Europa, wir kommen nicht!

Der Spielplan meint es gut mit dem Club zurzeit. Letzten Sonntag ging es schon gegen die von der Europa-League scheinbar erschöpften 96er. Diesmal gegen die gleichermaßen müden Stuttgarter. Doch beiden Male langte es nur zu einem Unentschieden. Und beide Male muss man sagen: Es war glücklich.

Gegen Hannover fiel der Ausgleich erst in der Nachspielzeit. In Stuttgart traf Feulner aus dem Nichts und ziemlich überraschend zum 1:1-Endstand. Durch strukturiertes Spiel hatte sich der FCN das jedenfalls nicht verdient. Aber, was soll´s!

Das Spiel war – vor allem in Halbzeit eins – selbst für Fans harte Kost. Dem VfB konnte man zugute halten, dass ihm noch das Spiel gegen Genk zwei Tage zuvor in den Knochen steckte. Doch wovon waren eigentlich die Clubspieler platt? Oder war das Mitgefühl? Solidaritäts-Grottenkicken?

Dann lullten sie sich auch noch selber ein und lagen – wieder einmal unkonzentriert aus der Kabine gekommen – zu Beginn der zweiten Hälfte plötzlich hinten. Nicht unverdient. Korrekterweise hätte es aber kurz danach einen Handelfer für den Club geben müssen. Insofern war der Treffer von Markus Feulner dann doch irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit.

Trotzdem festzuhalten bleiben: die Fehlpässe, die Schnitzer hinten (Nilsson), die anhaltende Formschwäche der beiden Außenverteidiger und des für den erstmals seit Beginn spielenden Mu Kanazaki eingewechselten Alexander Esswein. Dazu kommt die Harmlosigkeit des Sturmsolisten (diesmal durfte sich Polter zuerst versuchen und wurde dann durch Pekhart ersetzt)…. Nachdem Timm Klose diesmal verletzt fehlte, war eigentlich nur Raphael Schäfer eine Bank.

Bei den anderen hatten der Zuschauer eher den Eindruck, dass sie dringend eine Pause benötigen. Und dabei sind wir in keinem weiteren Wettbewerb vertreten. Dass das mit der Europa-League wohl nicht klappen wird, ist insofern beruhigend. Immerhin hat sich der Abstand zum Relegationsplatz weiter vergrößert. Gönnen wir uns also den Luxus der Langeweile!

Goodbye Europa!

Manche hatten es zum Endspiel hochstilisiert,. Andere immerhin ein klein wenig tiefer gehängt. Trotzdem: Es ging um Europa. Genauer gesagt um Platz 5, der den Einzug in die Europa-League bedeutet hätte. In Nürnberg stand für viele das ganze Osterfest im Zeichen des Duells mit Mainz 05. Der Club hatte die Riesenchance, eine tolle Saison zu krönen. Und dann das!

Ein Grottenkick im Frankenstadion. Ein Stunde lang Abtasten. Bloß nichts riskieren. Mittelfeldgeplänkel. Spielverlagerung in den Schatten. Verzweiflungsschüsse, etc.pp.

Irgendwann gegen Schluss wachte dann der Club doch auf. Wahrscheinlich hatte jemand den Spielern gesagt, wenn ihr nicht gewinnt, dann wird das nichts mehr mit der Europaleague. Es stehen nämlich noch Auswärtsspiele gegen Dortmund und Hannover an. Da war ein Dreier gegen Mainz praktisch unverzichtbar.

Doch das Aufbäumen kurz vor Schluss blieb dann leider ohne Erfolg. Wieder einmal hatte ein Schiedsricher was dagegen. Diesmal hieß er Manuel Gräfe. Der besaß einen ganz speziellen Sehfehler und glaubte, dass nur die Nürnberger Arme an ihren Oberkörpern hängen haben. Bei den Mainzern pfiff er jedenfalls klare Handspiele konsequent nicht. Bei den Nürnbergern (Mak) brach er verheißungsvolle Angriffe ab, weil der Ball dem Stürmer blöd an die Hand sprang. Kann man machen, wenn man die Order hat, dem ZDF für die Europaliga Anfahrtskosten zu sparen. Als Unparteiischer sollte man sich dann aber nicht mehr bezeichnen.

Aber wir wollen die Schuld nicht nur bei anderen suchen. Beim Club mangelte es an Einfällen, blieb viel Stückwerk. Da hat man sich vor lauter Abwarten und Abtasten irgendwann selbst eingelullt. Der Sturm scheint eher eine Schlechtwettersturm zu sein. Bei schönem Wetter trifft er nicht. Schieber war nur ein Schatten seiner selbst (der Schieber am Platz war diesmal ein anderer). Eigler hätte heute mal wieder der Mann für die wichtigen Tore sein können. Aber offenbar schien es ihm nicht wichtig. Selbst bei einer Niederlage hätte Mainz mit dem besseren Restprogramm noch gute Chancen auf die Europaleague-Teilnahme gehabt.

Muss Europa halt ohne uns leben! Wer weiß, wofür es gut ist.

Diskussionsabend mit dem „Helden von Rom“

„Nürnberg grüßt Europa“, jubilierte Star-Kommentator Günther Koch vor 21 Jahren, als sich der 1.FC Nürnberg endlich mal wieder für den Uefa-Pokal-Wettbewerb qualifiziert hatte. „Nürnberg grüßt Europa“ lautet auch der Titel eines Diskussionsabends, zu dem die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur einlädt, um die raren  internationalen Momente des Clubs wieder aufleben zu lassen.

In der Akademie-Gesprächsreihe „Weißt du noch damals…“, in der Legenden von einst und aktuelle Spieler über die Geschicke des FCN sinnieren, sind diesmal Tasso Wild, Dieter Eckstein und Peer Kluge zu Gast.

Der heute 69-jährige Wild spielte zwischen 1959 und 1967 für die erste Mannschaft des FCN und wurde mit ihr 1961 Meister sowie 1962 Pokalsieger. Wild spielte daher auch in den Spielzeiten 1961/62 sowie 1962/63 international für den Club, als dieser im Europapokal der Landesmeister bzw. der Pokalsieger jeweils die dritte Runde erreichte.

saneWesentlich kürzer war das internationale Gastspiel 1988/89, das sich der FCN dank eines fünften Platzes in der Saison 1987/88 verdient hatte. Allerdings gelang beim haushohen Favoriten AS Rom ein 2:1-Sieg – der inzwischen  45-jährige Eckstein erzielte einen Treffer und avancierte in den Herzen der Fans für immer zum „Helden von Rom“, auch wenn durch ein 1:3 nach Verlängerung  im Rückspiel das schnelle Aus kam. Das andere Tor für den FCN beim AS Rom, der immerhin Rudi Völler in seinen Reihen hatte, erzielte übrigens Souleyman „Sammy“ Sane (unser Foto).
Wesentlich länger konnte sich der FCN bei seinem letzten internationalen Auftritt im Wettbewerb halten. 2007/08 überstanden Peer Kluge und Co. die erste Runde und die Gruppenphase des Uefa-Cups, bevor sie in der Zwischenrunde gegen Benfica Lissabon unglücklich ausschieden.

Markus Löser von der „Abendzeitung“ moderiert die Diskussion im Südpunkt (Pillenreuther Straße 147), die am Donnerstag, 15. Oktober, um 19.30 Uhr beginnt. Der Eintritt ist frei.