Ein „Weiter so“ kann es geben

Geschafft! In mehrfacher Hinsicht. Zum einen der Klassenerhalt. Zum anderen wir. Und nicht zuletzt diese beknackte Saison. Längstmögliches Leiden war da angesagt. Nicht bloß wegen der Coronapause. Dazu auch noch das Nachsitzen in der Relegation und dort extremstes Gefühlskarussell mit einer nicht mehr für möglich gehaltenen Erlösung in der 96. Minute. Gut, es hätte auch noch Verlängerung geben können und somit Steigerungsmöglichkeiten. Die sind aber selbst beim Club nur theoretischer Art.

Letztlich sind wir im Soll und der nach dem Bundesligaabstieg ausgerufene Zwei-Jahres-Plan ist immer noch umsetzbar. Was sollen also all die defätistischen Kommentare, wonach es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe und der Club einschneidende Veränderungen nötig habe? Fußball ist ein Ergebnissport . Da fragt schon nach ein paar Tagen keiner mehr, wie Siege oder Klassenerhalte zustande gekommen sind.

Ahem! Nein, wir haben nicht wegen des einen Schleusener-Tores die Seiten gewechselt. Wir wollten nur einmal unter Beweis stellen, dass wir realitätsfernes Schönreden nach Grottenkicks ebenfalls beherrschen. Das dürfte ohnehin auch künftig angesagt sein, weil sich nämlich am Weiterwursteln wenig ändern dürfte. Die von Palikuca unter dem Titel „Neuanfang“ zusammengekaufte Mannschaft wird uns nämlich weitgehend bleiben. Interessenten, die dann auch ähnlich hohe Gehälter zahlen, wird es in der gegenwärtigen Situation kaum geben. Angesichts des aufgeblähten Kaders muss man beim FCN froh sein, dass dann doch ein paar Verträge auslaufen (Ishak, Erras) und Robin Hack abgegeben werden kann, um somit wenigstens die Defizite auf bestimmten Positionen beheben zu können. Dass dabei ausgerechnet die wenigen Aktivposten der laufenden Positionen den Verein verlassen, spielt in dieser Notlage keine Rolle .

Zu glauben, dass jetzt nur der richtige Trainer verpflichtet werden muss, ist ebenso blauäugig, wie der Gedanke, dass ausgerechnet Robert Palikuca diesen bei seinem dritten Versuch entdeckt,. Allerdings, selbst wenn er diesen richtigen Trainer fände, würde der unter den gegebenen Umständen wohl kaum zum Club gehen. Das Gleiche gilt übrigens für eine etwaige Suche nach einem neuen Sportvorstand.

Womit wir bei der schon seit Jahrzehnten immer wieder gebetsmühlenhaft geäußerten Forderung wären, der Verein brauche mehr Sachverstand in der Führung, denn dann hätten unerfahrene Sportvorstände und eher mittelmäßige Trainer wenigstens ein Korrektiv. Die Forderung ist zwar immer noch richtig. Getan har sich aber all die Jahre nichts. Warum wohl?

Vielleicht ist es der im Aufsichtsrat nicht unbekannte Dunning-Kruger-Effekt, der wohl auch dafür verantwortlich war, dass Palikuca, Canadi oder Keller regelmäßig mit ihrem Schöngerede durchkamen. Mit Geschwurbel gewählt, mit Geschwurbel ruhig gestellt. So präsentiert sich das oberste Cluborgan. Kein Wunder, dass dieses uns Fans genauso billig ruhig stellen will: etwa mit FCN-Rufen und einer Zigarre . Trotzdem: Bei der nächsten JHV werden sie erneut Stuhlfauth und Morlock zitieren und wir wählen sie wieder…. Allerdings, haben wir eine andere Wahl? Leute mit Sachverstand lassen sich dort halt selten aufstellen. Womit sich wieder die Frage stellt: Warum wohl?

Vielleicht bewirkt der ganz tiefe Blick in den Abgrund endlich etwas. Bedauerlicherweise müssen wir auch hier auf Leute setzen, denen wir – spätestens nach dieser Saison – wenig zutrauen.

Vielleicht werden jetzt auch ein paar Richtige gehen, es werden aber auch jede Menge Falsche bleiben. Die müssten es aber auf wundersame Weise schaffen, sich selber an ihren Haaren (Zigarren?) aus der Malaise zu ziehen. Hoffen wir, dass da ein Schleusener kommt und hilft.