Fähiger Trainer händeringend gesucht

„Wir haben noch mit niemandem verhandelt“, betonten Präsident Franz Schäfer und Manager Martin Bader am Montag treuherzig. Sie wollten damit wohl unterstreichen, wie aufrichtig und menschlich korrekt sie hinter Trainer Michael Oenning gestanden haben. Ein Zeichen von Professionalität ist das allerdings nicht. Seit Tagen stand doch Oenning zur Diskussion, da muss man sich doch zumindest Gedanken machen, wie es weiter gehen soll. Wenigstens mögliche Alternativen durchdenken. Sonst geht es einem genauso wie dem Clubpräsidium gestern, man stellt fest: Oenning ist nicht mehr zu halten, aber jemand anderes ist auch nicht da. Klar, kann man sich über die Feiertage in Ruhe die Marktlage bei den arbeitslosen Trainern anschauen. Das dürfte dann besonders die an dem Debakel nicht ganz unschuldigen Spieler freuen, die haben dann zum Dank fürs erfolgreiche Abschießen ihres Chefs erst einmal frei. Na bravo! (Immerhin soll laut Präsidum die Entscheidung doch noch vor Weihnachten bekannt gegeben werden)

HannoverDie Fans haben dafür jetzt noch die Gelegenheit über die möglichen Alternativen zu diskutieren. An erster Stelle ist da der bereits erwähnte Dieter Hecking (links) zu nennen. Er hat zwar Erfahrung im Abstiegskampf und mit jungen Spielern (wobei beim Club eigentlich eher die älteren zu früherer Leistungskraft zurückgeführt werden müssten), ob er einen Bezug zu Nürnberg und seinen Fans aufbauen kann, ist fraglich.

koller Das gilt natürlich auch für Marcel Koller (rechts), der bei Bochum zudem nicht unbedingt bewiesen hat, dass er im Kampf um den Klassenerhalt der Richtige ist. Bei Volker Finke sind wir uns gar nicht sicher, ob der überhaupt will. Gleiches gilt für Hans Meyer, der immerhin nicht einmal umziehen müsste. Bei Lothar Matthäus ist eigentlich jedes Wort zu viel.

Nachdem er bei Twitter so gut 😉 angekommen ist, wollen wir aber einen Vorschlag unbedingt noch in die Runde werfen, den man zumindest einmal andenken sollte: Wie wäre es, wenn sich Club und Greuther Fürth einen Trainer teilen? Immerhin wäre das Coach-Sharing ein echter Sparbeitrag in klammen Zeiten (der Club muss angeblich 9 Millionen Euro einsparen) und die Gelegenheit dazu ergibt sich wahrscheinlich in 100 Jahren nicht mehr. Zudem würde der Doppeltrainer sich schon aus persönlichen Gründen massiv dafür einsetzen, dass der Club die Klasse hält, sonst käme es nämlich nächste Saison vielleicht wieder zum Derby in der zweiten Liga und dann wüsste er nicht, auf welche Bank er sich hocken soll.

Zum Schluss noch ein schöner Verschreiber, der gestern der in diesem Fall doch etwas zu vorschnellen Deutschen Presseagentur unterlief, den wir aber erst auf den zweiten Blick realisierten, schließlich ist man als Clubfan gewohnt, dass in Nürnberg die Trainer nicht alt werden (remember Jef Vliers):
hecking

Das war´s dann wohl für Oenning

urn:newsml:dpa.com:20090101:091220-10-11381Eins muss man dem Club immerhin bescheinigen. Von den Fürthern lässt er sich nicht überholen.. Wenn die eine Krise haben, dann legt er noch eine Schippe drauf. Und dass der heutigen Entlassung von Benno Möhlmann eine weitere mit Michael Oenning folgt, das scheint so gut wie ausgemacht. Auf Oenning würde ich jedenfalls nicht einmal mehr Centbeträge wetten.

Dabei ist Oenning dummerweise nur ein Teil des Problems. So wie die Mannschaft in Köln aufgetreten ist – immerhin ging es da nicht um die goldene Ananas – möchte man mwollny Recht geben. Er schrieb auf Twitter: „Zeugwart Chicco Vogt behalten, der Rest darf gehen.“

Dazu wird es wahrscheinlich nicht kommen. Dennoch gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Mannschaft ist wirklich so schlecht, wie sie sich in den letzten vier Spielen präsentiert hat, dann nützt auch ein anderer Trainer nichts. Oder aber, sie hat absichtlich schlecht gespielt, um den Trainer loszuwerden. Dann gebricht es ihr jedoch an Charakter. Auch keine gute Basis für einen Neuanfang.

Wie auch immer, als Clubfan muss man zwar schwer leiden, aber langweilig wird es zumindest nicht. Wir wagen trotzdem mal einen Blick in die Zukunft: Morgen präsentiert der Club Dieter Hecking als neuen Trainer und der scheucht die verängstigten Luschen dann vor Weihnachten noch einmal durch den verschneiten Reichswald.

Aber vielleicht kommt es auch ganz anders. Denn: Depperter geht immer!

Nachtrag: Am Montag tagte das Präsidium an „unbekanntem Ort“. Kurz nach 14 Uhr war klar: Die Ära Oenning beim Club ist beendet. Als Nachfolger im Gespräch: Dieter Hecking und Marcel Koller. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.