Club wird in Aue abgeschossen

Da startet der Club mit zwei Siegen und steht an der Tabellenspitze. Prompt herrscht allerorten Euphorie. Die wird nur leicht gedämpft als gegen Union Berlin nur ein glücklicher Last-Minute-Punkt rausspringt. Aber immerhin ist Berlin ja ein erklärter Aufstiegsanwärter. Also war es keine Frage, welche Erwartungen da gegen das bislang sieglose Aue gehegt wurden: Ein Dreier und zurück an die Spitze!

Aber wir kennen das als unverbesserliche Fans des Deppen leider schon zu Genüge: Wenn wir anfangen zu träumen und Höhenluft zu schnuppern geht es Richtung Fürth. So gab es jetzt in der Auer Stadionbaustelle einen richtig saftigen Abturner für den FCN. Und leider muss man sagen: Die Niederlage war völlig verdient und hätte sogar noch höher ausfallen können.

Begonnen hat der Club noch durchaus selbstbewusst. Man sah, dass er bereit war, die Favoritenrolle anzunehmen. Allerdings fehlte die letzte Zielstrebigkeit. Die beiden besten Chancen ließ dabei Cedric Teuchert liegen. Allerdings kamen dann die Hausherren zunehmend auf und Kirschbaum musste zweimal bravourös retten. Insofern durfte der Club mit dem 0:0 zur Pause durchaus noch zufrieden sein.

Aber anstatt die Lehren daraus zu ziehen, ging es in der zweiten Hälfte im gleichen uninspirierten Stil weiter. Blöd nur, dass Aue dann für seine Sturmbemühungen endlich belohnt wurde. Nach einer Stunde schlug der Ball erstmals hinter Kirschbaum ein. Konnte man hier noch von Glück sprechen (der Schuss von Wydra wurde abgefälscht), waren die zwei weiteren Treffer für Aue in der 73. und 78. Minute auf Unvermögen im Abwehrverbund zurückzuführen. Immerhin zeigte Möhwald drei Minuten vor Schluss noch, wie man Tore schießt. Aber da war es natürlich schon zu spät.

Klar, man kann durchaus mal ein Spiel verlieren. Auch gegen Aue. In der 2. Liga gibt es keine Underdogs. Bloß muss man aus solchen Niederlagen seine Lehren ziehen. Allein am Fehlen von Sebastian Kerk kann es nicht gelegen haben. Wobei man schon den Eindruck haben konnte, dass Köllners System eben nur mit einem Spieler wie Kerk funktioniert und gegen Aue nicht die optimale Lösung war. Warum er den bislang überzeugenden Kammerbauer nicht auflaufen ließ und stattdessen den als Innenverteidiger lustlosen Petrak brachte, war auch nicht ganz nachvollziehbar.

Noch besorgniserregender ist aber die Situation vorne. Teuchert agiert häufig zu überhastet und eigensinnig. Ishaks Spiel kann man bestenfalkls mit unauffällig beschreiben. Salli bringt zwar manchmal ein paar nette Gimmicks, aber kaum was Brauchbares. Bei Gislason warten wir immer noch vergeblich. Mag sein, dass das alles auch an den fehlenden Zuspielen liegt. So oder so herrscht vorne aber Handlungsbedarf. Deswegen muss beim Club im Sturm oder im offensiven Mittelfeld wohl doch noch nachgebessert werden. Für diese Erkenntnis war es immerhin gut, dass der Dämpfer dann doch so bald erfolgte.

Harte Erzgebirgs-Nuss geknackt

3260319448An die Aufstellung mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Viele neue Namen. Mancher stand auch ziemlich überraschend auf dem Spielbogen. Die Vierkette mit Pachonik, Petrak, Pinola und Ramirez hätten wir jetzt auch nicht unbedingt so erwartet. Dass Ismael auf 4-4-2 setzte und mit zwei Stürmern antrat, war vielleicht angesichts der vorhersehbaren Taktik des Gegners schon eher erwartbar. Nicht aber, dass Pekhart als einer der beiden Stürmer von Beginn an auflief.

Für uns Zuschauer war also etliches noch ungewohnt. Da freuten wir uns dann doch fast schon, wenn alte, bekannte Phänomene aufblitzten. Zum Beispiel, wenn Raphael Schäfer auf der Linie klebte, wenn Rauslaufen angesagt gewesen wäre. Oder wenn Javier Pinola (dessen Frisur immerhin neu ist) wieder mal aus 20 Metern einen Ball in Richtung Zuschauer hämmerte. Dass Pekhart im Abseits steht (und von dort zwei Mal ins Tor traf), das kennen wir auch schon. Ja, er hat sich beschwert, dass schon in der vergangenen Saison die Pässe auf ihn zu spät kamen. Das war auch diesmal so. Beim ersten Abseitstor war der Pass zudem einfach unnötig. Robert Koch hätte das Ding selber machen müssen.

Trotzdem: Kaum war Pekhart draußen, war plötzlich Zug im bislang eher verhaltenen Clubangriffsspiel. Ramirez, der für Pekhart eingewechselte Mlapa und schließlich Neuzugang Sylvestr sorgten mit einem sehenswerten Konter für den Treffer des Tages (69.Minute). Bis dahin erwies sich Erzgebirge Aue als harte Nuss und der Club schaffte es nicht, aus seiner Überlegenheit irgendetwas Vorzeigbares zu machen.

Zugute halten muss man der neuformierten Mannschaft, dass sich die Spieler auch noch nicht so gut kennen. Dass da manchmal der eine anders lief als der andere dachte. Immerhin gab es aber etliche Lichtblicke. Die Abwehr ließ zum Beispiel wenig anbrennen und stand weitgehend sicher. Sieht man einmal von der Riesenchance zum Ausgleich in der Schlussphase ab, war von Aue nicht viel zu sehen. Prompt verletzte sich bei dieser Riesenchance Jan Polak, als er bei der Rettungsaktion mit Schäfer zusammenprallte, schwer. Der Club musste den ersten Zweitliga-Dreier also in Unterzahl über die Zeit schaukeln.

Das wurde auch noch dadurch erschwert, dass einige Spieler unter Krämpfen litten. Offenbar sind manche was die Fitness angeht moch nicht in der 2. Liga angekommen. Ansonsten hatten wir, ehrlich gesagt, eine längere Eingewöhnungsphase befürchtet. Aber das war ja heute auch nur Aue…