Sicheren Sieg verschenkt

Die Woche:

  • Im Fall Jatta wird leider weiter Porzellan zerschlagen. Inzwischen karrt der FCN sogar selber Zeugen dafür an, dass Bakery Jatta unter falscher Identität für den HSV aktiv ist. Das einzig stichhaltige Argument, warum so etwas einen Einspruch gegen eine Spielwertung rechtfertigt, ist für mich, dass der DFB selbst im Amateur- und sogar im Jugendbereich da ziemlich kleinlich agiert. Das führt beispielsweise dazu, dass Kinder nicht mehr mitspielen dürfen, weil ihre Eltern während der Saison umgezogen sind. Insofern ist das Vorgehen von FCN, VfL Bochum und jetzt auch dem KSC sachlich zwar gerechtfertigt. Wer allerdings auf die Einhaltung teilweise abstruser Richtlinien pocht, tut sich halt auch keinen Gefallen . Gerade eben kam dann einerseits die Meldung, Jattas Geburtsurkunde liege in Gambia im Original vor. Andererseits hat der Club seine Begründung zum Einspruch eingereicht, in der er betont „weiterhin für außerordentliches Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und tritt entschlossen für Integration und interkulturelle Verständigung“ einzutreten. Wäre schön, wir könnten uns endlich wieder dem Fußball zuwenden.
  • Ob das der erhoffte Aufstieg ist, sei dahingestellt. Abdelhamid Sabiri, der den Club – sagen wir mal – in Unfrieden verlassen hat, ist jetzt beim SC Paderborn gelandet.
  • Ebenfalls vom SC Paderborn umworben war Nürnbergs dienstältester Profi Ondrej Petrak. Er hat bereits beim vorletzten Bundesligagastspiel des FCN mitgewirkt. Damals hieß der Trainer noch Gertjan Verbeek. Insofern ist der Verteidiger so etwas wie die personifizierte Kontinuität beim Club. Entsprechend sauer waren viele Fans, dass man ihn so einfach ziehen lässt. Inzwischen hat Petrak aber signalisiert, in Nürnberg bleiben zu wollen. Gut so! Wobei die Bildzeitung vor Veröffentlichung der Wechselmeldung einfach nur den Spieler hätte fragen müssen, dann hätte die Fangemeinde allerdings weder dieser Meldung noch dem Dementi Klicks kredenzen können.
  • Noch nicht bestätigt ist die über Sky verbreitete Meldung, Federico Palacios werde zu Jahn Regensburg wechseln.

Das Spiel:

Gegen Heidenheim war unser Kapitän Hanno Behrens wieder von Beginn an dabei. Fabian Nürnberger durfte erstmals in der Startelf ran und ersetzte Handwerker. Der Club begann druckvoller und engagierter als zuletzt. Im Spielaufbau ging es konzentrierter zur Sache. Kaum Fehlpässe, teilweise richtig ansehnliche Ballstafetten… So fiel dann eigentlich folgerichtig in der 18. Minute auch das 1:0. Frey hatte einfach mal aus gut 20 Metern abgezogen, Torwart Müller konnte nur nach vorne abklatschen, wo Hack sich die Ecke aussuchen konnte. Doch nachdem der allgemeine Jubel verebbt war, kam der Videobeweis. Kein Tor! Bei der Ballannahme stand Frey leicht im Abseits.

Jubeltechnisch etwas seltsam gestaltete sich hingegen das echte 1:0 nach einer halben Stunde. Wieder kam der Ball von Frey, der Dovedan bediente und dessen Kopfball landete im Tor seines Ex-Vereins. Wie vorher angekündigt, wollte Dovedan in diesem Fall nicht jubeln. So machte sich beim Zuschauer Verunsicherung breit. War das jetzt was oder wieder nichts? Diesmal zählte es.

Weiter agierte der Club überlegen, allerdings fehlte den Angriffen jedes Mal der erfolgreiche Abschluss. Schließlich fasste sich in der 70. Minute Johannes Geis (der später noch die gelbe Karte sah) ein Herz und zog – wie schon gegen Osnabrück – aus dem Rückraum ab. Der Ball prallte vom Innenpfosten zum 2:0 ins Netz. Traumtor!

Beim Club machte sich Euphorie breit. Viele dachten schon, da geht heute noch was fürs Torverhältnis, zumal dann auch Neuzugang Felix Lohkemper (für Hack) zu seinem Debüt kam. Offenbar vergessen hatte man dabei, dass mit Heidenheim ein Gegner auf dem Platz stand, der sich nie aufgibt und der unlängst auch in Stuttgart noch einen 2:0-Rückstand aufholte.

Und so mutierte der Club dann innerhalb von zwei Minuten vom sicheren Sieger zum Deppen. In der 82. und 84. Minute erzielten die Gäste zwei Tore und nichts war es mit dem Dreier.

Ganz offensichtlich kann man auch in der 2. Liga Lehrgeld bezahlen.

Ein Letztes:

Wenn Untätigkeit als Beweis dient:

Einer, der den Unterschied macht

Die Woche:

1. Am 13. Mai kommt zum Saisonfinale Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf ins Morlock-Stadion. Nach dem Spiel ist in den Facebookveranstaltungen bereits eine Aufstiegsfeier angekündigt. Da werden bei den Älteren unter uns Erinnerungen an 1999 wach. Seinerzeit wurde auch bereits eine Nichtabstiegsfeier organisiert und dann schaffte der Club es noch, das Ding zu vergeigen.

2. Die zweite Liga geht in die entscheidende Endphase. Was da eigentlich völlig überflüssig ist, sind zusätzliche Baustellen. Trotzdem wird jetzt auch noch eine Torwartdiskussion vom Zaun gebrochen. Von der hat sich der Trainer allerdings inzwischen wieder distanziert.

3. Michael Wimmer verlässt den Club und geht zum FC Augsburg. Diese Personalie dürfte sich für die meisten eher unbedeutend anhören. Allerdings: Wimmer steht für jahrelange, erfolgreiche Jugendarbeit beim Club. Und somit ist das durchaus ein Verlust.

4. Mit der Schlagzeile „Köllner ist es EGAL“ machte die Zeitung mit den diesmal besonders großen Buchstaben Stimmung gegen FCN-Trainer Michael Köllner. Wahrscheinlich hatte der aber einfach nur keine Lust auf blöde Suggestivfragen zu antworten.

Das Spiel:

Trotz der Meldungen, er sei noch nicht so weit, ließ Köllner den lange vermissten Mikael Ishak auflaufen. Das Spiel gegen die stark abstiegsbedrohten Heidenheimer begann aber wie in den letzten Wochen gewohnt. Der Club hatte zwar mehr Ballbesitz, biss sich aber an der massierten Verteidigung des Gegners die Zähne aus. Der versuchte es mit Kontern und nach einer knappen halben Stunde war es dann passiert. Verhoek traf mit einem Sonntagsschuss aus gut 30 Metern ins Dreieck. Der Club lag wieder einmal hinten.

Doch jetzt erwies sich, wie wertvoll Ishak für uns ist. Der Gegentreffer wurde diesmal zum Weckruf. Fast im Gegenzug machte Behrens auf Flanke von Leibold erst den Ausglich und eine Minute später eroberte Ishak am Strafraum den Ball, den dann Eduard Löwen im Gästetor versenkte. Beim Club war auf einmal wieder die alte Lockerheit im Sturm da. Daher war das 3:1 durch Stefaniak in der 38. Minute fast die logische Folge. Wieder geht der Assist an Ishak. Der hat allerdings durch sein Bemühen, keinen Ball verloren zu geben und den dann auch vorne festzumachen, bis die Kollegen aufgerückt sind, wesentlich zum Umschwung beigetragen. Kurz vor der Pause hatte der Clubstürmer sogar noch die Chance zum 4:1, verzog aber.

Nach der Pause kam dann Tobias Werner für Ishak, dem Köllner offenbar noch nicht die volle Spielzeit zutraute. Prompt war es vorbei mit der Torgefährlichkeit. Wobei allerdings auch Schiedsrichter Pfeifer zum Spielverderber wurde. Statt eines durchaus vertretbaren Elfers gab er Werner wegen angeblicher Schwalbe Gelb, zudem übersah er ein klares Handspiel im Strafraum. Dass es noch einmal eng wurde, hatte sich der Club jedoch selber zuzuschreiben. In der 52. Minute unterlief Bredlow eine Flanke, die der gerade erst eingwechselte Heidenheimer Dovedan zum Anschlusstreffer nutzte.

Danach hielt der Clubtorwart allerdings mehrfach in letzter Not den Dreier fest. Unnötig zu sagen, dass das uns Fans wieder ziemlich Nerven gekostet hat. Aber am Ende ging es gut. Der Club hat seine Durststrecke beendet und endlich wieder mal einen Sieg gelandet. Der ist umso wertvoller, nachdem die Konkurrenz Punkte liegen gelassen hat.

Ein Letztes:

Der Hashtag #buerofussballer ist dieser Tage wieder auferstanden. Das verspricht belanglosen Zeitvertreib für den angestellten Fan. Der denkt sich dann zum Beispiel Thomas von Spesen aus oder Daniel Bürofka. Bei sowas ist dann auch der offizielle Clubaccount mit von der Partie. Blöd nur, wenn dann auch solche Tweets eintrudelt.