Der Deppentitel winkt

Schon an diversen ChampionsLeague-Abenden schwante mir, der FanTalk auf Sport1 könnte ein Konzept mit Zukunft sein. Andere das Spiel schauen lassen und sich dabei deren Fachgesimpel anhören. Oft ist da mehr Esprit dabei, als beim Gekicke auf dem Rasen.

Was den Club angeht, sowieso. Trotzdem tigerten wir bislang entweder ins Stadion, in die Sky-Kneipe oder vor den eigenen, mit Sky-Ticket aufgebrezelten Fernseher. Die beiden ersten Aktivitäten sind leider nicht mehr möglich. Letzteres wiederum hieße, den Bock zum Gärtner zu machen. Also ließen wir diesmal gucken und organisierten unseren eigenen FanTalk anhand der Berichte in den Zeitungen und den Kommentaren in diversen Webkanälen. Fazit: Wir haben anscheinend nichts versäumt. Same Procedure as vor Corona. Vorne braves Gekicke, das dem Trainer gefällt, aber nichts bringt. Hinten wieder der eine oder andere Lapsus und der einzige, der kämpft und mal ins Risiko geht, ist blöderweise der Torwart.

Ansteckend, was die Wiederaufnahme eines Sky-Vertrages angeht, ist das nicht. Stattdessen ertappt man sich bei dem Gedanken, ob sich nicht lieber beim FCN jemand anstecken sollte, um auf diese Weise die Saison noch versöhnlich zuende zu bringen. Doch selbstverständlich wünschen wir allen Spielern und Betreuern Gesundheit und ein langes Leben. Andererseits gilt natürlich auch der Satz des großen Vordenkers Christian Lindner: Manchmal ist es besser, nicht zu spielen als falsch zu spielen. Freilich ist das keine Option für den nicht nur auf dem Platz viel zu braven Club. Der schreit lieber wieder als erstes Hier, wenn ein neuer Deppentitel (Coronaabsteiger) zur Vergabe ansteht.

Ein weiterer Grund, nicht hinsehen zu wollen.

Nur 1:1 beim Schlusslicht

366189949Ausgerechnet beim Tabellenletzten St.Pauli riss die kleine Club-Siegesserie. Am Millerntor gab es nur ein 1:1 nach einem Spiel, das durchaus als seltsam bezeichnet werden kann. Denn eigentlich hatte man nie das Gefühl, der Gegner stünde zu Unrecht im Keller. Das war zwar alles bemüht und von viel Einsatz geprägt, was St. Pauli da ablieferte. Aber eben auch sehr limitiert und fehlerbehaftet. Dass die Hamburger dann trotzdem bereits in der 6. Minute in Führung gingen war einerseits einer Fehlentscheidung (Abseits) vom indisponierten Schiri Harm Osmers zu verdanken, andereseits auch einem eklatanten Komminikationsproblem in der neu formierten FCN-Abwehr. Hovland, Sepsi und Kirschbaum waren sich nicht einig, wer den Ball wegschlägt. Sepsi passte dann einfach zu Buchtmann, der sich mit dem 1:0 revanchierte.

Anders als durch eine solche Blödheit, so schien es, hätte dieser Gegner wohl kaum ein Tor erzielt. Das zog sich eigentlich durchs ganze Spiel. Immerhin dauerte es nicht mal eine Viertelstunde ehe Burgstaller (wer sonst?) nach einer Ecke den Ausgleich markierte. Jetzt, so hofften nicht nur wir, setzt der Club seine spielerische, gedankliche und körperliche Überlegenheit um und nagelt das Schlusslicht am Tabellenende fest. Doch aus der gefühlten Überlegenheit resultierte leider nichts. Auch hier half Schiri Osmers wieder ein bisschen mit, als er nach einer halben Stunde ein klares Handspiel von Hedenstad nicht mit einem Elfer ahndete.

Nun ja, es war noch genug Zeit. Der Club legte aber nicht noch einen Zahn zu, auch der Zeugwart reagierte nicht auf die offensichtlich falsche Stollenwahl. Stattdessen passte sich unsere Mannschaft immer mehr dem Gegner an, produzierte selber Fehlpässe am laufenden Band und agierte planlos und mit Einzelaktionen. Als St. Pauli am Ende nicht mehr konnte, zog der Club brav mit und konnte auch nicht mehr. Auch Trainer Alois Schwartz konnte dann irgendwie nicht und schaffte es nicht, rechtzeitig frische Kräfte auf den nassen Rasen zu bringen. Am Ende hatte dann sogar noch St.Pauli die Riesenchance auf den Siegtreffer. Da musste man sogar noch froh sein über den Punkt. Wobei an diesem Montagabend für den Club wesentlich mehr drin gewesen ist.