweitplatzierten spielten in Hin- und Rückspiel einen drittem Aufsteiger aus. Bielefeld, im Norden Zweiter hinter dem FC St. Pauli, traf auf 1860 München – und gewann das Hinspiel 4:0. Damit sollte eigentlich alles klar sein. Doch die Schützlinge von Trainer Karl-Heinz Feldkamp schafften es tatsächlich, bei den Löwen mit 0:4 unter die Räder zu geraten und verloren dann auch noch das Entscheidungsspiel mit 0:2. Das ist eigentlich fast noch trotteliger als der Abstieg heuer.
Bielefeld ist mir jedenfalls angesichts einer solchen Historie hochgradig sympathisch. Eigentlich sollten der Club und die Arminia eine Allianz der Deppen gründen. Bei diesen Vereinen ist wirklich immer was geboten.