Plan- und mittellos im Oberhaus

Die Woche:

1. Wie lange dürfen Lernphasen dauern? Ab wann sollten die Schüler ins harte Leben entlassen werden? Diese Frage darf sich der Club inzwischen ruhig stellen. Wobei Sportvorstand Andreas Bornemann da erst einmal nur die Führungsspieler gefordert sieht. Welche Führungsspieler? Das fargen wir uns da allerdings.

2. Am 12.Spieltag in der Saison 2013/2014 stand der Club zum letzten Mal am Tabellenende der Fußballbundesliga. Danach nistete sich die Braunschweiger Eintracht dort ein. Abgestiegen ist der Club trotzdem. In Braunschweig wäre man inzwischen allerdings froh über eine solche Platzierung.

3. „Noch bei der Musik dabei“. Damait versuchte der Kicker vor der Niederlage gegen die Freiburger zu trösten. Inzwischen ist die Musik kaum noch in Hörweite.

Das Spiel:

Von Endspiel war die Rede. Man werde alles geben, hieß es. Auf dem Platz lief es dann aber erstmal wie immer. Der Club stand meistens zu weit weg und ließ den Freiburgern viele Freiräume. Die gaben dem Club aber trotzdem das Gefühl, er mache das Spiel. Inzwischen hat es sich in der Bundesliga herumgesprochen, dass kaum Zählbares dabei rauskommt. Vor allem, wenn man über eine einigermaßen stabile Abwehr und einen bundesligatauglichen Torwart verfügt. Dem SC Freiburg kam dann auch noch das Glück zuhilfe. In der 19. Minute zirkelt Günter einen Freistoß in den Strafraum. Der Ball springt auf und an Bredlow vorbei ins lange Eck. Unglücklich, deppert, aber eben leider auch clublike. Danach begann der Club endlich Dampf zu machen. Das führte zu zahlreichen Ecken und Freistößen. Die wurden meistens von Sebastian Kerk getreten, der jedoch noch längst nicht der Alte ist. Torgefahr entwickelte sich aus diesen Standards durch die Bank nicht. So ging es dann mit dem Rückstand und unüberhörbaren Pfiffen in die Pause.

In der zweiten Halbzeit drängte der Club weiter. Aber, wie gesagt, drängen bedeutet beim FCN nichts. Da springen eben höchstens Ecken oder Freistöße raus. Die aber selbst dann verpuffen, wenn da nicht Kerk anläuft. Der wurde nämlich schnell durch Kubo ersetzt. Schließlich kam auch noch Ishak als Joker. Allerdings für Misidjan, der eigentlich noch einer der Aktivposten war.

Es half aber alles nichts. Der Club spielt zwar jedesmal wacker mit, versagt jedoch dort, wo es in der Bundesliga drauf ankommt: vor dem Tor. Da fehlen einfach die zündenden Ideen, irgendein Überraschungsmoment, der letzte Durchsetzungswille, die richtige, weil nicht erwartete Entscheidung… Heute hätte der Club wieder mal stundenlang weiterspielen können ohne was Zählbares zu erreichen.

Jetzt, wo wir auch noch ganz unten stehen, kommt zusätzlich Verunsicherung und der Verlust des eh schon geringen Selbstvertrauens hinzu. Wenn der Trainer vor dem Spiel dann auch noch so tut, als wäre der SC Freiburg eine Übermannschaft, steuert er dem zumindest nicht entgegen. Andererseits merkt man inzwischen überdeutlich, dass – inklusive Trainer – beim Club praktisch keiner Bundesligaerfahrung besitzt (und kommt mir bitte nicht mit Robert Bauer).

Ob man sich diese Erfahrung in der Winterpause zukaufen kann? Ich weiß es nicht. Zumal sich Köllner wohl kaum von einem neu verpflichteten Spieler erklären lassen dürfte, wo es lang geht.

Ein Letztes:

Wenn der Club nicht gewinnt, verschärfen sich auch die Drogenprobleme:

Der Club kommt langsam, aber gewaltig

4230094557Spiele gegen den SC Freiburg waren für den Club meistens Schicksalsspiele. Das letzte zum Beispiel brachte das Bader-Fass zum überlaufen. Beim Last-Minute-Abstieg ging es damals ebenfalls gegen den SCF. Wir erinnern uns auch noch an die Verbeek-Wahrheiten nach einem Freiburgspiel…

Andererseits heißt das aber auch: Wer solche Spiele gewinnt, wird Meister. Nun gut: Aufstieg oder erfolgreiche Relegation würde ja auch schon reichen. Jedenfalls hat der Club heute bewiesen, dass er auch gegen eine anerkannte Spitzenmannschaft gewinnen kann. Natürlich braucht es dazu auch etwas Glück und die in dieser Saison bereits mehrfach bewiesene Effektivität.

Letztere demonstrierte der Club in der 14. Minute als es bereits bei der ersten, echte Chance im Freiburger Kasten klapperte. Burgstaller haute den zunächst vom Freiburger Keeper abgewehrten Schöpf-Schuss in die Maschen. Danach machte eigentlich nur der SC Druck. Genau wie sein Trainer, der – wie immer – auf den Schiri einrumpelstilzte. Aber Schiedsrichter Osmers traf immerhin keine spielentscheidenden Fehlentscheidungen. Gleichwohl war er immer ein Unsicherheitsfaktor, der uns das Fanleben zusätzlich schwer machte.

Auch in der 2. Hälfte machte nämlich der bisherige Zweitligaspitzenreiter Dauerdampf. Selbst wenn die Clubabwehr relativ stabil wirkte, flatterten unsere Nerven zunehmend. Und in der 64. Minute war es dann passiert. Nach einer Ecke gab es den Ausgleich. Leider war der nicht unverdient. Aber was solls? Wenn sowas passiert, brauchst du dann halt auch mal das Glück. Zum Beispiel indem ein gegnerischer Spieler (in dem Fall Föhrenbach, danke übrigens!) postwendend den alten Abstand wieder herstellt.

Der Rest war 25 Minuten Zittern und Bangen. Aber, wenn es sich lohnt, wollen wir uns darüber nicht aufregen. Der Club ist jetzt erst einmal wieder auf dem Relegationsplatz. Nur noch fünf Punkte hinter dem vielfach schon nach oben weggelobten SC Freiburg. Jetzt noch ein Sieg gegen die Hertha, und wir drehen ab….