Dass wir das noch erleben dürfen

Die Woche:

  • Club-Trainer Boris Schommers hat trotz der historisch schlechten Tabellensituation die Mannschaft gelobt. Sie gehe an die Grenze und gebe ihr Optimum. Heißt im Umkehrschluss: Mehr ist mit diesem Kader nicht drin. Dann legte er nochmal in einem großen Interview nach. Der Glaube sei noch da. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein hatte sich zuvor in der Bildzeitung (kein Link) ähnlich geäußert.
  • Ungeachtet solchen Wunderglaubens bleibt dem Club der Hauptsponsor erhalten. Die Nürnberger Versicherung hat den Vertrag verlängert. Bislang zahlte sie 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Die Zielvorgabe ist aber klar: Wir wollen in der ersten Liga spielen.
  • In der 2.Liga hätte der Club zumindest einen kleinen Vorteil. Er kennt den bald auch dort geltenden Videobeweis schon und hat die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen.
  • Einen kurzen Aufreger lieferte die Meldung: „Köllner verklagt den Club“. Inzwischen ist aber die Luft ziemlich raus. Der ehemalige Trainer wird sich mit dem FCN außergerichtlich über noch offene Fragen nach der Entlassung einigen.
  • Was die vakante Position des Sportvorstands angeht (angeblich soll nächste Woche eine Entscheidung fallen), ist derzeit Markus Krösche vom SC Paderborn Favorit in der Gerüchteküche. Da der 38-Jährige dort noch Vertrag hat, kursieren jetzt Ablösesummen von 1,5 bis 4 Millionen. Dass ausgerechnet der finanziell klamme FCN, dem in der Winterpause jeder Euro für notwendige Verstärkungen zuviel war, hier eine solche Summe ausgibt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
  • Wer meint, der Aufsichtsrat würde fieberhaft nach einem Bornemann-Nachfolger suchen, der irrt. Offensichtlich bleibt noch genügend Zeit, um eine Fußball-Bibliothek einzuweihen.
  • Der Club konnte schon vorher das Gewinnen üben. Im Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav gab es ein 5:1. Den letzten Sieg feiern durfte der Club übrigens ebenfalls in einem Testspiel gegen ein tschechisches Team. Im November gab es ein 4:2 gegen Usti nad Labem.

Das Spiel:

Einen signifikanter Unterschied bietet der Trainerwechsel: Die Aufstellung ändert sich mittlerweile nur noch marginal. Gegen Augsburg rückte der gesperrte Leibold ins Team, Tillman musste dafür auf die Bank. Bei Köllner hatten viele mangelnde Konstanz beklagt, beim konstanten Schommers klagt mancher inzwischen über Mutlosigkeit.

Leider lieferte der Auftritt in der ersten Hälfte dafür zunächst auch entsprechend Munition. Da ging es vorwiegend um Fehlervermeidung. Nach vorne brachten höchstens Standards Gefahr. Andererseits hatten auch die Augsburger ihre Chancen. Beim FCA hatte man jedoch das Gefühl, dass denen auch ein Unentschieden reichen würde. So entwickelte sich ein Spiel, bei dem die einen offensichtlich nicht wollten und die anderen nicht konnten.

Aber wie gesagt, es gab noch die Standards. Und in der 52. Minute war es dann soweit. Kerk zirkelte einen Freistoß aufs lange Eck, wo sich Mikael Ishak hinter der Augsburger Abwehr durchgestohlen hatte und zum umjubelten 1:0 einschieben konnte.

Jetzt begann der FCA langsam aufzuwachen. und machte mehr Druck. Schommers reagierte richtig und brachte Konterspieler Matheus Pereira für Kerk. Der hatte nach seinem Platzverweis wieder was gutzumachen. Und das sind dann die Dinge, die das Fanherz erfreuen, wenn Rechnungen einfach einmal aufgehen.

In der 88. Minute kann der Club gerade noch den Ausgleich verhindern. Leibold schickt im eigenen Strafraum Pereira auf die Reise und der macht das wichtige 2:0. Danach durfte noch Edu Löwen die Auflösungserscheinungen in der FCA-Abwehr nutzen und zum 3:0 erhöhen.

Nach einem halben Jahr Flaute endlich mal wieder ein Dreier und dann auch noch mit drei Treffern und ohne Gegentor. Dass wir das nochmal erleben dürfen.

Allerdings: Wenn da jetzt keine Positivserie folgt, bringt uns dieser Sieg hinsichtlich Klassenerhalt rein gar nichts.

Ein Letztes:

Das FrankenFernsehen hat Club-Vorstand Niels Rossow interviewt. Als Fakt bleibt immerhin, dass der FCN einen Fanshop in Innenstadtlage eröffnen will und inzwischen wohl den Mietvertrag unterzeichnet hat. Als Nicht-Fakt bleibt hingegen ein Satz wie: „Ganz Nürnberg sprüht vor Optimismus“. Wobei der inzwischen wenigstens wieder glimmt.

Verdienter Dreier in Augsburg

Im Vorfeld ging schon wieder das große Unken los. Aber der Club macht dankenswerterweise die Punkte, wenn es wichtig ist. Doch nicht nur nach Punkten, auch auf dem Platz zeigten die FCN-Spieler, dass zwischen den Augsburgern und ihnen doch ein kleiner Klassenunterschied herrscht. Das war einfach ein anderes Kaliber. Der Club taktisch und spielerisch besser, ließ die Augsburger mit dem Ball laufen, hatte aber alles im Griff. Dazu kam diesmal ein völlig anderer Alexander Esswein. Den hatten die Augsburger eh schon in schlechter Erinnerung. Da knüpfte er jetzt wieder an und bereitete ein Tor vor und machte das zweite selber.

Der Pass zu Kiyotake beim 1:0 war Klasse. Das zweite Tor war ein 119-Kilometer-Hammer per Freistoß. Das genaue Gegenteil war das dritte Tor eines Clubberers. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Raphael Schäfer, der sich durch eine verunglückte Pirouette den Ball selber ins Tor legte. Schaut blöd aus. Ist peinlich. Aber passiert halt. Kein Problem, so lange wir trotzdem gewinnen!

Wiesinger hat ebenfalls einen guten Job gemacht. Zuerst hat er den FCA durch einen offensiven Start überrascht. Dann hat er offenbar das Pauseninterview mit Daniel Baier mitgehört. Der hatte die Taktik des FCA ausgeplaudert. „Über Rechts kommen, Plattenhardt unter Druck setzen und hoffen, dass der die zweite Gelbe bekommt.“ Wiesinger wechselte zur Pause Pinola ein und nix wars mit diesem sinistren Plan.

Der Club hat jetzt 31 Punkte und kann wieder entspannt weiter spielen. Nach oben gucken könnte er auch. Sind schließlich nur sechs Punkte auf den nächsten Gegner Schalke 04. Und die stehen auf einem Europa-League-Platz. Bevor aber allzuviel Ehrgeiz aufkeimt, sollten wir uns das mal reinziehen. Die Europa-League scheint mittlerweile eher eine Loser-Veranstaltung zu sein. Mir wäre Platz 7 da fast lieber.
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Ein Punkt gegen den Abstieg

Trainer Dieter Hecking machte am Spielfeldrand nicht den Eindruck, als wäre er mit einem Unentschieden unzufrieden. Weder was seine Mimik anging, noch sein Verhalten. Eher schien es so, als habe er die beiden Stürmer (Pekhart und Bunjaku) nur wegen des äußeren Scheins auflaufen lassen. Um die Augsburger ein bisschen zu irritieren. Damit sie die Deckung nicht ganz aufgeben. Das mit den Stürmern schien nur ein Scherz zu sein, den Hecking dann auch nach der Pause prompt korrigierte. Erst wechselte er Pekhart gegen Hegeler aus und dann nahm er auch noch Bunjaku runter.

Der für Bunjaku eingewechselte Alexander Esswein (im Bild links) hatte dann in der stürmerlosen Schlussphase immerhin zwei hochkarätige Chancen. Dazu hatten auch Chandler und Cohen je eine. Es wäre also sogar durchaus ein Sieg drin gewesen. Allerdings auch eine Niederlage, denn kurz nach der Großchance musste Raphael Schäfer mit letztem Einsatz den Treffer der Augsburger verhindern und Schiedsrichter Jochen Drees verweigerte danach den Augsburgern einen Handelfmeter, den mancher Schiri, der es mit dem Club weniger gut meint, vielleicht gegeben hätte. Und davor hatte eigentlich überhaupt nur der FCA nennenswerte Chancen.

Das hört sich jetzt dramatischer an als es eigentlich war. Im Grunde genommen war es ein grottiger Abstiegskick, bei dem eigentlich nur etliche gelbe Karten Farbe ins Spiel brachten. Schuld waren möglicherweise die Platzverhältnisse. Wegen einer angeblich defekten Rasenheizung war die eine Hälfte des Spielfelds teilvereist, die andere aber trocken. Vielleicht war auch das der Grund, dass kaum ein Ball ankam und das Offensivspiel nur im trockenen Halbfeld einigermaßen funktionierte. Dann aber wäre es vielleicht besser gewesen, der Club hätte in der zweiten Halbzeit im trockenen Strafraum einen treffsicheren Stürmer gehabt…

So war das kein Befreiungsschlag, sondern nur die Vermeidung des Worst Case und einer Verschlechterung des Status Quo. Dem Club hilft der Punkt dennoch mehr als den Augsburgern. Trotzdem: Das Zittern geht weiter!

Der Luchs kommt nach Augsburg

Der FC Augsburg ist für uns Clubfans normalerweise eher ein Konkurrent im Kampf gegen der Abstieg. Im Kampf gegen die München-Zentriertheit des Bayerischen Rundfunks ist er allerdings ein Verbündeter. Nach der letzten Sendung von „Blickpunkt Sport“ im Bayerischen Fernsehen hat sich Peter Birks, Aufsichtsratsvorsitzender des FCA, jedenfalls beim BR-Sportchef beschwert, wie mit seinem Verein in der Sendung umgegangen wurde. Der hatte immerhin gewonnen (erster Erstligasieg des FCA!). Trotzdem wurde er von den Mirsanmir-Journalisten des BR wie ein unbedeutender Vorortverein abgekanzelt:

„Irgendwie kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass unser Sieg in Mainz den „Machern“ Ihrer Sendung so gar nicht in den Kram passte. Hätte man nach einer erneuten Niederlage doch noch viel schöner auf die „bundesligauntauglichen“ Augsburger einschlagen können.“

Letztlich erleben die Augsburger nun das, was wir Clubfreunde schon seit Jahrzehnten vom BR kennen. Alles, was außerhalb Münchens stattfindet, hat den Hauch des Provinziellen, ist nur Folklore, der man halt aus Proporzgründen auch ein bisschen Sendezeit einräumen muss. Insofern ist jetzt der Luchs auch in Augsburg angekommen.
Hallo, FCA, willkommen im Club!
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Mut zum miesen Spiel

Als Clubfan musst du Geduld und Stehvermögen haben. Andererseits muss man als Trainer wohl auch den Mut zum miesen Spiel entwickeln. Immerhin sprang gegen die Augsburger der erste Heimsieg seit langem heraus. Wahrscheinlich ging das nur so. Denn der Club kann daheim einfach nicht das Spiel machen. Da fehlt das Potenzial.

Diesmal fiel auch noch Markus Feulner kurz vor Spielbeginn aus. Julian Wießmeier (Bild) durfte dafür von Anfang an ran. Aber ein Kreativbolzen ist er keiner. Auch sonst fehlen die in der Clubmannschaft.

Daher entwickelte sich im Frankenstadion 77 Minuten lang ein Spiel zum Abgewöhnen. Keine Ideen, kaum Torszenen, manchmal peinliches Mittelfeldgestopsel. Hin und wieder durften wir froh sein, dass die Augsburger so schwach agierten und überraschende Abwehrschwächen des Club nicht bestraften. Wenn überhaupt, dann lief beim Club nur etwas über Rechts, über Hegeler und Chandler.

Aber eigentlich waren das 77 Minuten zum Vergessen. Allerdings eben nicht ganz. Denn die Augsburger dachten dann wohl, das läuft immer so weiter. Lief aber nicht. Plötzlich explodierte der eingewechselte Alexander Esswein. Setzte einen Konter über Links (!) und machte das entscheidende Tor. Da sah man, dass der Club halt doch ein paar Lektionen mehr gelernt hat als der FCA.

Fazit: Wichtiger Heimsieg gegen einen Abstiegskonkurrenten. Drei Punkte! In ein paar Tagen fragt keiner mehr, wie sie zustande gekommen sind.

Um Jahre gealtert

clubfca5_DW_Sport__1094212gIn so einem Spiel altert man um Jahre. Erst spielt der Club 45 Minuten so als ginge es um nichts. Vielleicht war es die Nervosität, von außen sah es aber so aus. Dann dreht er nach der Pause endlich mal auf, setzt die Augsburger, die – außer Torwart Simon Jentzsch – kaum andeuten konnten, dass sie in der 1. Bundesliga etwas zu suchen haben, endlich unter Druck. Leider fehlte häufig die Präzision. Dann wurde es hitzig. Pinola mittendrin, holt sich die 10. gelbe Karte, fehlt also am Sonntag beim Rückspiel (möglicherweise war das heute sogar sein letztes Spiel für den Club). Kurz darauf gibt es Elfmeter. Jetzt aber, denkt man. Aber Bunjaku, der schon zuvor zwei Riesenchancen versiebt hat und auch ansonsten völlig neben sich stand, vergibt. Als alle dann schon meinten, das war´s mit dem FCN, die bekommen nie mehr einen Ball ins Netz, macht ausgerechnet Christian Eigler sechs Minuten vor Schluss doch noch das Tor.

Ob das reicht? Im eigenen Stadion wird sich der FCA jedenfalls anders präsentieren, und ob der Club – ähnlich unter Druck gesetzt – nur ein Tor kassiert, das ist auch noch nicht ausgemacht. Das Zittern geht also bis zum letzten Moment weiter.

Andererseits muss man auch sagen, welcher andere Verein offeriert seinen Fans eine derartige Gefühlsachterbahn – und das auch noch in Überlänge. Wenn es danach ginge, dann bietet der FCN ein echt hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis. Manchmal würde man sich aber wünschen, die würden einen etwas weniger stressen.