Denkwürdiger Grottenkick

Es gibt zunehmend mehr Spiele, bei denen viel Vergangenheit auf wenig Gegenwart trifft. Das heute war so eines. Auf dem einst unbezwingbaren Betzenberg durfte sich der einst Ruhmreiche um den Einzug in die nächste Pokalrunde einfinden. Früher wäre das ein absolutes Spitrzenspiel gewesen. Diesmal traf ein mittelmäßiger Zweitligaverein auf einen abstiegsbedrohten Drittligisten.

Aber auch was die nicht so weit zurückliegende Vergangenheit angeht, hatte das Spiel einiges zu bieten. Bei den Gastgebern saß nicht nur unser Ex-Trainer Boris Schommers auf der Bank. Auch unser Ex-Sportdirektor Martin Bader ist noch bis Dezember beim FCK als Sportgeschäftsführer tätig. Zudem stand mit Philipp Hercher ein früherer FCN-Spieler bei den Roten Teufeln in der Startelf.

Womit wir bei der Gegenwart wären. Die sieht beim FCK sowieso nicht rosig aus. Dass sich der höherklassige Gast aus Nürnberg da spielerisch nicht abheben konnte, ist dann leider typisch. Typisch für den Pokal, aber irgendwie auch typisch für den Club. Der scheint inzwischen von Spiel zu Spiel abzubauen. In der Abwehr noch fahriger, hüftsteifer und unkonzentrierter als zuletzt. Nach vorne kaum geordnete Aktionen. Abschlüsse eher alibimäßig als gefährlich. Im Grunde genommen aber meist aus Einzelaktionen resultierend.

Bereits in der 8. Minute durften die Pfälzer in Führung gehen. Valentini räumte mit beiden Beinen Pick ab. Den Elfer verwandelte Thiele gegen den diesmal den Clubkasten hütenden Patric Klandt. Nach einer Viertelstunde war es Thiele, der bei einer Rettungsaktion einen eigenen Spieler traf, Jäger sagte Danke und haute den Abpraller ins Lauterner Tor.

Besser wurde das Spiel danach nicht. Nur absurder. Zunächst gab es wieder Elfer für die Hausherren, bei denen man nie das Gefühl hatte, sie könnten anders zum Torerfolg kommen. Diesmal trat der eingewechselte Handwerker Schaf von hinten in die Hacken. Erneut verwandelte Thiele.

Beim Club hatte man aber auch nicht das Gefühl, als könnte da noch irgendwas Konstruktives bejubelt werden. So war es bezeichnenderweise ein Geschenk mit anschließender Einzelaktion, das dann doch noch zum Ausgleich führte. FCK-Torwat Grill legte sich den Ball zum Abstoß zurecht, von hinten kam Frey, luchste ihm die Kugel ab und schob ins leere Tor ein.

Der nicht nur für Fußballästheten quälende Kick ging also in die Verlängerung. Deren Höhepunkt fand dann in der 117. Minute statt. Clubkeeper Klandt verletzte sichnach einem unglücklichen Sprung selbst und musste raus (Achillessehnenanriß, der FCN hat nach dem langfristigen Matheniaausfall auch auf der Torwartposition ein ernstes Problem). Canadi hatte das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft, weshalb Verteidiger Valentini in den Kasten musste. Der hatte schließlich auch das Elfmeterschießen zu bestreiten. Bei den insgesamt sechs Lauterer Strafstößen war er jedoch chancenlos. Nachdem Handwerker den letzten Elfer vergab (Grill hielt), war der Club draußen.

Dieser Club bietet zur Zeit immerhin so einiges, Drama, Komödie, Theater… aber leider keinen guten Fußball.

Glücklich weiter

Die Woche:

  • Die Niederlage gegen den HSV war peinlich, aber verdient. Punkt! Dass sie jetzt am grünen Tisch annulliert oder gar in einen Sieg umgewandelt werden soll, ist freilich noch ein bisschen peinlicher. Als ob es irgendeinen Unterschied gemacht hätte, ob einer der HSV-Spieler zwei Jahre älter ist als angegeben. Selbst, wenn Jatta gar nicht mitgespielt und die Hamburger nur zu Zehnt aufgelaufen wären, hätte der FCN – so harmlos und umständlich wie er aufgetreten ist – keine Chance gehabt. Dass solche sportlichen Aspekte nun keine Rolle mehr spielen sollen und Paragrafen und wirtschaftlicher Erfolg als wichtiger erachtet werden, tut einem als Fußballfan (!) einfach nur weh. Dabei könnte man doch wissen, dass selbst positive Entscheidungen abseits des Rasens nicht verhindern, dass der Club am Ende als Depp dasteht.
  • Nächste Woche eröffnet der neue Clubshop („Clubhaus“) am Josephsplatz. Die Baustelle ist jetzt woanders.
  • Die einen haben zu schlechte Drucker, die anderen zu schlechte Scanner. Das führt dann dazu, dass Fan und Club nicht zusammenkommen können. Oder, wie beim Heimspiel gegen den HSV erst verspätet. Wobei, selbst die Bahn bekommt das geregelt. Da ist immer noch ein Schaffner(in) da, der/die das Ticket anschaut und dann händisch abstempelt.
  • Zeitgleich mit dem DFB-Pokal begann auch die Premier-League. Das bedeutet: Lukrative Transfers auf die Insel sind erst einmal ausgeschlossen. Aus dem kolportierten Wechsel von Mikael Ishak nach England wird also nichts.

Das Spiel:

Der Pokal hat angeblich seine eigenen Gesetze. Mag sein. Kann aber auch sein, dass der Club auch deswegen in Ingolstadt etwas zielstrebiger zu Werke ging, weil Trainer Canadi sechs Umstellungen im Vergleich zum HSV-Spiel vorgenommen hatte. Unter anderem stand Neuzugang Johannes Geis gleich in der Startelf und deutete zumindest an, sich zu einer Verstärkung entwickeln zu können.

Dafür hätte es bereits nach zwei Minuten gleich ganz anders laufen können, Da zappelte der Ball nämlich im Netz des diesmal von Lukse (Mathenia bekam für die Geburt seines Kindes spielfrei) gehüteten Clubtores. Glück, dass ein Ingolstädter im Abseits stand.

Vier Minuten später hatte allerdings der FCI Glück. Kerk wurde an der Strafraumlinie vom Ingolstädter Keller zu Fall gebracht. Statt Elfer und rote Karte (letzter Mann) zu geben, ließ Schiedsrichter Siebert aber weiterlaufen.

In der 22. Minute traf dann auch der Club. Sörensen verwandelte einen Eckball mit dem Kopf. Doch auch hier behinderte ein im Abseits stehender Mitspieler (Dovedan) den Torwart. Nichts war´s.

Allerdings hatte auch Ingolstadt durchaus Chancen, versäumt ees aber die Clubabwehr für ihre Nachlässigkeiten zu bestrafen. Insofern ging das Remis zur Pause in Ordnung.

In der 2. Hälfte änderte sich das Bild kaum. Es ging hin und her. Ein Klassenunterschied war kaum zu erkennen. Allkerdings standen sich beide Mannschaften auch im Mangel an Torgefahr nicht nach. War es beim Club aber letztlich fehlende Präzision und Umständlichkeit, schafften es die Ingolstädten nicht, die leider auch heute wieder erkennbare Unordnung in der Clubabwehr auszunutzen.

So dauerte es bis zur 87. Minute bis dann doch noch der Bann gebrochen wurde. Der diesmal auffällige Sebastian Kerk tankte sich auf Links durch passte nach Innen, wo Dovedan (Bild) zum Siegtreffer einschieben konnte. Wie schon in Dresden avancierte der teuerste Club-Neuzugang zum Matchwinner. Geld schießt also doch Tore.

Eine Letztes:

Nicht nur auf dem Platz fehlt die Leidenschaft.

Frühzeitige Planungssicherheit

Die Woche:

  • Unaufgefordert und selbst, wenn es um ganz andere Spiele ging, zogen reihenweise „Experten“ die letzten Tage über den Club her. Unterirdisch sei dessen Leistung. Die erinnere fast an Tasmania Berlin. Grund war der Auftritt im Pokal beim HSV. Ein bisschen merkwürdig ist allerdings, dass sich genau jene „Experten“ sonst kaum für den FCN interessieren. Scheint so, als ob es sie auch etwas verängstigt, wenn ein Verein trotz eines schlechten Tabellenstandes Investitionsverweigerung betreibt.
  • Zum Pokalspiel: Jetzt wissen wir auch, dass es selbst in der 2. Liga nicht reichen würde, wenn unsere Mannschaft nur „spielerische“ Lösungen versucht. Ohne kämpferischen Einsatz, ohne Konzentration und Motivation, ohne ein „Über-die-Grenzen-Gehen“ würde selbst da nichts laufen. Dass es daran in Hamburg fehlen würde, war allerdings schon im Vorfeld klar, schließlich hatte Köllner seine Prioritäten eindeutig auf die Bundesliga gelegt.

Das Spiel:

Wieder mal ließ sich besagter Trainer was einfallen. Wieder mal präsentierte er eine ungewohnte Startelf. Diesmal mit drei Neuen. Simon Rhein, der saß zuletzt nicht mal auf der Bank saß, durfte ran. Vorne ließ Köllner Zrelak und Knöll als Doppelsturm auflaufen. Eduard Löwen hingegen war überraschenderweise gar nicht im Kader.

Schnell wieder weg war dann auch Simon Rhein. Übermotiviert muss er nach einem rüden Einsteigen gegen Korb bereits in der 11. Minute mit Rot runter. Klar, war vertretbar, aber nicht zwingend. Der Club stellt auf 4-3-2 um und hält zunächst trotz Unterzahl mit. Das liegt allerdings auch daran, dass Hannover 96 nicht den Eindruck vermittelt, zu Unrecht ganz unten zu stehen. Der Club hatte sogar die besseren Chancen, während 96 wenig zustande bringt.

Wegen diverser Verletzungsunterbrechungen ließ Schiedsrichter Welz allerdings fünf Minuten nachspielen. Offensichtlich war die Clubabwehr geistig schon ein paar Sekunden früher in der Kabine. Sie ließ Nicolai Müller im Strafraum völlig allein stehen, der sagt Danke und nickt zum 1:0 ein.

In der zweiten Hälfte mühte sich der Club weiter vergeblich. Einsatz und Wille waren zwar da. Aber wirklich gefährlich waren die Bemühungen alle nicht. Auch ein – bezeichnenderweise von Mathenia einberufener – Spielerkreis half da nichts. So war es erneut Müller, der dann den Deckel drauf machte. Unterschiedsspieler Müller ist übrigens ein in der Winterpause verpflichteter Leihspieler. Die Club-Winterverpflichtung Ilicevic hingegen ist erst in ein paar Wochen einsatzfähig.

Da ist es dann auch egal. Wenn schon gegen einen schwachen Gegner wie Hannover nichts geht, wo soll dann noch was herausspringen?

Immerhin hat der Club jetzt – anders als der Schicksalsspielgegner, der in der ersten Liga ebenfalls nichts verloren hat – frühzeitig Planungssicherheit. Trainer Köllner wird in der Restsaison das machen, was er am liebsten macht: Nachwuchskräften Spielerfahrung vermitteln, vielleicht ein paar Transfererlöse erzielen und ein bisschen taktisch experimentieren.

Genau das war gegen Hannover leider das falsche Rezept. Da hätte es erfahrene Spieler gebraucht, die wenigstens nicht die Nerven verlieren. Da hätte auch ein Alexander Fuchs nicht als erste Wechseloption herhalten und ein Mikael Ishak nicht erst zwei Minuten vor Schluss eingewechselt werden dürfen. Aber Köllner ist eben doch eher Nachwuchs- als Bundesligatrainer.

Ein Letztes:

Manche Situationen kann man nur mit Humor ertragen. Wenn es schon nicht zu „El Classico“ langt, dann wenigstens zu dessem Gegenteil: „El Kackico“. Dazu gibt es unter anderem einen Trailer, einen Hashtag  (auch mit „K“ am Schluss) und sogar eine „Hymne“…und einen, der es voll verkackt hat.

Gute Leistung nicht belohnt

Unwirtliches Wetter, arbeitnehmerfeindlicher Termin und dann auch noch das Parallelspiel im GEZ-TV: Kein Wunder, dass nur 25.000 Zuschauer ins Morlock-Stadion kamen. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass der Club in der Vergangenheit gegen Bundesligisten immer kaum Land sah. Das war gegen den VfL Wolfsburg diesmal nicht der Fall. In der ersten Halbzeit waren wir durchaus ebenbürtig. Der Club hatte sogar die größere Zahl an Torchancen. Nach einer halben Stunde tankte sich erst der diesmal von Beginn an spielende Eduard Löwen durch, verfehlte das Tor aber knapp. Eine Minute später passte Hanno Behrens super auf Möhwald, der vergab aber überhastet. Allerdings hätte auch der Bundesligist ein Tor erzielen können, zum Beispiel in der 41. Minute als Dimata am herauseilenden Bredlow scheitert. Von einem Klassenunterschied war aber dennoch nichts zu spüren.

In der zweiten Hälfte machte der Club zunächst weiter mehr Druck. Die größte Chance hatte dabei Behrens in der 56. Minute als Tisserand für den bereits geschlagenen Keeper Grün Zentimeter vor der Linie klärte. Kurz darauf musste erneut Grün gegen Salli klären. Doch dann kamen die Wolfsburger, bei denen jetzt der frühere Cluberer Daniel Didavi mitspielte. Mehr als ein Pfostenschuss durch Malli in der 78. Minute kam dabei nicht rum.

So ging das Spiel in die Verlängerung. Damit war die Köllner-Vorgabe, gut auszusehen und dem Bundesligisten alles abzuverlangen schon erfüllt. Das spürte man leider auch auf dem Rasen. Die Konzentration ließ sichtlich nach. Aber die Wolfsburger brauchten dennoch ein Gurkentor, um den Club in die Knie zu zwingen. In der 96. Minute war es Uduokhai der nach einem Gewühl im Strafraum am schnellsten schaltete (Clubkeeper Bredlow kam etwas zu zögerlich raus) und den Ball zum 1:0 ins FCN-Tor stocherte. Verdient, wie der Sky-Reporter behauptete, war das nicht. Der Club war insgesamt die bessere Mannschaft. Die Wolfsburger Millionenkicker wirkte eher wie Ferraris im Stadtverkehr. Irgendwie brachten sie ihr Potenzial nicht auf den Boden.

Danach war der Käse eigentlich gegessen, denn beim Club paarte sich Frust mit ersten Ermüdungserscheinungen. Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, Cedric Teuchert einzuwechseln und ihm die Gelegnehit zu geben, sich bei solventen Vereinen zu empfehlen. Aber Trainer Köllner brachte zunächst Kammerbauer. Erst vier Minuten vor Schluss ließ er Teuchert dann doch noch auflaufen. Doch prompt nutzte Didavi eine unglückliche Vorlage von Tobias Werner zum 2:0 und das war´s dann.

Das Glück war diesmal jedenfalls nicht bei den Tüchtigen. Insofern kann sich der Club trotz Pokal-Aus erhobenen Hauptes in die Winterpause verabschieden und sich dann voll auf den Wiederaufstieg konzentrieren. Angst vor der Bundesliga müssen wir, diese Erkenntnis kann man aus der unglücklichen Niederlage mitnehmen, jedenfalls nicht haben.

Club gewinnt packendes Pokalduell


Duisburg hätte der 1.FC Nürnberg in der ersten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs sogar ausscheiden dürfen, ohne sich zu blamieren – immerhin hatte der Club diesmal Lospech und musste zu einem Zweitliga-Rivalen reisen, wo doch auch Gegner wie Erndtebrück, Dorfmerkingen oder Rielasingen-Arlen im Pott gewesen wären. Der Club hätte also ausscheiden dürfen  – tat er aber nicht. Zum Mann des Spiels beim 2:1 (2:0)-Erfolg avancierte Sebastian Kerk, der mit Eckstößen die Kopfballtore von Hanno Behrens (21.) und Georg Margreitter (40.) vorbereitete.

Duisburg hielt in einem packenden  Duell der beiden Bundesliga-Gründungmitglieder in den ersten 45 Minuten gut mit, die besseren Chancen aber hatte  in der intensiv geführten, temporeichen Begegnung zunächst der Club. Standardspezialist Kerk hätte sich auch selbst in die Torschützenliste eintragen können, scheiterte aber zweimal am Ex-Fürther Flekken im MSV-Gehäuse (10./38.). Die beste Möglichkeit  für die Hausherren wiederum  vergab Brandstetter, der den Nürnberger Keeper Thorsten Kirschbaum nicht überwinden konnte (17.).

Nach dem Seitenwechsel verzeichneten die nie aufgebenden „Zebras“ mehr Spielanteile, der Club stand hinten aber sehr sicher. Richtig gefährlich wurde es selten. Einmal klärte Margreitter in höchster Not vor Onuegbu (69.), einmal rettete Kirschbaum gegen Iljutcenko (83.), einmal traf  Onuegbu die Latte (86.). Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit kam der MSV doch noch zum 1:2 – Wolze verwandelte einen Foulelfmeter, den der eingewechselte Alexander Fuchs verschuldet hatte.  Kurz darauf ist Schluss und der Club eine Runde weiter. Erndtebrück, Dorfmerkingen und Rieslasingen-Arlen werden aber auch in Runde zwei nicht auf den 1.FC Nürnberg warten – sie sind allesamt ausgeschieden.

Aus der Traum

Clu

Nebel und Spielunterbrechung im Grundig-Stadion beim Stande von 1:0 für die Hertha

„Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann“, schrieb der Schriftsteller Hans Kruppa einst. „Mehr Träume, als die Realität zerstören kann“,  schrieben sich die Ultras Nürnberg am Mittwochabend beim DFB-Pokalspiel des FCN gegen Hertha BSC auf die Fahne. Als hätten sie es geahnt. Denn die Realität holte den Club, der sich nach vier Siegen in Folge im Höhenflug befand, in Form einer 0:2(0:1)-Niederlage an diesem Abend schmerzlich ein.

Ein Abend, der dank Javier Pinola so gut begonnen hatte. Der ehemalige Nürnberger Fanliebling war extra aus seinem Heimatland Argentinien angereist, um gemeinsam mit Sportvorstand Andreas Bornemann feierlich seinen eigenen Block einzuweihen: Block 31, den Javier-Pinola-Block.

Ironischerweise dauerte es dann auch rund 31 Spielminuten, bis es aufgrund des Geschehens auf dem Rasen etwas zu feiern gab. Allerdings leider drei Blöcke weiter, im Gäste-Block, weil Vladimir Darida das Leder im Club-Sechzehner von Vedad Ibisevic zugepasst bekam und freistehend das 1:0 für die Hauptstädter markierte.

Vor Freude zündete der Anhang der „Alten Dame“ gleich ein ganzes Pyro-Arsenal, woraufhin Schiedsrichter Tobias Stieler das Spiel kurz unterbrechen musste. Eine unnötige und dumme Aktion der Hertha-Fans, die nach Clubfreunde-Beobachtungen am Nachmittag auf dem Christkindlesmarkt – genauer gesagt vor Norma+Rodi am Hauptmarkt – schon genug geglüht haben dürften.

Wie dem auch sei: Verdient war die Führung des Bundesligisten zu dem Zeitpunkt allemal. Die erste Hälfte ging klar an die Hertha. Der 1. FC Nürnberg, bei dem Trainer René Weiler nach dem 2:1 gegen Freiburg auf gleich vier Positionen Veränderungen vorgenommen hatte, beschränkte sich zu sehr aufs Kontern und überließ den Berlinern das Spiel. Das rächte sich.

Die zaghaften Angriffsbemühungen der Weiler-Elf verpufften, ehe die einzige Spitze Danny Blum überhaupt in Schussposition gelaufen war. Ein einziges Mal entwickelten die Rot-Schwarzen in Durchgang eins so etwas wie Torgefahr, doch Alessandro Schöpf verzog nach Zuspiel von Guido Burgstaller meterweit (23.).

Zu Beginn der zweiten 45 Minuten wirkte es zunächst so, als ob der Ausgleich für den Club noch möglich wäre. Niclas Füllkrug und Tim Leibold kamen in der 54., brachten neuen Schwung in die Partie. Blum und Ondrej Petrak mussten dafür runter, Burgstaller rückte mit in den Sturm vor.

Dann die 65. Minute: Torschütze Darida tritt einen Eckball nach innen, Berlins John Anthony Brooks enteilt Dave Bulthuis, steigt hoch und köpft den Ball unhaltbar ins lange Eck. Ins Bild passte an diesem gebrauchten Abend, dass der 1. FC Nürnberg erst in der 80. Minute seine erste richtige Tormöglichkeit hatte. Doch Miso Brecko scheiterte an Hertha-Keeper Rune Jarstein.

In der Schlussphase entwickelte der Club plötzlich eine ganze Reihe von Hochkarätern – wohl aber auch, weil sich die Berliner schon auf ihren Lorbeeren ausruhten. Weil aber Füllkrug und Bulthuis ihre Chancen nicht nutzten, blieb es beim 0:2. Der Traum vom DFB-Pokalsieg ist damit geplatzt. Zum Glück gibt es da noch die Realität: die Zweitligatabelle. Und da steht der FCN auf Rang drei.

Im Pokal zeigt der Club sein zweites Gesicht

756416955Der Pokal, so sagt das Phrasenschwein, hat seine eigenen Gesetze. Und es hat Recht. Selten haben wir einen so fröhlich-relaxten Fußballabend verbracht. Bereits nach 20 Minuten führte der Club mit 2:0. Und weil der offenbar wusste, dass uns das noch nicht beruhigt, legte die Mannschaft kurz vor der Halbzeit noch einmal zwei Dinger nach. 4:0 zur Pause. An solche Ergebnisse erinnern sich nur die Senioren unter uns.

Kein Wunder, dass dann in Halbzeit 2 die Luft ein bisschen draußen war. Der eingewechselte Danny Blum durfte noch das Fünfte fürs angeknackste Selbstbewusstsein einköpfen. Auch den Düsseldorfern war noch eines vergönnt. 5:1, das lässt sich sehen.

Wobei: Im Pokal gelten ja, wie gesagt, eigene Gesetze. Da zählt zum Beispiel das Torverhältnis nichts. Da blühen aber auch Mannschaften auf, die sonst vom grauen Zweitligaalltag eher gelähmt werden, denen da der Glanz fehlt und das Taktieren eine zu größere Rolle einnimmt. Aber auch im Pokal kann man taktieren. Zum Beispiel, wie der FCN heute: permanent über links angreifen, weil da die Schwachstelle der Fortuna verortet wurde. Das war aber nicht die einzige. Mit Keeper Unnerstall und Verteidiger Madlung (der auch mal beim Club als Verstärkung im Gespräch war) hatte der Fortuna-Trainer Frank Kramner zwei Neue in die Abwehr gestellt und sich verzockt. Madlung war ein permanenter Unischerheitsfaktor. Unnerstall hatte zumindest das 2:0 auf dem Gewissen, wobei da wohl eine Abseitsstellung voraus ging.

Beim 3:0 ließ Schöpf mit einem Superpass aus der Drehung auf den Torschützen Füllkrug seine Klasse aufblitzen. Die Verunsicherung nutzte dann Leibold kurz darauf sogar noch zum 4:0.

Bevor jetzt schon wieder welche von Berlin träumen: Die Fortuna war heute wirklich schwach. Andererseits: Der Club wächst im Pokal. Das kennen wir noch von 2007. Also, dranbleiben!

Geschichte wiederholt sich

Geschichte wiederholt sich doch. Vor einem Jahr hat uns der Club in Havelse die Freude auf die neue Saison gleich wieder genommen. Diesmal in Sandhausen. Da freut sich der Clubfan wochenlang, dass es wieder los geht. Da denkt er, es wurde gut eingekauft und bei einigen anderen, wie Robert Mak, sei endlich der Knopf aufgegangen. Doch dann ist es wieder die alte Leier.

Die alten Schwächen und die alten dafür Verantwortlichen! In Sandhausen trat alles wieder zutage. Nach wie vor schafft es der Club nicht, das Spiel zu machen. Dass er dann dennoch in Führung ging, ließ zunächst die Hoffnung aufkommen, dass mit Daniel Ginczek endlich ein Stürmer in der Mannschaft steht. Auch Mak hatte da noch Drive. Doch danach wars auch schon vorbei. In der 2. Hälfte wurde es erst richtig peinlich. Da drückte Sandhausen und vom Club war kaum was zu sehen. Keiner da, der mal einen Plan hatte, der den Kompressor zuschalten konnte. Kiyotake scheint noch nicht ganz da zu sein. Pinola ist leider immer noch der Alte. Feulner fand immer noch ein Bein, über das er fallen konnte. Chandler schien noch im Trainingsmodus und leistete sich prompt das blöde Foul das zum Elfmeter führte.

Apropos Elfmeter: Vor dem Spiel hatte Trainer Michael Wiesinger noch stolz getönt, man habe Elferschießen nicht geübt, weil er felsenfest davon ausgehe, dass der Club es vorher packt. Pfeifendeckel! Wobei: Selbst wenn Balitsch und Plattenhardt verwandelt hätten, Raphael Schäfer hätte wohl trotzdem keinen gehalten und insofern ist es einfach fahrlässig, wenn sich der Club auf Elferschießen überhaupt einlässt. Da wurde das Spiel schon vorher durch Pomadigkeit vergeigt.

Ach so! Wenn sich Geschichte weiter wiederholt, dann wird der Club wieder Zehnter und wechselt vor Weihnachten den Trainer.

Peinlich, aber das Leben geht weiter

Da haben wohl einige den Schalter nicht gefunden. Vielleicht lag es auch an der Hitze, dass sich der FCN noch in den Ferien wähnte. Zum Beispiel Neuzugang Marcos Antonio. Wer auch immer glaubte, er hätte das Potenzial um Philipp Wollscheid zu ersetzen, in Havelse war davon jedenfalls nichts zu entdecken. Klose und Pinola wirkten gegen den Regionalligisten auch nicht stabiler. Vorne spielte der Club wie letzte Saison ohne Didavi: bemüht, aber ideenlos und ineffizient.

Letztlich hatte wohl aber auch Trainer Dieter Hecking mit seinem Schonprogramm (Kiyotake) und dann auch noch der Spielverlauf (schnelle, wenn auch unverdiente Führung) die Weichen in den Spielerköpfen falsch gestellt.

Der Plan, sich bei der Hitze nicht allzusehr zu verausgaben und gegen den unterklassigen Gegner sein Pflichtprogramm abzuspulen, ging jedenfalls voll in die Hose.

Jetzt fehlt jedenfalls schon mal das Geld aus dem Pokal. Die Aussichten, einen lukrativen Deal mit einem Trikotsponsor abzuschließen, sind auch nicht gestiegen. Genauso wenig wie die Hoffnungen, in der neuen Saison einmal nicht gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Gut, um mit Sepp Herberger zu sprechen: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze und der HSV ist nicht Havelse.

Es gibt nämlich kaum einen Verein, gegen den der Club eine schlechtere Bilanz hat als den TSV Havelse. 2 Spiele, 2 Niederlagen. Vor 21 Jahren ist der FCN nämlich schon mal gegen die Niedersachsen im DFB-Pokal rausgeflogen. Damals allerdings erst nach Elfmeterschießen. Die Bundesligasaison schloß er dennoch auf dem 7. Platz ab.

Vielleicht ist der FCN eben einfach nicht multitaskingfähig. Wenn er sich früh voll auf die Liga konzentrieren kann, tut ihm das offensichtlich gut.

Hauptsache weiter!

Eine Offenbarung war es nicht gerade, das Spiel des Clubs bei Erzgebirge Aue. Aber auch beim Pokalsieg 2007 stolperte sich das Team des damaligen Trainers Hans Meyer ja von Runde zu Runde, hatte selbst mit Cloppenburg Probleme und kam bisweilen nur dank des erstaunlichen Elfmeter-Killers Daniel Klewer (was macht er eigentlich inzwischen?) weiter.

Insofern ist es vielleicht ein gutes Omen, dass der 1. FCN im Erzgebirge zwar tolle Treffer erzielte, sich insgesamt aber beim 2:1 doch schwer tat. Julian Wießmeier, schon in seinem ersten Bundesligaspiel am Ende der Vorsaison zielsicher, traf nun auch bei seinem DFB-Pokaldebüt für den Club. Damit empfahl sich das Talent wieder für die Bundesliga, zuletzt kam der Mittelfeldmann ja vorwiegend im Regionallligateam zum Einsatz.  Alexander Essweins (Bild) Aktien dürften dank des  Sonntagsschusses zum 1:0 ebenfalls weiter steigen. Nun müssen wir auf Losglück hoffen. Bis auf Regionalligist Holstein Kiel sind nur noch Erst- und Zweitligisten im Topf – darunter Bayern und Fürth…