Club untertrifft sich selbst

Die Woche:

  • Nach dem peinlichen Auftritt in Bochum hat der Club wieder mal einen Trainer entlassen. Ziemlich schnell ging es diesmal. Bereits nach zwölf Pflichtspielen mit lediglich drei Siegen war für Damir Canadi in Nürnberg Schluss. Dabei war mit ihm im Sommer ein Zweijahresplan vereinbart worden, an dessem Ende – spätestens – der Wiederaufstieg stehen sollte. Stattdessen hieß es jetzt: „Ende eines Missverständnisses“. Kann man so stehen lassen, denn abgesehen von der Neuauflage des „El Kackico“ konnte die von Canadi mit zusammengestellte Mannschaft nie überzeugen. Ein Plan, eine Handschrift oder irgendeine eine Steigerung waren nicht erkennbar. Auch sonst…. Aber gut, er ist jetzt weg und dass kaum einer die Entlassung in Zweifel zieht, sagt eigentlich schon alles. Andererseits ist Clubvorstand Robert Palikuca, dessen Wunschtrainer Canadi aus welchen Gründen immer war, noch da und sucht jetzt einen Nachfolger. Hoffen wir mal, dass seine Wünsche diesmal besser mit der Situation in Nürnberg kongruieren. Bis Mittwoch will Palikuca übrigens einen neuen Trainer präsentieren.
  • Club-Ex-Trainer Michael Köllner hat inzwischen wieder einen Job. Natürlich in Bayern (woanders versteht ihn wohl auch keiner). Er coacht ab sofort die Sechziger. Viel Glück! Daniel Bierofka hat dort vor wenigen Tagen hingeschmissen. Gerüchte, er könne beim FCN anheuern, hat er dementiert..
  • Einer der wenigen Ex-Trainer, an die wir uns gerne erinnern, ist leider von uns gegangen: Heinz Höher ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren gestorben.
  • Nur ungläubig den Kopf schütteln konnten die Clubfans, als nun die Meldung rausging, Ersatzkeeper Andreas Lukse verletzt hat sich im Training verletzt (Muskelfaserriss). Damit musste heute erneut Torwart Nummer 5 ran, der 18-jährige Benedikt Willert.

Das Spiel:

Nach dem Bayern-Sieg meinte Uli Hoeneß, einige Spieler hätten zuvor gegen den Trainer gespielt. Ähnliches erhofften sich viele auch beim Club. Endlich ist „der Canadi“ weg, da können sie ja zeigen, was sie drauf haben. Zudem stand mit Legende Mintal ein Motivator am Spielfeldrand. Der Interimstrainer brachte dann auch den von Canadi verschmähten Ondrej Petrak und ließ dafür Jäger draußen.

Zehn Minuten lang sah das auch ganz gut aus. Der FCN machte das Spiel und trat durchaus selbstbewusst gegen den Tabellenzweiten aus Bielefeld auf. Aber die Probleme beim Club liegen halt doch tiefer. Auch ein Phantom kann dieser Abwehr auf die Schnelle keine Stabilität einimpfen. So konnte die Arminia innerhalb von fünf Minuten aus drei Chancen drei Tore machen und sich gleichzeitig wundern, wie leicht so etwas gegen den FCN geht.

Nach einer Viertelstunde war das Spiel praktisch gelaufen. Im Stadion wurde es genauso still wie anfangs bei den Gedenkminuten für die verstorbenen Heinz Höher und Norbert Eder. Vereinzelt wurde auch „Palli raus!“ gerufen. Immerhin ließen die Gäste Raum für derartige Reaktionen. Sie schalteten zwei Gänge herunter. Selbst der Schiedsrichter hatte Mitleid und ging nicht mit voller Härte gegen die frustrierten Nürnberger vor (Valentini hätte sich über eine rote Karte nicht beschweren können). Andererseits ging nach vorne beim Club auch nicht viel. So blieb es beim 0:3 zur Pause.

In der zweiten Halbzeit kam sogar Hoffnung auf. Nach einer Ecke von Geis köpfte Sörensen zum 1:3 ein. Das war aber für die Bielefelder lediglich ein Weckruf. Postwendend stellte Klos den alten Drei-Tore-Abstand wieder her.

In der 73. Minuten erhöhte dann Yabo sogar noch auf 1:5. Die Clubabwehr hatte da schon geistig abgeschaltet. Am Ende verhinderte ausgerechnet der 18-jährige Willert, dass die Niederlage noch höher ausfiel. „Außer Willert könnt ihr alle gehen“, schallte es da von den Rängen.

Die Clubverantwortlichen dürften wegen der anstehenden Personalentscheidungen froh sein, dass jetzt die Länderspielpause kommt. Wir sind froh, dass uns da wenigstens kein Clubspiel droht.

Ein Letztes:

Das Thema „der Club in der Musik“ müssen wir wohl noch mal gesondert behandeln. Aus gegebenem Anlass und zur Aufheiterung haben wir aber mal was ausgegraben. Hört rein, aber ohne Gewähr!

Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.