Max Morlock und ein Schock am Samstagmorgen

Schwerer Schock am Samstagmorgen: Ich bin gerade auf dem Weg zum Einkaufen, als mein Blick routinemäßig auf die nebeneinander postierten Zeitungsautomaten an der Straßenbahn-Haltestelle „Schuckertstraße“ fällt: „Max Morlock Stadion ab 2012“ ist auf den Aushängen von NN, AZ und Bild unisono zu lesen. Ich starre voll Unverständnis auf die sogenannten stummen Verkäufer, mein Bauch krampft sich zusammmen: Nicht, weil die Neuigkeit mich betrüben würde, im Gegenteil. Ins Max-Morlock-Stadion oder auch ins Frankenstadion zu gehen fände ich viel angenehmer, als wenn nach „easy-Credit“ die nächste kommerzielle Marke der Spielstätte des Clubs den Namen gäbe.

Allein: Ich bin mir sicher, dass wir als Nürnberger Zeitung in unserer Samstagsausgabe nicht über die Umbenamsung berichtet haben. Sollte uns eine wichtige Pressekonferenz entgangen sein? Haben wir als einzige Zeitung in der Stadt nun diese famose Neuigkeit nicht? Wer zum Teufel hat diese Meldung weggeschmissen? Oder bin ich gar selbst schuld, habe ich eine Mail übersehen, in der die Kampagne „Max-Morlock-Stadion jetzt!“ ihren grandiosen Erfolg kundtut? Aber wie kann das überhaupt sein? Noch vor Wochenfrist hat Oberbürgermeister Ulrich Maly bei der Gala der Fußball-Akademie deutlich gemacht, dass die Stadt auf die Erlöse aus dem Verkauf der Namensrechte angewiesen ist. Und Maly ist eigentlich nicht dafür bekannt, dass er ähnlich rasante Meinungsschwenks vollzieht wie die nun plötzlich für den Mindestlohn votierende Angela Merkel. Aber vielleicht hat Kämmerer Harry Riedel ja im Vorfeld der bald anstehenden Haushaltsberatungen festgestellt, dass er doch noch einige Euros übrig hat, mit denen er den Club-Fans ihren Herzenswunsch erfüllen kann.

Während diese Gedanken durch meinen Kopf rattern, fällt mir auf, dass die Schürzen (so heißen die Aushänge im Zeitungsfachjargon) irgendwie anders aussehen. Mir fallen Steine, nein Felsbrocken vom Herzen: Wir haben keine Meldung verpasst, die Aushänge sind fingiert. Auf dem AZ-Plakat steht denn auch „A7“, und unter der Schürze hängt der ganz normale und vergleichsweise langweilige Aushang, der das Club-Spiel gegen Freiburg thematisiert. Die Aktivisten der oben erwähnten Morlock-Kampagne waren in der ganzen Stadt unterwegs und haben die echten Schürzen schlicht überhängt. Alle Achtung, ein gelungener Coup – meinen Adrenalinspiegel jedenfalls hat er ordentlich nach oben gejagt.

Preisträger lehnt ab: wegen easyCredit

Dass das alte römische Sprichwort „Geld stinkt nicht“ manchmal doch nicht stimmt, musste jetzt die in Nürnberg ansässige Deutsche Akademie für Fußballkultur erleben. Der Träger des Deutscher Fußball-Kulturpreis 2011, die Kaiserslauterner Fangruppe Generation Luzifer, lehnte die Ehrung und das Preisgeld von 3000 Euro nämlich ab. Grund ist der Sponsor der Fußballakademie, der gleichzeitig auch Namensgeber des Frankenstadions ist: easyCredit bzw. die dahinter stehende TeamBank.

In einem offenen Brief teilte die Fangruppierung‚ Generation Luzifer Kaiserslautern 1998 mit, den Preis für die beste Fan-Choreografie des Jahres nicht annehmen zu wollen. Sie begründet dies mit ihrer Ablehnung des Hauptsponsors. Darin heißt es:

Wir erklären uns ausdrücklich solidarisch mit den Fans aus Nürnberg, welche sich seit Jahren mit viel Herzblut dafür einsetzen, dass ihr Stadion den Namen ihres Idoles Max Morlock trägt. Max Morlock ist ebenso wie Fritz Walter ein 54er Held und es wäre weit mehr als ein symbolisches Bekenntnis, wenn der 1. FC Nürnberg im Max-Morlock-Stadion auflaufen würde. Dies wird allerdings seit Jahren durch easyCredit/TeamBank, dem Hauptsponsor und Gründungspartner der Akademie, verhindert.

und weiter:

Es bleibt also festzuhalten, dass sich unsere Kritik ausschließlich gegen die Praktiken der Teambank AG richtet. Wir bedauern, dass die Deutsche Akademie für Fussballkultur in dieser Sache einer der Leidtragenden ist, denn leider werden die durchaus anerkennenswerten Ziele der Fussballakademie durch das Sponsoring von easyCredit/TeamBank ad absurdum geführt.

Das Präsidium der Akademie mit Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly an der Spitze ist natürlich irritiert, sich plötzlich auf der falschen Seite der Bewegung wieder zu finden.

Die Unterstellung, easyCredit unterstütze die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur lediglich aus strategischen Gründen und mit ‚Peanuts’ – und Hauptinteresse sei das Namenssponsoring für das Nürnberger Stadion –, liegt für Oberbürgermeister Dr. Maly daneben. Tatsache sei, dass easyCredit die Akademie jährlich mit rund 100.000 € unterstützt, seit 2004 mit einer Gesamtsumme von über 800.000 Euro.

Maly weiter:

„Für die Stadt Nürnberg als Träger der Akademie sind das keine ‚Peanuts’, im Gegenteil: Die Mittel des Hauptsponsors ermöglichen es (zusammen mit der Unterstützung durch den Partner kicker-sportmagazin) der Akademie erst, ihr allseits geschätztes Programm zu realisieren. Dazu zählen seit 2006 die Website www.fussball-kultur.org und der Deutsche Fußball-Kulturpreis, für den easyCredit per anno 50.000 € bereitstellt und zusätzlich Preisgelder für das Fußballbuch des Jahres (5.000 €) und einen wechselnden Fan-Preis (3.000 €, z.B. 2009 für das ‚Beste Fanzine‘ und 2010 das ‚Beste Fan-Video des Jahres‘). Kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Spielfeld der Akademie sind dabei von Anfang an Veranstaltungen rund um die Interessen und Anliegen der Fans: von Tagungen wie „Fans, Fairplay und Fußballwerte“ im Jahr 2005 bis zur Auszeichnung der besten Fan-Choreografie 2011. Die inhaltliche Freiheit der Akademie war zu jeder Zeit gegeben.“

Überdies habe easyCredit ein Max-Morlock-Stadion in Nürnberg keinesfalls verhindert.

Maly:

„Mit easyCredit und der TeamBank haben sowohl die Akademie wie das Stadion einen Partner, wie man ihn sich nur wünschen kann. An Zuverlässigkeit, Kooperationsbereitschaft und Zahlungsmoral ist er nicht zu übertreffen. Und ohne easyCredit gäbe es die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur mit ihrer breiten Aufstellung und dem umfassenden Themenspektrum mit Sicherheit nicht.“

Eine Folge der Ablehnung des Preises begrüßt die Akademie allerdings ausdrücklich: Beim nächsten Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern will die ‚Generation Luzifer’ eine Spendenaktion zugunsten dreier Hilfsorganisationen starten, um „dem sozialen Zweck des Preises gerecht zu werden“.

Akademie-Partner easyCredit/TeamBank wird die vorgesehenen 3.000 € Preisgeld einem anderen gemeinnützigen Zweck zukommen lassen.

Hier die Fritz-Walter-Choreographie:

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Ein Stadion wie Götterspeise

Wenn man sich anschaut, was da zur Zeit im Internet über unser Frankenstadion kursiert, dann fragt man sich schon, ob easyCredit nicht doch der richtige Name wäre, schließlich passt er gut zu: easyBauweise.

Das Video stammt vom letzten Heimspiel des Club gegen den BVB und vermittelt nicht gerade das Gefühl von Sicherheit (wir kennen das Phänomen freilich schon ein bisschen länger)

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Nie mehr easyCredit, nie mehr….!

arc-200603_cd6-0312So wie es aussieht bekommen die Rundfunk- und Fernsehreporter jetzt wirklich einen neuen Stadionnamen. Wir Fans haben ohnehin immer Frankenstadion gesagt – und die Deutsche Bahn ebenfalls.

Insofern könnte uns das ganze Hickhack, das Genöhle von Bankern und Clubverantwortlichen sonstwo vorbei gehen. Sollen sie doch umtaufen wie sie wollen, wir sind Traditionalisten, sonst wären wir doch keine Clubfans, sondern würden unser Mäntelchen immer in den Wind hängen. Aktuell würden wir dann in der Champions League dem FC Bayern und in der Bundesliga dem BVB zujubeln. Aber so sind wir nicht. Wir halten unserem Club die Stange, selbst in der in jeder Hinsicht unwirtlichen Adventszeit.

Trotzdem aweng mittwaffeln wollen wir schon auch. Mit Max-Morlock-Stadion könnten wir selbstverständlich leben. Auch mit originellen Namen, wie Allmächd-Arena, Hoch-Tief-Stadion oder Geld-schießt-keine-Tore-Building. Auch Atomkraft-nein-danke-Arena würden wir, um zu zeigen, dass unser Trikotsponsoring ein Witz ist, begrüßen. Vielleicht zahlt dann unser Trikotsponsor noch was extra, damit wir das nicht machen 😉

Immerhin hat der Club nun eineinhalb Jahre Zeit, sich was zu überlegen. Auch wenn gute Gedanken nicht Zeit, sondern helle Köpfe als Nährboden brauchen: right on, etwas Besseres als easyCredit wird sich doch finden lassen!

Intelligent mit dem Stadionnamen werben

Ich glaube, kreative Werbung macht allen mehr Freude. Denen, die sie entwickeln. Denen, die sie sehen. Und denen, die sie bezahlen. Markus Ruf

urn:newsml:dpa.com:20090101:101012-99-00078Das Thema Stadionnamen haben wir bislang gerne den Denglisch-Gegnern, anderen Blogs oder den Zeitungskollegen überlassen. Nicht weil uns der Name easyCredit-Stadion besonders gut gefällt, sondern weil uns ja keiner daran hindert, weiterhin Frankenstadion zu sagen. Im Gegensatz zu Rundfunk- und Fernsehanstalten bekommen wir kein Geld und keine Senderechte dafür, dass wir derartige Werbebotschaften transportieren.

Trotzdem wollen wir jetzt in die Diskussion eingreifen, denn die Geschichte ist derzeit so verfahren, dass Club-Geschäftsführer Ralf Woy laut Bildzeitung sogar einen Stadion-Neubau vorschlägt, der dann (es geht immer noch schlimmer) vielleicht Areva-Atompark heißt, oder OB Ulrich Maly versucht, schlechte Namen schön zu reden. Die Einnahmen durch den Stadionnamen, da sind sich Woy, Maly und Stadionbetreibergesellschaft einig, seien nämlich unverzichtbar. Die Teambank wiederum will aber nicht weiter für einen Namen bezahlen, der bei den Fans eher schlecht ankommt und der damit eher nervend als werbend wirkt.

Ganz offensichtlich traut sich aber niemand den (rar gesäten) Sponsoren mal die Meinung zu sagen und ihnen die Botschaft zu übermitteln: Zahlt euer Geld doch lieber für Werbung, die ankommt. Solche Werbung nennt nicht plump nur einen Produktnamen, den niemand hören mag. Solche Werbung geht notfalls auch Umwege und lässt Platz für die Interpretation des Publikums. Außer natürlich, man hält sein Publikum für Volltrottel, dann funktioniert das nicht.

Wir setzen aber einmal voraus, dass der von der Teambank offerierte Leichtkredit auch für intelligentere Zeitgenossen eine Option sein kann. Dann könnte man denen doch schon mit der Stadion-Namensgebung zeigen: Wenn ihr was Gutes habt, könnt ihr bei uns eventuell mal wegen eines Kredits nachfragen. Wenn ihr also einen derart guten Namen wie Frankenstadion habt, dann unterstützen wir den mit einem Kredit. Konkret hieße das: In den Logos stünde dann unter „Frankenstadion“ jeweils „unterstützt durch easyCredit“ oder „TeamBank“.

Das wäre dezente Werbung, die Sympathie generiert. Das würde die Teambank, die früher Norisbank hieß und jetzt eh ein lokales Bezugsdefizit hat, nicht nur mit dem 1.FCN sondern auch mit Franken in Zusammenhang bringen. Beides ist nichts, wofür man sich als Bank schämen muss.

Und wenn die Teambank lieber den Maxl Morlock sponsern will, dann soll sie das unseretwegen machen. Gegen Max-Morlock-Stadion (Fußnote: „unterstützt durch easyCredit“) hätten wir auch nichts einzuwenden.

Wie soll das easyCredit-Stadion heißen?

Stadion_Schon mehr als 2000 Unterschriften hat der Verein Deutsche Sprache (VDS) für seine Initiative gesammelt, das easyCredit-Stadion umzubenennen. Und jetzt bekommen die Sprachschützer prominente Unterstützung bei ihrem Versuch, den „dümmlichen Namen“ (so die Vize-Vereinschefin Annette Scheil) loszuwerden.
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Die Nordkurve und die Angst vor den Fans

Blöd gelaufen! Da hat man eigens in den Umbau der Nordkurve investiert (dass das aus statischen Gründen notwendig war, übergehen wir jetzt einfach mal) und so die Zuschauerkapazität im Frankenstadion von 46.780 auf 48.553 erhöht, aber so richtig brauchen dürfte man das wohl nicht. Wollen überhaupt so viele Leute den Club beim vergeblichen Bemühen das Tor zu treffen zusehen? Ich glaube nicht!

So ist es auch kaum verwunderlich, dass Stadion-Betreibergesellschaft, Stadt und Club die Eröffnung der umgebauten Nordkurve vorziehen auf den Donnerstag, 21. Januar. Im kleinen Journalistenkreis will man das abhandeln um so nach Möglichkeit eine Verknüpfung mit dem tristen Bundesligaalltag vermeiden.

Dabei hätte es sich doch angeboten, beim ersten Heimspiel der Rückrunde gegen Frankfurt vor vollbesetztem Haus ein Probewippen zu veranstalten, vielleicht im Anschluss an ein Clubtor. Der donnerstäglich Termin für die Journalisten zeigt leider, dass nicht mal mehr die Verantwortlichen an so etwas glauben, ja wahrscheinlich sogar Angst haben, sich mit ihrem Umbau vor den Fans lächerlich zu machen.

Der Club als Weihnachtsmann

Zur Abwechslung will ich hier einmal Mitgefühl für Sponsoren wecken. Das mag in der Vorweihnachtszeit unüblich sein, da diese ja nicht zu den sozialen Randgruppen gehören und eher zuviel als zuwenig Geldmittel besitzen. Aber das bringt einen dafür in die schöne Situation, einfach so ein bisschen mitzuleiden ohne gleich ans Spenden denken zu müssen.

FCN_WeihnachtskartenNehmen wir mal die Team-Bank. Die steht hinter easyCredit, wonach bekanntlich das Frankenstadion benannt wurde. Das wiederum lässt sich die Team-Bank 1,2 Millionen Euro jährlich kosten. Mit in dem Paket sind auch etliche Werbeaktionen, die auf der FCN-Seite der Team-Bank zu besichtigen sind. Aktuell hat die Bank Weihnachtskarten malen lassen. Immerhin 900 Einsendungen gingen ein. Gewonnen hat die 16-jährige Franzi Kupfer aus Erlangen (Bild: links, daneben Yasmine Putz und Lukas Rehermann, sie kamen auf Platz 3 und 2). Sie hat einen Weihnachtsmann in FCN-Mantel gemalt, der Geschenke ausfährt. Gewinnen können aber auch die Besucher des nächsten Club-Heimspiels am 12. Dezember gegen den HSV. Für 5000 von ihnen gibt es eine bereits frankierte FCN-Weihnachtskarte.

Nun hat dummerweise der Begriff Geschenk was den Club angeht einen eher negativen Touch. Daheim schenkt der FCN – vorzugsweise den Mitkonkurrenten um den Abstieg – gerne mal die drei Punkte. Einen Weihnachtsmann im HSV-Trikot würden die Club-Fans sicher lieber sehen. Insofern verpufft die ganez Werbeaktion dann doch ein bisschen. Wer will schon einen Club-Weihnachtsmann?

Was die HSV-Fans (zumindest einen davon) angeht, müssen wir übrigens unseren höchsten Respekt zollen. In Bremen und noch dazu im Werder-Trikot „Hamburg, meine Perle“ zu singen, das hat was. Bevor der Club Luca Toni kauft, sollte er lieber Nora Tschirner abwerben, weil Mut brauchen unsere Spieler zur Zeit notwendiger als irgendeinen Goalgetter, der vorne eh keine Chancen bekommt.
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Der FCN und die Finanzkrise

Nach allem, was unsereins mit dem Club erlebt hat, würde es verwundern, wenn dieser nicht auch von der Finanzkrise betroffen wäre. Reden tut derzeit (außer uns) aber kaum einer drüber. Schließlich hat die Fußballwelt auch was mit Eskapismus zu tun und außerdem haben Sportler noch weniger Ahnung von der aktuellen Krise als die meisten Wirtschaftsjournalisten.

Dass der Club da unbeschadet davon kommt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Da ist einmal die Stadion-Betreibergesellschaft, hinter der die Firma Hochtief steckt.  An der wiederum ist die Commerzbank beteiligt und ein in Schieflage geratener russischer Investor. Und dann brauchen wir uns ja nur unseren ungeliebten Stadionnamen auf der Zunge zergehen lassen. „Iehsiee Gredid!“ Haben die nicht auch mit Geld zu tun? Gibt es da Gegenwerte für die Kredite? Wobei, ein anderer Stadionname wäre sicher einer der wenigen positiven Nebeneffekte der Bankenkrise.