Club wird in Aue abgeschossen

Da startet der Club mit zwei Siegen und steht an der Tabellenspitze. Prompt herrscht allerorten Euphorie. Die wird nur leicht gedämpft als gegen Union Berlin nur ein glücklicher Last-Minute-Punkt rausspringt. Aber immerhin ist Berlin ja ein erklärter Aufstiegsanwärter. Also war es keine Frage, welche Erwartungen da gegen das bislang sieglose Aue gehegt wurden: Ein Dreier und zurück an die Spitze!

Aber wir kennen das als unverbesserliche Fans des Deppen leider schon zu Genüge: Wenn wir anfangen zu träumen und Höhenluft zu schnuppern geht es Richtung Fürth. So gab es jetzt in der Auer Stadionbaustelle einen richtig saftigen Abturner für den FCN. Und leider muss man sagen: Die Niederlage war völlig verdient und hätte sogar noch höher ausfallen können.

Begonnen hat der Club noch durchaus selbstbewusst. Man sah, dass er bereit war, die Favoritenrolle anzunehmen. Allerdings fehlte die letzte Zielstrebigkeit. Die beiden besten Chancen ließ dabei Cedric Teuchert liegen. Allerdings kamen dann die Hausherren zunehmend auf und Kirschbaum musste zweimal bravourös retten. Insofern durfte der Club mit dem 0:0 zur Pause durchaus noch zufrieden sein.

Aber anstatt die Lehren daraus zu ziehen, ging es in der zweiten Hälfte im gleichen uninspirierten Stil weiter. Blöd nur, dass Aue dann für seine Sturmbemühungen endlich belohnt wurde. Nach einer Stunde schlug der Ball erstmals hinter Kirschbaum ein. Konnte man hier noch von Glück sprechen (der Schuss von Wydra wurde abgefälscht), waren die zwei weiteren Treffer für Aue in der 73. und 78. Minute auf Unvermögen im Abwehrverbund zurückzuführen. Immerhin zeigte Möhwald drei Minuten vor Schluss noch, wie man Tore schießt. Aber da war es natürlich schon zu spät.

Klar, man kann durchaus mal ein Spiel verlieren. Auch gegen Aue. In der 2. Liga gibt es keine Underdogs. Bloß muss man aus solchen Niederlagen seine Lehren ziehen. Allein am Fehlen von Sebastian Kerk kann es nicht gelegen haben. Wobei man schon den Eindruck haben konnte, dass Köllners System eben nur mit einem Spieler wie Kerk funktioniert und gegen Aue nicht die optimale Lösung war. Warum er den bislang überzeugenden Kammerbauer nicht auflaufen ließ und stattdessen den als Innenverteidiger lustlosen Petrak brachte, war auch nicht ganz nachvollziehbar.

Noch besorgniserregender ist aber die Situation vorne. Teuchert agiert häufig zu überhastet und eigensinnig. Ishaks Spiel kann man bestenfalkls mit unauffällig beschreiben. Salli bringt zwar manchmal ein paar nette Gimmicks, aber kaum was Brauchbares. Bei Gislason warten wir immer noch vergeblich. Mag sein, dass das alles auch an den fehlenden Zuspielen liegt. So oder so herrscht vorne aber Handlungsbedarf. Deswegen muss beim Club im Sturm oder im offensiven Mittelfeld wohl doch noch nachgebessert werden. Für diese Erkenntnis war es immerhin gut, dass der Dämpfer dann doch so bald erfolgte.

Auch gegen biedere Fürther verloren

derby
Selten war es im Vorfeld eines Derbys so ruhig wie diesmal. Auch wenn einige Medien mühsam versucht hatten, etwas Stimmung zu verbreiten. Selten gab es so viele frei Plätze im Nürnberger Stadion, wenn dort die Fürther antraten. Das lag mit Sicherheit nicht nur am DFB, der mit seiner depperten Anstoßzeit den einen oder anderen am Besuch hinderte. Das lag auch daran, dass Fürth im Mittelmaß versackt und der Club nicht mal dafür gut genug ist.

Vielleicht ist es ja die Angst vor dem Mittelmaß und der Langeweile, die den FCN umtreibt. Insbesondere Sepsi bemüht sich vehement um Unterhaltungswerte. Schon in der 4. Minute säbelte er im Torraum über den Ball und bescherte den Fürthern so die erste dicke Chance. Danach war es mit den Bemühungen um Kurzweil zumindest hinten erstmal vorbei. Stattdessen drückte der Club, aber außer einem Lattentreffer von Matavz sprang dabei nichts heraus. Salli rannte und fiel viel. Die anderen zeigten sich durchaus bemüht, aber unglücklich und limitiert. Dabei machten die Fürther nie den Eindruck, mehr als eine biedere Zweitligatruppe zu sein. Chancen hatten sie praktisch keine, dennoch erzielten sie in der 40. Minute ebenfalls einen Lattentreffer. Anders als vorher auf der anderen Seite war Sepsi wieder mal indisponiert und Dursun schaffte mit einer Akrobatikeinlage das 1:0.

Von den Spielanteilen her war das zwar nicht verdient. Aber beim Fußball zählen nun mal die Tore, auch wenn die, wie das 2:0, mit viel Glück erzielt werden. Wieder war Sepsi beteiligt. Einen Schuss von Steininger fälschte er so unglücklich ab, dass der Ball hinter dem etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Kirschbaum in die Maschen plumpste. Sicher ist das Pech. Sicher spielt da auch das mangelnde Selbstvertrauen eine Rolle. Andererseits war das alles eben auch nur Dienst nach Vorschrift, was der Club da anbot. Jeder, Sepsi vielleicht ausgenommen, schaute nur, dass man ihm nachher nichts vorwerfen kann. Eventuell gar, er habe gegen den Trainer gespielt. Der hatte allerdings zuvor schon vom Manager den Freibrief erhalten, er dürfe auch das Derby verlieren und müsse trotzdem nicht um seinen Job fürchten. Dass er den einzigen, den man als Aktivposten beim Club bezeichnen konnte, Cedric Teuchert, erst nach gut einer Stunde brachte und dass er Sepsi erst in der 77. Minute erlöste lieferte jetzt nicht unbedingt die geeigneten Argumente, weiter an ihm festzuhalten. Der Anschlusstreffer in der letzten Minute auch nicht.

Am Ende reagierte die Nordkurve nur noch mit Schweigen. Viel mehr fällt einem zum Club im Augenblick auch nicht mehr ein. Vielleicht ist das Sparen an Worten die richtige Antwort auf die Sparpolitik des FCN. Die Fürther Fans skandierten derweil, der Club sei nächste Saison in der 3. Liga dabei. Viel Intelligenz braucht es nicht zu dieser Aussage. Aber wer die Langeweile scheut, hinten erstmal zu Null zu spielen und dann vorne zu schauen, ob vielleicht was klappt, der braucht wohl die Kurzweil des Abstiegskampfes und die Chance erneut eine Relegation spielen zu können. Dann aber gegen den Drittletzten der 2. Liga.

Eine Frage der Geduld

1. FC Nürnberg - TSV 1860 MünchenDer 1. FC Nürnberg kann doch noch ansehnlichen Fußball spielen. Das ist eine positive Erkenntnis, die man der 1:2-Niederlage gegen den TSV 1860 München am Montagabend abgewinnen kann. Endlich – am vierten Spieltag der nicht mehr ganz so jungen Zweitligasaison – zeigte die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz über 90 Minuten eine ansprechende Leistung. Sowohl kämpferisch als auch läuferisch. Ein weiterer Lichtblick: Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum überzeugte und gehörte mit Neuzugang Tim Matavz zu den Besten im Club-Dress.

Matavz fackelte in der 16. Minute auf Zuspiel von Miso Brecko nicht lange und zog aus rund 20 Metern Torentfernung ab. Sein satter Flachschuss schlug im langen Eck ein – es stand 1:1. Bereits in der elften Spielminute waren die Löwen durch Sascha Mölders in Führung gegangen. Auch wenn Schwartz‘ ernste Miene, die er an der Seitenlinie aufzusetzen pflegt, es nicht unbedingt ausdrückt: Die Leidenschaft ist zurück. Und wenn die zu spüren ist, wenn das Feuer brennt, dann verzeiht ein echter Clubfan (fast) alles.

Den besten, aber auch dümmsten Beweis für das wiederentflammte Temperament lieferte Guido Burgstaller in Minute 73. Der Österreicher sah nach einem unnötigen Foul im Mittelfeld die zweite Verwarnung und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Nur wenige Minuten später fiel der 2:1-Siegtreffer für den TSV. Mölders legte mit der Hacke auf Michael Liendl ab, der den Ball völlig freistehend ins kurze Eck beförderte (79.). Das Problem ist, und damit kommen wir zu den negativen Erkenntnissen aus dem Spiel, dass dieser Platzverweis nicht zur Schlüsselszene taugt.

In Schwierigkeiten geraten war der Club nämlich schon etwa ab der 65. Minute. Und das aus völlig unerklärlichen Gründen. Denn dieser Phase waren ein insgesamt recht ordentlicher erster Durchgang und ein durchaus ansehnlicher Beginn in der zweiten Hälfte vorausgegangen. Also kein Grund zu Panik, oder? Doch urplötzlich ging beim FCN nichts mehr. So leidenschaftlich die Spieler kämpften, so erschreckend hilflos und planlos wirkten nunmehr ihre Aktionen. Nach einer minutenlangen Ballstafette der Löwen gab es sogar vereinzelte Pfiffe. Burgstallers hartes Einsteigen war demnach höchstens eine Konsequenz aus dieser seltsamen Apathie, nicht aber ihr Auslöser.

Ein möglicher Auslöser: In der 69. Minute, zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1 und der 1. FC Nürnberg war noch vollzählig, wechselte Club-Coach Alois Schwartz Mittelfeldmann Kevin Möhwald für Mittelfeldmann Enis Alushi ein. Ein Wechsel, der fast so wirkt, als hätte der Trainer mit dem Unentschieden ganz gut leben können. Warum zu Hause nicht auf Sieg spielen? Möglicherweise hätte eine frische Offensivkraft hier genau den Schub gegeben, den seine Elf so dringend nötig gehabt hätte. Immerhin: Es blieben ja noch zwei Wechsel.

Aber Alois Schwartz machte – nichts. Selbst nach dem Gegentreffer reagierte der Coach nicht. Es schien fast so, als wolle er jene Geduld ausstrahlen, die er vom Club-Umfeld in Bezug auf seine Person einfordert. So dauerte es bis zur 89. Minute (!), ehe der FCN-Trainer mit Shawn Parker für Hanno Behrens und Cedric Teuchert für Laszlo Sepsi doch noch zwei Stürmer brachte. Und siehe da: Die beiden machten sofort Alarm im Löwen-Sechzehner, der Ausgleich schien auf einmal nur eine Frage der Zeit zu sein. Nur leider war das Spiel dann recht schnell vorbei und man stellte sich unweigerlich erneut diese eine Frage, die man eigentlich auf gar keinen Fall stellen darf, weil man ja Geduld braucht. Bis es zu spät ist.

Was nützt der Sieg im Pokal, wenn…

1. FC Nürnberg - Karlsruher SC… der Club in der Liga nicht mehr gewinnen kann? Nichts, wahrscheinlich war er sogar noch schädlich. Denn von der erhofften Aufbruchstimmung – einige Fans träumten ja gar schon vom Europacup-Sieg – war am Montagabend erschreckend wenig zu sehen. Die Heimpartie gegen den Tabellennachbarn Karlsruher SC war über weite Strecken „ganz schwere Kost“.

Freilich gab es Momente, in denen der 1. FC Nürnberg am Torerfolg schnupperte. Da waren zum Beispiel die zwei Pfostenkracher durch Ösis im Trikot des FCN: Guido Burgstaller in der Anfangsphase im Nachschuss und Georg Margreitter in Minute 61 per Kopf. Oder ein Abseitstor von Niklas Füllkrug (30.), eine ganz knappe Nummer. Und natürlich die zwei Großchancen in der Schlussphase, die Danny Blum (80.) und Tim Leibold (82.) ohne Not, aber mit viel Unvermögen versiebten.

Doch auf der anderen Seite hatten auch die Badener ihre verdienten Möglichkeiten. Ob der Ball nun von der Querlatte zurück ins Feld prallte (65.) oder eben von Clubkeeper Thorsten Kirschbaum, der mitunter wie ein verschiebbarer dritter Pfosten wirkte, war da auch schon fast egal. Aber wir wollen mal nicht so sein, Kirschbaum hatte auch gute Momente, an ihm lag’s nicht.

Fakt ist jedenfalls, dass der Club erneut nur Mittelmaß war. Und dass von dem Rückenwind aus dem Düsseldorf-Sieg höchstens ein lauwarmer Furz übrig geblieben war: Das stinkt einem nunmal als Fan. Am Ende roch es dann im Grundig-Stadion sogar noch nach einem Dreier, der 1. FCN drückte mit aller Macht auf das 1:0. Nützte aber alles nix, es blieb beim 0:0. Die Sch… will einfach nicht raus.

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Der Club siegt im Deppenduell

2642404264Dass man selbst nach einem Sieg den Begriff „Depp“ erwähnen muss, das schafft auch nur unser Club. Klar gilt der alte Trainserspruch, am Ende zählt nur das Ergebnis. Wie es zustande gekommen ist, danach fragt in ein paar Tagen keiner mehr. Aber das Spiel in Aalen braucht für das Sackenlassen vielleicht doch ein bisschen länger.

Zunächst startete das Spiel schwach und gemächlich und ließ dann im Laufe der 90 Minuten noch zunehmend nach. Einziger Aufreger war ein Pfostenkullerer des VfR. Dann ging das langweilige Gegurke auch noch in die Verlängerung. Jetzt zeigte sich beim Club, dass auch sinnfreies Herumgerenne Kräfte zehren kann. Jedenfalls hatte man nie den Eindruck, da könnte noch einer mal das Tor treffen. Die waren ganz offensichtlich platt.

Zudem hatten beide Mannschaften auch noch den Sinn des Spiels aus den Augen verloren. Nicht einmal vom Elfmeterpunkt wollten die Spieler treffen. Lediglich drei der zehn Elfer gingen ins Tor. Schöpf und Kutschke trafen. Möglicherweise aus Versehen. Aber das reichte. Was das Toreschießen angeht, ist das fast das Minimalste, was man sich denken kann. Freilich, eine cleverere Mannschaft hätte so etwas weniger zeitaufwändig gestaltet. Auch den doch ziemlich strapazierten Fans hätte das gefallen.

Aber seis drum. Der Club hat mal wieder die erste Pokalrunde überstanden. Jetzt klingelt die Marie. Und wenn dann das Konditionstraining etwas härter wird und die Elfmeterschützen bald mit Pumaschuhen anlaufen, dann erleben wir vielleicht mal Spiele mit etwas mehr Würze.

Rot, röter, Polter

1. FC Nürnberg - 1. FC Union BerlinRöter gehts nimmer. Dümmer auch net. Sebastian Polter hat am Sonntag in Nürnberg die Rolle des Depps übernommen. Nachdem er zunächst noch gegen seinen Ex-Verein zum 1:1 für Union Berlin ausgeglichen hatte, verursachte er durch ein bödsinniges wie unnötiges Handspiel im Sechzehner einen Elfmeter, den Jakub Sylvestr sicher verwandelte. Polter sah für seine Ego-Nummer NUR Gelb. Da der Ball jedoch ganz klar aufs Tor ging, meinen wir: Das war Rot – nichts anderes!

So wurde die Nummer 23 auf Seiten der Berliner zur entscheidenden Figur des Spiels. Polter war die ganze Partie über brandgefährlich – allerdings eben nicht nur vor dem gegnerischen Gehäuse, sondern auch vor dem eigenen.

Von der „Geburt einer neuen Mannschaft“ (Ex-Trainer Ismael nach dem 4:0-Hinspielsieg) konnte an diesem Narren-Sonntag aber keine Rede sein. Von einer erwachsenen Leistung leider auch nicht. Denn ohne Polters besagte Handball-Einlage wäre der Club wohl weiter in den Windeln gelegen, rein punktemäßig betrachtet hat er es sich mit dem Sieg immerhin ins Pubertäts-Alter fortentwickelt. Doktor Weiler sei Dank, rückte der 1. FC Nürnberg still und heimlich auf Platz 7 vor.

Besonders erfreulich war übrigens der Auftritt von Peniel Mlapa, der bereits in Minute 4 das 1:0 für den FCN besorgte. Zwar hatte er nach einer Ecke nur den Schlappen hingehalten, um einen Befreiungsschlag der Eisernen zu blocken – deshalb durfte er sich aber trotzdem in die Torschützenliste eintragen. Auch Jan Polak erwischte einen starken Tag. Sylvestr erwies sich einmal mehr als eiskalter Vollstrecker und setzte dem Ganzen am Ende sogar noch das 3:1-Sahnehäubchen auf (87.).  Jetzt kann nochmal ordentlich Fasching gefeiert werden am Valznerweiher. Depp Polter sei Dank!

Pokal ist für den Club nur einmal im Jahr

MSV Duisburg - 1. FC NürnbergEs war die 22. Minute, als alle Blicke auf Mlapa gerichtet waren. Die Gladbach-Leihe glänzte aber nicht mit einer Szene im Sturm, sondern kniete am Boden und wurstelte nervös an ihrem Schuh herum. Es dauerte. Doch die Schnürsenkel wollten einfach nicht so, wie Mlapa es gerne gehabt hätte. Da der Ball ruhte, wurde es in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg langsam unruhig. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann weiter. Eine Szene, die symptomatisch für den Auftritt des 1. FC Nürnberg am Freitagabend war.

Ok, mit dem Pokal hat es der Club nicht so, das hat sich spätestens seit dem Sandhausen-Gate herumgesprochen – und das nicht nur in der dritten Liga. Natürlich war das peinliche Erstrunden-Aus bei den Fans vor der Partie Thema, man ging die Angelegenheit eben fränkisch-pessimistisch an. Allerdings: Ein Großteil der Spieler, die in der Startformation standen, wussten davon höchstens vom Hörensagen, sie waren ja letztes Jahr nicht dabei. Mit Sandhausen konnte das Spiel in der ersten Halbzeit also allenfalls marginal etwas zu tun haben. Einigen wir uns darauf: Wie an allem ist Fürth schuld, in dem Fall die krachende 5:1-Derbyniederlage von Montag. Der Stachel saß offensichtlich noch tief. So verunsichert wie Mlapa beim Schuhebinden agierte, so indisponiert und fehleranfällig präsentierte sich der 1. FC Nürnberg in Durchgang eins.

Bereits nach zehn Minuten geriet die Ismael-Truppe in Rückstand. Fast wie beim 0:2 in Fürth, durch einen Elfmeter. Angha stocherte herum, bekam keinen Zugriff auf Jancic, Stark rauschte heran und fällte Jancic, Schiedsrichter Dingert zeigte auf den Punkt. Der Gefoulte schoss selbst – und es stand 1:0. Da war er wieder, der Geist von Sandhausen. Nur wenige Minuten später rettete Schäfer, der ordentlich spielte, in letzter Sekunde auf der Linie, sonst wäre es da schon zappenduster gewesen. Auch wenn der Club mehr Spielanteile hatte, auf dem Feld passierte sonst nicht viel vor der Pause. Als nennenswerte Chance könnte man vielleicht noch eine Aktion von Petrak bezeichnen, der den Ball zumindest einmal überhaupt in Richtung MSV-Gehäuse gebracht hatte.

Nach der Halbzeitpause lief es dann aus FCN-Sicht etwas besser, Duisburg besann sich aufs Verteidigen und lauerte auf Konter. Nürnberg kämpfte jetzt, doch sah das Spiel weiterhin ideenlos aus. Es mangelte an Kreativität, ein klares Konzept war nicht erkennbar. Der Ausgleich wäre zumindest vom Spielverlauf her verdient gewesen, doch hätte der Zweitligist sich dafür erst einmal eine klare Chance erarbeiten müssen. Aber das gelang nicht. Insofern muss man leider auch festhalten: Schlecht gespielt, verdient verloren. Havelse, Sandhausen, Duisburg: Pokal ist für den Club eben nur einmal im Jahr.

Letztes Jahr brannte es nach dem Pokal-Aus bereits lichterloh am Valznerweiher, Trainer Wiesinger stand unter Druck. Und auch Ismael wird sich jetzt der Kritik stellen müssen. Wir Fans sind immerhin einiges gewöhnt.

Nürnberg, Bielefeld und die Allianz der Deppen

Nun, der Club ist als Oberknalldepp wieder alleiniger Rekordhalter in Sachen Abstieg aus der Bundesliga. Zum achten Mal geht es hinunter, Arminia Bielefeld (sieben Abstiege), kann da nicht mithalten, wie Kollege vip zu Recht anmerkte.

Dennoch, so ganz wollen die Ostwestfalen die Konkurrenz aus Franken in Sachen Deppentum nicht alleine lassen. Und so haben sie prompt einen satten 3:1-Vorsprung gegen Darmstadt im Relegations-Rückspiel noch vergeigt, und das vor heimischem Publikum und auch noch in der allerletzten Minute der Verlängerung. 2:4 hieß es am Ende, Bielefeld steigt wieder in den Fahrstuhl. Für die Arminia ist es der dritte Abstieg aus der Zweiten Bundesliga nach 1988 und 2011. Zählt man Erst- und Zweitliga-Abstiege zusammen, liegt Bielefeld also mit Nürnberg weiter gleichauf, denn dann steht es 10:10. Und das auch nur, wenn man beim Club den sportlichen Abstieg aus der Zweiten Liga von 1995 dazuzählt, damals durfte der Club ja drinbleiben, weil Dresden aus finanziellen Gründen und Saarbrücken wegen fehlender Unterlagen zwangsabsteigen mussten. Sonst würde Bielefeld 10:9 führen.
Ergo: Die Arminia ist sehr solidarisch mit dem Club.

Deppen-Zusatzpunkte gibt es auch dafür, dass den Bielefeldern ähnlich wie dem 1.FCN dieselben Peinlichkeiten immer wieder unterlaufen. Heuer reichte ein 3:1-Auswärtssieg nicht, die Klasse in der Relegation zu halten, anno 1977 geschah Vergleichbares. Damals war die Zweite Liga noch zweigeteilt, die beiden Meister der Staffeln Süd und Nord stiegen direkt auf, die Zweitplatzierten spielten in Hin- und Rückspiel einen drittem Aufsteiger aus. Bielefeld, im Norden Zweiter hinter dem FC St. Pauli, traf auf 1860 München – und gewann das Hinspiel 4:0. Damit sollte eigentlich alles klar sein. Doch die Schützlinge von Trainer Karl-Heinz Feldkamp schafften es tatsächlich, bei den Löwen mit 0:4 unter die Räder zu geraten und verloren dann auch noch das Entscheidungsspiel mit 0:2. Das ist eigentlich fast noch trotteliger als der Abstieg heuer.
Bielefeld ist mir jedenfalls angesichts einer solchen Historie hochgradig sympathisch. Eigentlich sollten der Club und die Arminia eine Allianz der Deppen gründen. Bei diesen Vereinen ist wirklich immer was geboten.

Schluss mit dem Deppentum!

Dass der Club ein Depp ist, wird als gegeben hingenommen. Deswegen kommen wir auch immer wieder in Situationen wie die augenblickliche und fühlen uns dann eher heimisch, als dass wir auf die Barrikaden gingen.

Die Feststellung der Club ist ein Depp ist aber falsch und irreführend. Selbst der Urheber Klaus Schamberger hat inzwischen nachgebessert und gesagt „Der Club ist ein Knalldepp“. Freilich ist der Club nicht per se ein Depp, sondern eher eine Ansammlung von Deppen, die den Verein regelmäßig in die Bredouille reiten.

In dieser Saison herrschte die größte Deppendichte im Kader. „Das ist die dümmste Mannschaft, die der Club je hatte“, klagte neulich ein Kollege. Auch von vielen, die Clubspieler mal privat getroffen haben oder sonstwie hinter die Kulissen schauten, kam da kein Widerspruch. Mancher wird einwenden, ein Fußballer muss es nicht in der Birne, sondern in den Beinen haben. Aber das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Zumindest einige sollten schon noch Verstand besitzen.

Womit wir bei Martin Bader wären. Der ist einer der wenigen, die was in der Birne haben. Deswegen hat er nach dem Weggang von Timmy Simons immerhin bemerkt, dass da eine intellektuelle Lücke im Team entstanden ist. Freilich suchte er dann nach einem „Sechser“ und nicht nach einer Intelligenzbestie. Trotzdem: Bader ist im Verein der Deppen ein Aktivposten. Deshalb ist er es. der sich jetzt einen Mitarbeiter für das Sportliche suchen darf. Bader als Verantwortlichen für die Misere in die Wüste zu schicken, kann man im Internet (wo ja auch oft das Motto gilt „hier bin ich Depp, hier darf ich´s sein“) schnell fordern und trifft da sicher keinen Unschuldigen. Aber wer, bitteschön, soll jetzt neue Verträge mit vorhandenen oder künftigen Spieler abschließen? Günther Koch? Ulrich Maly? Sollen die vielleicht auch den neuen Trainer suchen?

Es wird also kein Weg daran vorbei führen, dass einige nicht ganz Unschuldige an dem Debakel weitermachen werden. Dass dabei der Ober den Unter sticht ist leider eine Regelmäßigkeit – nicht nur im Fußballgeschäft. Wer also auf einen Umbruch gehofft hat, der kann sich ganz schnell wieder setzen. Es werden nur kleine Brötchen gebacken, weil sonst nämlich die Gefahr droht, dass der unschuldige Rest bereits beim Mehlkauf scheitert.

Ich möchte daher noch nicht einmal meine alte Forderung nach einem Rücktritt des Aufsichtsrats aufrecht erhalten. Eine Bitte an das Gremium hätte ich aber dennoch: Passt wenigstens darauf auf, dass die Mächtigen im Verein (Bader, Schäfer, Woy…) nicht wieder nur minderbemitteltes Personal einstellen bloß damit ihnen niemand ins Handwerk pfuschen und ihre Positionen streitig machen kann. Lieber ein Streit zwischen intelligenten Menschen als noch einmal so ein lemmingartiges Abgrundgetaumel.

Nehmt endlich den Kampf gegen das Deppentum auf, dann bereue ich auch diese Liebe nicht!

Leidenschaftslos in die 2. Liga

Es war ja schon vorher erstaunlich, wo die geduldigen und treuen Fans vor dem letzten Heimspiel nochmal die Hoffnung herauskramten. Es war ja nur Hannover, das da im Frankenstadion auflief. Für die ging es um nichts mehr. Viel gerossen hatten die in dieser Saison auch nicht. Aber letztlich waren selbst die eine Nummer zu groß für diese leblose, blutleere und desorientierte Mannschaft (bezeichnend für deren Fehleinschätzung der Lage und der eigenen Fähigkeiten war ja auch, wie die sich blauäugig nach dem Spiel bei den Fans ihre Abfuhr abholten). Die Spieler ließen in keiner Minute erkennen, dass es um irgendwas ging. Hatten sich offensichtlich schon längst aufgegeben und waren in keiner Phase in der Lage, die Chancen, die sie auf dem eigenen und auf fremden Plätzen immer wieder geboten bekamen (Hamburg und Braunschweig verloren ebenfalls) zu nutzen.

Der Trainerwechsel hatte jedenfalls null Effekt. Das Gefasel Baders „wir müssen in den Endspielmodus kommen und Impulse setzen“ wurde grandios konterkariert. Impulse setzte Ersatztrainer Roger Prinzen dann bloß durch Verzweiflungswechsel. Da ließ er Pachonik und Colak auflaufen. Nachwuchskräfte, die angebliche Leistungsträger ersetzten. Wobei weder Kiyotake noch Pekhart in den letzten Monaten irgendwie den Eindruck vermittelten, Leistungsträger sein zu können.

Die, aber auch die anderen Clubkicker machten eher den Eindruck von Fußballbeamten, die Dienst nach Vorschrift schieben. Nicht unangenehm auffallen. Ein bisschen auf Betriebstemperatur geraten und schauen, dass man bei der Kickerbenotung nicht auf eine 6 kommt. Mehr? Ach wozu? Dann müsste man ja Überstunden machen. Eventuell sogar gegen Fürth.

Dass diese Mannschaft jetzt immer noch eine Chance hat, ist eigentlich der größte Witz an der Geschichte. Dass beim Saisonabschluss in Gelsenkirchen Pinola, Plattenhardt und Chandler gelbgesperrt fehlen, hätten wir früher als Schwächung empfunden. Jetzt tun wir nicht einmal das. Wer auch immer auf Schalke aufläuft, schlechter als die, die heute gegen Hannover sang- und klanglos die drei Punkte verschenkt haben, können sie es eigentlich auch nicht machen.

Der Club schlittert also weiter in die 2. Liga. Wie es dort weiter gehen soll? Mit dieser Mannschaft dürfte es – schon von der Einstellung her – für die 2. Liga nicht reichen, zumal etlöiche „Leistungsträger“ ohnehin weg sind. Eigentlich bleiben jetzt nur noch die Nachwuchsspieler als Hoffnungsträger übrig. Nicht mal in den Bereich das Absurden verweisen möchte man in dieser Situation den Vorschlag einiger twitternder Clubfans, Gertjan Verbeek wiederzuholen, Bader zu entlassen und den Alttrainer eine Mannschaft zusammenstellen lassen, die zu ihm passt. Der Club ist jedenfalls – wieder mal – am Nullpunkt angelangt. Da sind nur noch unermüdliche Fans und eine leere Hülle, die nichts, aber auch gar nichts in der ersten Liga verloren hat.