Kräftiger Einlauf in Darmstadt

SV Darmstadt 98 - 1. FC NürnbergVor beeindruckender Kulisse liefen die Teams in das Stadion am Böllenfalltor ein. Die Darmstädter Fans hatten ein beachtliche Choreografie auf die Beine gestellt, von den ausverkauften Rängen dröhnte dazu der Klassiker „You’ll never walk alone“. 16.500 Zuschauer kamen trotz der unpopulären Spielzeit um 20.15 Uhr an diesem kalten Montag, um ihre Mannschaft anzufeuern. Rund 2000 Gästeanhänger waren extra aus Nürnberg angereist. Aus der Gegend, wo das Motto „You’ll never walk alone“ so selbstverständlich gelebt wird, dass es so gut wie nie extra besungen werden muss.

Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen war der 1. FC Nürnberg vom Aufsteiger im Vorfeld geradezu in die Favoritenrolle gedrängt worden. Und das, obwohl der SV Darmstadt 98 mit zwei Punkten mehr auf dem Konto ins Rennen ging. Die neue Rolle schien der jungen Elf von Trainer Valerien Ismael jedoch von Anfang an nicht richtig geheuer zu sein. Beflügelt durch die tolle Stimmung ergriff der SV sogleich die Initiative. Erst in Minute 7 strahlte der Club in Person von Alessandro Schöpf erstmals so etwas wie Torgefahr aus. Vor allem mit Standards, vor denen Ismael ausdrücklich gewarnt hatte, brachten die Hessen die Abwehr um Ondrej Petrak und Niklas Stark ein ums andere Mal ins Wackeln.

Erst nach einer Viertelstunde befreite sich der Club etwas, die Drangphase der Hausherren war überstanden. Über den rechten Flügel machte Daniel Candeias jetzt ordentlich Dampf nach vorne. Wenn auch wiederholt der letzte Pass nicht ankam. Eine dicke Chance hatte der Portugiese dann aber doch, als er in der 31. Spielminute aus zehn Metern abzog, allerdings an Keeper Christian Mathenia scheiterte. Man könnte sagen, dass das den Höhepunkt des Nürnberger Spiels an diesem Abend markierte, denn fortan ging es leider bergab mit der Leistungskurve der Truppe um Kapitän Jürgen Mössmer.

Das 1:0 für Darmstadt ließ nicht lange auf sich warten. In Minute 39 versetzte Dominik Stroh-Engel die Heimfans, die nach 21 Jahren Abstinenz ihre Elf endlich wieder in der 2. Bundesliga anfeuern durften, mit seinem Treffer aus abseitsverdächtiger Position in Ekstase. Und den FCN-Anhang in Schockstarre. Die „Lilien“ dominierten auch die zweite Halbzeit über weite Strecken. Leon Balogun durfte sich die Ecke aussuchen und netzte souverän zum 2:0 ein (70.). Darmstadts Tobias Kempe setzte in der Schlussphase sogar nochmal ein Tor drauf (82.).

Wie zu Beginn tobte das Stadion am Böllenfalltor, als Schiedsrichter Martin Petersen den Schlusspfiff ertönen ließ. Die Einen vor Freude. Die Anderen vor Wut. Es bleibt die Erkenntnis, dass der 1. FC Nürnberg keinesfalls gefestigt ist. Es zeigte sich erneut, dass die junge Elf zu unerfahren ist, um Rückschläge wegzustecken. Wo ist der Leitwolf, der dieses Team wieder aufrichtet, der es nach vorne peitscht? Und kommt Ismael nun doch wieder von seiner Linie ab und greift notgedrungen auf seine gechassten erfahrenen Spieler wie Javier Pinola zurück? Es bleiben: Fragen über Fragen und ein kräftiger Einlauf in Darmstadt, der im Nachgang riecht wie Sch***.